Freitag, 30. April 2021

Mir doch egal!

Hallo, Ihr Lieben, ich steige wieder mit ein ins Reizwortgeschichten-Boot und so findet ihr nicht nur bei mir, sondern auch bei Lore und Regina eine Geschichte zu diesen Reizwörtern:

Gänse, Brot, süß, meckern, stehlen


Nur mit einer leichten Jacke bekleidet trete ich aus meiner Haustür. Endlich, endlich ist es wärmer geworden. Die Sonne strahlt und lockt mich damit nach draußen. Sämtliche Knospen scheinen über Nacht aufgebrochen zu sein; es ist fast so, als hätte jemand dazu den Startschuss gegeben. Alles grünt und blüht; es summt und brummt und zwitschert allerorten.

Die Luft ist angenehm warm und duftet süß wie ein Marshmallow. Tief und bewusst atme ich ein und wieder aus.

Nach ein paar Schritten komme ich zu einer Wiese, auf der genügsam ein paar Schafe grasen und auf der einige Gänse im bekannten Marsch hintereinander her watscheln.

Als sie mich sehen, kommen sie schnatternd zum Zaun gelaufen. Sie wissen genau, dass ich altes Brot für sie dabei habe.

„Na, ihr Süßen“, spreche ich sie an, „freut ihr euch auch über den Sonnenschein?“

Im Moment scheinen sie sich mehr über die Brotbrocken zu freuen, die ich ihnen eifrig zuwerfe.

Ein Vogel, dessen Schnabel voller Nistmaterial ist, fliegt im Tiefflug über meinen Kopf hinweg. Er hat es anscheinend ziemlich eilig. Doch woher weiß er eigentlich, wie man ein Nest baut, denke ich? Von wem hat er nur den Bauplan dafür erhalten?

Durch das Öffnen eines Fensters im Haus nebenan werde ich aus meinen Gedanken geholt.

„Na du“, werde ich von Hiltrud angesprochen, „machst du einen Spaziergang?“

Ich weiß nicht, aber ihrem Tonfall könnte man entnehmen, dass sie denkt: hat sie nichts Besseres zu tun?

„Das schöne Wetter sollte man doch nutzen, nicht wahr?“, entgegne ich freundlich, aber distanziert.

„Ja, ja. Das muss man. Ich nutze es zum Putzen, bin mitten im Frühjahrsputz. Man muss ja sehen, dass man sein Haus in Ordnung hält.“

Dann lass dir von mir nicht die Zeit stehlen, denke ich, antworte aber etwas gemäßigter: „Dann lass dich nicht aufhalten, Hiltrud“, und gehe schnellen Schrittes weiter. Zum Abschied hebe ich noch kurz meine Hand.

Hiltrud hat eine Art, mit der ich nicht so gut zurecht komme. Sie gehört zu den Menschen, die an allen anderen etwas auszusetzen haben. Mal sind es ihre Kinder, mal ist es der Ehemann, mit dem sie meckert und manchmal trifft es auch einen Nachbarn.

Doch Stopp, bevor ich Hiltrud als Meckerliese darstelle, sollte ich mich lieber daran erinnern, dass ich mir fest vorgenommen habe, nicht mehr über andere Menschen zu urteilen. Stattdessen sollte ich mich lieber fragen, warum sie mich mit ihrer Art derart triggert. Außerdem weiß ich gar nicht, ob sie wirklich gedacht hat, was ich ihr in den Mund gelegt habe. Deshalb Schluss mit irgendwelchen negativen Gedanken oder Emotionen. Ich möchte einfach nur diesen wunderbar sonnigen Tag genießen.

Huch, wer oder was flattert mir denn jetzt gerade um die Ohren? Es ist ein Zitronenfalter. So herrlich schaut er aus in seinem frischen Gelb. Federleicht lässt er sich auf einer Löwenzahnblüte nieder. Auch sie trägt einen wunderbar satten Gelbton.

Ist es nicht einfach nur herrlich, dass uns der Mai mit so vielen gigantischen Farben berauscht? Die Natur ist das reinste Wunderwerk. Wir sagen das zwar häufig, doch wenn man all die vielen kleinen Lebewesen mal genauer unter die Lupe nimmt oder einfach nur beobachtet, kann man doch echt nur staunen.

Oh, hoppla, fast hätte ich mit meinem Fuß eine Bänderschnecke zertreten. Gerade noch rechtzeitig entdecke ich sie.

Ich gehe in die Hocke und betrachte, wie sie gemütlich ihren Weg geht. Aber Moment mal, da stimmt doch etwas nicht. Die Schnecke scheint ‚falsch gewickelt‘ zu sein. Ich bekomme vor Rührung eine Gänsehaut, weil mir bewusst wird, dass ich gerade etwas ganz Besonderes erlebe. Bei der Schnecke vor mir handelt es sich um einen Schneckenkönig. Die Gehäuse der allermeisten Schnecken sind in die gleiche Richtung gedreht. Nur bei einem Schneckenkönig ist sie anders herum gedreht. Vorsichtig hebe ich das besondere Exemplar von der Straße und setze es im Gras ab.

Wenn ich wüsste, dass mich niemand beobachtet, würde ich mich glatt mit weit ausgebreiteten Armen mitten auf diesem Feldweg im Kreis drehen, so sehr freue ich mich gerade. Aber ich traue mich nicht, was ich im tiefsten Inneren bedauere. Wer oder was verbietet es mir denn? Mein Alter? Oder ist es ein Satz, der mir tief eingepflanzt wurde und der lautet: Das tut man nicht!

Schade! Ich sollte … vorsichtig schaue ich mich um … ich sollte … es einfach tun. Doch es geht nicht. Ich kann nicht. Wie angewurzelt stehe ich da. Das ist doch verrückt.

Ein bisschen betrübt gehe ich weiter. Mir wird bewusst, dass ich mich davon befreien sollte. Niemand sollte sein Verhalten davon abhängig mache, was andere darüber denken. Zumindest solange nicht, wie man anderen mit seinem Verhalten keinen Schaden zufügt.

Doch Stopp! Ein weiteres Mal rufe ich meinen Geist zur Ruhe. Ich will jetzt nicht über irgendetwas nachdenken. Nein! Stopp! Keine negativen Gedanken, nur das Schöne im Hier und Jetzt sehen und genießen. Warum ist das manchmal nur so entsetzlich schwierig?

Ich lege eine Hand über meine Augen und schaue in den blauen Himmel. Lautlos schwebt ein Rotmilan-Pärchen über mich hinweg. Ob sie es zu schätzen wissen, dass sie, wann immer sie es möchten, die Welt von oben betrachten können?

Meinen Blick auf den Wegesrand mit all seinen zum Teil heilenden Kräutern gerichtet, setze ich meinen Weg fort. Vielleicht entdecke ich an diesem Tag ja noch weitere kleine oder große Wunder der Natur.

Aber Moment einmal, denke ich ein weiteres Mal an diesem Tag und bleibe erneut stehen. Ist es nicht ein ganz besonderes Wunder, dass es mich gibt? Das ich jetzt hier stehe inmitten all dieser Schönheit?

Und dann geschieht es. Ich breite einfach meine Arme weit aus und drehe mich im Kreis. Ob mich jemand dabei beobachtet?

Mir doch egal!

© Martina Pfannenschmidt, 2021


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Montag, 15. Februar 2021

Die Rolle meines Lebens

 

Wie immer, so könnt ihr auch heute weitere Geschichten bei Regina und Lore lesen.


Reizwörter: Karneval, Clown, traurig, nachdenklich, schminken

Es ist noch früh am Morgen und ich stehe mit verstrubbelten Haaren in meinem Morgenmantel in der Küche und warte auf meine erste Tasse Kaffee.

Mein Blick fällt dabei auf meinen Spruch-Kalender. Ich nehme meine Lesebrille zur Hand, blättere den Kalender auf den neuen Tag um und bin gespannt, welcher Sinnspruch dort auf mich wartet: „Nicht immer ist alles so, wie du es gerne hättest. Du kannst jedoch entscheiden, die gegenwärtigen Umstände zu bejahen.“

Ich lege meine Brille zur Seite, nehme mir meinen Kaffee und setze mich an den Küchentisch.

Ja, es stimmt, was der Kalenderspruch sagt: es ist nicht immer alles so, wie wir es gerne hätten, aber es gilt, dies anzunehmen. Auch am heutigen Rosenmontag.

Wenn uns jemand vor ein paar Jahren prophezeit hätte, dass das traditionelle Feiern des Karnevals wegen eines Virus ausfallen wird, wir hätten ihm wohl einen Vogel gezeigt. Doch nun ist es Realität geworden. Ein kleiner unscheinbarer Virus legt die Menschheit lahm. Das macht mich durchaus nachdenklich und viele gerade heute sicher auch traurig, denn es wird keine lachenden und jubelnden Jecken geben, die mit bunt geschminkten Gesichtern durch die Straßen ziehen; keine Clowns, die das Stadtbild prägen, und falls doch, so werden sie sich hinter Masken verstecken müssen.

Aber vielleicht ist das ein allgemeines Problem der Menschheit. Wir verstecken uns alle viel zu oft hinter irgendwelchen Masken. Vielleicht haben wir den anderen auch viel zu lange schon unsere lachende Seite gezeigt, obwohl uns eigentlich zum Weinen zumute gewesen wäre.

Noch vor ein paar Monaten haben wir uns hinter den Masken versteckt, die niemand sehen konnte. Doch heute sind es echte Masken, die unseren Alltag prägen.

Sie vermitteln uns das Gefühl von Sicherheit und wir zeigen öffentlich: schaut her, ich schütze mich, aber vor allem schütze ich dich.  

Doch wenn ich ehrlich bin, mag ich keine Masken. Ich kann und will mich nicht an sie gewöhnen.

Ich möchte wieder die Menschen sehen, ihnen ins Gesicht schauen, ihre Stimmungen wahrnehmen, ihr Lächeln betrachten. Ich möchte ihre Mimik erleben und selbst frei atmen können.

Und ich möchte mein eigenes Gesicht wieder zeigen dürfen. Mein echtes, wahres – ohne Maske.

Ich nehme einen großen Schluck von meinem heißen Kaffee und denke dabei an ein Gespräch, das ich kürzlich mit meiner besten Freundin geführt habe. Darin ging es um ein anderes, durchaus spannendes Thema. Es ging darum, dass wir alle den ganzen Tag über in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen.

So sind wir manchmal Diplomaten, nämlich dann, wenn wir ruhig und sachlich versuchen, in einem Streit zu vermitteln.

Ein anderes Mal sind wir aber auch wütend und schlüpfen in die Rolle eines Cholerikers. Dann brüllen wir rum, machen anderen lautstark klar, dass wir nicht einverstanden sind mit dem, was gerade geschieht.

Es ging in unserem Gespräch darum, dass wir im Film unseres Lebens die unterschiedlichsten Rollen spielen, weil wir uns ständig an neue Situationen anpassen müssen. So manches Mal würden wir sicher gerne umschalten auf einen anderen Sender, doch so einfach ist das eben nicht.

Manchmal komme ich mir wirklich vor wie eine Schauspielerin in einem schlechten Stück und so manches Mal frage ich mich, welche dieser Rollen, die ich einnehme, spiele ich nur und welche Rolle ist meine eigene? Wer bin ich wirklich hinter all diesen Rollen und Masken? Wann bin ich wirklich Ich?

Ich glaube, dass ich in meinem Zuhause am ehesten Ich bin. Ich bin Ich, wenn ich nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss; wenn ich mich entspannt fühle trotz der Menschen, die sich um mich herum befinden.

Wenn ich meine Rollen, Masken und Schutzschilde fallen lassen kann, dann bin ich Ich.

Ich glaube, es ist sehr kostbar, diese Momente zu erkennen; diese stillen Augenblicke, in denen wir einfach nur Ich sein können.

Bestenfalls gibt es solche stillen Momente in unseren Partnerschaften, in unseren Familien, mit Freunden oder auf der Arbeit.

Da das Spielen von Rollen ziemlich anstrengend ist, sind solche Momente durchaus kostbar.

Doch wir spielen ja nicht alleine eine Rolle im Film unseres Lebens. Da gibt es ja viele Mitwirkende. So werden wir in eine Familie hinein geboren, in der jeder eine bestimmte Rolle hat und so lernen wir schon früh, welche Rolle wir im Familien-Film zu erfüllen haben.

Wir kommen in die Schule und nehmen einen Platz im Rollen-Gefüge der Klasse ein. Welche Rollen sind schon vergeben? Ist die Rolle der hübschen Prinzessin noch frei oder muss ich die Rebellin oder gar das hässliche Entlein sein?

Und was ist, wenn ich in die Rolle der ‚Starken‘ geschlüpft bin und mir deshalb zeitlebens nicht erlaube, mich bei einem anderen anzulehnen oder auszuheulen, weil das eben nicht zu meiner Rolle passt?

Was ist, wenn ich immer nur die Erwartungen anderer zu erfüllen versuche, wenn ich ständig versuche, mich an Situationen oder Menschen abzupassen? Das ist dann wohl das krasse Gegenteil von Ich-Sein.

Vielleicht ist es auch so, dass ich dann, wenn ich zu viele Rollen einnehme, den Bezug zu meinem wahren Ich verliere.

Aber genug mit all diesen Gedanken. Schließlich ruft ein neuer Tag.

Ich gehe ins Bad und nehme mir fest vor, darauf zu achten, dass ich so oft wie möglich ICH bin und die Rolle meines Lebens voll und ganz ausfülle.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2021


Dies ist vorerst die letzte Geschichte, die es bei mir zu lesen gibt. Ich mache eine längere Pause. Lore und Regina werden aber weiterhin Reizwörtergeschichten schreiben. Danke für deinen Besuch.


Samstag, 30. Januar 2021

Das Kind von damals

Wie angekündigt, gibt es bei mir, aber auch bei Lore und Regina, nicht nur am 15., sondern ab sofort auch am 30. eines Monats eine neue Geschichte - oder Erzählung -, die wir nach vorgegebenen Reizwörtern geschrieben haben. - Viel Freude beim Lesen!


Reizwörter: Konfekt, Sensation, übertrieben, stricken, bunt

In den Siebzigern habe ich viel gestrickt, doch dann geriet es irgendwie in Vergessenheit. Vielleicht lag es auch daran, dass mir persönlich die Zeit dafür zu fehlen schien. Ja, und jetzt habe ich sie wiedergefunden, diese Zeit, um zu stricken.

Außerdem war es so, dass nicht nur mir, sondern auch meiner Waage in der letzten Zeit auffiel, dass ich aus lauter Langeweile viel zu oft zum Konfekt gegriffen haben musste, das ich mir hübsch angerichtet in einer Schale auf den Wohnzimmertisch gestellt hatte.

Dort steht es nun nicht mehr und das ist gut so. Wer kann schon widerstehen, wenn sich die Verführung ständig vor der Nase befindet - und jetzt sind meine Hände ja auch anderweitig beschäftigt.

Es war so, dass ich mir dieses fantastische Strumpfgarn gekauft habe, von dem ich finde, dass es eine echte Sensation ist. Da entsteht nämlich ohne Aufwand und wie von Zauberhand ein hübsches buntes Muster. Das gab es früher so noch nicht.

Nun, während meine Hände mit dieser sinnvollen Tätigkeit beschäftigt sind, können meine Gedanken in alle möglichen Richtungen reisen.

Jetzt gerade denke ich über eine Frage nach, die ich letztens gelesen habe und die mir seither immer mal wieder durch den Kopf schwirrt: ‚Was würde das Kind von damals über den Menschen sagen, der du heute bist?‘

Eine kleine Frage, die es in sich hat. – Ja, was würde das Kind sagen?

Da bin ich gedanklich zunächst einmal mittendrin in meiner Kindheit und beim Spielen mit meinen damaligen Nachbarkindern. Wir waren nicht sehr anspruchsvoll und wir konnten noch unbekümmert auf der Straße spielen. So war das halt in den sechziger Jahren.

Ich war eher ein stilles Kind. Zurückhaltend, abwartend, ängstlich. Aber immer draußen und niemals alleine.

Meine Gedanken gehen zu den Kindern, die in dieser schwierigen Zeit in einer Zweizimmerwohnung ohne Balkon eingepfercht sind und kaum das Sonnenlicht sehen. Da lobe ich mir meine Kindheit, auch wenn sie bescheiden war.

Doch zurück zur eigentlichen Frage: was würde das Kind sagen?

Ich muss schmunzeln, als ich denke, dass es kaum glauben könnte, was aus mir geworden ist. Das schüchterne kleine Mädchen von damals ist schon lange eine selbstbewusste Frau. Nicht übertrieben selbstbewusst, aber mit einem gesunden Selbstbewusstsein.

Früher fiel es mir schwer, mit fremden Personen ins Gespräch zu kommen. Aber ich hatte das Glück, nette Arbeitskollegen zu haben, die mir während der Zeit meiner Ausbildung zur Seite standen und mich liebevoll forderten. In dieser Beziehung wäre das Kind von damals bestimmt stolz auf mich.

Ich denke aber auch an Mitschüler. Was wohl aus ihnen geworden ist? Ob ihr Kind über den eingeschlagenen Lebensweg froh ist? Wie ist es wohl Rolf ergangen? Er wurde schon damals von anderen gemobbt. Nur dieses Wort dafür war uns noch nicht geläufig. Es muss schlimm für ihn gewesen sein, dass er wegen seiner schlechten Deutschnoten und oft auch wegen seiner zerschlissenen Kleidung gehänselt wurde. Er lebte wirklich in ärmlichen Verhältnissen. Ob er seinen Lebensweg heute als gelungen ansieht? Ich habe ihn niemals wieder gesehen, würde es ihm aber von Herzen wünschen.

Mein eigenes Kind von damals würde mich sicher dafür loben, dass ich entgegen den Erwartungen einiger anderer meine Ausbildung mit Auszeichnung absolviert habe. Aber vielleicht wäre es andererseits traurig, dass aus mir und dem Mädchenschwarm der Klasse kein Paar geworden ist. J

Meine Kindheit war unbekümmert, doch wenn ich heute zurückblicke, denke ich, es war nicht immer einfach, das liebe und brave Mädchen zu sein. Es war durchaus anstrengend, diesen Wunsch der Eltern zu bedienen und es hat der Heranwachsenden schon einiges abverlangt, um diese alten und falschen Glaubenssätze, als Mädchen immer lieb sein zu müssen und keine eigene Meinung haben zu dürfen, abzulegen. Es ist mir aber gelungen, so dass ich heute behaupten kann, dass ich durchaus eine eigene Meinung habe und auch, dass ich als Frau meinen Mann gestanden habe. Ich glaube, auch darüber wäre das kleine Mädchen von damals froh.

Die Vorstellungen des Kindes, später einmal zu heiraten und selbst Kinder zu bekommen, haben sich erfüllt. Ich habe geheiratet und meine Kinder zu selbstbewussten und selbstbestimmten Menschen erzogen.

Dass das kleine Mädchen eines Tages sogar eine Oma sein würde, das konnte es sich zu der Zeit noch gar nicht vorstellen. Wie schön, dass es dennoch so gekommen ist. Es ist ein großes Geschenk und ich kann sagen: das alles macht mich zu einer zufriedenen Person.

Wenn ich es mir recht überlege, gab es keine kindlichen Träume, die sich nicht erfüllt hätten. Ich bin zwar nicht um die halbe Welt gereist, aber das war auch niemals mein Ziel. Ich wollte eine kleine glückliche Familie und ein Haus mit Garten. Das habe ich geschafft und das macht mich glücklich.

Ich glaube, das kleine Mädchen von damals wäre einverstanden mit dem Lebensweg und auch mit den Entscheidungen, die es zu treffen galt.

Ich kann ihm also durchaus gelassen entgegen treten, dem Kind von damals, denn ich bin überzeugt, dass ich das Beste aus seinem Leben gemacht habe.

 © Martina Pfannenschmidt, 2021

 

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Freitag, 15. Januar 2021

Das Treffen der Monate

Heute ist der 15. Januar und die erste Geschichte des neuen Jahres geht an den Start.

Ich hoffe sehr, dass ihr alle gesund seid und freue mich über euren Besuch. 

Wir (Lore, Regina und ich) haben vereinbart, dass wir in nächster Zeit zwei Geschichten pro Monat einstellen werden, und zwar wie gewohnt am 15. eines Monats und zusätzlich am 30..

Schaut doch bitte auch, welche Geschichten Lore und Regina zu den nachfolgenden Reizwörtern geschrieben haben!

Reizwörter: Trennung, Gemurmel, spürbar, überflüssig, wahrnehmen


Das Jahr 2020 hatte all seine Monate zu einem unerwarteten Zusammentreffen geladen. Das war ein Geraune und Gemurmel, als sie aufeinander trafen.

Doch als das Jahr seine Stimme erhob und um Stille bat, konnte man eine Stecknadel fallen hören.

„Ihr Lieben“, hob es an, „ich freue mich, dass Ihr meiner Einladung gefolgt seid. Sicher fragt Ihr Euch, weshalb wir heute hier zusammen gekommen sind.“

Niemand traute sich, darauf etwas zu erwidern, war doch die Anspannung des Jahres für alle spürbar.

„Wir sind hier zusammen gekommen“, fuhr es deshalb fort, „weil die Menschen sich über mich bzw. uns beklagt haben. Sie sagen, das Jahr 2020 wollen sie so schnell es geht vergessen, weil es ein furchtbares und schreckliches Jahr war. Ich muss sagen, das trifft mich hart. Und deshalb frage ich mich, was können wir alle in diesem gerade begonnenen neuen Jahr anders machen und verbessern?“

Zunächst herrschte betretenes Schweigen. Die Monate sahen sich gegenseitig etwas verlegen an. Doch dann erhob sich der frostige Januar.

„Also“, begann er mutig, „ich bin dem Gott des Anfangs und des Endes gewidmet und so kann ich mit meinen zwei Gesichtern sowohl in die Vergangenheit, als auch in die Zukunft schauen.“

„Und“, fragte das Jahr erwartungsvoll, „was siehst du für die Zukunft?“

„Nun, die Zukunft liegt wie immer hinter einem Schleier verborgen. Das mag daran liegen, dass es von den Entscheidungen der Menschen abhängt, wohin sich ihr eigener, aber auch der Zustand der Welt, entwickelt.“

„Soso, das ist sehr interessant, was du da sagst. Du meinst also, es liegt gar nicht an mir oder an uns, dass das vergangene Jahr für die Menschen nicht so lief, wie erhofft?“

„Das denke ich“, antwortete der Januar und setzte sich wieder.

„Möchtest du auch etwas sagen?“, fragte das Jahr den Kleinsten in der Runde.

„Also, ich glaube, mich haben die Menschen im vergangenen Jahr sehr gemocht, zumal ich ihnen ja einen Tag mehr geschenkt habe, als in den drei Jahren zuvor. All diejenigen, die am 29. Februar Geburtstag hatten, freuten sich über mein Erscheinen.“

„Soso“, erwiderte das Jahr abermals, „dann kann es ja nicht an dir gelegen haben, dass das Jahr 2020 einen solch schlechten Ruf hat.“

„Na, ich weiß nicht so recht“, entfuhr es dem März etwas schnippisch. „Ich glaube, manche Menschen finden den 29. Februar völlig überflüssig. Schließlich bedeutet er für sie noch einen Tag Arbeit mehr.“

So langsam dämmerte es dem Jahr. Es hatte den Anschein, als könne man es den Menschen schwerlich recht machen. Doch er wollte in jedem Fall noch hören, was die anderen Monate zu berichten hatten.

„Danke für deinen Einwand, März. Vielleicht möchtest du noch ein bisschen erzählen, wie es dir denn so ergangen ist.“

„Irgendwie scheine ich der Bösewicht des Jahres zu sein“, meinte er daraufhin verärgert. „Im März kam es nämlich zum ersten Lockdown des Jahres. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie sauer die Menschen waren? Ich habe das schon früh zu spüren bekommen.“

„Aber sonst freuen sich die Menschen doch immer auf dich. Es wird wieder heller und wärmer, die ersten Blümchen zeigen sich“, warf das Jahr ein.

„In anderen Jahren war es so“, entgegnete der März zustimmend, „aber im vergangenen Jahr war es ganz anders. Viele Menschen haben all dies aus Angst oder Ärger gar nicht wahrnehmen können.“

„Danke, März, für deine Einschätzung. Lieber April, wie ist es dir ergangen? Magst du uns davon erzählen?“

Der April machte eine abweisende Bewegung. „Mich mochten die Menschen schon gar nicht. Nicht nur, dass sie sich über das typische Wetter beklagten, dass ich in jedem Jahr im Gepäck habe. Nein, im Jahr 2020 kam die Maskenpflicht zu dieser Zeit. Ich kann also sagen: besonders beliebt war ich nicht.“

„O je, o je! Und du, lieber Mai, was hast du zu berichten?“

Und so erhob sich der Mai und verkündete mit stolz geschwellter Brust, dass sich die Menschen nichts sehnlicher gewünscht hatten, als das er auf der Bildfläche erschiene und den garstigen Monaten und dem Virus den Garaus machte.

„Wenn ich erscheine, freuen sich die Menschen immer, weil es wärmer wird und bunter und weil die Tage wieder länger werden“, jubilierte er selbstbewusst.

Das brachte natürlich den März und den April auf: „Wie kannst du so etwas sagen“, fuhren sie ihn an. „Auch wir gehören zu den Frühlingsmonaten.“

„Mag sein“, erwiderte der Mai von oben herab, „aber Ihr müsst schon zugeben, dass ich es bin, der dem Frühjahr seinen Glanz verleiht.“

„Eingebildeter Fatzke!“, entfuhr es dem März.

„Nun, wir sollten uns nicht streiten“, rief das Jahr energisch dazwischen, „dazu ist die Lage viel zu ernst.“

Der Mai schien jedoch den Eindruck gewonnen zu haben, dass man ihn noch nicht gebührend gewürdigt hatte, weshalb er ungeachtet des Einwurfes weiter redete.

„Mich bezeichnet man als Wonnemonat. Das zeigt doch schon, dass ich der wichtigste Monat im Frühjahr, wenn nicht im ganzen Jahr bin. Bei mir steht alles in Blüte und es gibt schon jede Menge Sonnentage!“

„Hör auf, du Angeber“, erzürnten sich nun die Sommermonate. „Zu keiner Zeit ist es schöner und wärmer, als im Juni, Juli und August!“

„Schluss!“, fuhr das Jahr dazwischen. „Wir sind nicht hier, um uns zu streiten, sondern um jeden zu Wort kommen zu lassen. Schließlich wollen wir ja im neuen Jahr vieles anders und besser machen.“

„Besser machen?“, begehrten die Herbstmonate auf. „Was sollen WIR denn besser machen? Wir tun doch nur unsere Arbeit. Wir tragen ganz gewiss nicht die Schuld daran, wenn ein Jahr für die Menschen nicht so lief, wie sie es sich erhofft haben. Und noch etwas: anstatt dass sie dankbar sind über die Unterschiede, die jeder von uns bei sich trägt, schimpfen sie oft über einen von uns. Keine Jahreszeit scheint es ihnen recht machen zu können.“

Die anderen nickten zustimmend. Dann ergriff der Dezember das Wort.

„Ich würde gerne noch etwas sagen“, hauchte er, um seine Kälte nicht im ganzen Raum zu verteilen. „Im Dezember feiern die Christen Weihnachten. Doch im vergangenen Jahr war alles anders, als in all den Jahren zuvor, weil die Menschen erkannten, dass die wichtigsten Geschenke nicht unter dem Baum lagen, sondern mit ihnen am Tisch saßen. Das Gefühl hat sehr vielen in den Jahren zuvor gefehlt. Außerdem hat ihnen die Trennung von lieben Menschen an den Weihnachtstagen gezeigt, wie wichtig Familie und Freunde doch sind.“

Nach den Ausführungen des Dezembers war es unter den Monaten sehr still geworden. Sie erkannten, dass auch sie zusammen gehören, wie eine große Familie. Niemand stritt mehr. Jeder freute sich an dem anderen.

„Nun, ich denke, es ist alles gesagt“, beendete das Jahr das Treffen, „nur noch eines möchte ich zu bedenken geben: ich habe den Eindruck, dass das Ende oder der Anfang eines Jahres eine gute Gelegenheit bieten, um über das Leben nachzudenken. Vielleicht ist es einigen Menschen am Silvesterabend klar geworden, dass ein ganzes neues Jahr vor ihnen liegt. Ein Jahr mit weiteren 12 Monaten, mit 365 Tagen, die es nicht nur zu überstehen, sondern zu (er)leben gilt!“

 

© Martina Pfannenschmidt, 2021

 

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Dienstag, 15. Dezember 2020

So soll es sich zugetragen haben

Auch bei Lore und Regina findet ihr Geschichten, in denen die nachfolgenden Reizwörter verarbeitet wurden:

Wald, Schneesturm, erfrieren, glitzern, wunderschön

  

Ein heftiger Schneesturm fegte um die alte Scheune und blies durch so manche Ritze feinen Schnee und klirrende Kälte hinein.

„Wie gut, dass wir unseren eigenen dicken Wollpulli tragen“, scherzte Agatha, das Mutterschaf.

Alice, ihre kleine Tochter, stand dennoch etwas zittrig neben ihr.

„Du musst dich nicht fürchten“, meinte Agatha beruhigend, „der Sturm wird sich bald legen und wir werden ganz gewiss nicht erfrieren müssen.“

Dennoch kuschelte sich Alice noch ein bisschen dichter an ihre Mutter heran.

„Wie wäre es denn“, fragte diese nach einer Weile, „wenn ich dir eine kleine Geschichte erzähle?“

„Das wäre toll“, antwortete Alice begeistert, ließ sich dicht neben ihrer Mutter im Stroh nieder und lauschte gespannt.

„Es war einmal eine ältere, reiche Dame“, begann Agatha, „die in einer schönen kleinen Villa am Stadtrand lebte und auf den Namen Patricia hörte.

Patricia war vor vielen Jahrzehnten in diesem Haus geboren worden, das sie danach zusammen mit ihren Eltern mit Leben gefüllt hatte. Heute bewohnte sie das Haus nur noch alleine und vielfach trugen sie ihre Gedanken zurück in die fröhliche Vergangenheit.

Damals, ja damals, da hatte es neben ihren Eltern noch ihre allerbeste Freundin Heidi gegeben.

Heidi lebte zu der Zeit in einem kleinen Häuschen dicht am Wald und obwohl die Büsche in Patricias Garten inzwischen viel höher gewachsen waren, konnte sie das verwunschene kleine Häuschen noch heute von ihrem Wohnzimmerfenster aus sehen.

Heidi war dort zusammen mit ihrer Mutter in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen; doch trotz des unterschiedlichen Standes waren die beiden Mädchen allerbeste und unzertrennliche Freundinnen gewesen.

Eines Tages jedoch hatten Patricias Eltern entschieden, ihre Tochter auf ein Internat zu schicken und so verloren sich die beiden Freundinnen aus den Augen.“

„Oh“, sprach Alice dazwischen, „dann waren sie aber bestimmt sehr traurig.“

„Ja, ganz sicher waren sie das und auch an diesem Tag, von dem ich dir erzähle, war Patricia ein bisschen wehmütig zumute, als sie am Fenster stand und hinüber zum alten Haus ihrer Freundin blickte. Der Schnee, der dick auf dem Dach des kleinen Häuschens lag, glitzerte im Sonnenlicht und fein kräuselte sich weißer Rauch aus dem Schornstein, als Patricia sich fragte, wo ihre Freundin aus Kindertagen wohl heute lebte. Vielleicht hatte sie geheiratet und Kinder bekommen. Beides war Patricia verwehrt geblieben, weshalb sie trotz ihres Reichtums oft einsam war.

Die Dunkelheit hielt auch an diesem Tag früh Einzug, weshalb es sich Patricia mit einem guten Buch vor dem Kamin gemütlich machte. Aber irgendwie konnte sie sich einfach nicht auf den Inhalt des Buches konzentrieren. Ihre Gedanken gingen ständig zu dem alten Haus und ihrer früheren Freundin zurück. Eigenartig war das.

Ob Heidi wohl manchmal auch an sie dachte, fragte sie sich.

Am nächsten Morgen klingelte es an der Haustür. Der Postbote brachte ein kleines Päckchen und überreichte ihr ein paar Briefe. Gerade als Patricia die Haustür wieder schließen wollte, kam ihr ein Gedanke, weshalb sie dem Postboten hinterher rief: ‚Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir sagen, wer jetzt in dem alten Haus oben am Waldrand wohnt?‘

‚Oh, das tut mir sehr leid‘, antwortete dieser, ‚aber es ist uns strengstens untersagt, derartige Auskünfte zu geben.‘

„Der ist gemein, der Postbote“, fuhr das kleine Schäfchen aufgebracht dazwischen. „Vielleicht wohnt ja die beste Freundin Heidi inzwischen wieder dort. Er soll es ihr doch bitte sagen, Mama, ja?“

Agatha schmunzelte. „So, fuhr sie fort. Du möchtest also, dass Heidi wieder in dem Haus wohnt und die beiden Freundinnen sich nach vielen Jahren wiederfinden?“

„Oh ja, bitte. Das wäre doch wirklich schön!“

„Ja, das wäre wunderschön“, schmunzelte Agatha. „Nun, wir werden sehen, wie es weitergeht.

Der Postbote sah das traurige Gesicht der alten Dame, weshalb er näher an sie heran trat und ihr im Flüsterton zutrug, dass er ihr den Namen der Frau wirklich nicht verraten dürfe, dass er aber glaube, dass sie sehr arm und auch einsam sei. ‚Vor ihrem Haus liegt kaum noch Holz‘, erzählte er außerdem, ‚und wenn es weiterhin so kalt bleibt, könnte der Frau das Brennholz ausgehen und das, wo doch das Weihnachtsfest vor der Tür steht und es schon jetzt mächtig kalt ist. Aber: Pssst! Ich habe nichts gesagt!‘ Dabei legte er einen Zeigefinger vor den Mund.

Patricia bedankte sich für die Auskunft, legte das Päckchen und die Briefe gedankenlos auf die kleine Kommode im Flur ab und begab sich in ihre Küche, um sich einen Tee zuzubereiten. Sie musste nachdenken und das konnte sie am besten bei einer Tasse Tee tun.

Eines wurde ihr dabei schnell klar: Dieser Frau musste geholfen werden, ob es sich nun um ihre alte Freundin Heidi handelte oder um eine andere Person. Deshalb griff sie nach ihrem Telefonbuch, suchte gezielt nach einem Namen und gab dort anschließend eine Bestellung auf.

Der Mann am anderen Ende des Telefons erkundigte sich noch einmal, ob er es wirklich richtig verstanden hatte: Er sollte ein ganzes Fuder Brennholz bei dem alten Haus am Waldrand abladen und die Rechnung sollte er an Patricia richten?

‚Ja‘, antwortete diese kopfschüttelnd, ‚das hab ich Ihnen doch gerade gesagt! Und denken Sie daran: kein Wort zu der Frau, wer Ihnen den Auftrag erteilt hat.‘

Bereits am nächsten Tag wurde das Holz angeliefert. Die alte Frau, die in dem Haus lebte, konnte ihr Glück kaum fassen und sprach von einem Wunder, um das sie täglich gebeten hatte.“

„Dann war es doch nicht Heidi, die dort wieder wohnte?“, erkundigte sich Alice und war sichtlich enttäuscht.

„Nein, leider nicht“, bestätigte Agatha, „aber du weißt doch: wenn wir anderen etwas Gutes tun, so wird auch das Gute zu uns finden, nicht wahr?“

Alice nickte. Von diesem Naturgesetz hatte ihr ihre Mutter schon oft erzählt.

„Pass nur auf“, meinte Mama, „wie die Geschichte endet.

Ein paar Tage später – das Weihnachtsfest rückte immer näher -, entschied Patricia, mit dem Bus in die Stadt zu fahren, um ein paar Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Sie wollte in jedem Fall auch den Briefträger bedenken, ihre Zugehfrau und ein paar liebe Freunde. So kam es, dass ein kleines Geschenk nach dem anderen in ihren Taschen verschwand und sie entschied, sich für die Rückfahrt ein Taxi zu nehmen.

Der junge Taxifahrer war sehr freundlich, nahm Patricia die Tüten ab und hielt ihr die Autotür auf, damit sie bequem einsteigen konnte.

Sie nannte ihre Adresse und das Taxi setzte sich in Bewegung. Der junge Mann sah jedoch auffallend oft in den Spiegel, so dass sich  Patricia regelrecht beobachtet fühlte, was ihr sichtlich unangenehm und auch unheimlich war. Dennoch fragte sie ihn mutig: ‚Weshalb sehen Sie mich so eindringlich an?‘

‚Entschuldigen Sie bitte. Ich weiß, dass ist sehr unhöflich‘, erwiderte der junge Mann wohlerzogen, ‚aber die Adresse, die Sie mir genannt haben, kommt mir aus Erzählungen meiner Großmutter irgendwie bekannt vor. Sie spricht häufig von ihrer besten Freundin, die dort einmal gewohnt haben soll. Sagen Sie, Ihr Vorname ist nicht zufällig Patricia?‘

Wie gut, das sie saß, sonst wäre Patrica gewiss vor lauter Schreck umgefallen …“.

„… und dann haben sich die beiden wieder getroffen und Patricia hat zusammen mit ihrer Freundin Heidi und deren Familie Weihnachten gefeiert. So war es doch, Mama, oder?“, fragte das kleine Schäfchen voller Ungeduld.

„Wenn du möchtest, dass diese Geschichte so endet, meine kleine Alice, dann soll es sich genau so zugetragen haben.“

 

© Martina Pfannenschmidt, 2020


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Sonntag, 15. November 2020

Die Zeiten sind schwierig

Reizwörter: Wärmflasche, Stillstand, versorgen, weinrot, schräg

Bei Lore und Regina findet ihr weitere Geschichten zu diesen Reizwörtern.

 

Gestern habe ich meine Oma besucht. Ich dachte mir, bevor noch mehr zum Stillstand kommt und ich sie vielleicht für eine längere Zeit nicht sehen darf, mach ich das noch schnell. – Nee, so nicht. Also, ich besuche meine Oma nicht ‚schnell‘, sondern gerne und immer mit großer Freude.

Wenn ihr euch nun meine Oma vorstellt, so denkt nicht an eine alte,   grauhaarige und hagere Person. Das ist sie nämlich nicht. Sie kann sich noch sehr gut selbst versorgen und außer ihrer weinroten Wärmflasche gegen ihre kalten Füße benötigt Oma keine weiteren Hilfsmittel für ihr Wohlbefinden.

Sie ist auch nicht verschroben oder ‚schräg‘ drauf; aber eine Person mit eigener Meinung, das ist sie durchaus.

Nun, gestern war ich also bei ihr und Oma war echt in ‚Fahrt‘. Das sieht dann so aus, dass sie redet wie ein Wasserfall und man denkt, man bekommt sie gar nicht mehr gestoppt.

„Was ist los mit dir?“, fragte ich sofort nach der Begrüßung, da ich ihr an der Nasenspitze ansah, dass sie sich über etwas geärgert hatte.

„Schau dir das an“, bat sie mich und legte mir ihr Handy vor die Nase, damit ich mir ein Video ansehen konnte. Währenddessen legte sie schon los: „Jeder kennt momentan wirklich nur ein Thema und jeder scheint besser zu wissen, wie wir das Schiff durch diesen Sturm navigiert bekommen.“

Das fand ich schon mal einen guten Vergleich. Ja, es ist ziemlich stürmisch da draußen und das beziehe ich jetzt nicht nur auf das Wetter, sondern auch und besonders auf die allgemeine Lage.

„Weißt du, was mich echt aufregt?“, wollte sie von mir wissen, ohne natürlich auf meine Antwort darauf zu warten. „Der eine schiebt es auf den anderen. Weißt du, wie ich meine?“ Ich nickte nur, weil ich wusste, dass ich nicht dazwischenreden sollte. „Ja, also, wenn DIE sich nicht SO verhalten hätten und die anderen SO, also kurzum, wenn sich einfach ALLE anderen SO verhalten hätten, wie ICH, hätte dieses furchtbar schlimme Virus gar keinen Boden mehr und wäre längst weg oder erst gar nicht da - und … ?“, an dieser Stelle machte sie eine künstliche Pause und setzte ein großes Fragezeichen, „weshalb soll das Virus so schnell wieder gehen, wie es gekommen ist? Na, was denkst du, weshalb?“

Ich dachte mir schon etwas, doch Omas Gedanken nahmen eine ganz andere Richtung. Außerdem fand sie die Bremse wieder einmal nicht und fuhr schon fast bei Rot über die Ampel, weshalb ich lieber schwieg, während sie fortfuhr: „Weil alles bitte so bleiben soll, wie es war. Wir wollen uns und unser Verhalten nämlich nicht verändern. Wir wollen es genauso haben, wie es war. Wir alle. Und wir wollen schneller, weiter, höher und vor allen Dingen von allem noch ein bisschen mehr. Wir wollen uns keine Gedanken machen darüber, wie es unseren Mitmenschen, den Tieren, dem Meer, der Natur geht. Wir wollen weiterhin mehrmals im Jahr in den Urlaub fahren und uns nicht darum kümmern, wie wir die Welt für unsere Nachkommen hinterlassen. Wir wollen, dass alles so bleibt, weil es bequem ist und wir es uns in unserem Leben gerade so schön gemütlich eingerichtet haben. Etwas verändern? Das können ja die anderen tun, auf die wir mit dem Finger zeigen und uns damit eine weiße Weste verschaffen. Weißt du, wie ich meine?

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt, was das denn alles mit dem Virus zu tun haben soll. Ich sage es dir: Was, wenn das Virus da ist, weil es uns etwas zu sagen hat? Was, wenn es uns wachrütteln soll und uns vor Augen führen soll, wohin wir das Schiff ‚Erde‘ und damit uns alle navigiert haben?“

Ich wusste genau, was sie mir sagen wollte und auch, dass das Gewitter noch nicht vorbei war und ich noch schweigen sollte.

„Der Mensch da in dem Video schimpft über die Politiker im Allgemeinen und unsere Kanzlerin im Besonderen. Gut, ich kann auch nicht alles nachvollziehen, was dort beschlossen wird. Doch weißt du, was ich mich noch frage? Was würde genau dieser Mensch an der Stelle eines Politikers im Bundestag tun? Er würde genauso Fehler machen und wäre ebenso überfordert mit dieser Situation. Aber dennoch denke ich, dass jeder doch zumindest bemüht sein wird, an seinem Platz und für uns alle sein Bestes zu geben und dass alle Verantwortlichen uns Menschen im Blick haben und dass sie dazu fähig und bereit sind, positive Veränderungen herbeizuführen.“

Oma legte eine Pause ein. Aber nicht, dass ihr denkt, das war es schon. Nee, Oma musste nur einen Schluck Wasser trinken. Ihre Kehle war wohl schon ganz trocken geworden.

„Weißt du, Melissa“, und ihre Stimme klang in diesem Moment fürsorglich und ich merkte, das Schlimmste war vorüber und Oma fände zu ihrer gewohnten Ruhe zurück, „ich weiß ja, dass es auch nicht richtig ist, dass ich mich jetzt so aufrege. Damit sage ich ja genau wie dieser Mann dort, dass ich etwas als nicht richtig empfinde – und genau das möchte ich gar nicht. Ich frage mich allerdings ernsthaft, warum ist das Virus da? Und das weltweit? Wir werden ganz schön in unsere Schranken gewiesen, wie ich finde und deshalb muss doch irgendwie ein tieferer Sinn hinter all dem stecken.

Sollen wir vielleicht alle einmal ‚herunterkommen‘ von unserem hohen Ross und innehalten? Sollen wir geradezu zur Ruhe ‚gezwungen‘ werden, um uns nicht mit allen möglichen Dingen abzulenken, sondern in uns hineinhören, ob wir überhaupt noch auf dem richtigen Weg sind? Jeder für sich auf seinem eigenen persönlichen Weg und wir alle weltweit?“

Kleine Pause.

„Es hat für mich den Anschein, als käme alles einmal auf den ‚Prüfstand‘“, fuhr sie fort, „und ich bin gespannt, was von dem, was für uns gang und gäbe war und ist, ‚nach Corona‘ noch seinen Platz haben wird. Und ich glaube, dass Angst unser größter Feind ist in dieser Zeit. Wäre es stattdessen nicht sinnvoll, wieder ins Vertrauen zu kommen? Vertrauen darin, dass alles seinen höheren Sinn hat und das wir erkennen dürfen, dass wir den ‚großen Plan‘, der hinter allem steht, eben nicht kennen.“

Nach einer Weile fuhr sie fort: „Uns ging es niemals so gut, wie in den letzten Jahrzehnten. Und wir sollten uns vielleicht mal fragen, ob wir das überhaupt noch zu schätzen gewusst haben. Wir haben vielleicht zu Vieles als gegeben hingenommen, ohne groß darüber nachzudenken. War uns eigentlich klar, dass wir alle dazu beitragen müssen, wenn sich etwas verbessern oder Gutes erhalten bleiben soll? Oder hat jeder nur an sein eigenes Wohl gedacht und sein eigenes Süppchen gekocht? – Und war und ist uns eigentlich gar nicht klar, dass wir zwar unseren freien Willen geschenkt bekommen haben, dass es aber dennoch Grenzen für uns gibt und uns ‚von oben‘ Einhalt geboten werden wird, wenn wir unseren Planeten an den Abgrund bringen?

Wir alle sollen zueinander Abstand halten in dieser Zeit. Das ist das oberste Gebot der Stunde. Aber ist es nicht so, dass der eigentliche Abstand zwischen uns viel größer ist, als der geforderte? Denken und empfinden wir uns überhaupt als Einheit, als weltweite menschliche Gemeinschaft? Sind wir uns eigentlich dessen bewusst, dass wir alle miteinander und untereinander verbunden sind und nur miteinander gute Veränderungen herbeiführen können?“

Oma stand auf und holte eine Zeitschrift. „Darf ich dir daraus etwas vorlesen?“

„Na klar“, antwortete ich, während Oma eine Seite aufschlug und vorzulesen begann *): „Jedes Jahr wieder bin ich beeindruckt von dem Schauspiel, das sich in diesen Wochen im Wald abspielt. Wie verabredet erscheinen tausende von Pilzen in allen Farben und Formen an der Oberfläche. Es sind die Fruchtkörper eines großen Organismus, der die meiste Zeit des Jahres im Verborgenen existiert. Wenn die Zeit dafür reif ist, drängen alle mit ihren Schirmchen ans Licht. Das Pilzmyzel ist das Überlebenskonzept des Waldes. Die zarten Hyphen verbinden sich mit den Würzelchen der Bäume, so dass sich die Bäume unterirdisch die Hand reichen und miteinander kommunizieren können. Der Wald hält zusammen. Jeder einzelne Baum weiß, dass sie nur gemeinsam ein Klima erschaffen können, das ihr Fortbestehen ermöglicht. Gerade in diesem heißen und trockenen Sommer war das überlebensnotwendig. Und genau das empfinde ich auch gerade in meinem Umfeld. Ich spüre deutlich ein Netzwerk von Menschen, die in die gleiche Richtung schauen und sich gegenseitig unterstützen. Die Zeiten sind schwierig, niemand kann voraussagen wie und was noch alles kommen wird. Es herrscht dieses mulmige Gefühl vor, dass man nicht weiß, wie das eigene Business und Leben von einer wie auch immer gearteten höheren Macht bestimmt wird. Und doch sitzen wir in dieser prekären Situation alle in einem Boot. Wir können zetern und schreien und Panik machen oder uns die Hand reichen, uns unterstützen, nacheinander schauen und uns unter die Arme greifen. Es ist eine typische Reaktion, dass der Zusammenhalt wächst, wenn eine Gemeinschaft unter Druck gerät. Auch wir wissen instinktiv, dass wir gemeinsam besser durch Krisen kommen als allein. Ich wünsche mir, dass mit den Pilzen auch ganz viele menschliche Netzwerke sichtbar und spürbar werden und wir die nächsten Monate gut überstehen, damit es im nächsten Frühjahr konsolidiert und mit neuen kreativen Ideen weitergehen kann.“

Oma legte die Zeitschrift wieder aus der Hand und ich nickte zustimmend.

„Die kommenden Wochen, Monate, ja vielleicht sogar Jahre werden zeigen, inwieweit wir bereit sind, die Veränderungen, die kommen müssen, auch wirklich umzusetzen. Hand in Hand und mit einem großen Vertrauen in das göttliche Wirken UND gemeinsam werden wir es schaffen, aber nicht einer gegen den anderen.“

Dem war von meiner Seite aus nichts mehr hinzuzufügen.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2020 

*) Es handelt sich dabei um Worte und Gedanken von Anita Maas.

 

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Donnerstag, 15. Oktober 2020

Nussknacker

 

Lest bitte auch bei Lore und Regina, und schaut, welche Geschichten sie zu diesen Reizwörtern geschrieben haben!

 

Reizwörter: Burg, Landschaft, pflücken, mächtig, bezaubernd

 

Von meinem Platz aus genieße ich den freien und märchenhaften Blick auf die Landschaft, die mit ihren grünen Wiesen, dem kleinen Flusslauf und der sagenumwobenen Burg malerisch vor mir liegt.

Hin und wieder gestatte ich ihr einen Besuch ab. Besonders im Herbst erfreue ich mich an dem mächtigen Walnussbaum, der dort im Innenhof seinen Platz einnimmt.

Seine gelblich-braune Herbstfärbung währt nicht lange, da der Baum seine Blätter sehr zeitig verliert. Mehr noch als die Färbung begeistern mich aber seine Früchte, die ich nicht einmal pflücken muss, da der Baum sie bereitwillig abgibt und ich sie nur noch einsammeln muss.

Ich schaue vom gegenüberliegenden Wald aus auf die gewaltige Burg und der Waldboden unter mir ist übersät mit einer dicken Schicht brauner Nadeln. Am liebsten mag ich jedoch die Stellen, die mit Moos bewachsen sind. Dort läuft es sich besonders weich.

Mein Weg führt mich an einer morschen Tanne vorbei, an dessen Stamm sich eine Kletterpflanze empor schlängelt.

Ich mag den Wald zur Herbstzeit und diese ganz besondere Stimmung. Kein Kuckucksruf, kein Specht, der die Stille mit seinem Klopfen durchbricht. Nur hin und wieder ist das leise Rascheln der bunten Blätter vernehmbar, wenn sich ein Mäuschen seinen Weg im Wurzelgeflecht eines Baumes bahnt.

Im Unterholz erspähe ich inmitten des moosbewachsenen Waldbodens die Schlafstelle von Wildschweinen. Daneben befinden sich ein paar kahle Tannenzapfen, deren Schuppen den Boden bedecken.

Ein Stückchen weiter liegt ein Fellknäuel unter einem hohen Baum, das darauf verweist, dass eine Eule an dieser Stelle ihr Nachtmahl eingenommen hat.

Ich bleibe stehen und sehe mich weiter um. Die Blätter der Bäume bezaubern mich mit ihrem Feuerwerk an Farben. In allen erdenklichen Rot-, Braun- und Gelbtönen leuchten sie mir entgegen.

Barfuß laufe ich über den farbenfrohen Teppich aus frisch gefallenen Blättern, nehme den Geruch von würziger Rinde und saftigem Moos wahr und genieße die Ruhe, die mich umgibt.

Ein wärmender Sonnenstrahl trifft mich, doch ich beschließe, meinen Weg schnellen Schrittes fortzusetzen. Das Laub unter mir raschelt dabei und in mir steigt die Lust auf, einen Purzelbaum zu machen.

Fast hätte ich durch mein unbekümmertes Verhalten einem heranwachsenden Pilz sein keckes Hütchen vom Kopf gefegt. Doch er nimmt es mir nicht übel, bleibt stumm neben mir stehen, bringt kein Wort der Klage über seine Lippen, sondern verströmt nur seinen unverkennbaren Duft, der mir anheimelnd in die Nase steigt.

Ich beschließe, meinen Weg abseits des Weges fortzusetzen, laufe vorbei an Brombeersträuchern, hin zu einem Platz, an dem die Sonne mich mit ihren wärmenden Strahlen streichelt.

Doch dann bleibe ich unvermittelt stehen. Ich höre die Stimmen einiger Kinder und stelle fest, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie nahe ich ihnen bereits gekommen bin.

Ganz hier in der Nähe befindet sich ein Waldkindergarten. Dort spielen die Kinder ganz ohne Spielzeug einfach nur draußen in der freien Natur. Nur ein alter Bauwagen dient ihnen bei Regen als Unterschlupf.

Ich verstecke mich flott hinter einem dicken Baumstamm und beobachte sie eine Weile. Die Kinder, die sich vor der kühlen Luft mit Mützen und Schals schützen, machen gerade eine Pause und holen Trinkflaschen und Brotdosen aus ihren Rucksäcken. Mit roten Wangen verzehren sie ihr Brot, bevor sie beginnen, aus den unterschiedlichsten Materialen, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden, eine Suppe zu kochen.

Den Kleinen mangelt es wahrlich nicht an Phantasie und Kreativität und ich kann nur hoffen, dass sie die Natur kennen- und lieben lernen und es ihnen wichtig sein wird, diese zu schützen und zu bewahren.

Wie schön ist es, dass diese Kinder erfahren, wie nasses Laub riecht und wie es sich anfühlt, barfuß durch die Blätter zu laufen oder durch einen Bach zu waten.

Aber jetzt: Genug beobachtet. Ich folge weiter meinem Weg, den mir die Sonne weist und schon bald umgibt mich wieder die Einsamkeit, die ich mit allen Sinnen genieße.

Auf dem Waldboden vor mir liegen verstreut Eicheln und Bucheckern, die ich vorsichtig an mich nehme und in meinen Taschen verstaue, bevor ich diese Kostbarkeiten vor dem nahenden Winter vergraben werde.

Das ist wichtig, da ich auch im Winter und trotz eines tiefen Schlafes manchmal Hunger bekomme. Dann bin ich froh über all die Schätze, die ich im Herbst an den Wurzeln der Bäume verscharrt habe.

Fabelhaft finde ich übrigens, dass mich manche Menschen als intelligenten und goldigen Nussknacker bezeichnen!

 

© Martina Pfannenschmidt, 2020

 

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