An einem kalten Tag im Februar stapfte das Mäusepärchen Milo und Mina Pfote in Pfote durch den tiefen Schnee. Sie waren auf dem Weg zur alten Feldsteinkirche, um ihre Hochzeit anzumelden. Da bereits winziger Nachwuchs unter Minas flauschigem Winterfell heranwuchs, sollte die Hochzeit nicht erst im Frühling, sondern mitten im funkelnden Winter stattfinden.
Der ehrwürdige Pfarrer Graubart, eine weise
Kirchenmaus mit buschigen Brauen, bat die beiden zum Gespräch in sein
gemütliches Zimmer, das hinter der Orgel verborgen lag. „Nun, ihr beiden, erzählt
mir, wie eure Geschichte begonnen hat?“
„Es war während der Getreideernte“, erzählte Milo
aufgeregt. „Mina saß fest, weil sich ihr Schwänzchen verfangen hatte, während
der große Mähdrescher immer näherkam. Ich half ihr noch rechtzeitig und als wir
gemeinsam im sicheren Bau verschnauften, teilten wir uns zum ersten Mal ein
Korn. Und da wusste ich: Mit ihr möchte ich jeden Wintervorrat teilen.“ Mina
schmiegte sich an ihn und ergänzte leise: „Und am nächsten Tag hat er mir die
schönsten Feldblumen gebracht, die man sich nur vorstellen kann“.
Als sie später wieder daheim waren, schrieben sie
auf winzigen Pergamentfetzen die Einladungen. Am Tag darauf zogen zwei
Hochzeitsbitter mit geschmückten Stöckchen los, um nach altem Brauch an jeder
Mäusetür im Dorf zu klingeln und die Einladung zur Hochzeit auszusprechen. Doch
überall, wo sie die frohe Botschaft verkündeten, bekamen sie zur Stärkung einen
winzigen Tropfen selbstgebrannten Brombeerschnaps. Deshalb hielten sie
sich schwankend aneinander fest, als sie den Heimweg antraten und fielen bald
darauf ziemlich beschwipst in ihre Betten.
Als der Tag der Hochzeit gekommen war, sah der
Wald aus wie mit Puderzucker bestäubt; doch noch bezaubernder wirkte Mina in
ihrem Brautkleid aus feinster, geklöppelter Spinnenseide, in die ihre
Mutter winzige Eiskristalle mit eingewebt hatte. Sie funkelten bei
Kerzenschein wie viele kleine Diamanten. Auf dem Kopf trug sie keinen Schleier,
sondern einen bezaubernden Kranz aus getrockneten Schlehenblüten.
Als sie vor das Portal der Kirche traten, geschah
ein kleines Wunder. Die ersten Schneeglöckchen ließen es sich nicht nehmen, nur
für die beiden zu läuten und als sie sich das Ja-Wort gaben, spürte Mina zum
ersten Mal leichte Tritte in ihrem Bauch.
Nach der Zeremonie versammelte sich die
Gesellschaft in der gemütlichen Vorratskammer unter der alten Eiche. Auf einem
flachen Ahornblatt stand das festliche Menü: Hagebutten-Cremesuppe mit
gerösteten Kernen, Getreide-Taler mit Esskastanien-Sauce und Brombeer-Mousse mit
winzigen Gebäckkrümeln.
Die Hochzeitsgesellschaft feierte bis tief in die
Nacht hinein und während draußen die Schneeflocken tanzten, wussten alle: Liebe
braucht keinen Sommer, um ein Herz zu wärmen.
© Martina Pfannenschmidt, 2026
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