In einem zauberhaften Wald lebte einst ein kleiner Hase. Sein Name war Felix. Schon von Kindesbeinen an war er flink und voller Lebensfreude. Doch was ihn am meisten ausmachte war, dass er neugierig war. Im positiven Sinn neugierig. Er hinterfragte viele Dinge, über die sich die anderen Waldtiere anscheinend wenig Gedanken machten. Und so saß der Hase eines Tages, als die Sonne freundlich durch die Bäume schien, auf einer weichen Moosstelle und hinterfragte sich und sein Leben. ‚Was ist eigentlich der Sinn meines Lebens‘, fragte er sich.
Er sah nah
oben, lauschte den Vögeln beim Zwitschern und entschied, sich auf eine Reise zu
begeben, um dieser Frage nachzugehen. Sein Ziel war es, die Waldbewohner, die
seinen Weg kreuzten, nach dem Sinn IHRES Lebens zu fragen und so machte sich
Felix auf den Weg.
Bereits nach
kurzer Zeit traf er ein sanftes Reh, das gemütlich am Waldrand graste. Sogleich
sprach er es an: „Liebes Reh, verrätst du mir, was der Sinn deines Lebens ist?“
Das Reh war
etwas verwundert über die Frage, doch dann lächelte es freundlich und
antwortete: „Für mich ist der Sinn meines Lebens, für meine Familie da zu sein
und gemeinsam mit ihnen durch den Wald zu streifen. Ich gebe all mein Wissen an
meinen Nachwuchs weiter und zeige meinen Kindern, wo die saftigsten Gräser
wachsen. Das ist mein Glück und mein Lebenssinn.“
Dankbar für
diese Antwort zog Felix weiter und traf bald darauf einen stattlichen Hirsch.
Tief beeindruckt von seiner majestätischen Gestalt fragte er ehrfürchtig: „Herr
Hirsch, was bedeutet für Sie das Leben?“
Der Hirsch
schnaubte, so dass der Hase respektvoll Abstand nahm. Doch dann sprach der
Hirsch mit tiefer, aber sanfter Stimme: „Mein Lebenssinn ist es, stark und
mutig zu sein. Mein Geweih ist dafür ein äußeres Zeichen. Ich beschütze den
Wald und meine Herde und ich sorge für Gerechtigkeit. All das erfüllt mich und
macht mich stolz.“
Als der Hase
seinen Weg fortsetzte, begegnete er im feuchten, moosigen Teil des Waldes,
einem Wildschein, das ausgelassen im Matsch wühlte. Das Wildschwein grunzte,
als Felix ihm seine Frage gestellt hatte.
„Lass mich
überlegen“, entgegnete es, „ich liebe gutes Futter und Abenteuer im Unterholz.
Ich bin gerne mit meiner Rotte zusammen und glücklich, dass so viel Freude und
Genuss in meinem Leben sind. Mehr brauche ich nicht.“
Als Nächstes
traf Felix ein Eichhörnchen, das ihm antwortete: „Ich sammle für mein Leben
gern Vorräte und ich entdecke gerne Neues. Mein Sinn liegt darin, für mich und
andere zu sorgen.“
Auf einem Ast
über Felix' Kopf hüpfte ein lebhafter Eichelhäher. Der Hase blickte neugierig
nach oben und fragte: „Eichelhäher, was ist für dich der Sinn des Lebens?“
Der
Eichelhäher in seinem wunderschönen Gewand antwortete fröhlich: „Für mich ist
der Sinn meines Lebens, Samen zu verbreiten. Ich liebe es, die Eicheln durch
den Wald zu tragen und ihm auf diese Weise neue Bäume zu schenken. Mit meinem
bunten Gefieder und meiner ansteckenden Lebensfreude bin ich für viele ein
wertvoller Wegbegleiter.“
Als die Sonne
langsam hinter den Bäumen verschwand und den Wald ein letztes Mal für diesen
Tag in ein goldenes Licht tauchte, fühlte sich der Hase müde von seiner Reise
und suchte sich ein gemütliches Plätzchen unter einem alten Baum mit knorrigen
Ästen. Felix lehnte sich an die von der Sonne gewärmte Rinde des Baumes und
blickte hinauf zu seiner Krone.
Da begann der
Baum leise zu sprechen. „Ich habe dich beobachtet. Du fragst die Tiere nach dem
Sinn ihres Lebens. Möchtest du dazu auch eine Antwort von mir?", fragte er
vorsichtig und fuhr sogleich fort: „Für mich liegt der Sinn des Lebens darin,
zu wachsen, die Sonne zu genießen, die Waldbewohner zu beobachten, Stürmen zu
trotzen und das Schönste ist, dass ich ihnen Schutz, Nahrung und Heimat bieten
darf. Das ist der schönste Lebenssinn, den ich mir vorstellen kann.“
Gerade als dem
Hasen vor Müdigkeit die Augen zufallen wollten, nahm er eine Eule auf einem der
Äste des Baumes wahr. Felix wollte sich nicht die Möglichkeit nehmen, auch sie
nach einer Antwort zu fragen.
Die Eule
blinzelte ihm freundlich zu und sprach mit ruhiger Stimme: „Für mich besteht
der Sinn des Lebens darin, zu lernen und mein Wissen zu teilen. Ich beobachte
den Wald, gebe Rat und helfe den Tieren, wenn sie mich brauchen. Man sagt mir
nach, dass ich weise sei. So gebe ich diesen Schatz gerne weiter und so liegt
für mich der Sinn im Weitergeben meiner Weisheit.“
Am nächsten
Tag begab sich Felix auf den Rückweg. Er hatte genug Geschichten gehört.
Zuhause angekommen setzte er sich erneut auf die Moosstelle, auf der er vor
Beginn seiner Reise gesessen hatte.
Jedes Tier und
auch der Baum hatten einen anderen Sinn im Leben gefunden. Für das Reh war es
die Familie, für den Hirsch die Stärke, für das Wildschwein das Genießen, für
die Eule die Weisheit, für das Eichhörnchen das Abenteuer, für den Eichelhäher
das Teilen und für den Baum das Wachsen und Beschützen.
Felix
erkannte, dass der Sinn des Lebens für jeden etwas anderes bedeutete und dass
es immer darum ging, was man mit Freude für sich und andere tat.
In diesem
Moment spürte Felix in seinem Herzen die Antwort auf seine Frage. Der Sinn
seines Lebens war es, neugierig auf das Leben zu sein und die Schönheit des
Waldes zu erleben. Vor allem aber war sein Lebenssinn, Glück und Freude zu
verbreiten.
Felix
verstand, dass der Sinn jeden Lebens in den kleinen Dingen liegt, die man jeden
Tag erlebt und darin, das Leben mit anderen zu teilen und für sie da zu sein.
Neugierig
darauf, was das Leben noch für ihn bereithielt, hoppelte Felix glücklich davon.
© Martina
Pfannenschmidt, 2026
Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.