Wie du siehst, gibt es eine neue Kategorie in meinem Blog, die ich mit
‚Einfach nur: Nachgedacht‘
überschrieben habe - und dieser Post ist der erste Beitrag!
In dieser Kategorie werde ich immer mal wieder meine Gedanken
mit euch teilen und wenn du magst, darfst du deine Gedanken dazu sehr gerne im
Kommentar hinterlassen. Ich würde mich sehr darüber freuen.
Los geht’s mit einer Behauptung. Ich behaupte
nämlich, dass wir alle Geschichtenerzähler sind. Ja, auch du bist ein
Geschichtenerzähler (und ich werde hier nicht gendern). Glaubst du nicht? Ich
beweise es dir und ich behaupte noch etwas: Du hast dich selbst schon oft
angelogen – und das meistens unbewusst.
Welche Lügen du dir erzählt haben könntest? Na,
zum Beispiel diese hier: ‚Ich bin kein Typ für sowas‘, ‚Das klappt bei mir
sowieso nicht‘ – und was wir uns im Alter auch gerne erzählen, ist: ‚Dafür bin
ich schon zu alt‘ oder ‚Das liegt an meinem Alter‘.
Was das Schlimme daran ist? Das wir uns glauben.
Wir glauben diesen Sätzen, die wir uns immer und immer wieder erzählen, bis sie
zu unserer Realität werden.
Welche Geschichte erzählst DU dir über dich
selbst – und stimmt sie überhaupt? Hast du das (oder dich) mal hinterfragt?
In unserem Kopf läuft sozusagen 24 Stunden am Tag
ein Film, in dem wir der Hauptdarsteller sind. – Oder sind wir auch der
Regisseur? – Und was sich da so in unserem Kopf abspielt, sind oft von unseren
Eltern, Lehrern oder der Gesellschaft übernommene Rollen oder Aussagen, die gar
nichts mit uns zu tun haben.
Diese leise Stimme in unserem Kopf, die alles
kommentiert, was wir tun, die uns leise einflüstert, wer wir sind, was wir
können – oder noch lieber: was wir (angeblich) nicht können. Und so ist das,
was wir als Realität für uns abgespeichert haben, oft nichts anderes als eine
Geschichte, die wir uns immer und immer wieder erzählen.
Wenn wir uns aber bewusstwerden, welche Macht
unsere Gedanken (bzw. die ständigen Erzählungen) über uns haben, können wir
beginnen, unser eigenes Drehbuch zu schreiben.
Lass uns drei Sätze anschauen, die wir uns evtl.
erzählen:
1. Satz: Ich bin ein Technik-Legastheniker. Wenn wir
uns den Satz immer wieder sagen (und leider darf ich mich da einreihen) heißt
das nichts anderes, als dass wir es erst gar nicht probieren. Schade!
2.
Satz: Ich bin unsportlich! Auch diese Geschichte erzähle ich mir immer
wieder und wisst ihr warum? Weil ich dann erst gar nicht erst beginnen muss.
Ich kann es ja nicht (schon seit Kindertagen übrigens). Na, da ist doch klar,
dass ich erst gar nicht beginne und mir zum einen den ‚Schmerz des Beginnens‘
erspare und zum anderen das ‚Risiko des Scheiterns‘.
3. Satz: Ich bin halt ein Morgenmuffel. Den Satz
erzähle ich mir zwar nicht, aber vielleicht der eine oder andere von euch. Und
schon kann ich mich morgens unhöflich benehmen und ich darf träge sein, weil:
ich bin halt so und kann es nicht ändern. (Wirklich? Und wenn doch?!)
Wenn wir Glaubenssätze (bzw. das Drehbuch anderer) übernommen haben, können wir uns vielleicht folgende Sätze sagen:
1. Satz: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Kennen wir alle, oder?! Aber was bedeutet dieser scheinbar unscheinbare Satz? Das wir uns Entspannung (das Vergnügen) erst verdienen müssen – und zwar durch Erschöpfung. Erst dann, wenn wir erschöpft sind von der Arbeit dürfen wir ruhen. – Fatal, oder nicht?
2. Satz: Man/Ich muss es allen recht machen. Wir halten mit unserer Meinung
hinterm Berg, sagen nicht was wir denken, weil wir nur dann wertvoll sind, wenn
keiner auf uns sauer ist bzw. alle uns als ‚nett‘ und ‚lieb‘ betiteln würden. –
Aber was ist deine Wahrheit – sprich sie aus!
3. Satz: In meinem Alter macht man das nicht mehr.
Oder noch besser: in meinem Alter lohnt sich das nicht mehr. Bei dieser
Geschichte bzw. diesem Satz hören wir vielleicht auf, etwas Neues zu erlernen.
Weil … in unserem Alter … Warum erzählen wir uns derartige Geschichten und
verhindern damit, uns weiterzubilden, nur weil wir ein gewisses Alter erreicht
bzw. überschritten haben?
Übrigens sind wir auch ganz fantastische Vorausschauer. Ja, wusstest du gar nicht – aber auch du bist ein Hellseher. Beispiel gefällig?
1. Satz: Das klappt bei mir sowieso nicht. – Siehst du! Vorausschau! Du schreibst das Ende der Geschichte schon, bevor du überhaupt mit dem ersten Kapitel begonnen hast. – Vielleicht tun wir es, um nicht enttäuscht zu werden, sollte es tatsächlich nicht klappen. Aber können wir das wirklich mit Bestimmtheit schon voraussagen, dass es nicht klappen wird?
2. Satz: Wenn ich das sage, wird er/sie mich
verlassen. Wir sind Weltmeister im Kreieren von Katastophen-Szenarien – und
dieses Verhalten hält uns in der Passivität gefangen.
Und ganz beliebt ist der Satz: Ich habe nicht genug Zeit/mir fehlt die Zeit dazu! Ist es wirklich Zeitnot oder hat es mit dem fehlenden Setzen von Prioritäten zu tun?
Welches Fazit könnten wir aus all dem Vorangegangenen ziehen? Vielleicht die Tatsache, dass unsere Geschichten eben keine ‚Tatsachengeschichten‘, sondern alte, übernommene, erlernte und nie hinterfragte Schutzmechanismen sind - und: Nur weil wir etwas denken, entspricht es noch lange nicht der Wahrheit!
Wenn wir aus diesem Kreislauf aussteigen möchten,
ist wohl der erste Schritt, dass wir versuchen, uns selbst dabei zu ‚ertappen‘,
wenn wir uns wieder mal eine Geschichte (über uns) erzählen. Wenn wir dann kurz
innehalten, durchatmen und uns fragen: Ist das wirklich wahr, was ich da über
mich denke? – verändern wir viel.
Auf diese Weise stoppen wir zwar nicht gleich
unsere Gedanken, was auch wohl nur wenigen wirklich gelingt, aber wir halten
die Gedanken an und wechseln die Perspektive. Weg vom unbewussten
‚Schauspieler‘ hin zum bewussten ‚Regisseur‘. Auf diese Weise schreibst du das
Drehbuch/dein Drehbuch um!
Und so denkst du nicht mehr: Ich bin schusselig!
Sondern du denkst bzw. fragst dich „Bin ich schusselig? Stimmt das wirklich? Und
ja, dir werden Beispiele einfallen, wo das wirklich mal der Fall war. – Aber such
doch mal ganz bewusst nach Beispielen, wo es eben nicht zutraf.
Sätze, die mit ‚Ich bin‘ beginnen, haben übrigens
eine ganz besondere Kraft und Wirkung, weshalb wir sehr vorsichtig bzw.
umsichtig mit derartigen Sätzen umgehen sollten.
Am Ende des Tages – wie wir heutzutage gerne
sagen – sind wir nicht die Geschichten, die wir uns erzählen und die permanent
in unserem Kopf ablaufen.
Am Ende des Tages bist DU derjenige, der den
Stift hält und der seine Geschichte jederzeit umschreiben kann.
Ist heute nicht ein unfassbar guter Tag, um ein
neues Kapitel zu beginnen?