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Freitag, 6. Februar 2026

Winterhochzeit

An einem kalten Tag im Februar stapfte das Mäusepärchen Milo und Mina Pfote in Pfote durch den tiefen Schnee. Sie waren auf dem Weg zur alten Feldsteinkirche, um ihre Hochzeit anzumelden. Da bereits winziger Nachwuchs unter Minas flauschigem Winterfell heranwuchs, sollte die Hochzeit nicht erst im Frühling, sondern mitten im funkelnden Winter stattfinden.

Der ehrwürdige Pfarrer Graubart, eine weise Kirchenmaus mit buschigen Brauen, bat die beiden zum Gespräch in sein gemütliches Zimmer, das hinter der Orgel verborgen lag. „Nun, ihr beiden, erzählt mir, wie eure Geschichte begonnen hat?“

„Es war während der Getreideernte“, erzählte Milo aufgeregt. „Mina saß fest, weil sich ihr Schwänzchen verfangen hatte, während der große Mähdrescher immer näherkam. Ich half ihr noch rechtzeitig und als wir gemeinsam im sicheren Bau verschnauften, teilten wir uns zum ersten Mal ein Korn. Und da wusste ich: Mit ihr möchte ich jeden Wintervorrat teilen.“ Mina schmiegte sich an ihn und ergänzte leise: „Und am nächsten Tag hat er mir die schönsten Feldblumen gebracht, die man sich nur vorstellen kann“.

Als sie später wieder daheim waren, schrieben sie auf winzigen Pergamentfetzen die Einladungen. Am Tag darauf zogen zwei Hochzeitsbitter mit geschmückten Stöckchen los, um nach altem Brauch an jeder Mäusetür im Dorf zu klingeln und die Einladung zur Hochzeit auszusprechen. Doch überall, wo sie die frohe Botschaft verkündeten, bekamen sie zur Stärkung einen winzigen Tropfen selbstgebrannten Brombeerschnaps. Deshalb hielten sie sich schwankend aneinander fest, als sie den Heimweg antraten und fielen bald darauf ziemlich beschwipst in ihre Betten.

Als der Tag der Hochzeit gekommen war, sah der Wald aus wie mit Puderzucker bestäubt; doch noch bezaubernder wirkte Mina in ihrem Brautkleid aus feinster, geklöppelter Spinnenseide, in die ihre Mutter winzige Eiskristalle mit eingewebt hatte. Sie funkelten bei Kerzenschein wie viele kleine Diamanten. Auf dem Kopf trug sie keinen Schleier, sondern einen bezaubernden Kranz aus getrockneten Schlehenblüten.

Als sie vor das Portal der Kirche traten, geschah ein kleines Wunder. Die ersten Schneeglöckchen ließen es sich nicht nehmen, nur für die beiden zu läuten und als sie sich das Ja-Wort gaben, spürte Mina zum ersten Mal leichte Tritte in ihrem Bauch.

Nach der Zeremonie versammelte sich die Gesellschaft in der gemütlichen Vorratskammer unter der alten Eiche. Auf einem flachen Ahornblatt stand das festliche Menü: Hagebutten-Cremesuppe mit gerösteten Kernen, Getreide-Taler mit Esskastanien-Sauce und Brombeer-Mousse mit winzigen Gebäckkrümeln.

Die Hochzeitsgesellschaft feierte bis tief in die Nacht hinein und während draußen die Schneeflocken tanzten, wussten alle: Liebe braucht keinen Sommer, um ein Herz zu wärmen.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.


Mittwoch, 4. Februar 2026

Das Leben war damals langsamer

Sophie sah ziemlich durchgefroren aus, als sie das Wohnzimmer betrat, in dem Oma bereits mit einer Tasse Tee vor dem Kamin saß.

„Komm näher ans Feuer und wärm dich wieder auf!“, sagte Oma wohlwollend. Dann stand sie auf, ging in die Küche und kam mit einer weiteren Tasse Tee zurück.

„Hier, der wird dir guttun.“

„Danke, Oma!“

„Weißt du, Sophie, dir ist kalt, obwohl du eine dicke Daunenjacke getragen hast. Wenn ich da an die Winter in meiner Kindheit zurückdenke“, meinte Oma seufzend, „war doch vieles anders.“

„Was zum Beispiel?“

„Was zum Beispiel?“, wiederholte Oma die Frage ihrer Enkelin. „Na, unsere Kleidung zum Beispiel. Ich trug einen schweren Mantel aus Wolle und auch die dicken Fausthandschuhe, die Oma mir gestrickt hatte, waren aus kratziger Wolle. Wenn die nass waren, weil wir mit Schneebällen geworfen oder einen Schneemann gebaut hatten, wurden sie in der Nähe des Ofens zum Trocknen aufgehängt und glaub mir, der Geruch, der dabei entstand, war nicht wirklich schön. Man hatte das Gefühl, dass der ganze Raum nach feuchter Schafwolle roch.“

„Igitt. Das war bestimmt scheußlich.“

„Ja, das war es in der Tat. Wenn ich zurückblicke, dann hat sich wahrlich viel verändert. Und das ist gut so. – Schau, wenn ich früher aufwachte, war mein Zimmer eiskalt. Ich konnte im Bett liegend meinen Atem sehen. Nach dem Aufstehen ging ich zuerst zum Fenster. Es war vollständig übergefroren, musst du wissen. Die Eisblumen, die sich dort zeigten, waren zwar wunderschön, aber man konnte nicht durch sie hindurch nach draußen blicken. Dann hab ich meinen warmen Finger an eine Stelle gelegt und wenn dadurch das Eis schmolz, hatte ich ein kleines Guckloch, durch das ich nach draußen schauen konnte. Kannst du dir das alles überhaupt vorstellen?“

Sophie versuchte es, aber es war schwer vorstellbar für sie. Wenn sie aufwachte, war ihr Zimmer warm und gemütlich und das Fenster war auch nicht zugefroren.

„Was war früher noch anders?“, fragte Sophie.

„Was noch anders war? Dass es mehr Schnee gab als heute. Manchmal reichte er mir bis zu den Knien. – Anders war es natürlich auch in der Schule. Es gab noch keine Tablets, wie ihr sie heute habt. Wir schrieben, als ich eingeschult wurde, noch mit einem Griffel auf einer Tafel – und bevor du mich fragst, was das ist. Du kannst es später ja googeln“, schmunzelte Oma. 

„Das mach ich glatt“, entgegnete Sophie, „aber sag, war es wenigstens im Klassenraum warm?“

Oma lachte auf. „Ach, mein Kind. Es gab noch keine moderne Heizung. Weder zuhause noch in der Schule. In jeder Klasse stand ein großer, schwarzer Kanonenofen in der Ecke. Und weißt du, wer den angefeuert hat? Der Hausmeister, schon um fünf Uhr morgens. Wer am weitesten weg vom Ofen saß, dem froren trotzdem fast die Finger an der Schiefertafel fest. Ganz oft haben wir auch in der Klasse unsere dicken Wollmäntel anbehalten. Und wenn man Pech hatte und in der ersten Reihe direkt am Ofen saß, glühten einem die Wangen, während der Rücken eiskalt blieb.“

„Und wie war das nach der Schule? Hast du dich da mit deinen Freundinnen zum Schlittenfahren getroffen?“

„Ganz genau. Sobald die Glocke läutete, gab es kein Halten mehr. Wir sind nicht nach Hause gelaufen, wir sind gerannt, um unsere Holzschlitten aus dem Schuppen zu holen. Das waren schwere Dinger mit Eisenkufen, nicht so Plastikschalen wie ihr sie heute habt. Die Kufen haben wir immer mit einer Speckschwarte eingefettet, damit wir besonders schnell unterwegs sein konnten. Wir sind die Hügel hinuntergesaust, bis der Wind uns die Tränen in die Augen trieb. - Weißt du, wir hatten keine Skianzüge. Wir trugen diese selbstgestrickten Wollhosen, die sich im Schnee vollsogen, bis sie steifgefroren waren und schwer, wie Blei, an unseren Beinen hingen. Wenn wir den Berg wieder hochstapften, machte das bei jedem Schritt ein klackendes Geräusch, weil das Eis an der Wolle festgefroren war. Aber das war uns egal! Wir haben um die Wette geschrien und sind zu zweit oder dritt auf einem Schlitten den steilsten Hang hinuntergejagt, bis wir alle lachend im Tiefschnee landeten. Wir waren trotz der Kälte stundenlang draußen, bis unsere Wangen so rot waren, wie die Äpfel im Märchen von Schneewittchen.“

„Und wie ging es dann weiter, wenn du nach Hause kamst?“

„Abends saßen wir alle in der Küche, dem einzigen wirklich warmen Raum im Haus. Meine Mutter stellte Bratäpfel in die Röhre des Ofens, der mit Holz befeuert wurde. Dieser Duft nach Zimt und heißem Apfel – das war für mich das Gefühl von Geborgenheit schlechthin. Weißt du, wir hatten alle viel Zeit. Niemand musste nach Nachrichten auf seinem Handy schauen. Es gab auch keinen Fernseher. Manchmal lief das Radio. Aber meistens nur, um die Nachrichten zu hören. Ansonsten haben wir, meine Schwester und ich, Karten gespielt oder uns Geschichten erzählt. Mutter strickte oft Socken oder stopfte sie und unser Vater schnitzte Spielzeug aus Holz. Manchmal durfte ich Mutter helfen und habe Wolle gewickelt. In jedem Fall hat niemand von uns auf irgendeinen Bildschirm gestarrt, wir haben uns noch gegenseitig angeschaut und uns unterhalten. - Das Leben war damals langsamer, verstehst du? Es kommt mir beim Rückblick so vor, als hätte die Welt im Winter ein bisschen den Atem angehalten. - Weißt du, wir hatten nicht viel damals, aber wenn ich heute an das Knirschen des Schnees unter meinen Stiefeln und die gemeinsame Zeit in der warmen Küche zurückdenke, dann war es doch eine reiche Zeit. Reich an Gemeinsamkeit.“

„Weißt du, was mich noch interessieren würde? Was war dein Lieblingsessen? Auch Pizza oder Spaghetti Bolognese, so wie es bei den meisten Kindern heute ist?“

Oma lachte laut auf.

„Pizza? Nein! Die kannte ich damals noch gar nicht. Im Winter gab es das, was im Keller eingelagert war. Wir hatten keine Supermärkte, die im Januar Erdbeeren verkauften. Wir hatten Kartoffeln, Rüben, Äpfel und eingemachtes Gemüse aus dem Garten. Es gab fast jeden Tag Eintopf. Einen großen Topf voll mit Steckrüben, Möhren, Schnippelbohnen oder Graupen. Wenn wir Glück hatten, kochte ein Stückchen Speck mit darin – das war das Highlight! Und weißt du, was das Beste war? Wenn der Eintopf am zweiten Tag auf dem alten Herd aufgewärmt wurde. Dann schmeckte er mir noch viel besser.“

Oma sah, dass Sophie nicht sonderlich begeistert aussah, deshalb erzählte sie ihr schnell noch von den Besonderheiten, die es am Wochenende gab. „Am Sonntag machte Mama manchmal ‚Arme Ritter‘ oder es gab Pfannkuchen mit eingekochten Pflaumen. Oder, wenn wir von draußen reinkamen, völlig durchnässt vom Schlittenfahren, hat sie uns oft eine ‚Mehlsuppe‘ oder einen heißen Haferbrei gemacht. Das fühlte sich an, wie eine warme Umarmung im Bauch.“

Sophie wirkte sehr nachdenklich, so dass eine Stille zwischen den beiden entstand – eine angenehme Stille.

Dann sagte Oma: „Weißt du, Sophie, jetzt wird mir etwas bewusst. Nicht die Kälte ist das, was ich am meisten in Erinnerung behalten werde, sondern es ist die Wärme, die wir uns gegenseitig gegeben haben.“

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.

Montag, 2. Februar 2026

Wenn der ‚Wecker‘ zu früh klingelt

Der Schnee lag an diesem klirrend kalten Februartag dick auf den Wiesen und Feldern, als sich Blausternchen, die kleine Blaumeise, an ein Versprechen erinnerte, das sie jemandem im späten Herbst gegeben hatte.

Zielsicher flog sie deshalb zu einem dicken Laubhaufen. Sie wusste, dass sich darunter Snow, der kleine weiße Igel, befand.

Snow war zwar weiß wie der Schnee, doch er hatte beklagt, dass er noch nie in seinem Leben Schnee zu Gesicht bekommen hatte und daher rührte die Abmachung zwischen ihm und der Meise, ihn aus seinem Winterschlaf zu wecken, sobald sich die Landschaft in ein Winterwunderland verwandelt hatte.

Und so landete Blausternchen sacht auf dem vereisten Laubhaufen. Mit ihrem Schnabel schob die Meise einen hervorstehenden Zweig zur Seite und rief mit ihrer hellen Stimme: „Snow! Wach auf! Es ist so weit!“

Doch im Inneren rührte sich nichts. Die Blaumeise flatterte aufgeregt mit den Flügeln und pickte erneut, um sich einen kleinen Spalt zu schaffen, durch den sie den Igel sehen konnte. „Snow!“, rief sie erneut. „Du bist echt eine Schlafmütze! Wach auf, der Winter ist da!“

Doch nichts rührte sich. Enttäuscht wollte sie gerade ihre Flügel ausbreiten und davonfliegen, als sie ein leises Rascheln vernahm. Ein Häufchen Blätter bewegte sich und eine staubige, feuchte Nase schob sich ins Freie.

„Was ist los? Wer stört mich?“, brummte der Igel schlaftrunken. Etwas verwirrt blinzelte er gegen das grelle Licht an. Doch dann erkannte er die Meise und erinnerte sich: „Blausternchen! Hat es geschneit?“

„Und wie!“, antwortete die Meise. „Komm heraus aus deinem Winterquartier. Dann wirst du es sehen.“

Die Knochen des Igels waren noch ein wenig steif, weshalb er mühsam aus seinem warmen Nest krabbelte. Als er den ersten Schritt ins Freie tat, stockte ihm der Atem. „Was ist das? Alles ist… weiß!“

Vor ihm erstreckte sich eine Welt, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die vertrauten Gräser waren unter einer glitzernden, weichen Decke verschwunden. Jeder Ast der Bäume trug ein weißes Kleid und die Luft war so rein und frisch, wie er es noch nie zuvor erfahren hatte.

„Es sieht aus wie Puderzucker“, flüsterte er ergriffen. „Und es glitzert auf dem Boden wie tausend Sterne.“

Vorsichtig setzte er eine Pfote in das Weiß. „Huch! Es ist … nass … und es ist … weich … und es beißt ein wenig an meinen Pfoten!“

„Das ist die Kälte, Snow“, erkannte die Meise sogleich und hüpfte vor Aufregung von einem Bein aufs andere.

Es dauerte nicht lange und der Igel zitterte am ganzen Körper. „Mir schlottern die Stacheln und meine Zähne klappern und mein Bauch knurrt“, sagte er ziemlich verzweifelt.

„Komm mit!“, zwitscherte Blausternchen und lockte den Igel zum nahen Vogelhaus. Die Meise flog in das Häuschen und schob geschickt einige fette Sonnenblumenkerne und Haferflocken über den Rand, so dass sie direkt vor Snows Nase in den Schnee fielen.

Dankbar fraß der Igel die Körner. „Danke, Blausternchen! Aber sag … warum frierst DU eigentlich nicht in deinem dünnen Federkleidchen? Das verstehe ich nicht.“

Sofort plusterte sich die Meise auf und sah bald darauf aus wie ein kleiner runder Ball. „Schau!“, erwiderte sie. „Das ist mein Trick! Dadurch kommt Luft zwischen meine Federn, die mich wärmt. Außerdem schlägt mein kleines Herz viel schneller als deines, damit ich warm bleibe. Allerdings muss ich im Winter besonders viel essen, damit meine innere Heizung funktioniert“, antwortete sie mit einem Augenzwinkern und war den Menschen für das Futter, das sie ihr zur Verfügung stellten, sehr dankbar.

Nachdem der Igel den letzten Kern verspeist hatte, verspürte er ein wenig Durst. Doch das Wasser, das er sonst im Garten fand, war festgefroren. Wie gut, dass die kluge Meise wusste, wie sie ihm helfen konnte. Mutig hockte sie sich auf den Schnee, der durch die Wärme des kleinen Körpers ein wenig zu schmelzen begann. Bald darauf zeigten sich in einer kleinen Kuhle einige kostbare Wassertropfen, die der Igel dankbar zu sich nahm.

Völlig unvorbereitet nahmen sie in dem Moment eine tiefe, eiskalte Stimme wahr: „Was für einen Unfug macht ihr da?! Ein Igel im Februar? Das ist gegen jede Ordnung!“

Die beiden drehten sich abrupt um und nahmen erst da den Schneemann mit seiner Karottennase wahr. „Du solltest schlafen!“, empörte sich dieser. „Du bringst ja den ganzen Winterplan durcheinander!“

Blausternchen und Snow ignorierten seine Worte und würdigten ihn keines weiteren Blickes. Sie wollten sich nicht durch einen schlecht gelaunten Schneemann von ihrem Abenteuer abbringen lassen. Allerdings erkannten sie bald darauf, dass er nicht ganz unrecht hatte mit seinen Worten.

„Weißt du, Blausternchen“, sagte der Igel schlotternd, „die Kälte krabbelt bis in meine Knochen hinein.“ „Dann solltest du rasch zu deinem Nest zurückkehren“, schlug die Meise vor. Und so trotteten sie zurück zu Snows Winterquartier.

Der Igel rollte sich ein, zitterte aber immer noch am ganzen Körper und meinte: „Ich weiß gar nicht, ob das Laub noch ausreichen wird, um mich wieder aufzuwärmen.“

„Warte Snow“, zwitscherte Blausternchen daraufhin, „ich werde etwas finden, das dich wärmt!“

Schon schwang sich die Meise in die Lüfte und nahm bald darauf über dem benachbarten Kinderspielplatz mitten in all dem Weiß einen Farbtupfer wahr. Etwas leuchtend Rotes lag dort einsam auf einer Holzbank. Ein Kind musste seinen Wollschal dort vergessen haben.

Umgehend stürzte die Meise darauf zu und packte den Schal mit ihrem Schnabel. Doch der war viel schwerer als so mancher Zweig, den sie sonst transportierte. Deshalb schlug sie besonders kraftvoll mit ihren Flügeln und kämpfte sich mit leichtem Rückenwind zurück in den Garten.

Als die Meise erschöpft bei dem Igel eintraf, war dieser bereits in einen leichten Halbschlaf gefallen. Deshalb ließ Blausternchen den roten Schal wortlos und äußerst vorsichtig über Snow gleiten und schob die Enden mit seinem Schnabel unter seinen Bauch, so dass er ganz eingemummelt war.

Bald darauf ließ das Zittern nach und als sich eine wohlige Wärme in dem Igel ausgebreitet hatte, schlief er schnell und mit vielen neuen Eindrücken wieder ein.

Die Meise betrachtete den schlafenden Freund noch eine kleine Weile und flüsterte leise: „Schlaf gut, Snow! Im Frühling sehen wir uns wieder.“

Dann erhob sie sich und flog leise hinaus in den blauen Winterhimmel.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

Samstag, 31. Januar 2026

Kalte Füße

In dem kleinen Backsteinhaus von Martha und Alfons war es wirklich gemütlich. Ein paar wenige Sonnenstrahlen tanzten auf dem Teppich, während Alfons hinter seiner weit aufgeschlagenen Zeitung verschwunden war und gelegentlich ein zufriedenes Brummen von sich gab. Seine Ehefrau saß ihm gegenüber im Ohrensessel; das rhythmische Klappern ihrer Stricknadeln war neben dem Ticken der Uhr das einzige Geräusch im Raum. Die Wollsocken, die Martha für ihren Mann strickte, nahmen mehr und mehr Gestalt an.

Plötzlich durchbrach ein deutliches Klopf-Klopf-Klopf die Idylle.

Beide hielten inne. Martha schaute über den Rand ihrer Brille. „Nanu? Besuch? Um diese Zeit?“, wunderte sie sich. Alfons legte die Zeitung beiseite, hievte sich aus dem Sessel und stapfte zur Haustür. Doch als er sie schwungvoll öffnete, blickte er nur in die leere Einfahrt. Kein Postbote, kein Nachbar – nur der kalte Wind, der ihm ins Gesicht schlug.

Kopfschüttelnd setzte er sich wieder. Doch gerade, als er die nächste Schlagzeile in Augenschein nahm, hörten sie es wieder: Pock-pock-pock.

„Na, jetzt reicht’s aber!“, rief Alfons verärgert. „Das können doch nur die Nachbarsjungen sein, die uns einen Streich spielen wollen!“
Martha lächelte milde. „Ach Alfons, die Kinder sind doch um diese Zeit längst in der Schule.“

Dann lauschten sie beide genau hin. Das Geräusch kam gar nicht von der Haustür, sondern von hinten, von der Terrasse. Gemeinsam traten sie an die große Glasscheibe und trauten ihren Augen kaum: Dort stand eine einsame Ente auf den kalten Fliesen, trat von einem Bein aufs andere und pickte beharrlich mit ihrem Schnabel gegen das Glas.

Als Martha die Tür einen Spaltbreit öffnete, watschelte das Tier nicht weg, sondern blieb mit schiefem Kopf vor ihnen stehen. „Schau nur, wie sie friert“, rief Martha mitleidig aus, „die Ärmste zittert ja am ganzen Körper!“

Alfons, der seine Frau und ihr riesiges Herz für alles, was Fell oder Federn hatte, nur zu gut kannte, ahnte Schlimmes. Er verschränkte die Arme vor der Brust und meinte streng: „Nein, Martha! Ich weiß genau, was du denkst. Aber wir fangen jetzt nicht an, Enten im Wohnzimmer einzuquartieren. Und wer weiß, ob es bei der einen bleibt? Vielleicht folgt ihr gleich ein ganzes Rudel!“

Martha korrigierte ihn prompt mit einem Augenzwinkern: „Bei Enten heißt das nicht Rudel, sondern Schar.“

„Ist mir egal“, erwiderte Alfons, „die kommt mir jedenfalls nicht ins Haus.“

Unbeeindruckt von dieser Aussage trat Martha einen Schritt näher an den zitternden Gast heran. „Aber wir können sie doch nicht einfach hier draußen lassen“, meinte sie mitfühlend.

„Die Natur hat das im Griff, Martha! Diese Viecher haben Daunen, die kommen mit der Witterung klar“, versuchte Alfons die Stimme der Vernunft walten zu lassen, doch er ahnte bereits, dass er gegen Martha und ihren entschlossenen Blick keine Chance hatte.

„Gut, gut“, gab er schließlich nach. „Aber nicht im Haus! Der Schuppen muss reichen. Da ist genug Platz und es zieht nicht.“

Zufrieden watschelte die Ente – so, als habe sie die Verhandlung verstanden – hinter den beiden her zum Gartenschuppen. Martha bereitete dort aus alten Decken und etwas Stroh ein herrlich weiches, rundes Nest vor. Alfons beobachtete das Ganze mit einer Mischung aus Skepsis und heimlicher Rührung. „Aber wehe, du kommst jetzt auf die Idee, der Ente den Heizlüfter in den Schuppen zu stellen!“, brummte er mahnend. Nachdem Martha es hoch und heilig versprochen hatte, gingen beide zurück ins Haus.

Als Martha später in der Küche stand und das Mittagessen zubereitete, wanderten ihre Gedanken immer wieder hin zur Ente. Sie hatte so einsam gewirkt in dem großen Schuppen. „Ein Tier braucht Gesellschaft“, murmelte sie vor sich hin.

Nach dem Essen, als Alfons gerade ein Nickerchen machte, stahl sich Martha heimlich zum nahegelegenen Dorfteich. Mit einer Tüte voller Haferflocken bewaffnet entdeckte sie schnell zwei weitere Enten, die etwas verloren am Ufer saßen. Ein paar leise Lockrufe und eine Spur aus Futter später, marschierte Martha - mit zwei schnatternden Anhängern im Schlepptau - wie eine Entenmutter zurück zu ihrem Garten.

Als Alfons wenig später aus dem Fenster sah und seine Frau beobachtete, wie sie zwei weitere Gäste in den Schuppen komplimentierte, schüttelte er nur resigniert den Kopf. Er sagte nichts – er wusste, dass Widerstand zwecklos war.

Am Abend kehrte die gewohnte Ruhe bei den beiden ein. Alfons sah fern und Martha klapperte wieder mit ihren Stricknadeln. Dennoch bemerkte Alfons, das etwas anders war als noch am Morgen, denn das bunte Garn für seine Socken lag unberührt neben seiner Frau im Korb. Stattdessen arbeitete sie an etwas anderem und nach einer Weile wusste er genau, was sie plante. Mit sehr feinen Nadeln waren aus flauschig weichem gelben Garn ein paar beutelförmige Strickstücke entstanden. Er sagte nichts, schmunzelte nur und wusste: In diesem Winter würden drei Enten keine kalten Füße mehr haben.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!



Donnerstag, 29. Januar 2026

Das Winterabenteuer

Am Rande des verschneiten Feldes stand ein kleines gemütliches Häuschen. Dort lebte Familie Maus: Mama Mia, Papa Max und ihre drei aufgeweckten Mäusekinder, Leo, Lotte und Lilli.

An diesem Tag wirbelte der Schnee vor den Fenstern und der Wind pfiff laut um das Haus herum, so dass die Fensterscheiben vibrierten.

Dennoch zog Vater Max los, um aus dem Kornspeicher neues Futter zu holen.

„Macht keinen Unfug und bleibt brav!“, rief er seinen Kindern zu, als er sich seinen dicken Schal bis über die Ohren zog. Bald darauf verschwand er im weißen Wirbel.

Doch kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, konnte man denken, ein Wirbelsturm sei durch die Mäusestube gefegt. Leo sprang übermütig auf den Küchentisch und zog Fratzen, Lotte drehte auf dem Stuhl Pirouetten und die kleine Lilli klopfte mit einem Löffel auf einem Topf den Takt dazu.

Mama Mia schmunzelte, als sie bemerkte, dass ihre kleine Rasselbande immer wilder wurde. Deshalb rief sie: „Kommt zu mir aufs Sofa, meine kleinen Mäuse, ich erzähle euch eine spannende Geschichte über meinen Großvater.“

Neugierig kuschelten sich Leo, Lotte und Lilli aneinander und an ihre Mutter.

„Also, das war so“, begann sie, „als euer Großvater noch jung war, lebte er in einer alten Mühle. Damals gab es einen Winter, in dem es noch viel kälter war als heute. Und das allerschlimmste war, dass die Vorräte ausgegangen waren.“

„Genau wie bei uns“, warf Leo ein.

„Ganz genau so“, erwiderte Mia und fuhr fort. „Euer Großvater wollte seine Familie retten und machte sich auf den Weg durch den tiefsten Schnee, um eine geheime Kammer zu finden, von der nur die klügsten Mäuse wussten.“

Die Kinder rissen die Augen auf und fragten durcheinander: „Wurde er nicht vom Wind weggeweht oder hat ihn die Eule gesehen?“

Mama Mia schmunzelte: „Ihr habt recht. Die Gefahr war groß, denn der Wind war wirklich wild, aber was soll ich sagen: euer Großvater war schlau. Er band sich das Ende einer roten Garnrolle um seinen Bauch. So konnte der Wind ihn nicht wegwehen und er konnte den Weg zurück besser finden. Und die Eule hat ihn wohl gesehen, aber war wohl durch den roten Faden ganz irritiert.“

„Vielleicht hat sie ihn für einen Wicht mit roter Mütze gehalten“, warf Lotte ein und alle mussten lachen.

„Als euer Großvater sich damals durch den tiefen Schnee kämpfte, hörte er plötzlich ein leises Rascheln und Fiepen“, erzählte Mia weiter und sah dabei in sechs erwartungsvolle Augen. „Vorsichtig blickte er hinter einen alten Baumstumpf, von wo das Geräusch kam - und was denkt ihr, sah er dort?“

Die drei schüttelten ihre Köpfchen.

„Ein frierender Igel saß dort“, flüsterte Mia, um die Spannung noch ein bisschen zu erhöhen.

„Hatte er sich verlaufen?“, fragte Lilli mitleidvoll.

„Ganz genau. Er hatte sich verlaufen und fand seinen Unterschlupf nicht wieder, um seinen Winterschlaf fortzusetzen.“

„Und dann“, fragte Leo aufgeregt, als Mia eine kleine Pause einlegte.

„Und dann hat Großvater dem Igel geholfen und gemeinsam fanden sie den Unterschlupf. Der Igel schenkte ihm als Dank dafür eine goldene Eichel, die sein Glücksbringer wurde.“

„Und dann fand er den Weg zurück, weil er ja nur dem roten Faden folgen musste“, erkannte Lotte sofort.

„Ja, das stimmt wohl, aber das Abenteuer war ja noch nicht beendet“, sprach Mia weiter, „denn auf dem Weg zur geheimen Kammer musste Großvater einen zugefrorenen Bach überwinden. Das Eis knirschte dabei gefährlich unter seinen Pfoten.“

„Aber dann hat er die Kammer gefunden!“, rief Leo dazwischen, weil er die Spannung gar nicht mehr aushalten konnte.

„Noch nicht ganz, denn stellt euch nur vor: eine dicke hungrige Krähe versperrte ihm den Weg. Doch wie gesagt, Großvater war schlau und bot der Krähe seine letzten Sonnenblumenkerne an, die er als Wegzehrung bei sich trug. Und tatsächlich ließ die Krähe ihn passieren. Und so gelangte er schließlich zur geheimen Kammer, wo hinter einem losen Stein Körner, Nüsse und sogar ein Stückchen Käse lagen – und all diese Schätze brachte er sicher nach Hause.“

In diesem Moment öffnete sich die Tür und Papa Max stapfte, ganz weiß gepudert vom Schnee, herein. Sein Rucksack war prall gefüllt mit Körnern und ein Lächeln lag auf seinen Lippen, als er seine Familie nebeneinandersitzend auf dem Sofa sah.

Sogleich sprangen die Kinder ihm entgegen, und bald saß die ganze Mäusefamilie um den Tisch herum, teilte das Abendessen und erzählte sich weitere abenteuerliche Geschichten.

Und so pfiff der Wind draußen zwar immer noch, aber drinnen war es gemütlich und warm.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


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Sonntag, 25. Januar 2026

All-you-can-eat

Es war einmal ein Pinguin namens Knut, dem es in der Antarktis einfach zu kalt war. Während sich seine Artgenossen eng zusammenkuschelten, stand Knut etwas abseits.

Unter einem Flügel trug er ein kleines Köfferchen und um den Hals einen rot-weiß gestreiften Schal.

Knuts Pinguin-Opa Olaf, dessen Gefieder bereits ein leichtes Grau aufwies, fragte, als er seinen Enkel so dastehen sah, schmunzelnd: „Na, mein Junge, bist du wieder einmal auf dem Weg nach Australien? Da wolltest du doch beim letzten Mal hin, um dort zu surfen, nicht wahr? Aber wenn ich mich recht erinnere, kamst du nur bis zur nächsten Robbenbank und warst schneller zurück, als erwartet.“

Knut überhörte den Sarkasmus in Opas Stimme und verkündete: „Nein, Opa! Ich wandere aus! Ich habe nämlich keine Lust mehr, mir bei minus 40 Grad einen Fisch zu angeln und deshalb gehe ich nach Mallorca. Dort muss man nämlich nicht in eiskaltem Wasser nach Fischen tauchen, sondern sie liegen einfach dort und man kann sie sich holen. Die Menschen nennen das Buffet. Und auf dieser Insel scheint die Sonne immer so doll, dass man seine Augen schützen muss. Und was ich unbedingt auch sehen möchte, ist, dass man seine Fettschicht nicht innen, sondern außen trägt. Weißt du, Opa, genauso möchte ich leben und deshalb will ich da hin.“

„Na dann“, erwiderte Opa gelassen, „lass dich nicht aufhalten!“

Knut hatte seinen Plan wirklich akribisch ausgearbeitet. Sein wichtigstes Accessoire war eine selbstgebastelte Sonnenbrille aus zwei dunklen Bierflaschendeckeln, die er mit einem Gummiband um seinen Kopf fixieren konnte.

Der Plan war perfekt, oder wäre perfekt gewesen, hätte nicht just in dem Moment der erste heftige Schneesturm des Jahres eingesetzt. Normalerweise war das für Pinguine kein Problem; sie steckten einfach den Kopf in den Nacken des Vordermanns und warteten den Sturm ab, aber Knut war ja bereits auf dem Weg und leider trug er auch schon seine Flaschendeckel-Sonnenbrille, weshalb er die Welt um sich herum nur sehr vage wahrnehmen konnte.

Das war dann auch der Grund, weshalb er nach einigen Metern Fußmarsch gegen etwas Hartes prallte. Er dachte, er sei gegen eine Palme gestoßen, doch in Wahrheit war er gegen die Tür einer Forschungsstation gelaufen.

Die Männer dort schauten sich ein bisschen verwirrt an. „Nanu, wer klopft denn da?“, fragten sie sich und öffneten gespannt die Tür.

Davor stand Knut. Erwartungsvoll watschelte er sogleich los, stolperte allerdings über die Türschwelle, kam auf dem frisch gewachsten Linoleum ins Rutschen, fand mit seinen Schwimmfüßen keinen Halt und schlitterte mit mindestens 20 Stundenkilometern Pinguin-Geschwindigkeit unkontrolliert in den Speiseraum der Station.

Da es dort etwas zu feiern gab, hatten die Forscher gerade ein leckeres Buffet aufgebaut, an dessen Tischkante Knut unsanft zum Stehen kam. Die Schüssel mit dem Nudelsalat kam dabei mächtig ins Wanken und wäre fast auf seinem Kopf gelandet.

Die Männer starrten Knut ungläubig an, während er seine Flaschendeckel-Brille zurechtrückte.

Der Stationsleiter lachte laut und fragte dann: „Na, du kleiner Abenteurer, hast du Hunger?“

Dabei nahm er einige riesige fangfrische Riesengarnelen von einem Teller und hielt sie Knut hin. Gierig schnappte er zu und schluckte die Luxus-Häppchen ohne vorher danach getaucht zu haben und ohne sich schockgefrostet zu fühlen. Nur sitzen, Schnabel aufmachen und fressen. Genauso hatte er sich das Leben auf Mallorca vorgestellt.

Zehn Minuten und einige Garnelen später wurde Knut jedoch sanft wieder nach draußen manövriert.

Daraufhin watschelte er zurück zu seiner Kolonie, wo Opa Olaf bereits auf ihn wartete.

„Und?“, fragte dieser ein wenig spöttisch. „Wie war die große weite Welt?“

„Fantastisch!“, antwortete Knut. „Stell dir nur vor, Opa, auf Mallorca werden die Garnelen auf silbernen Tabletts serviert und niemand muss nach ihnen tauchen.“

Seit diesem Tag ist Knut der einzige Pinguin der Antarktis, der im Winter nicht mehr mit den anderen Pinguinen zusammenrückt, sondern mit einer Sonnenbrille aus Flaschendeckeln vor der Tür der Forschungsstation wartet und auf das nächste „All-you-can-eat“-Buffet hofft.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

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Donnerstag, 15. Januar 2026

Ein Winterspaziergang mit Opa

Es war frisch an diesem Nachmittag im Januar, als Elias seine kleine Hand in die große seines Opas legte und mit ihm einen Spaziergang durch die Felder machte. Die Luft war feucht und kalt und die Natur lag noch im Winterschlaf.

Elias, dessen Wissensdurst so groß war, wie der Ozean, blieb plötzlich stehen und zeigte auf den Schornstein eines alten Bauernhauses.

„Duhu, Opa, warum steigt der Rauch aus dem Schornstein heute nicht nach oben? Guck doch mal, der kommt ja gar nicht hoch bis zum Himmel.“

Opa blieb lächelnd stehen, rückte seine Mütze zurecht und meinte. „Das hast du ganz richtig beobachtet, mein Junge. Pass auf, ich erkläre es dir. Du musst wissen, dass die Natur manchmal einen kleinen Zaubertrick anwendet. Dann legt sie nämlich eine unsichtbare warme Decke über uns an den Himmel und dort, wo die Decke liegt, ist es warm. Kannst du das verstehen?“

Elias nickte heftig. „Na klar, wenn ich mich im Bett zudecke, dann wird mir auch ganz warm darunter.“

Opa schmunzelte. „Ganz richtig! Und nun stell dir vor, dass der Rauch nur bis zu dieser Decke kommt. Er schafft es einfach nicht, sie wegzuschieben. Er kommt nicht gegen diese Decke an und deshalb verteilt er sich darunter, also direkt über dem Dach sozusagen. Schau, und diesen kleinen Zaubertrick dürfen wir jetzt gerade beobachten und müssen gar nichts dafür bezahlen.“

Elias war begeistert und blieb ein paar Schritte weiter schon wieder staunend stehen, als er einen riesigen Erdhaufen auf der Wiese sah. „Und warum ist dieser Maulwurfshügel so hoch, Opa?“

„Was meinst du? Vielleicht wollte der Maulwurf seinen eigenen Aussichtsturm bauen!“

Doch Elias war nicht dumm und knuffte Opa in die Seite. „Das ist Quatsch, Opa!“

„Na klar ist das Quatsch, es ist nämlich so, dass der kleine Kerl im Winter besonders viel Arbeit hat. Da es oben frostig ist, graben sich die Regenwürmer tiefer in die Erde. Der Maulwurf muss also hinter ihnen her und viel tiefere Gänge graben als im Sommer. Und wohin soll er mit der ganzen Erde? Die schiebt er einfach mit seinen kräftigen Schaufelpfoten nach oben. Also kannst du dir eines merken: Je höher der Hügel ist, desto fleißiger war der kleine Baumeister in der Tiefe.“

Während sie weiterschlurften, sprudelten weitere Fragen aus Elias heraus:

„Opa, warum glitzern die Gräser heute so schön?“
„Das ist gefrorener Tau, Elias. Die Nacht heute war so kalt, dass die Wassertropfen vor Schreck zu winzigen Eiskristallen erstarrt sind. Und jetzt kitzelt die Sonne sie wieder wach und weil sie sich darüber so freuen, glitzern sie wie kleine Diamanten.“

„Die Bäume haben ja im Winter keine Blätter, nä Opa?“

„Das ist richtig und das können wir ja auch sehen“, bestätigte Opa.

„Aber es wäre doch besser, wenn sie welche hätten, oder? Jetzt müssen sie doch frieren, oder nicht?“
„Nein, sie müssen nicht frieren. Schau, die Bäume machen es ein bisschen so wie die Bären und halten einen Winterschlaf. Dafür zieht sich das Wasser in ihre Wurzeln zurück. Würden die Bäume ihre Blätter behalten, würden diese im Winter durch das Wasser, das sich darin befindet, erfrieren. Jetzt, so ganz ohne Blätter, schlafen die Bäume tief und fest, bis der Frühling sie wieder weckt.“

„Und im Frühling kommen die Vögel zurück, nä Opa! Aber woher wissen sie, wann sie zurückfliegen können?“, wollte Elias dann noch wissen.
„Ich glaub, die haben so etwas wie einen Kompass in ihrem Inneren und sie spüren eine innere Unruhe, wenn die Tage wieder heller und wärmer werden. Das Licht sagt ihnen wohl: ‚Jungs, es ist Zeit für die Heimreise!'“

„Und die Mädchen?“, fragte Elias entsetzt.

Opa lachte. „Du hast natürlich recht. Das Licht sagt: ‚Jungs und Mädels, auf geht’s nach Hause!“

Elias blickte mit großen, bewundernden Augen zu seinem Opa auf und drückte dessen große, raue Hand ganz fest. „Opa?“, sagte er leise.

„Ja, mein Junge?“

„Wenn ich groß bin, will ich auch so viel wissen, wie du!“

Opa drückte ein wenig berührt die kleine Hand sanft zurück, während die Sonne langsam rot hinter den Hügeln versank. „Ich weiß das alles nur, weil ich schon ein bisschen länger auf dieser schönen Welt spazieren gehe als du. Und das Beste daran ist, dass ich es dir alles erzählen darf, so wie mein Opa es mir erzählt hat.“

Zufrieden und mit einem Kopf voller neuer Wunder machten sich die beiden auf den Heimweg, wo Oma bereits mit heißem Kakao wartete.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!



Sonntag, 11. Januar 2026

Ich kann nicht lennnkennn!!!

Es war ein Wintertag im Januar und über Nacht war eine gigantische Portion Schnee gefallen.

Max und Jara standen am Fenster und lachten über den Nachbarshund. Sein Frauchen hatte ihm den Namen Waldi gegeben, doch Max nannte ihn oft einen tiefergelegter Dackel. Heute verschwand er fast vollständig in der weißen Pracht. Nur seine Ohren sahen die beiden hin und wieder über die weiße Schneedecke fliegen.

„Komm, lass uns auch nach draußen gehen“, schlug Max seiner Schwester vor. Gesagt getan! Bald darauf zerrte Max einen alten Holzschlitten aus dem Schuppen.

„Puh, der stinkt wie ein nasser Hund“, rief Jara. „Warte, ich habe eine bessere Idee." Schon war sie wieder im Haus verschwunden, um bald darauf mit Mamas Wok zurückzukommen.

„Mit dem Ding willst du den Todeshügel herunterfahren?“, fragte Max entsetzt. Vielleicht war er auch neidisch, dass ihm diese Idee nicht gekommen war.

„Klar, mit dem Ding knacke ich jeden Geschwindigkeitsrekord. Wirst schon sehen! Aber verrat mich nicht bei Mama, okay? Sonst bekomm ich bestimmt Ärger.“

Max versprach es und die beiden machten sich auf den Weg Richtung Hügel.

Gerade als sie dort ankamen, tauchte auch ihr bester Freund Paul auf. Er sah aus, als trüge er drei Skihosen übereinander. Und so ging er auch.

Jara lachte: „Hey, Paul, du siehst aus wie ein aufrecht gehendes Marshmallow und was hast du da eigentlich unter deinem Arm klemmen?“

„Ich hab mir mal kurz das Backblech meiner Mutter ausgeliehen“, meinte er daraufhin.

Er hatte das Blech mit Alufolie umwickelt und von unten mit einer ordentlichen Schicht des guten Olivenöls präpariert.

Max war als Erster oben angekommen, schmiss sich bäuchlings auf seinen alten Holzschlitten und rief übermütig: „Bahn frei, Kartoffelbrei!“

Er war mit dem alten Schlitten recht schnell unterwegs, übersah allerdings einen kleinen Maulwurfshügel, der bald darauf wie eine Sprungschanze fungierte. Max hob ab, ruderte dabei mit seinen Armen wie ein junger Pinguin bei seinem ersten Flugversuch und landete mit dem Gesicht voran im Schnee.

Dann war Jara an der Reihe. Mit ihrem Wok war sie rasend schnell unterwegs. Allerdings entwickelte dieser eine Art Eigenleben. Statt den Hügel hinunterzufahren, begann sie sich mit ihrem extravaganten Gefährt wie ein Brummkreisel zu drehen.

„Mir wird schwindlig“, rief sie, während sie an Max vorbeirotierte. Sie drehte sich so schnell, dass sie am Ende des Hangs nicht anhielt, sondern einfach weiter über die gefrorene Wiese schlitterte und direkt auf einen Schneemann zusteuerte, der offensichtlich von anderen Kindern dort gebaut worden war. Als sie gegen den Bauch des Schneemanns stieß, verlor dieser seine Karottennase, die zielsicher in Klaras Kapuze landete.

Nun kam Pauls großer Moment. Er legte sein geöltes Backblech in die Spur, nahm Anlauf – was wegen der dicken Skihose eher einem langsamen Watscheln glich – sprang darauf, um sogleich in einem Affenzahn den Hügel herunterzurasen, was eher einem Höllenritt, als einer Schlittenfahrt glich.

„Ich kann nicht lenken! Ich kann nicht lennnkennn!“, brüllte Paul, als er mit Lichtgeschwindigkeit an seinen Freunden vorbeiraste und direkt auf eine Gruppe von Sträuchern zufuhr. Während das geölte Blech unter den Zweigen hindurch rauschte, blieb er mit seinem fetten Anzug in einem Strauch hängen.

Da hing er nun, unfähig, sich zu bewegen, während Max und Jara vor Lachen fast im Schnee versanken.

„Paul, du siehst aus wie eine Christbaumkugel für Arme“, prustete Max, während er versuchte, den Puderzucker-Schnee aus seinen Ohren zu schütteln.

„Hört auf zu lachen und helft mir lieber!“, rief Paul ein bisschen sauer.

Nachdem sie ihn aus dem Gebüsch gepflückt und die Karotte aus Jaras Kapuze wieder als Schneemann-Nase fungierte, beschlossen sie, dass sie für heute genug erlebt hatten und stapften zurück nach Hause, wo der Duft von frischen Waffeln und heißem Kakao bereits durch die Türritzen nach draußen drang.

„Morgen bauen wir eine Schanze mit Looping“, schlug Max vor.

Paul und Jara hingegen sahen sich an, dachten an das Backblech und den Wok und schüttelten synchron den Kopf.

„Ne“, meinte Jara, „morgen bauen wir erst mal einen vernünftigen Schneemann, der nicht bei der ersten Berührung seine Nase verliert.“

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

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