Donnerstag, 21. Mai 2026

Ein Waldspaziergang

Vor ein paar Tagen las ich bei Regina Meyer zu Verl eine Geschichte (ich verlinke sie dir HIER), durch die ich an einen Aufsatz erinnert wurde, den ich als Schulkind schreiben sollte. Sein Titel ‚Ein Waldspaziergang‘. – Mir fiel damals wenig – bis gar nichts 😉 - dazu ein und ich schrieb als Kommentar unter Reginas Blogbeitrag: Ich glaube, ich hole die Geschichte, jetzt als Erwachsene, nach und veröffentliche sie in meinem Blog. Und so soll es nun sein.

Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen!

 

Ich verließ den harten Asphalt des Parkplatzes und mit jedem Schritt tiefer in den Wald hinein hatte ich das Gefühl, als ginge ich über eine dicke, weiche Matratze aus Moos. Das Rauschen der Autos der nahegelegenen Straße verebbte, bis mich nur noch die Stille des Waldes umgab, in der ich die Hektik des Alltags zurücklassen konnte.

Schon nach wenigen Metern veränderte sich die Luft. Sie war kühl, feucht und es roch nach Tannennadeln. Es war mir, als puste der Geruch sofort meinen Kopf frei. Ich setzte meinen Weg, der gesäumt war von Buchen und Fichten fort.

Plötzlich knackte es rechts von mir im Unterholz. Ich hielt den Atem an und verharrte mitten in der Bewegung, als ich die feuchte, schwarze Nase eines Rehs wahrnahm. Große, dunkle Knopfaugen blickten mich sekundenlang an. In diesem flüchtigen Augenblick schien die Zeit stillzustehen und zwei unterschiedliche Welten aufeinanderzutreffen. Dann, mit einem eleganten Satz, verschwand das Tier lautlos im Schatten der Bäume, so, als sei es nie dagewesen.

Ich folgte einem schmalen, von Wurzeln durchzogenen Pfad. Dort lag ein riesiger, umgestürzter Eichenstamm, der über und über mit weichem Moos bewachsen war. Er wirkte wie ein schlafender, grüner Riese auf mich. Ich setzte mich auf das morsche Holz und lauschte dem Wind, der über mir in den Baumkronen flüsterte. Das Knarren der Äste klang dabei wie eine alte, vergessene Sprache. Ein winziger, glänzend blauer Mistkäfer bahnte sich unbeirrt seinen Weg über meine Schuhspitze.

Nach einer Weile setzte ich meinen Weg fort. Ein paar Meter abseits des Hauptweges fiel mein Blick auf eine besonders bizarre Baumwurzel. Sie wand sich wie eine schlafende Schlange über den Boden. Für einen kurzen Moment legte ich meine Hand auf die raue Rinde des Baumes und es war mir, als könne ich seinen Herzschlag vernehmen. – Es war mir, als würde der Baum, wie ich, tief und langsam atmen.

Ich ging immer tiefer in den Wald hinein, bis ich eine kleine Lichtung erreichte. Auf einem moosbedeckten Findling neben mir krabbelte ein prachtvoller Käfer, dessen Panzer im Sonnenlicht wie ein Edelstein schimmerte. Der Stein selbst wirkte auf mich wie ein Altar, den jemand dort mitten in dieser Wildnis platziert hatte.

Ich hielt für einen Wimpernschlag lag den Atem an, um diesen besonderen Moment nicht zu zerstören. Doch als sich der Käfer erhob und meinen Augen entschwand, machte auch ich mich auf den Rückweg. Meine Füße waren müde, aber mein Geist war hellwach und ich fühlte einen tiefen Frieden in mir. Der Wald hatte mir keine großen Geheimnisse verraten, und doch fühlte ich mich, als hätte ich für eine Stunde die Grenze in eine andere, magische Welt überschritten, in der eine besondere Art der Stille herrscht, die aber nicht leer ist, sondern sehr lebendig.

Als ich wieder am Parkplatz eintraf, waren meine Schuhe zwar schmutzig, aber mein Kopf war wieder frei und so nahm ich ein kleines Stück der Magie des Waldes mit hinein in meine Realität – mit hinein in meinen Alltag.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Sonntag, 17. Mai 2026

Unerwarteter Nachwuchs

Der Frühling war mit voller Wucht eingezogen und auch die alte Eiche auf dem kleinen Hügel trug ein wunderschönes zartgrünes neues Blütenkleid. Um sie herum summte und wuselte es, doch tief in den Wurzeln des Baumes lag eine sanfte Melancholie.

Die Eiche beobachtete in diesem Moment die Eichhörnchenmutter, die emsig weiches Moos sammelte und es hoch in ihren Kobel schleppte, während der Vater dort stolz Wache hielt.

In der Höhle weiter oben betrachtete die Eule voller Zärtlichkeit ihre Eier, und das Vogelpaar in der Krone der Eiche stritt sich schon fast liebevoll um den besten Halm für ihr Nest.

„Jeder hier hat jemanden“, seufzte der Baum leise in sich hinein. „Nur ich stehe hier, groß und mächtig zwar, aber am Ende doch allein und ohne Nachwuchs.“

Die Eichhörnchenmutter hielt inne, als sie die leisen Worte vernommen hatte, und flitzte den Stamm wieder hinunter. „Aber liebster Baum“, rief sie und schmiegte sich liebevoll an seine Rinde, „schau doch bitte nicht so trübsinnig! Du bist doch das Zentrum von allem! Und du bietest uns und unserem Nachwuchs Schutz. Das ist sehr wertvoll für uns alle. DU bist sehr wertvoll für uns.“

„Stimmt genau“, krächzte die Eule im Halbschlaf. „Du bist für uns alle der Fels in der Brandung und du bist nicht allein. Du hast doch uns!“

Die Vögel stimmten ein freundliches Lied an, um die schweren Gedanken der Eiche zu vertreiben, doch es wollte ihnen nicht so recht gelingen. Der Baum gönnte seinen Bewohnern ihr Glück von ganzem Herzen, aber die Sehnsucht nach einem eigenen kleinen Spross blieb bestehen.

In dem Moment vernahmen sie Schritte. Ein Vater stapfte gemeinsam mit seinem Sohn den sanften Hügel hinauf. Der Junge trug einen kurzen Stock in seinen Händen und entdeckte in jedem Käfer ein kleines Wunder. Als sie bei dem Baum angekommen waren, setzten sie sich auf die Bank in seinen Schatten.

„Papa, schau mal, wie riesig der ist!“, sagte der Junge und legte den Kopf in den Nacken, um hoch in die Krone schauen zu können. Dann begann er, den Baum genauer zu untersuchen. Vorsichtig strich er über seine Rinde und schaute, ob er das ein oder andere Tier in dem dichten Laub erspähen konnte. Anschließend ging er ein paar Meter abseits der Bank, um den Baum von dort aus zu betrachten. Doch plötzlich kniete er sich ins hohe Gras und rief: „Papa! Guck mal! Hier ist ein winziger Stock, der aus der Erde wächst. Aber da sind Blätter dran! Ganz kleine Eichenblätter!“

Der Vater kam herüber und lächelte. „Das ist kein Stock, Timm. Das ist ein Baby-Baum. Eine Eichel von der großen alten Dame muss im Herbst genau hier in die Erde gefallen sein und Wurzeln geschlagen haben. Wie schön, dass der kleine Kerl den Winter überlebt hat. Schau nur, jetzt reckt er mutig seinen ersten Ast dem Licht entgegen.“

Der Junge staunte und fragte. „Dann ist das also das Kind von dem großen Baum dort?“

„Genauso ist es“, antwortete der Vater sanft. „In hundert Jahren wird er bestimmt genauso groß sein wie seine Mutter dort.“

In dem Moment erstarrte der Baum, doch bald darauf lief eine Welle puren Glücks durch seinen Stamm. Ein Kind? Sein Kind? Dort unten wuchs ein Teil von ihm und er hatte es nicht einmal bemerkt. Ein Schauer der Freude lief durch jeden Ast bis in die kleinste Blattspitze. Dann streckte die Eiche ihre Zweige noch ein bisschen weiter aus, so, als wolle sie den kleinen Schössling vor zu viel Wind schützen.

„Habt ihr das gehört?“, rief der Baum seinen Bewohnern voller Freude zu.
Die Eichhörnchen sprangen vor Begeisterung im Kreis und die Vögel flogen eine Ehrenrunde um den Winzling im Gras. Nun war auch für die Eiche die Einsamkeit wie weggeblasen. Nun fühlte sich der Baum nicht mehr nur wie ein Beobachter des Lebens – er war das Leben selbst.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Montag, 11. Mai 2026

Du hast dich verändert

Auch wenn du und ich früher nicht dieselbe Klasse besucht haben, kann ich mir dennoch gut vorstellen, dass es auch in deiner Klasse das eine Mädchen gab, das besonders hübsch war, oder den Jungen, der immer negativ auffiel. Und irgendwo dazwischen warst du. Vielleicht warst du der ‚Pausenclown‘ oder aber die Unscheinbare – eine dieser vielen Rollen fiel uns zu. Eines Tages haben wir diesen Klassenverbund verlassen und sind unseren eigenen Weg gegangen, der uns – vielleicht - hat aufblühen lassen. Alles ist möglich – auch, dass man sich ganz zufällig nach vielen Jahren auf einem Parkplatz wiedertrifft – und genau davon erzählt diese Geschichte.

Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen!

 

Elena balancierte eine Papiertüte mit frischen Brötchen und einen Strauß bunter Tulpen auf ihrem Arm, während sie den Einkaufswagen Richtung Auto schob und mit der anderen Hand nach dem Autoschlüssel in ihrer Jackentasche kramte.

Bruno, ihr Golden Retriever, stupste von innen erwartungsvoll mit der feuchten Nase gegen die Scheibe des Wagens. Elena lächelte unwillkürlich. Es war das Lächeln einer Frau, die ihren Platz in der Welt gefunden hatte.

Doch für einen kurzen Moment achtete sie nicht auf ihren Einkaufswagen, der sich selbständig machte und mit einem leichten Scheppern gegen einen anderen Einkaufswagen stieß.

„Oh, Verzeihung, ich war ganz in Gedanken“, sagte Elena sofort und nahm den Wagen wieder an sich. Doch die Frau gegenüber blieb stumm. Sie hielt sich so krampfhaft am Griff ihres Wagens fest, dass Elena genauer hinsah.

Die Jogginghose der Frau war an den Knien ausgebeult und sie wirkte unendlich farblos in ihrem weißen, übergroßen T-Shirt und den unordentlich hochgesteckten Haaren. Doch als sich die Blicke der beiden Frauen trafen, geschah etwas Unerwartetes. Da war plötzlich ein Erkennen. 

„Saskia?“, entfuhr es Elena fast erschrocken.

„Elena? Aus meiner früheren Klasse?“ Ein wehmütiges Lächeln stahl sich dabei auf ihre Lippen. „Du hast dich sehr verändert.“

Fast hätte Elena: „Du dich aber auch!“ geantwortet, doch sie hielt diese Worte zurück. Stattdessen fragte sie: „Hast du einen Moment? Dann würde ich gerne einen Kaffee mit dir trinken. Ich verstaue nur rasch meine Einkäufe. Also, wenn du möchtest …“

Wenig später saßen sie in der hintersten Ecke der Bäckerei des Supermarktes. Der Dampf ihrer Cappuccinos stieg in sanften Kringeln zwischen ihnen auf.

„Wenn ich dich ansehe“, begann Saskia leise und umschlang ihre Tasse mit ihren Händen, „stehst du voll im Leben, oder?“

Elena nickte langsam. „Ja, das kann man wohl so sagen. Aber es war ein weiter Weg. Du weißt, wie schüchtern ich früher war, um nicht zu sagen: eine graue Maus.“ Dabei schlich sich ein Lächeln auf ihre Lippen. „Weißt du, ich wollte damals einfach nicht gesehen werden. Ganz im Gegensatz zu dir. Du hast dich immer wohl gefühlt in deiner Haut. Zumindest schien es so.“

Ein dunkler Schatten legte sich auf Saskias Gesicht, als sie antwortete: „Ja, stimmt. Ich war laut, habe versucht, die ‚Discokugel‘ der Klasse zu sein: immer fröhlich, immer strahlend. Aber das war nur ein Schutz, Elena. Niemand sollte sehen, wie es in mir aussah. Verstehst du! Ich habe diese Fassade noch lange aufrechterhalten und einen Mann geheiratet, der mich verließ, als die Firma meines Vaters pleiteging und meine Erschöpfung überdeutlich sichtbar wurde. Weißt du, er wollte die alte Saskia, die Discokugel, zurück. Aber das ging und geht nicht mehr. Ich bin zu erschöpft, um dieses Spiel weiterzuspielen.“

Eine Träne ließ dabei über ihre Wange, die sie rasch mit dem Ärmel wegwischte.

Elena spürte einen dicken Kloß im Hals. Sie rutschte mit ihrem Stuhl ein Stück näher und legte ihre Hand auf Saskias zitternde Finger. „Ach, Saskia. Das tut mir unendlich leid. Aber weißt du, vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, in der du nur für dich selbst leuchten darfst. Ohne Publikum. Ganz echt.“

Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile und saßen sich dann eine Zeitlang schweigend gegenüber. Aber dieses Schweigen war nicht schwer, sondern voller Verständnis für den jeweils anderen. Es war der Moment, in dem die alten Rollen – die Schöne und die Unscheinbare – endgültig zerbrachen und nur noch zwei Frauen übrigblieben, die einander im Herzen berührten.

„Weißt du“, sagte Elena schließlich weich, „die graue Maus von früher hätte nie gedacht, dass sie der Discokugel einmal zeigen darf, wie schön das leise Glück sein kann. Aber genau deshalb haben wir uns heute wohl getroffen.“

Draußen auf dem Parkplatz verabschiedeten sie sich mit einer langen, ehrlichen Umarmung. „Warte einen Moment“, sagte Elena, öffnete ihren Kofferraum und holte den Strauß Tulpen hervor. „Hier, die möchte ich dir schenken, damit du jeden Morgen daran erinnert wirst, dass die Sonne auch für dich aufgeht und der Frühling immer wiederkommt.“

Saskia nahm den Strauß fest in die Hand und ein winziger zarten Schimmer der Hoffnung kehrte in ihren Blick zurück. „Danke dir, Elena! Melde dich doch mal, ja?!“

„Das werde ich“, versprach Elena und meinte es in diesem Augenblick wirklich so.

Während Elena wenig später den Motor startete, beobachtete sie Bruno im Rückspiegel. Eine Mischung aus Demut und Erleichterung stieg in ihr auf. ‚Es ist schon seltsam‘, dachte sie, ‚da habe ich Saskia jahrelang bewundert, ja vielleicht sogar beneidet – und jetzt? Jetzt fühle ich mich fast schuldig, weil mein Leben perfekt ist, während ihres in Scherben liegt. Es ist fast so, als wäre mein unscheinbarer Weg mein größtes Glück gewesen. Schließlich musste ich keine Fassade aufrechterhalten, die irgendwann einstürzen konnte. Hoffentlich habe ich ihr mit den Tulpen eine kleine Freude gemacht.‘

Während Elena aus der Parklücke fuhr, umschloss Saskia ihr Lenkrad mit beiden Händen und schaute auf die Tulpen auf dem Beifahrersitz. ‚Die kleine, unscheinbare Elena‘, dachte sie, ‚wie konnte sie nur so … leuchten? Von innen heraus? Sie strahlte ganz anders als ich früher, nicht aufdringlich und grell, sondern authentisch. – Wie ist das nur möglich?!‘

Und so vergingen einige Wochen, in denen die beiden zwar immer mal wieder an diesen Moment in der Bäckerei zurückdachten, doch immer dann, wenn sie zum Handy greifen und der anderen schreiben wollten, war da ein innerer Widerstand und so kam es, wie es kommen musste: sie sahen sich nie wieder.

Was blieb, war nur die flüchtige Erinnerung an einen Nachmittag in einer Bäckerei und die Erkenntnis, dass manche Wege sich nur für einen winzigen Moment kreuzen, um einander etwas zu sagen, bevor man sich wieder in unterschiedliche Richtungen verliert.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!


Freitag, 1. Mai 2026

Höhenangst

In unserem Dorf hat sich vor Jahren ein Storchenpaar niedergelassen. Vor Jahren blieb einer sogar über den Winter hier und wurde von einigen Bewohnern liebevoll gefüttert. Im Jahr darauf kam zur Freude aller Nachwuchs auf die Welt. - Diese wahre Geschichte hat mich zu dieser Fantasiegeschichte geführt, von der ich hoffe, dass sie dir gefällt und du sie gerne liest. - Habt einen fantastischen 1. Maifeiertag!

Die Sonne schien herrlich an diesem Morgen im beschaulichen Dorf Klapperhausen. Die Wiesen leuchteten in einem satten Grün und die Schornsteine blitzten im Sonnenlicht. Alles war perfekt – nur nicht für Kalle, den ängstlichen Jungstorch.

Kalle saß nicht etwa stolz am Rand des riesigen Reisig-Nestes auf dem alten Kirchturm und beschaute von dort oben die Welt, nein, er drückte sich so flach in die Mitte des Nestes, dass er fast mit dem Nistmaterial verschmolz.

„Das ist eine absolute Fehlplanung!“, schimpfte er mit seinen Eltern, die er vorwurfsvoll und mit zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen ansah. „Von allen Möglichkeiten hier im Ort musstet ihr ausgerechnet dieses Nest hier oben wählen? Warum konntet ihr mich nicht auf dem Boden unten am gemütlichen Ententeich ausbrüten? Oder in einer Garage? Versteht ihr? Unten … am Boden … wäre ich gerne geboren worden.

Mama Storch klapperte amüsiert. „Kalle, mein Schatz, du bist ein Storch, keine Ente. Störche lieben die Aussicht!“

„Ich aber nicht. Ich liebe es, am Boden zu sein und nicht in luftiger Höhe“, konterte Kalle. „Und überhaupt“, schimpfte er weiter, „diese ganze Sache mit dem Fliegen und so, die ist mir total suspekt. Die Luft hat keine Balken! Verstehst du, Mama! Die trägt mich nicht. Ich will hier sofort runter. Aber ich werde unter keinen Umständen … fliegen und diese … diese … Feder-Dinger da benutzen. Auf gar keinen Fall mache ich das.“ Dabei sah er auf seine Flügel, als handele es sich um defekte Regenschirme, die sich nicht zum Fliegen eignen.

Papa Storch hatte jedoch eine Idee. Er wusste, dass Kalle zwar ängstlich, aber auch furchtbar neugierig und ein kleiner Feinschmecker war. „Schade“, sagte er deshalb beiläufig und putzte sich eine Feder, „unten auf der Wiese, direkt am Bachlauf, hat der Bauer heute Morgen den großen Heuwender benutzt. Es wimmelt dort nur so von den dicksten, saftigsten Fröschen, die ich je gesehen habe. Aber na ja, wenn du nicht fliegen magst, musst du hier oben bleiben … ich fliege jetzt jedenfalls los und freue mich schon auf all die Delikatessen.“

Kalles Magen knurrte bei der Vorstellung so laut, dass das Nest zu vibrieren schien. Er robbte sich vorsichtig bis zum Rand und warf einen winzigen Blick über die Kante. Da sah er sie: die saftige Wiese. Und dort! War das nicht ein leckerer grüner Hüpfer?

„Ich muss da hin“, murmelte er, „aber ohne zu fliegen!“ Er stellte sich vor, am Blitzableiter herunterzuklettern oder vielleicht konnte er sich abseilen. Egal wie! Er musste nach unten. Das wurde ihm klar.

„Kalle“, sagte Mama sanft, „was wäre, wenn du gar nicht fliegst, sondern einfach losrennst? Weißt du, wie ich es meine? Du stellst dir einfach vor, dass du mit deinen langen Beinen zum gedeckten Tisch rennst. Oder noch anders. Du breitest deine Flügel aus und rutscht wie auf einer unsichtbaren Rutsche nach unten. Ich verspreche dir, dass es klappen wird und du auf diese Weise nach unten gleiten kannst.“

Schließlich war es der Hunger, der über seine Angst siegte. Kalle schloss vorsichtshalber die Augen, dachte währenddessen an den größten Frosch, den er jemals verspeist hatte, breitete seine Flügel aus und rannte los.

„Ich renne! Ich renne!“, rief er aufgeregt. „Ich renne in der Luuuuuuft!“

Und tatsächlich stürzte er nicht ab, sondern der Wind setzte sich unter seine großen Schwingen und trug ihn davon. Er glitt durch die Luft und die kühle Brise fühlte sich wie eine riesige weiche Hängematte an.

Mit einem etwas unsanften „Plopp“ landete er direkt neben einem verdutzten Frosch im weichen Gras. Kalle blinzelte. Er war unten. Er war tatsächlich unten auf dem Boden. Und: er lebte! Es war einfach herrlich!

Als seine Eltern neben ihm landeten, plusterte er sich stolz auf. „Na gut“, sagte er schmatzend, „das mit dem Runterrutschen war okay. Aber jetzt bleibe ich hier unten und werde niiieee wieder dort hinauffliegen!“

Nie wieder dauerte etwa zehn Minuten, denn ab da sah man Kalle, wie er begeistert Thermik-Kreise über dem Kirchturm drehte.

„Guckt mal“, rief er von dort oben seinen Eltern zu, ich kann fliegen wie ein Segelflieger!“

Seine Höhenangst war von einer Sekunde auf die andere verschwunden und eines war klar: von dort oben sah man die Leckerbissen einfach viel früher.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

Samstag, 25. April 2026

Klassischer Fall von …

Beim letzten Mal hatte ich ja schon angekündigt, dass es eine weitere Geschichte mit Emil, dem Esel, und Müsli, der Maus, geben wird. 

Hier ist sie! Viel Freude beim Lesen! 


Der junge Esel Emil und die kleine Maus Müsli verbrachten einen wunderbaren Vormittag in der Nähe des Bachlaufes. Die Sonne schien warm und brachte das graue Fell des Esels zum Glänzen.

„Was denkst du“, fragte Müsli in diesem Moment, „wollen wir auf die andere Seite der Weide gehen? Dort soll der Klee besonders üppig wachsen. Und wir könnten einen kleinen Spaziergang machen.“

Doch dann geschah etwas Unerwartetes. Statt darauf etwas zu erwidern oder loszugehen, stemmte Emil seine Hufe besonders fest in den Boden.

„Was ist los, Großer?“, piepste Müsli, die auf Emils rechtem Ohr saß und sich an einem Haarbüschel festhielt. „Der Klee wartet.“

Emil schnaubte kurz, während er die weiße Rinde einer Birke in seiner Nähe anstarrte.

Was Müsli nicht ahnte: im Kopf des Esels passierte etwas Neues. Da war plötzlich ein Gefühl, das ihm deutlich signalisierte: Nein!

Kein Nein aus Angst und auch kein Nein, weil er müde war, sondern ein … ziemlich störrisches: NEIN!

„Ich gehe nirgendwohin“, sagte Emil dann.

Müsli rutschte ein kleines Stückchen an seiner Stirn hinunter, bis sie genau zwischen seinen Augen saß. „Bist du verletzt? Hast du eine Distel im Huf?“, fragte sie besorgt.

„Nein“, erwiderte Emil ungerührt, senkte den Kopf, bis seine Nüstern fast den Boden berührten und machte seinen Rücken ganz steif. „Ich möchte nicht.“

Müsli legte die Pfoten in die Hüften. „Wie, du möchtest nicht?! Setz eine Hufe vor die andere, wie du es sonst auch getan hast und in Nullkommanix sind wir bei dem leckeren Klee angekommen!“

Vorsichtig versuchte sie, den Esel anzuschieben, doch das hatte denselben Effekt, als wenn eine Fliege versuchen würde, eine Kuh vom Eis zu treiben. Als der Versuch kläglich scheiterte, versuchte die Maus es mit gutem Zureden und sogar mit einem kleinen Tanz auf seinem Rücken. Aber Emil blieb wie versteinert. Er hatte seine Ohren seitlich weggeklappt und sein Blick war starr auf den Baum gerichtet.

Je mehr Müsli drängelte, desto fester schienen seine Hufe mit der Erde zu verwachsen.

„Jetzt weiß ich es“, murmelte Müsli, kletterte von Emil herunter und setzte sich erschöpft auf einen Kieselstein. „Das Störrische. Davon hat mir meine Oma erzählt. Wenn ein Esel beschließt, ein Denkmal zu werden, dann wird er ein Denkmal.“

Emil sagte nichts. Irgendwie genoss er die Situation, die im Verweigern und im Stillstehen lag. Während Müsli auf ‚weiter‘ drängte, beschloss er ‚halt‘ zu sagen. Emil fühlte sich richtig mächtig in diesem Moment.

Nach einiger Zeit seufzte Müsli. „Na gut. Wenn wir hierbleiben, dann bleiben wir halt hier.“

Während Emil immer noch völlig unbeweglich in der Landschaft herumstand, begann die Erde direkt neben dem Kieselstein zu beben. Ein kleiner Hügel warf sich auf. Die dunkle Erde krümelte zur Seite, bis sich schließlich eine kleine rosa Nase zeigte, gefolgt von zwei kräftigen Schaufelpfoten.

„Was ist denn hier los?“, brummelte eine tiefe, leicht heisere Stimme. „Man kommt ja gar nicht zum Mittagsschlaf, weil ihr zwei euch zankt!“

Es war Paule, der Maulwurf. Er blinzelte mit seinen winzigen Augen in das helle Sonnenlicht, während er eine imaginäre Brille zurechtzurücken schien.

In dem Moment sah er Müsli auf dem Stein sitzen. Anschließend wanderte sein Blick die langen, grauen Beine von Emil hinauf, bis er den starren Blick des Esels erreichte.

„Ah“, sagte Paule und stützte sich gemütlich auf den Rand seines Erdhügels. „Ich sehe das Problem. Klassischer Fall von störrischem Esel.“

Müsli sprang auf. „Paule! Kannst du ihm nicht sagen, dass der Klee da vorne viel besser schmeckt und er sich endlich in Bewegung setzen soll?“

Paule lachte kurz auf. „Spar dir den Atem, Müsli. Ich lebe schon seit Generationen unter diesen Weiden und schon mein Urgroßvater hat mir von störrischen Eseln erzählt. Wenn die Hufe erst mal Wurzeln schlagen, dann hilft kein Schieben und kein Ziehen und auch kein Zureden.“

Dann wandte er sich Emil zu, der immer noch kein Ohr rührte. „Wisst ihr“, fuhr der Maulwurf fort und kratzte sich am Bauch, „mein Urgroßvater traf mal einen Esel, der stand drei Tage lang vor einer Pfütze, ohne zu trinken. Und dann fiel er einfach um.“

Emil zuckte kurz mit dem linken Ohr. Paule bemerkte es sofort.

„Sie sind sehr stolz auf ihre Sturheit“, flüsterte der Maulwurf Müsli zu. Natürlich laut genug, damit Emil ihn auch hören konnte. „Wenn du meinen Rat hören möchtest. Lass ihn einfach hier stehen und geh allein auf die andere Seite.“

Emil schnaubte empört. „Ich bin kein bisschen störrisch“, brummte er.

„Du bist störrisch, mein Lieber“, entgegnete Paule. „Du stehst da wie ein riesiger Felsbrocken und denkst keine Minute daran, wie sich das für deinen Freund anfühlt. Naja, Freund! Auf einen Freund wie dich kann man wohl verzichten.“

Sprach es und verschwand mit einem leichten Rascheln im Erdreich.

Plötzlich fühlte sich Emil gar nicht mehr gut und schon gar nicht ‚mächtig‘. Er wollte doch ein guter Freund für Müsli sein und kein Denkmal oder Felsbrocken.

In dem Moment schaute die Maus Emil direkt in die Augen. „Wie siehts aus, Großer?“, fragte sie ein weiteres Mal. „Willst du warten, bis du Moos ansetzt oder gehen wir jetzt zum Klee?“

Und genau in diesem Moment hob Emil den ersten Huf...

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

 

Dienstag, 21. April 2026

Herr Graufell und Weißfellchen

Tiere inspirieren mich immer wieder zu Geschichten. Heute begeben wir uns unter die Erde, wo Herr Graufell auf uns wartet. - Ja und in der nächsten Geschichte, das verrate ich heute schon mal, geht es noch einmal um Emil, den Esel, und Müsli, die Maus. Auch in der Geschichte wird ein Maulwurf eine Rolle spielen. - Aber jetzt wünsche ich euch zunächst einmal viel Freude beim Lesen dieser Geschichte! - Schön, dass du da bist!


Tief unter der Erde, wo Dunkelheit herrscht, ist das Zuhause von Herrn Graufell. Der Maulwurf war bei all den kleinen Tieren, die in der Tiefe der Erde wohnten, für seine Liebe zu Berichten aus der örtlichen Zeitung bekannt.

Jeden Morgen, nachdem ihm die Zeitung zugestellt worden war, griff er zu seiner Brille, setzte sich in seinen gemütlichen Schaukelstuhl und las mit größter Begeisterung die neuesten Nachrichten aus dem Tierreich.

Doch an diesem Morgen war alles anders. Ein kleines Missgeschick in der Nacht hatte seine Brille in zwei Teile zerbrochen. Aber ohne seine Brille konnte Herr Graufell kaum etwas erkennen, geschweige denn seine heißgeliebte Zeitung lesen.

Verzweifelt tastete er nach den Seiten, seufzte tief und wiegte sich traurig im Schaukelstuhl.

Just, als er glaubte, dass dieser Tag kein Glückstag für ihn werden könnte, nahm er ein leises Rascheln am Eingang seines Erdganges wahr. Neugierig lugte er auf und sah – oder besser: erahnte – eine kleine Maus, die vorsichtig seine Stube betrat.

„Entschuldigung, ich glaube, ich habe mich verlaufen“, piepste die Maus und sah sich um. „Mein Name ist Weißfellchen – und wo bitte bin ich hier gelandet?“

„In meinem Wohnzimmer!“, antwortete der Maulwurf. „Fühl dich willkommen. Ich bin Herr Graufell und wie du vielleicht weißt, können Maulwürfe nicht gut sehen, weshalb ich eigentlich eine Brille trage. Eigentlich! Doch nun ist sie kaputt und ich kann meine geliebte Zeitung nicht mehr lesen“, fiel er sogleich mit der Tür ins Haus. „Deshalb geht es mir gerade nicht so gut. Man möchte doch wissen, was in der Welt geschieht, nicht wahr?“

Weißfellchen kicherte kurz, hüpfte auf den Tisch, und meinte: „Ach, das ist doch gar kein Problem! Ich kann schauen wie eine Eule bei Nacht und lesen kann ich auch. Gib mir deine Zeitung und ich lese dir vor!“

Herr Graufell strahlte zum ersten Mal an diesem Tag. Gemeinsam breiteten sie die Zeitung auf dem Tisch aus. Weißfellchen räusperte sich kurz und las würdevoll die erste Nachricht des Tages: „Wetterbericht: Heute bleibt es mild, weshalb unterirdisch mit vermehrtem Regenwürmer-Aufkommen zu rechnen ist.“

„Das klingt nach perfektem Wetter für einen Spaziergang durch die Tunnel“, sagte Herr Graufell schmunzelnd.

„Lokale Nachrichten: Die Kaninchenfamilie Feldhoppel hat Nachwuchs bekommen. Sechs kleine Kaninchen hoppeln nun durch die Wiesen.“

Die Maus kicherte. „Stell dir vor, so viele Kinder! Glaubst du, die Eltern können sich all die Namen merken?“

„Wahrscheinlich nennen sie sie einfach Nummer Eins bis Sechs“, witzelte Herr Graufell.

Weißfellchen las weiter: „Ein Igel wurde heute dabei erwischt, wie er aus Versehen im Kreis lief. Offensichtlich war sein Kompass defekt.“

Beide prusteten los vor Lachen. Sie sprachen darüber, wie es wohl wäre, wenn auch Maulwürfe Kompasse hätten, und philosophierten über die Orientierung im Dunkeln.

Während die Maus weiter vorlas, diskutierten die beiden eifrig über das Wetter, das Kaninchenchaos auf der Wiese und darüber, dass auch Igel mal einen schlechten Tag haben dürfen.

Herr Graufell erzählte von seiner Angst, nie wieder selbst lesen zu können, als die Maus philosophierte: „Weißt du, manchmal sieht man mit dem Herzen besser als mit den Augen.“

Dann überlegten beide, wie man die Brille des Maulwurfs reparieren könnte und bastelten bald darauf eine Notfallbrille aus Draht und einem alten Löffelstiel. Vorsichtig setzten sie das Glas der alten Brille dort ein. Es hielt. Zumindest halbwegs. Und Herr Graufell erkannte begeistert, dass er damit zumindest die großen Überschriften lesen konnte.

Von diesem Tag an besuchte Weißfellchen den neuen Freund jeden Morgen und las ihm aus der Zeitung vor. Anschließend diskutierten und lachten sie über die Berichte.

Wer hätte gedacht, dass aus einem Missgeschick und einer zufälligen Begegnung eine wunderbare Freundschaft entstehen würde.

Schlecht sehen zu können, war nur noch halb so schlimm mit einem Freund an seiner Seite, der einem die Welt vorlas.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


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Freitag, 17. April 2026

Es ist nur dein Spiegelbild

An diesem herrlichen Sonnentag erleben der junge Esel Emil und die kluge Maus Müsli (aus der letzten Geschichte) ein weiteres kleines 'Abenteuer'. - Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!

Nachdem Emil mit wehenden Ohren davongaloppiert war, wandte sich Barnabas wieder dem saftigen Gras zu.

Nun stand der junge Esel ein wenig versonnen da. Müsli, die kleine Maus, nutzte diesen Moment, um sich mit ihren Krallen am Fell des Esels festzuhalten, um ganz nach oben auf seinen Rücken zu gelangen. Bald darauf saß sie keck dort und piepste, während sie mit einer Pfote auf einen glitzernden Streifen am Rande der Koppel zeigte: „Sieh nur, da vorne! Lass uns dorthin gehen, wo es so herrlich glitzert.“

Emil hielt noch ein Weilchen inne und schaute in die Richtung, in die die Maus zeigte. Was war das? Dort war etwas in Bewegung.

Langsam näherten sich die beiden dem Objekt, das Emil neu war. Das Wasser des schmalen Baches sprang munter über die kleinen Steinchen, die sich darin befanden. Vorsichtig näherte sich der Esel dem Ufer. Das Plätschern des Wassers klang für ihn wie ein unbekanntes Lied, das er noch niemals zuvor gehört hatte.

Als er den Kopf senkte, um von dem Wasser zu trinken, prustete er plötzlich erschrocken zurück. „Das gibt’s doch nicht, Müsli!“, rief er erschrocken aus. „Dort in dem Wasser ist ein anderer Esel! Schau nur. Er sieht genauso aus, wie ich. Er hat dieselben großen Augen und die gleichen puscheligen Ohren. Das ist ein bisschen unheimlich, oder?“

Müsli wäre fast vor Lachen vom Rücken des Esels gefallen. „Emil, du musst wirklich noch viel lernen. Das bist DU in dem Wasser dort. Es ist dein Spiegelbild! Verstehst du! Das Wasser ist wie ein Spiegel.“

Mutig wagte Emil daraufhin einen zweiten Blick. Er bewegte ein Ohr – der Esel im Wasser tat es auch. Er streckte die Zunge heraus – der andere Esel tat dasselbe. Emil musste schmunzeln. Es schien ihm, dass die Maus nicht flunkerte. Er sah sich selbst in dem Wasser dort. Und schon fühlte er sich nicht mehr klein und unscheinbar, denn der Esel dort im Wasser sah ganz schön groß und mutig aus.

Doch plötzlich gab es ein lautes Platsch!  … direkt vor seinen Nüstern. Ein grünes, glitschiges Etwas war mit einem weiten Satz im Bach gelandet.

„Was ist das nun wieder? Ein Stein, der springen kann?“, fragte Emil erstaunt.

„Ich bin doch kein Stein, Quak!“ empörte sich der Frosch. „Und wenn, dann wäre ich ein Stein mit Beinen und den hab ich noch nie gesehen“, lachte er, während er auf ein großes Blatt sprang und stolz seine Backen aufblähte.

„Mein Name ist Hoppy“, stellte er sich den beiden vor. „Und wenn ihr gleich zurückgeht auf die Wiese, dann passt bitte auf die gelben Schlüsselblumen auf, die ihre Köpfchen dort im Wind wiegen.“

Emil blickte zu einer Gruppe von Schlüsselblumen und begriff, dass der Frühling nicht nur aus tausend Farben, sondern auch aus vielen ihm unbekannten Begegnungen bestand.

Bald darauf verabschiedeten sich die beiden von dem Frosch und Müsli flüsterte dem Esel ins Ohr: „Siehst du, Emil, wenn man hinhört, erzählen jedes Blatt und jeder Frosch eine Geschichte.“

Emil war müde von all den neuen Eindrücken, deshalb legte er sich ins warme Gras, ließ sich die Sonne auf den Pelz scheinen und erfreute sich an dem Plätschern des Baches.

Sein Herz klopfte immer noch, aber nicht mehr vor Angst - es klopfte vor reinem Glück.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!