Mittwoch, 15. Juli 2020

Willst du …?


Zu den Reizwörtern: Sommerkollektion, Lederausstattung, herumlaufen, überreden und krankhaft findet ihr auch bei Regina und Lore Geschichten!



„Ja, ja, ja, ich will!“, schreit es in mir und ich füge den Artikel meinem Warenkorb zu.
Diese Sneakers MUSS ich haben und auch diese luftige Bluse aus der neuesten Sommerkollektion, die muss es auch noch sein.
Nein, muss es nicht, sagt mir mein Verstand. Es hängen doch schon 10 andere im Schrank und ich muss auch nicht wirklich noch ein Paar Sneakers zu den 7 anderen Paaren in den Schuhschrank stellen.
Aber irgendwie kann ich nicht anders, auch wenn sich die Türen meines Kleiderschrankes schon gar nicht mehr schließen lassen und vorne auseinander klaffen wie das offene Maul eines riesigen Wales bei der Suche nach Futter.
Aber wer möchte schon in alten und uncoolen Klamotten herumlaufen?
Allerdings kommen mir mehr und mehr Bedenken, ob sich das Ganze bei mir nicht langsam aber sicher zu einem krankhaften Verhalten auswächst.
Weshalb haben wir Menschen eigentlich ständig das Gefühl, noch mehr, mehr, mehr und mehr zu gebrauchen? Die meisten von uns haben doch alles und zwar im Überfluss. Und leider muss ich gestehen, dass ich auch zu ihnen gehöre.
Warum reicht es mir nicht, was ich habe und warum müssen es bestimmte Markenklamotten sein? Ich frage mich das wirklich und schon lange, aber ich traue mich einfach nicht, aus diesem Hamsterrad auszusteigen.
Was würden meine Freunde sagen, wie würden sie auf mich reagieren, wenn  ich plötzlich eingestehe, dass es mir piep-egal ist, ob meine Jeans von einem bestimmten Hersteller stammt? Sie muss doch eigentlich nur bequem sein, oder nicht? Das reicht mir schon und mir ist es auch piep-egal, welches Auto ich fahre. Meins ist eh alt und mal ehrlich, wer braucht schon einen Porsche mit Lederausstattung? Also ich nicht. Ich möchte nur von A nach B kommen und hätte dafür gerne einen fahrbaren Untersatz mit einer intakten Heizung für den Winter. Aber wird man deshalb nicht schon schräg angesehen, wenn man ein altes zerbeultes Auto fährt? Und was, wenn die Nachbarn denken, dass ich mir ein besseres Auto gar nicht leisten kann?
Und wie oft habe ich das Gefühl, von der Werbung regelrecht erschlagen zu werden. Und da ist die Autoindustrie ganz oben mit dabei und will mir einreden, dass ich genau dieses Fahrzeug benötige, um andere zu beeindrucken und wer weiß, vielleicht schaffen sie es wirklich eines Tages, mich dazu zu überreden, es zu kaufen und mich damit maßlos zu verschulden. Und wozu das Ganze?
Werbung, die mich glauben lässt, dass dann, wenn ich dieses oder jenes Produkt kaufe, sich mein Leben auf einen Schlag zum Besseren verändern würde.
Das eine Produkt macht mich schöner, das andere schlauer, ein drittes lässt mich cool aussehen und ein weiteres macht mich auf einen Schlag gesund und schlank.
Und ich mache dabei mit und zeige damit meinen Mitmenschen nicht nur, dass ich in diesem Karussell des Wahnsinns mitfahre, sondern auch: Schaut her, ich kann mir das alles leisten.
Aber mal ehrlich: Lassen wir uns alle nicht allzu gerne von all dem bunten Geschehen verführen? Ich will das alles. Ich will schön sein und schlau und schlank. Ich will einfach dazu gehören zu dieser immer jung bleibenden Gesellschaft.
Also, was will ich in diesem Moment? Will ich dieses Produkt in meinen Warenkorb tun? Ja oder Nein?
Und schon wieder schreie ich: „Ja, ja, ich will. In guten, wie in schlechten Zeiten und wenn möglich, bis dass der Tod uns scheidet.“
Wer weiß, vielleicht ist die Konsumgesellschaft so etwas wie eine riesige Glaubensgemeinschaft aus der man eben nicht so einfach aussteigen kann.
Oder steckt noch etwas anderes hinter meiner Maßlosigkeit? Ich muss doch nicht nackt herumlaufen, wenn ich mir diese Klamotten nicht kaufe.
Ob ich hin und wieder ‚mehr haben wollen‘ mit ‚mehr sein wollen‘ verwechsele?
Und ist es nicht so, dass wir uns irgendwie gegenseitig belügen, in dem wir uns mit Kleidung und Statussymbolen behängen und unser wahres ICH damit und darunter zu verstecken versuchen?
Oder denken wir an das eine oder andere gesundheitliche Problem. Es lässt sich eben oft nicht mit einer Creme oder einer Pille verbannen, auch wenn uns die Werbung das gerne glauben lassen möchte.
Wir ‚müllen‘ uns zu mit Dingen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Doch all unsere emotionalen Probleme lösen wir garantiert nicht mit unserem Kaufverhalten.
Unzufriedenheit, fehlendes Selbstwertgefühl, Ängste, Trauer bleiben auch dann, wenn ich diese Teile jetzt kaufe.
Vielleicht sollte ich mir, bevor ich mir etwas kaufe und bevor ich mein Konto ins Minus bringe, eine kleine Frage stellen: „Brauche ich das wirklich?“
Und dann sollte ich ehrlich sein mit mir selbst und mich nicht durch meinen Geist, der sicher einige Gegenargumente kennt, von meinem Entschluss, NEIN zu sagen, abbringen lassen. Und schon gar nicht durch die Werbung.
Wenn ich dennoch hadere, könnte eine weitere Frage helfen: „Was passiert, wenn ich das jetzt NICHT kaufe?“
Oh ja, was passiert? Mein Konto bliebe im Plus oder ich lege das Geld für einen Urlaub beiseite.
Wieder schaue ich auf die Frage: „Willst du dieses Produkt zu deinem Warenkorb hinzufügen?“
NEIN, diesmal nicht.

© Martina Pfannenschmidt, 2020



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Montag, 29. Juni 2020

Schwarze Katze von links

Gerade habe ich mich von meiner besten Freundin verabschiedet und nun schwinge ich mich auf mein Rad, um vom Freibad aus den Weg nach Hause anzutreten. Das Gute daran ist, dass ich dabei am Haus meiner Großeltern vorbei komme, die einen tollen großen Garten ihr Eigen nennen.

Zu dieser Jahreszeit gibt es dort immer etwas Leckeres zu naschen und mit ganz viel Glück darf ich nicht nur Himbeeren und Kirschen probieren, sondern bekomme auch noch ein Eis spendiert. Mal schauen.

Die Aussicht darauf lässt mich ein wenig schneller in die Pedalen treten, doch dann geschieht es. Von links überquert eine schwarze Katze die Fahrbahn und läuft mir fast ins Rad. Gott sei Dank kann ich noch rechtzeitig bremsen. Es ist nichts passiert – der Katze nicht und auch mir nicht, doch ich merke, dass mir ein kleiner Schock in den Gliedern sitzt. Schließlich kam die Katze von links und sie war pechschwarz. Sagt man nicht, dass das Unglück bringt?

Eine Weile später gehe ich zielsicher in den Garten meiner Großeltern. Ich weiß, dass ich meine Großmutter dort antreffen werde. Im Sommer und bei Sonnenschein lebt sie quasi draußen in ihrem Garten.

„Hi, Oma!“, rufe ich, als ich sie beim Himbeerpflücken entdecke und füge an: „Lass für mich noch welche übrig!“

Oma lacht. „Es sind noch genug da. Keine Angst.“

In diesem Moment ist die erste Beere bereits in meinem Mund verschwunden. Hmmm. So lecker! Da stopfe ich gleich noch ein paar mehr hinein.

„Kommst du aus dem Freibad?“, erkundigt sich Oma.

Ich kann nur nicken, weil mein Mund so vollgestopft ist mit den leckeren Beeren.

„Du Oma“, erzähle ich, als es mir wieder möglich ist, zu sprechen, „vorhin ist mir fast eine Katze ins Rad gelaufen.“.

Weiter komme ich nicht, weil sich Oma sofort Sorgen macht und an mir herauf und herunter schaut, ob sie irgendwo einen blauen Fleck oder Abschürfungen entdeckt.

„Nein Oma, es ist mir nichts passiert“, beruhige ich sie, „und auch der Katze nicht, ich mache mir nur Sorgen, weil sie schwarz war und von links kam.“

Oma schlägt mit einer Hand vor ihre Stirn: „Das glaube ich jetzt nicht! Sag nicht, dass du abergläubisch bist!“

„Nein!“, erwidere ich vehement. „Natürlich nicht! Aber vielleicht kannst du mir erzählen, woher dieser Glaube kommt.“

„In der Tat habe ich darüber mal etwas gelesen“, meint Oma und kramt offenbar in ihrem Gedächtnis, um zu schauen, was davon noch hängen geblieben ist. „Ganz sicher weiß ich, dass schwarz für Macht steht und eine Katze für Weiblichkeit. Es war wohl in früheren Zeiten die Angst vor der Macht der Frauen, dass es zu diesem Aberglauben kam. Es gab ja leider Zeiten, in denen Frauen als böse, minderwertig und unrein gebrandmarkt wurden. So wurden Ängste geschürt, die zur Folge hatten, dass es ein schlechtes Omen sei, wenn eine schwarze Katze den Weg kreuzt oder wenn ein Freitag auf einen 13. fällt.“

„Puh, bin ich froh, dass ich heute lebe“, rufe ich ehrlich aus.

„Übrigens gibt es diesen Aberglauben mit der schwarzen Katze nicht überall“, führt Oma weiter aus. „Im alten Ägypten galten sie sogar als heilige Tiere.“

Von den Himbeeren habe ich jetzt genug und gehe zielsicher zum Kirschbaum, an dem eine Leiter steht. Behände gehe ich ein paar Stufen hoch, bis ich an die dunkelsten und süßesten Kirschen heranreichen kann.

Oma stellt sich unten an die Leiter und hält sie fest. So steht sie sicher und ich kann mich satt essen.

„Kennst du auch den Glauben, dass es Unglück bringt, unter einer Leiter hindurch zu gehen?“, erkundigt sie sich nach einer Weile.

„Klar, hab ich davon schon gehört. Woher kommt das denn?“

„Vielleicht daher“, fährt Oma fort, „dass man beim Durchschreiten einer Leiter zum Beispiel in Resonanz mit negativen Erinnerungen kommt, wie beispielsweise einem Sturz aus der Höhe. Dann wird man in diesem Moment natürlich mit seinen eigenen Ängsten, zu fallen, konfrontiert.“

Oma macht eine kleine Pause, in der ich mir zwei aneinander hängende Kirschen über meine Ohren hänge.

„Das hast du schon als kleines Mädchen gemacht“, lacht Oma und macht mich darauf aufmerksam, dass sich unter einer Leiter immer ein Dreieck bildet. „So eine Dreiecksform wie wir sie beispielsweise von einer Pyramide kennen, ist sehr harmonisch. Doch unter einer Leiter bildet sich ein unsymmetrisches Dreieck, von dem man sagt, dass es die Menschen aus der Balance werfen kann.“

„Das klingt echt interessant“, erwidere ich und erkundige mich, ob sie auch weiß, woher der Glaube kommt, dass Scherben Glück bringen.

„Wenn etwas zerspringt“, sagt sie daraufhin, „muss vorher eine hohe Spannung dagewesen sein. Glück bringt das nun dadurch, dass diese Spannung durch das Zerspringen aufgelöst wird. Ein weiterer Grund zeigt sich zum Beispiel bei einer Hochzeit. Man zerdeppert Porzellan, um im übertragenen Sinn zu sagen: Das Paar muss alte Dinge loslassen, quasi ‚zerspringen lassen‘, damit etwas Neues kommen kann.“

„Omilein“, sage ich, als ich von der Leiter herunter steige, „ich habe mir im Bauch noch etwas Platz gelassen.“

„Ist schon klar“, entgegnet sie und zerzaust mir mit einer Hand mein Haar, „und in diese Lücke hinein passt sicher noch ein Eis!“

„Wie gut, dass du Gedanken lesen kannst“, foppe ich sie und sie kontert: „Und wie gut, dass du ein Sonntagskind bist, dass mehr Glück hat, als andere Menschen.“

„Ist das wirklich so?“, will ich wissen.

„Ich weiß nicht genau“, antwortet Oma, „aber wenn ich es mir recht überlege, so ist doch die Atmosphäre an Sonntagen eine andere, als an Wochentagen. Vielleicht hat es damit zu tun. An Sonntagen sind die Menschen in der Regel lockerer und besser drauf, als an Wochentagen. Und wenn sich das auf den Säugling überträgt, dann nimmt er das Leben vielleicht leichter und das trifft auf Sonntags- und Glückskinder, wie du eins bist, ganz sicher zu.“

„Und noch glücklicher werde ich sein“, sage ich und lasse mich bei meinen Worten auf einen bequemen Sessel plumpsen, „wenn ich jetzt ein Eis bekomme.“

 

Martina Pfannenschmidt, 2020


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Montag, 15. Juni 2020

JETZT leben


Reizwörter: Pfingstrosen, Übermut, rot, schütteln, sammeln

Weitere Geschichten mit diesen Reizwörtern findet ihr bei Lore und Regina!

Heute ist ein wunderschöner und sonniger Junitag. In der Nähe eines großen Walnussbaumes liege ich in der Sonne und genieße die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Der Wind weht sacht und treibt den Duft der Pfingstrosen aus dem nahe gelegenen Blumenbeet zu mir herüber. Ich liebe diese Blumen mit ihren prachtvollen Blüten, die einer Rose an Schönheit in nichts nachstehen.
Meine Gedanken gehen zurück an die Sommer meiner Kindheit. Ich sehe mich in meinen Erinnerungen mit einem rot verschmierten Mund, weil ich wieder einmal den leckeren Früchten, die üppig in unserem Garten wuchsen, nicht widerstehen konnte.
Wie oft bin ich voller Tatendrang und Übermut auf unseren Kirschbaum geklettert, um Kirschen zu naschen oder im Herbst auf den Apfelbaum. Meine Mutter schüttelte darüber oft den Kopf, weil durch meine Aktivität unweigerlich einige Äpfel vom Baum fielen. Doch sie schimpfte deshalb nicht mit mir, sondern sammelte sie auf und kochte daraus leckeres Apfelmus.
Meine Kindheit war wirklich großartig und ich denke gerne und voller Dankbarkeit daran zurück.
Im Moment bin ich dankbar dafür, einfach nur hier liegen und dösen zu dürfen. Nichts tun – einfach nichts tun und nur den Moment genießen. Herrlich!
Wie schnell verrinnen sonst in unserem turbulenten Alltag die Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre. Unaufhaltsam ziehen sie vorbei.
Dabei gibt es so viele Geschenke, die es wahrzunehmen gilt, so wie dieser Moment zum Beispiel oder einen Sonnenaufgang. Die Frage ist doch: Wann nehmen wir uns die Zeit dafür? Und wann nehmen wir uns einfach nur die Zeit, einen Marienkäfer auf seinem Weg zu einer Blüte zu beobachten oder einen Vogel am Himmelszelt? - Kannst du seinen Gesang hören?
Es ist herrlich, einfach nur so da zu liegen und all die kleinen und großen Aufgaben zu vergessen, die der Alltag sonst mit sich bringt. Keine Gedanken an Rechnungen, Sorgen oder Ängste. Keine Gedanken an morgen, nur ‚sein‘  und den Moment genießen.
Ich beobachte eine dicke weiße Wattewolke, die sich kurz vor die Sonne schiebt und ihren Schatten auf den Boden wirft. Sie geht ihren Weg gemächlich und ohne einen Gedanken an die Vergangenheit oder gar Zukunft weiter.
Ich möchte diesem Moment meine ganze Aufmerksamkeit schenken, schließe die Augen und achte auf meinen Atem. Wie oft atmen wir, ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein. – Ich atme tief ein und aus, folge meinem Atem auf seinem Weg. – Es ist gar nicht so einfach, mit seinen Gedanken einfach nur beim Atmen zu bleiben.
Zu gerne würden mich meine Gedanken dazu ‚verführen‘, darüber nachzusinnen, was alles noch vor mir liegt, was es noch alles zu tun gibt. Doch ich bleibe mit meiner Aufmerksamkeit für eine ganze Weile bei meinem Atmen.
In diesem Moment bin ich ganz bei mir, doch wie oft geschieht es, dass ich mit meinen Gedanken ganz weit weg bin. Wie oft hetze und renne ich durch meinen Tag, anstatt ruhig zu gehen und auf meine Schritte zu achten. Aber wem gelingt das schon, mit jedem Schritt ganz im Hier und Jetzt zu sein? Wann nehme ich wirklich wahr, dass meine Füße den Boden berühren und ob es ein harter Betonboden oder ein weicher Waldboden ist, auf dem ich gehe?
Meine Hand greift zum wiederholten Male in die Schale mit Erdbeeren, die neben mir steht. Ich nehme eine Beere, ihren Geruch auf und ihren Geschmack wahr. Ganz bewusst. Wie süß sie schmeckt und fruchtig. So, wie eine Erdbeere eben schmecken muss. Obwohl – irgendwie schmeckte sie früher ‚erdbeeriger‘ – oder täusche ich mich?
Es hat für mich in diesem Augenblick den Anschein, als ob die Vergangenheit, je älter man wird, in einem ganz besonderen Licht zu leuchten beginnt.
Wenn ich an früher denke, war eines in jedem Fall anders: Ich war jünger und so vieles ereignete sich zum ersten Mal in meinem Leben. Das erste Mal ein Auto fahren, die erste Liebe, die erste Reise ohne Eltern oder einfach nur knutschend mit dem Freund in der letzten Reihe im Kino sitzen. Unvergessliche Momente, die sich nicht wiederholen werden.
Ja, wir Jugendlichen von damals, wir waren natürlich in jedem Fall besser, als die Jugend heute. Wir waren nicht so frech und auch nicht so dumm. - Aber das ist natürlich nicht ernst gemeint, denn das behauptet wohl jede ältere Generation von der jüngeren. Also wenn ich ehrlich bin, sehe ich viele fantastische junge Menschen. – Es kommt wohl auf den Blickwinkel an.
Die Welt hat in den letzten Jahrzehnten ihr Gesicht sehr verändert und ich war mit dabei, als Antibabypille, Computer, Handy und Internet die Welt veränderten und revolutionierten.
Ich gehöre zu der Generation, die Frieden, Freiheit und auch Wohlstand als dauerhaften Zustand kennenlernen durfte.
Ja, die Dinge ändern sich und heute gibt es Vieles, was die Generationen vor mir noch für unmöglich gehalten haben. Und ich denke in diesem Moment nicht nur daran, dass wir weltweit miteinander vernetzt sind, sondern auch daran, dass wir weltoffener geworden sind.
Ich greife nach der letzten Erdbeere in meiner Schale und lasse sie mir schmecken, während ich eine große Dankbarkeit dafür empfinde, JETZT zu leben!

© Martina Pfannenschmidt, 2020



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Freitag, 15. Mai 2020

Kino und Popcorn


Es ist wieder Zeit für eine neue Reizwörtergeschichte - und das waren diesmal unsere Vorgaben:  Kerl, Angebot, segnen, wuschelig, fertig

Wie immer, so gibt es auch diesmal weitere Geschichten mit diesen Wörtern bei Lore und Regina zu lesen.

Ich möchte euch gerne von mir und meinem Leben mit meinem Besitzer erzählen und das tue ich doch am besten, bevor ich das Zeitliche segne.
Ihr merkt schon, ich habe Humor. Den muss ich auch haben. Mein Eigentümer ist nämlich ein ziemlich spezieller Kerl.
Ihr glaubt gar nicht, wie viele Frauen ich schon an seiner Seite gesehen habe.
Doch bevor ich von einigen seiner Bekanntschaften berichte, erzähle ich zunächst einmal, wie mein Besitzer und ich überhaupt zueinander fanden. Das war nämlich so: Das Angebot an Sofas war in diesem Möbelhaus sehr groß und so stand ich zwischen vielen meiner Kollegen und einige sahen zugegebenermaßen um einiges besser aus, als ich in meinem mausgrauen Anzug.
Und so kam es, dass ich eine lange Zeit unbeachtet dort mein Dasein fristete und zwar genau bis zu dem Moment, in dem Milo das Haus betrat. Er sah mich – und wohl auch meinen reduzierten Preis – und schwupp die wupp nahm er mich mit zu sich nach Hause.
Ein paar Freunde hievten mich durchs Treppenhaus in seine Wohnung. Dabei hab ich mir den einen oder anderen kleinen Kratzer an meinen dunklen Holzbeinen zugezogen, doch wie sich herausstellte, störte das meinen Besitzer in keiner Weise.
Damals lebte Franz-Ferdinand noch bei ihm. Er war ein süßer kleiner Hund mit weißem, sehr wuscheligem Fell. Natürlich durfte er es sich auf mir bequem machen. Und das tat er auch gerne und oft.
Spätestens abends, wenn Milo auf mir seinen Platz einnahm, setzte sich der Hund neben ihn, um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen.
Okay, ich gebe es zu: Manchmal war ich schon ein bisschen neidisch auf den Köter. Sorry: auf Franz-Ferdinand. Für mich blieben überhaupt keine Streicheleinheiten übrig. Ich wurde nur hin und wieder – nämlich genau dann, wenn Milo wieder einmal ein neues weibliches Wesen zu sich in die Wohnung eingeladen hatte -abgesaugt.
Das war dann auch dringend nötig, denn neben dem einen oder anderen Chips- oder Kekskrümel zierten mich etliche Hundehaare. Aber das tat meiner Schönheit in den Augen meines Besitzers wohl keinen Abbruch.
Ja, dann erzähle ich euch doch am besten mal von der ersten Dame, die ich kennenlernen durfte und deren Allerwertester auf mir landete.
Die junge Frau, die auf den Namen Aurelia hörte, war zwar sehr hübsch, aber ebenso kindisch. Ständig kicherte sie albern herum und das nervte schließlich nicht nur mich, sondern auch Milo. Von daher gibt es über diese Dame nicht viel zu erzählen, da sie schnell der Vergangenheit angehörte. Von daher sage ich es mit den Worten von Giovanni Trapattoni: Ich habe fertig!
Nach ihr kam eine Dame, die mich wirklich beeindruckt hat und über die ich mich gerne auslassen möchte.
Sie hieß Tilda und war ein kleines bisschen verrückt. So sagte sie beispielsweise über sich, dass sie ein Feind – räusper: eine Feindin – der lieblosen Sprache sei. Ja, da hab ich genau so dumm aus der Wäsche geschaut, wie Milo, doch was sie dann ausführte, war echt interessant. So riet sie ihm zum Beispiel, kurze Sätze zu formen. Allerdings auch keine abgebrochenen, wie zum Beispiel: „Komme gleich!“ oder „Bin gleich wieder da!“
Sie meinte, dass ihr Ich-lose, lieblose und unvollständige Sätze ein Graus seien und dass die Menschen, die das ‚ich‘ aus ihren Sätzen strichen, sich selbst quasi aus dem Geschehen streichen würden.
Habt ihr darüber schon einmal nachgedacht? Also ich nicht und mein Besitzer auch nicht.
Tilda war ebenso ein Fan von wohltuenden Wörtern. Dazu zählte sie Wörter wie Heilung, Güte, Ehrlichkeit, Weisheit, Geduld und Wohlwollen. Aber mal ehrlich, wie oft benutzt man sie? Also Milo benutzt sie eher selten oder nie.
Richtig witzig fand ich auch ihre Reaktion, als mein Besitzer meinte: „Ich gehe jetzt eine Runde joggen und später beim Bäcker vorbei!“ Klar, jeder weiß, was gemeint ist, doch Tilda berichtigte ihn sogleich: „Du gehst also joggen und später zum Bäcker, um dort einzukaufen?“ 
Ich sehe noch den dummen Blick, den Milo ihr zuwarf, als er antwortete: „Hab ich doch gesagt!“ – Also die Debatte, die sich anschloss, die erspar ich euch, aber diesen Satz, den Tilda als Vergleich brachte und den man hin und wieder in Krankenhäusern hört, den erspare ich euch nicht: „Wir haben den Patienten verlegt.“ Kicher! Hoffentlich finden sie ihn bald wieder.
Inzwischen ist Tilda längst Geschichte und jetzt gibt es Valentina in unserem Leben. Das ist wirklich eine ebenso außergewöhnliche Frau mit noch abenteuerlicheren Gedanken.
Valentina denkt nämlich stets ‚im Großen‘. Also, ich meine damit, dass sie nicht nur an sich denkt und was für sie am besten ist, sondern sie denkt darüber nach, was für die ganze Welt das Beste wäre. Also ehrlich, so einen Menschen hatte ich vorher noch nicht kennen gelernt.
Also eines haben sie und Tilda gemeinsam: auch Valentina ist der Meinung, dass eine gute Kommunikation wichtig ist. Und sie meint sogar, dass die Menschen im Moment Masken trügen sei ein Sinnbild dafür, dass sie sich ohnehin oft hinter ihren imaginären Masken aus Lügen verstecken würden. Diese These ist schon sehr gewagt, wie ich finde. Allerdings hatte ich schon oft den Eindruck, dass die Menschen nicht ehrlich miteinander umgehen. Insofern hat Tilda recht.
Übrigens gab es letztens zwischen ihr und Milo eine Debatte, weil sie der Meinung ist, dass er viel zu viel ‚Zeug‘ besitzt. „Willst du dich nicht irgendwann einmal von all dem Ballast befreien?“, fragte sie ihn. „Es gibt so viele Dinge in deinem Leben, die du gar nicht benötigst. Was meinst du, wie leicht dein Leben würde, wenn du dich nur auf das Nötigste konzentrieren würdest.“
Mir wurde ehrlich gesagt etwas mulmig bei dieser Aussage. Vielleicht gehöre ich in ihren Augen ja auch zu dem Müll, der nicht benötigt wird. Aber das glaube ich eigentlich nicht. Und außerdem: So schnell entsorgt Milo mich nicht. Schließlich sind wir zwei wie Topf und Deckel, wie Salz und Pfeffer, wie Mond und Sterne oder wie Kino und Popcorn.

© Martina Pfannenschmidt, 2020


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Mittwoch, 15. April 2020

Die K-Frage


Reizwörter: Osterfest, Ergebnis, rostig, zufrieden, fangen

Wie immer, so findet ihr auch diesmal bei Regina und Lore eine Geschichte (bzw. ein Gedicht) mit diesen Reizwörtern.


Ich sitze am Frühstückstisch – alleine. Ich sitze oft alleine am Frühstückstisch. Das ist so, wenn man Single ist. Und doch ist es in den letzten Wochen irgendwie anders.
Ich schlürfe meinen heißen Kaffee und mein Blick fällt auf die letzten bunten Eier, die vom vergangenen Osterfest übrig geblieben sind. Unweigerlich gehen meine Gedanken zurück in meine Kindheit. Meine Oma machte die schönsten bunten Eier und sie färbte sie mit Naturfarben. Bei den Roten war Rote Beete im Spiel. Aber sie färbte auch mit Zwiebelschalen und einer Farbe legte sie sogar zwei rostige Nägel bei. Das weiß ich noch genau. Das waren nämlich die Blauen. Aber woher nahm sie die blaue Farbe? Es will mir einfach nicht mehr einfallen. Schade eigentlich. Ich habe noch gute Erinnerungen an meine Oma, doch manches habe ich doch vergessen.
Ich nehme einen Schluck Kaffee und denke nach. Ja, ich gehöre auch zu denen, die plötzlich viel Zeit haben; die nicht über Ostern verreisen konnten und die vielen Aktivitäten nicht mehr nachgehen können. Wo fange ich an, wenn ich aufzählen möchte, was sich für mich alles verändert hat? Aber das ergeht ja allen anderen auch so und es führt ja zu nichts, wenn man ständig darüber nachdenkt.
Was sich bei mir in jedem Fall verändert hat, ist die Tatsache, dass ich jetzt jeden Tag mit meiner Mutter telefoniere. Sie ist schon über 90 und lebt in einem Seniorenheim. Eigentlich ist sie noch recht rüstig, doch jetzt verbringt sie die meiste Zeit des Tages in ihrem Zimmer – alleine. Genau wie ich. Doch ich denke, das ist doch noch etwas anderes. Ihr wird ein Tablett mit dem Essen vor die Tür gestellt und sie hat keinerlei Kontakt mehr zu den anderen Bewohnern des Hauses. Das finde ich irgendwie ganz grausam und ich darf sie ja auch nicht besuchen. Aber das Telefonieren geht wenigstens.
Früher, zu Kriegszeiten, hörten die Menschen oft über Monate nichts von ihren Lieben. Daran mag ich gar nicht denken. Doch zurück zu meiner Mutter. Als ich sie fragte, wie es ihr geht, antwortete sie, was sie immer antwortet: Ich bin zufrieden. Das ist so ihr Naturell. Sie fügt sich schnell in neue Situationen ein und ist kein Mensch, der ständig jammert oder klagt. Auch jetzt nicht. Und darüber bin ich wirklich froh.
Ich gieße mir Kaffee nach und schaue dem aufsteigenden Dampf zu. Wahnsinn, wofür ich plötzlich Zeit habe.
Aufgeräumt hab ich schon. Alle Schubladen und Schränke sind pikobello in Ordnung. Die Gardinen hab ich auch schon gewaschen. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.
Aber irgendwie ist das schon komisch. Alle Welt räumt auf, schafft Ordnung. Vielleicht ist das aber nur der Anfang. Also das Aufräumen in den Schränken, meine ich. Vielleicht kommt da noch viel mehr und wir räumen vor lauter Langeweile auch in unserem Leben auf.
Wenn ich genau hinschaue, sehe ich, dass alle plötzlich so viel Zeit haben - und das ist in unserer schnelllebigen Welt und in unserem getakteten Alltag schon mehr als ungewöhnlich. Ist das nicht verrückt? Von 100 auf 0 in ein paar Tagen.
Das Erstaunliche ist doch, dass die Welt sich dennoch weiter dreht – im selben Tempo wie zuvor. Sie lässt sich davon nicht beeindrucken. – Alles wie immer.
Stellt euch nur mal für einen Moment vor, es gäbe ab Morgen kein Internet mehr. Keine digitalen Kanäle, keine Mails.
Doch so ist es ja nicht. Wir können ja immer noch alles mit allen teilen. Wir können Kontakte halten. Anders ist es dennoch, als sonst.
Und noch so vieles ist anders: Die K-Frage – also die Frage nach dem Kanzlerkandidaten hat sich gewandelt zu einer anderen K-Frage: Wo bitte kann ich Klopapier kaufen?
Wir können uns nicht mehr aufhalten, wo wir wollen und auch nicht mehr fortbewegen, wie wir es gewohnt waren. Etwas hält uns ‚in Schach‘ und zwingt uns, die Handbremse anzuziehen und wir werden noch zu mehr ‚gezwungen‘. Die Zeit mit unseren Familien zu verbringen, zum Beispiel, aber auch, einige Familienmitglieder und Freunde momentan nicht zu sehen.
Gerade in der Zeit der Kontaktsperre wird wohl jedem von uns bewusst, wie schön und wichtig der Austausch mit anderen, Geselligkeit und gemeinsame Aktivitäten sind. 
Wir können also diese Zeit durchaus nutzen, um dankbar zu erkennen, wie unglaublich wertvoll unsere Familien, Freunde – das Leben überhaupt – ist.
Konsumgüter, die wie selbstverständlich zu unserem Leben dazu gehörten, stehen momentan nicht mehr an erster Stelle. Wir sind froh, dass unsere Grundversorgung noch Bestand hat. Es gibt also wirklich keinen Grund, zu klagen. Wir alle werden immer noch mit allem versorgt. (Anders ist das bei der K-Frage. Da wird es schwierig.)
Es tut einfach gut, zu wissen, dass man sich irgendwann wieder treffen wird. Wie wird es sein, wenn wir das erste Mal wieder gemeinsam mit unseren Freunden in der Sonne in einem Café sitzen und unseren Cappuccino trinken? Wird er uns vielleicht viel besser schmecken, als sonst, weil wir dankbarer sind?
Vielleicht geht durch das Virus so eine Art Weckruf durch die Menschheit. Das würde ich mir von Herzen wünschen und auch, dass wir erkennen, dass wir viel sorgsamer mit der Natur umgehen sollten.
Wir denken, wir haben alles im Griff. Doch die Natur lehrt uns immer wieder, dass es anders ist. Sie wird sich niemals von uns Menschen beherrschen lassen.
Aber es gibt noch viel mehr zu erkennen, denn ich finde den Zusammenhalt, den die Menschen in diesen Tagen zeigen, wirklich bemerkenswert. Man sieht die Not und die Lage eines anderen wieder – man sieht sich und man hilft sich wieder.
Da sind die Jüngeren, die für die Älteren einkaufen. Musiker, die Gratiskonzerte geben … und … und … und
Jeder kann sich in diesen Tagen und darüber hinaus mit seinen Gaben und Fähigkeiten einbringen - und sei es mit einer ‚von-Herz-zu-Herz‘ geschriebenen Geschichte.  


© Martina Pfannenschmidt, 2020


Diese Geschichte nimmt an Elkes 'froher und kreativer Linkparty' teil.
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Samstag, 28. März 2020

Eigentlich ist alles, wie immer



 Ich sehe aus dem Fenster
und denke:
Eigentlich ist alles, wie immer:

Die Sonne strahlt,
der Himmel zeigt sein schönstes Blau.

Ein paar Amseln suchen nach Nahrung.
Andere sammeln kleine Ästchen
für die Nester.

Der Nachbarhund tobt über die Wiese,
freut sich darüber, dass jemand da ist,
der mit ihm spielt.

Die Bäume wiegen sich im Wind,
warten geduldig auf wärmere Tage,
um sich bald in ihrem grünen Kleid zu zeigen.

Sogar ein kleines Lämmchen sehe ich,
das mit noch wackligen Beinchen
über die Wiese stakst.


Eigentlich ist alles, wie immer.
Und doch ist nichts, wie immer.

Und ich denke:

Die Natur atmet auf –
die Natur atmet durch.

Es ist ‚nur‘ der Mensch betroffen.

Das macht mich betroffen
und nachdenklich.


© Martina Pfannenschmidt, 2020

Sonntag, 22. März 2020

Demut lernen


Liebe Leser meines Blogs!
In diesem Blog gab es bisher ‚nur‘ Geschichten oder Gedichte zu lesen. Ich habe es nicht mehr (so wie mein altes Blog) genutzt, um meine Gedanken mit euch zu teilen. Und ‚eigentlich‘ wollte ich das hier auch nicht mehr tun. Eigentlich! Doch in diesen Zeiten ist eben alles anders.
Viele bringen in diesen Tagen ihre Gedanken zu Papier und ich dachte: Auf meine Gedanken wird die Welt wohl kaum warten. Doch in den Posts schwingt so viel Kummer, Sorge und vor allen Dingen Angst mit, dass ich mich doch zu Wort melden möchte.
Wisst ihr, ich habe in den letzten Tagen viel nachgedacht. Schau mal an, dachte ich! Da gibt es die Freitagsdemonstrationen und die Bitte, doch die Flüge einzuschränken, um uns letztendlich nicht die Lebensgrundlage zu nehmen. Und scheinbar wurden die Bitten nicht erhört. - Und wenn doch? Zumindest wurde der Flugverkehr weitestgehend eingestellt. – Und die Folgen werden nicht nur negativ sein.
Meine Gedanken nehmen aber noch andere komische - kosmische - Wege. 
Was, wenn die Flüchtlinge, denen es nicht möglich war, eine Grenze zu passieren, sich gewünscht haben: Wenn doch all die Menschen, die uns hier stehen lassen, einmal selbst in die Lage kämen.
Und, was soll ich sagen – auch diese Wünsche scheinen sich erfüllt zu haben. Es ist uns nicht mehr so einfach möglich, eine Grenze zu Nachbarstaaten zu passieren.
Und dann sind da noch all die Kinder, deren Wunsch es war, dass Mama und Papa wieder mehr Zeit haben. – Was soll ich sagen! Sie haben wieder mehr Zeit!
Versteht ihr meine Gedanken? 
In einem Beitrag gestern in den Nachrichten fiel ein Wort, von dem ich denke, dass es eines der wichtigsten Wörter ist, das wir wieder lernen dürfen. Es ist das Wort: Demut! Genau das ist es, was wir aus all dem Dilemma herausziehen können.
Wir dürfen lernen, wieder demütiger zu sein: den Menschen gegenüber, der Natur gegenüber, aber - wie ich finde -, vor allem dem Göttlichen gegenüber.
Ein immer mehr und mehr musste eines Tages gestoppt werden. Klar, die Art und Weise hätten wir uns anders gewünscht. Die ‚Naturgesetze‘ liegen aber nicht in unserer Hand. Wenn wir das vergessen, werden wir daran erinnert und diese ‚Erinnerung‘ hat in diesem Fall wirklich dramatische  - und weltweite - Auswirkungen.
Das wirklich Schlimme - neben all den Toten, die diese Zeit fordert – wäre für mich, dass wir daraus nichts lernen.
Doch ich bin ziemlich sicher, dass ein ‚weiter so‘ nach dieser Zeit nicht mehr möglich sein wird. Aber das war wohl notwendig.
Der Sinn meines Posts soll sein: Habt Vertrauen in das göttliche Wirken, das von uns Menschen vielleicht nicht immer sogleich erkannt, vielleicht aber sogar ersehnt wurde, und lasst uns alle wieder demütiger werden!
Bleibt gesund und seht diese Zeit auch als Chance für eine (wie auch immer geartete) bessere Zukunft.