An diesem herrlichen Sonnentag erleben der junge Esel Emil und die kluge Maus Müsli (aus der letzten Geschichte) ein weiteres kleines 'Abenteuer'. - Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!
Nachdem Emil mit wehenden Ohren davongaloppiert
war, wandte sich Barnabas wieder dem saftigen Gras zu.
Nun stand der junge Esel ein wenig versonnen da.
Müsli, die kleine Maus, nutzte diesen Moment, um sich mit ihren Krallen am Fell
des Esels festzuhalten, um ganz nach oben auf seinen Rücken zu gelangen. Bald
darauf saß sie keck dort und piepste, während sie mit einer Pfote auf einen
glitzernden Streifen am Rande der Koppel zeigte: „Sieh nur, da vorne! Lass uns
dorthin gehen, wo es so herrlich glitzert.“
Emil hielt noch ein Weilchen inne und schaute in
die Richtung, in die die Maus zeigte. Was war das? Dort war etwas in Bewegung.
Langsam näherten sich die beiden dem Objekt, das
Emil neu war. Das Wasser des schmalen Baches sprang munter über die kleinen
Steinchen, die sich darin befanden. Vorsichtig näherte sich der Esel dem Ufer.
Das Plätschern des Wassers klang für ihn wie ein unbekanntes Lied, das er noch
niemals zuvor gehört hatte.
Als er den Kopf senkte, um von dem Wasser zu
trinken, prustete er plötzlich erschrocken zurück. „Das gibt’s doch nicht,
Müsli!“, rief er erschrocken aus. „Dort in dem Wasser ist ein anderer Esel!
Schau nur. Er sieht genauso aus, wie ich. Er hat dieselben großen Augen und die
gleichen puscheligen Ohren. Das ist ein bisschen unheimlich, oder?“
Müsli wäre fast vor Lachen vom Rücken des Esels
gefallen. „Emil, du musst wirklich noch viel lernen. Das bist DU in dem Wasser
dort. Es ist dein Spiegelbild! Verstehst du! Das Wasser ist wie ein Spiegel.“
Mutig wagte Emil daraufhin einen zweiten Blick.
Er bewegte ein Ohr – der Esel im Wasser tat es auch. Er streckte die Zunge
heraus – der andere Esel tat dasselbe. Emil musste schmunzeln. Es schien ihm,
dass die Maus nicht flunkerte. Er sah sich selbst in dem Wasser dort. Und schon
fühlte er sich nicht mehr klein und unscheinbar, denn der Esel dort im Wasser
sah ganz schön groß und mutig aus.
Doch plötzlich gab es ein lautes Platsch!
… direkt vor seinen Nüstern. Ein grünes, glitschiges Etwas war mit einem weiten
Satz im Bach gelandet.
„Was ist das nun wieder? Ein Stein, der springen kann?“, fragte Emil erstaunt.
„Ich bin doch kein Stein, Quak!“ empörte sich der Frosch. „Und wenn, dann wäre
ich ein Stein mit Beinen und den hab ich noch nie gesehen“, lachte er, während er auf ein großes Blatt sprang und stolz seine Backen aufblähte.
„Mein Name ist Hoppy“, stellte er sich den beiden
vor. „Und wenn ihr gleich zurückgeht auf die Wiese, dann passt bitte auf die
gelben Schlüsselblumen auf, die ihre Köpfchen dort im Wind wiegen.“
Emil blickte zu einer Gruppe von Schlüsselblumen
und begriff, dass der Frühling nicht nur aus tausend Farben, sondern auch aus
vielen ihm unbekannten Begegnungen bestand.
Bald darauf verabschiedeten sich die beiden von
dem Frosch und Müsli flüsterte dem Esel ins Ohr: „Siehst du, Emil, wenn man
hinhört, erzählen jedes Blatt und jeder Frosch eine Geschichte.“
Emil war müde von all den neuen Eindrücken,
deshalb legte er sich ins warme Gras, ließ sich die Sonne auf den Pelz scheinen
und erfreute sich an dem Plätschern des Baches.
Sein Herz klopfte immer noch, aber nicht mehr vor
Angst - es klopfte vor reinem Glück.
© Martina Pfannenschmidt, 2026
Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!