Sonntag, 5. April 2026

Wie aus dem Ei gepellt

Der April zeigte sich von seiner besten Seite. Die Forsythien leuchteten in einem fast unverschämten Gelb und die Luft roch nach frischem Gras und dem Versprechen von Frühling.

Für Herrn Schmidt, den pensionierten Mathelehrer, war das Osterfest in jedem Jahr Anlass genug, um sich besonders elegant zu kleiden.

In diesem Jahr war Pastell der Trend und er ging mit der Zeit. Er hatte sich ein Sakko in einem sanften Pfirsichton zugelegt und kombinierte es mit einer akkurat gepressten Hose in Eierschalenweiß.

Seine Lederschuhe waren so gründlich mit hochwertigem Wachs poliert, dass sich die bunten Ostereier darin hätten spiegeln können.

„Perfekt!“, murmelte er vor dem Spiegel, während er seine dezent gemusterte Seidenkrawatte zurechtrückte.

Als er das Haus verließ, traf er auf Frau Meyer, die gerade dabei war, ihren Enkeln beim Suchen im Vorgarten zuzusehen. Sie hielt inne, rückte ihre Brille zurecht und rief bewundernd: „Aber hallo, Herr Schmidt! Sie sehen ja aus wie aus dem Ei gepellt!“

Herr Schmidt neigte huldvoll sein Haupt. „Man gibt sein Bestes, Frau Meyer. Ostern ist schließlich nur einmal im Jahr.“

Zufrieden und mit einem federnden Schritt machte er sich auf den Weg. Sein Ziel: die alte St. Marienkirche. Er wollte früh genug da sein, um einen Platz in der mittleren Bankreihe zu ergattern. Dort schien das Licht so herrlich durch die bunten Glasfenster, dass es sein Outfit am vorteilhaftesten in Szene setzen würde.

Doch es sollte anders kommen. Genau in dem Moment, als er den Kirchplatz betrat, schlug das Wetter um. Ein plötzlicher, heftiger Aprilschauer fegte über das Kopfsteinpflaster. Die Menschen rannten schnell Richtung Kirche. Herr Schmidt entschied sich jedoch für das Vordach des Gemeindehauses. Nervös strich er über sein Sakko. Glück gehabt! Alles saß immer noch makellos.

In diesem Augenblick bemerkte er Frau Kofler, eine ältere Dame aus der Nachbarschaft, die mit ihrem Rollator sichtlich mit den tückischen, nassen Pflastersteinen kämpfte. Vorne im Korb lagen drei wunderschöne, selbstgebackene Osterzöpfe für das anschließende Kirchencafé.

Herr Schmidt sah, dass sich der Rollator gefährlich zur Seite neigte und Frau Kofler dadurch ins Schwanken geriet. Er erstarrte, doch sein Gehirn rechnete in Millisekunden aus, was geschehen würde: ‚Wenn ich jetzt vorspringe, lande ich direkt in der großen Pfütze. Meine eierschalweiße Hose wäre bespritzt und das Sakko durch den Regen in einem desolaten Zustand.‘ Doch in der Sekunde, in der die Osterzöpfe drohten, direkt in den Matsch zu segeln, sah Herr Schmidt das ängstliche Gesicht der Frau, machte einen Satz und sprang von seinem trockenen Podest Richtung Frau Kofler und mitten in die Pfütze hinein. Es machte „Klatsch“ – und braunes Regenwasser schoss hoch und hinterließ ein abstraktes Muster aus Dreckspritzern auf seinen eierschalweißen Hosenbeinen. Er fing Frau Kofler am Arm ab, stabilisierte mit der anderen Hand den Rollator und rettete dadurch die Frau und die Osterzöpfe.

„Herr Schmidt!“, rief diese atemlos. „Oh Gott, Ihre schöne Kleidung! Ich bin untröstlich.“

Herr Schmidt blickte an sich herab. Er war ruiniert. Sein Sakko war völlig durchnässt, die Hose besudelt. Er sah jetzt aus wie ein nasser, vom Schlamm bespritzter Pfirsich.

Doch zu seiner eigenen Überraschung antwortete er: „Es ist nur Stoff, Frau Kofler!“, und genau das fühlte er in diesem Moment.

Gemeinsam betraten die beiden anschließend die Kirche. Herr Schmidt versuchte nicht mehr, sich in die Mitte zu setzen. Er schlüpfte lieber in die letzte Reihe, um seine Flecken zu verbergen. Doch nach dem Gottesdienst, beim Osterkaffee, blieb sein Missgeschick nicht unbemerkt.

Frau Meyer kam auf ihn zu, sah das Desaster an seinen Beinen und setzte an: „Aber Herr Schmidt, Sie sahen heute Morgen doch noch aus, wie …“, als Frau Kofler sie sanft unterbrach: „Wissen Sie, Frau Meyer, Herr Schmidt sah heute Morgen zwar aus wie aus dem Ei gepellt, doch zu einem wahren Engel wurde er erst in dem Moment, als er mir helfend zur Seite sprang – direkt in eine Pfütze hinein.“

Herr Schmidt spürte, wie er rot wurde – nicht vor Scham, sondern vor Wärme. Er sah auf seine schmutzigen Schuhe und lächelte. In diesem Moment begriff er etwas Wichtiges: Die 'Schale' – das perfekte Äußere – war nur die Verpackung. Was die Menschen wirklich berührte, war der Kern darunter.

Und so verbrachte er eine wundervolle Zeit beim gemeinsamen Osterfrühstück und kümmerte sich nicht mehr um seine Bügelfalten und fühlte sich nach langer Zeit wieder so richtig lebendig. 


Frohe Ostern!

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Freitag, 3. April 2026

Familie Langohr und die Villa Löwenzahn

Am Rande des Waldes und inmitten der saftigsten Wiesen steht die bezaubernde Villa Löwenzahn. Es ist ein wahrlich stattliches Gebäude mit einem sonnengelben Anstrich, moosgrünen Fensterläden und einem Dach aus glänzend roten Ziegeln. Rund um das Haus gibt es einen duftenden Garten, in dem sich die Bienen und Schmetterlinge nur zu gerne tummeln.

Hier, in diesem wunderschönen Haus, ist Familie Langohr zuhause. Heute riecht es im Haus nach einem frisch gebackenen Hefezopf, dennoch scheint die Stimmung in der Wohnküche ein wenig gereizt zu sein.

„Das Desaster vom letzten Jahr darf sich auf keinen Fall wiederholen“, mahnte Papa Langohr in diesem Moment. „Die Arbeit der Hennen war wirklich ein logistischer Albtraum.“

„Lass mich nur machen, mein Lieber“, meinte Mama Langohr und trat auf die Terrasse des Hauses, die direkt an den Hühnerhof grenzte, wo die Henne Berta bereits mit ihren Kolleginnen wartete.

„Berta, meine Liebe“, begann Mama Langohr diplomatisch, während sie ein paar Körner in die Runde streute, „wir schätzen eure Bio-Qualität wirklich sehr, aber wenn die Lieferung wie im vergangenen Jahr wieder erst am Karsamstag um elf am Gartentor eintrifft, ist das einfach zu spät für uns. Vielleicht wäre es euch möglich, die Eier in diesem Jahr ein wenig früher zu liefern. Das würde uns bei unserer Arbeit wirklich sehr helfen.“

Berta pickte unbeeindruckt ein Korn nach dem anderen auf. Dann meinte sie: „Na gut, wir werden sehen, was wir machen können. Schließlich fordern einige von uns mehr Pausen und wir wollen es uns nicht mit der Gewerkschaft verderben. Aber gut: Ich denke, wir werden in Etappen liefern. Die ersten fünfhundert sind bis heute Abend in eurer Speisekammer.“

„Super“, freute sich Mama Langohr und überbrachte sogleich die gute Nachricht an die Familie.

In der hellen Werkstatt des Hauses brodelten bereits die Töpfe auf dem alten Herd. Zwiebelschalen für Goldgelb, Rote Bete für ein sattes Rubinrot und Rotkohl für ein tiefes Blau. Die ganze Familie stand bereit, um an diesem wichtigen Tag mit anzupacken. Die beiden ältesten Kinder, Max und Leila, balancierten die Eier in die Farbbäder, nur Opa Hoppel und Tilda, das Nesthäkchen, sorgten für ein wenig Unruhe.

Da Opa Hoppels Augen sehr trübe waren, hatte er mit seinem Stock bereits drei Eier vom Küchentisch gefegt. Ja und die kleine Tilda war so fasziniert von all den Farben, dass sie mehr sich selbst, als die Eier färbte.

Nun war Mamas diplomatisches Feingefühl ein weiteres Mal gefragt: „Opa, vielleicht solltest du ...“, begann sie vorsichtig, doch Opa fiel ihr sogleich ins Wort: „Ich hab das schon gemacht, als ihr alle noch gar keine Löffel hattet!“, trompetete er.

Es musste unbedingt eine Lösung her, die ihn nicht kränkte. Gott sei Dank kam Mama Langohr bald darauf die rettende Idee: „Opa, Tilda – wir haben ein Problem. Wir brauchen jemanden, der die Eier mit Speck poliert. Schließlich werden dann aus den bunten Eiern erst Ostereier. Und wir sollten sie noch mit einem ganz speziellen Siegel versehen. Kommt doch mal her, ihr zwei!“

Und so richtete sie den beiden einen gemütlichen Platz fernab der Farben ein. Opas Aufgabe war es nun, jedes Ei mit einer Speckschwarte zu polieren und es anschließend Tilda zu reichen, die eine Pfote in goldenen Staub tauchte, um jedes Ei danach mit einem kleinen Pfoten-Glückssiegel zu versehen.

Opa genoss es, noch gebraucht zu werden und erzählte allen Geschichten von früher und so arbeiteten sie Hand in Hand, bis die Glocken zur Osternacht läuteten. Sie hatten es noch rechtzeitig geschafft!

In diesem Jahr war wirklich alles ohne weitere Komplikationen vonstattengegangen. Nun standen sie mit ihren vollgepackten Kiepen am Gartentor der Villa Löwenzahn, um die Eier zu verteilen. Doch als sie den schmalen Pfad zum Dorf nehmen wollten, stockte ihnen für einen kurzen Moment der Atem. Der schwere Sturm vor ein paar Tagen hatte eine morsche Weide direkt über den Weg und die Brücke des angrenzenden Baches geworfen. Es schien kein Durchkommen mit den schwer gefüllten Kiepen zu geben.

„Wir kommen nicht durch!“, rief Max, der älteste Sohn, verzweifelt. „Wenn wir den Umweg über den Steinberg nehmen, werden wir niemals vor Sonnenaufgang fertig!“

Opa Hoppel räusperte sich: „Früher, als es die Brücke noch nicht gab, haben wir eine Kette gebildet und so die Eier Stück für Stück auf die andere Seite gebracht. Das ist die einzige Möglichkeit, die uns bleibt.“

Und so kletterte Papa als Erstes über den Stamm, gefolgt von Mama, Max und Leila. Und so reichten sie Ei für Ei von Pfote zu Pfote über das Hindernis hinweg, bis auch das letzte Ei heil und sicher auf der anderen Seite angekommen war und so schafften sie es noch rechtzeitig, während die Menschen noch schliefen, durch die Gärten zu hoppeln und die Eier zu verstecken.

Papa und die Großen übernahmen die schwierigen Verstecke in Astgabeln und hinter Dachrinnen. Opa und Tilda jedoch waren für die Verstecke zuständig, die als Erstes gesichtet werden würden.

Und als die Sonne den Horizont küsste und die Villa Löwenzahl in goldenes Licht tauchte, saßen sie bereits alle gemeinsam auf ihrer Terrasse. Sie waren zwar erschöpft, doch ihre Herzen waren voller Freude. - Und so wurde auch in diesem Jahr der traditionelle Zauber von Ostern bewahrt.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


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Donnerstag, 2. April 2026

Das letzte Ma(h)l – Gründonnerstag (Nachgedacht)

Wir kennen die Geschichte: Jesus teilt am Gründonnerstagabend zum letzten Mal das Mahl mit seinen Jüngern.

Stellen wir es uns vor: Es ist ein stiller Abend. In der Luft hängt der Duft von Gewürzen. Im Raum brennen die Öllampen, während dreizehn Männer um einen Tisch sitzen. – Es ist das ‚Letzte Abendmahl‘, ein Moment, der die Zeit in ein Vorher und ein Nachher einteilen wird.

Jesus bricht das Brot. Ob in diesem Moment für ihn eine gewisse Melancholie mitschwang, weil er wusste, was die anderen vielleicht ahnten: Dass es das letzte Mal sein würde, dass sie so zusammenkommen würden? Das letzte Mal, dass sie den Wein gemeinsam tranken. Das letzte Mal, dass er seinen Freunden in die Augen blicken konnte – und sie ihm.

Wenn wir uns bewusstwerden, dass jeder Moment ein letztes Mal in sich birgt, sollte uns das nicht eine gewisse Schwere bereiten, sondern uns ermuntern, achtsamer zu werden und zu sein.

Stell dir vor, du verabschiedest dich morgens an der Tür. Ein flüchtiger Kuss, ein gemurmeltes ‚Bis später‘. Du weißt nicht, ob es das letzte Mal ist und ob du später den Schlüssel im Schloss drehen hören wirst, wenn der geliebte Mensch zurückkehrt. Vielleicht sollten wir dieses ‚bis später‘ in ein achtsames ‚Pass gut auf dich auf‘ oder in ein ‚Ich liebe dich‘ verändern. – Wir sollten Herzlichkeit und liebevolle Worte nicht auf ‚Irgendwann‘ verschieben, sondern sie in jedem Moment aussprechen, denn es könnte …

… das letzte Mal sein, dass ein Kind dich bittet, es hochzuheben

… das letzte Mal sein, dass du mit deinen Eltern über belanglose Dinge lachst

… das letzte Mal sein, dass du schmerzfrei durch den Wald gehst.

Das letzte Mal ist ein unsichtbarer täglicher Begleiter unseres Lebens. Ein leiser Gast, den wir oft ignorieren, weil seine Gegenwart uns ängstigt.

Ist es nicht so, dass uns die Weisheit des letzten Mahls lehrt, dass wir keine Angst vor dem – oder einem – Ende haben müssen oder sollen, sondern dass es darum geht, uns der ‚Heiligkeit des Augenblicks‘ bewusst zu sein?

Wenn wir wüssten, dass das Gespräch, das wir gerade führen, unser letztes mit dieser Person ist – würden wir dann wirklich über das Wetter klagen oder alte Vorwürfe aufwärmen? Oder würden wir jedes Wort wie ein kostbares Juwel wiegen?

Die Achtsamkeit oder das Bewusstsein des ‚letzten Mals‘ hilft uns, das Unwichtige vom Wesentlichen zu unterscheiden. Wenn wir begreifen, dass jeder Moment das Potenzial hat, ein Finale zu sein, verwandelt sich Routine. Das Brot schmeckt intensiver, die Umarmung wird fester, das Zuhören tiefer.

Ich denke, wir sollten nicht mit Furcht auf das - oder ein - Ende blicken, sondern mit einer gewissen Wachsamkeit und Achtsamkeit – dem Moment gegenüber.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

Mittwoch, 1. April 2026

April, April!

In dem beschaulichen Ort Kuckucksheim herrschte helle Aufregung. Der Lokalreporter Paul Schulze hatte sich für die Zeitungsausgabe zum 1. April etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Und so prangte auf der ersten Seite der ‚Kuckucksheimer Nachrichten‘ in fetten Lettern die Schlagzeile:

"Sensationeller Goldfund unter dem Markplatz -

Archäologen vermuten Schatz von Kaiser Barbarossa!“

Bürgermeister Willi Wichtig saß noch im Schlafanzug am Frühstückstisch, als seine Frau Adelheid mit der Zeitung hereinrauschte. Adelheid war bekannt dafür, dass sie sich nicht als die Frau des Bürgermeisters, sondern als Frau Bürgermeister fühlte.

„Willi! Schau dir das an!“, rief sie, nachdem sie die Schlagzeile gelesen hatte und knallte die Zeitung zwischen die Marmeladengläser. „Gold! Unter unserem Marktplatz! Und du wirst nicht als Erster informiert?! Das ist eine Schande, mein Lieber, aber vielleicht auch die Chance, auf die wir immer gewartet haben. Ich sehe es schon vor mir. Kuckucksheim wird berühmt – und wir – DU – auch! Willi … ich brauche ein neues Kleid, wenn man dir für deine großartige Arbeit das Bundesverdienstkreuz am Bande verleiht.“

Willi, der gerade versuchte, seinen Kaffee unfallfrei zum Mund zu führen, setzte die Tasse wieder ab und starrte auf den Artikel. „Aber Adelheid, lies mal weiter, da steht, die Leute dürfen mit Schaufeln und Sieben kommen und behalten, was sie finden! Das ist doch Wahnsinn! Das geht so nicht! Das ist gar nicht erlaubt. Der Fund gehört dem Staat … und die Leute … sie werden in Massen zum Marktplatz stürmen! Ich muss was tun!“

Er griff zitternd zum Telefon, um die Landespolizei und den Denkmalschutz zu alarmieren, doch Adelheid riss ihm den Hörer aus der Hand. „Nichts da! Du wirst jetzt sofort das Ordnungsamt mobilisieren und den Platz absperren lassen. Das ist unsere Chance, Willi. WIR müssen das Gold finden. Verstehst du! - Also, mein Lieber, beweg dich! WIR schreiben heute Weltgeschichte!“

Doch Willi hörte in diesem Moment nicht auf seine Frau, da Paul Schulze, der Reporter, am Gartenzaun vorbeispazierte. Der Bürgermeister stürzte zum Fenster, riss es auf und rief: „Paul! Hast DU das geschrieben? Das geht so nicht? Ich muss den Katastrophenschutz alarmieren! Der ganze Ort wird auf den Beinen sein, um den Schatz zu finden!“

Paul blieb stehen, rückte sich die Brille zurecht und grinste breit. „Ach, Willi, nun beruhige dich mal. Wer weiß schon, ob da unten wirklich was zu finden ist.“

Die Frau Bürgermeister ignorierte die Worte des Reporters: „Willi, zieh dir die Hose an, wir gehen zum Marktplatz!“

Um Punkt 9:00 Uhr bot sich ein absurdes Bild: Fast die gesamte Bevölkerung des kleinen Ortes schien sich mit Sandsieben und Spaten auf dem Marktplatz versammelt zu haben.

Adelheid Wichtig stand in ihrem besten Sonntagsmantel auf dem Platz und versuchte, mit einem Absperrband eine „VIP-Zone“ zu markieren, während Willi mit einem Megafon gegen das Gebrüll der Menge ankämpfte. „Bürger von Kuckucksheim! Zurücktreten! Das Gold ist Eigentum des Staates … also, der Gemeinde ... also, quasi ... von Adelheid und von mir!“

Als sich die Menge empört gegen den Bürgermeister richten wollte, bog ein kleiner, bunter Lieferwagen der Konditorei „Süßer Traum“ hupend um die Ecke. Paul Schulze sprang vom Beifahrersitz, hielt ein riesiges Schild mit der Aufschrift „APRIL, APRIL!“ hoch und öffnete mit einem dramatischen Ruck die Hecktüren.

Dort stand ein großer Korb mit Hunderten in Goldfolie gewickelte Schokoladeneier, die der Reporter nach der Aufklärung der Umstände an alle verteilte. – Die meisten brachen in schallendes Gelächter aus. Der Rest ging schmollend nach Hause.

Adelheid Wichtig starrte wie versteinert auf das goldene Schokoladenei in ihrer Hand.  Willi senkte langsam das Megafon. Er sah Paul an und dann seine Frau mit dem Goldschatz in der Hand.

„Da hast du dein Gold, Schatz“, schmunzelte er.

Adelheid schnaubte kurz, meinte dann aber doch vergnüglich: „Na gut, Willi. Aber das neue Kleid, das kaufe ich mir trotzdem.“

Willi Wichtig puhlte das Goldpapier vom Schokoladenei, steckte es sich genussvoll in den Mund und rief ins Megafon hinein: „Na gut, Paul Schulze, das war eine saubere Ente. Aber nächstes Jahr suchst du dir bitte etwas aus, das meinen Blutdruck schont!“

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


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Samstag, 28. März 2026

Felix und die Suche nach dem Sinn

In einem zauberhaften Wald lebte einst ein kleiner Hase. Sein Name war Felix. Schon von Kindesbeinen an war er flink und voller Lebensfreude. Doch was ihn am meisten ausmachte war, dass er neugierig war. Im positiven Sinn neugierig. Er hinterfragte viele Dinge, über die sich die anderen Waldtiere anscheinend wenig Gedanken machten. Und so saß der Hase eines Tages, als die Sonne freundlich durch die Bäume schien, auf einer weichen Moosstelle und hinterfragte sich und sein Leben. ‚Was ist eigentlich der Sinn meines Lebens‘, fragte er sich.

Er sah nah oben, lauschte den Vögeln beim Zwitschern und entschied, sich auf eine Reise zu begeben, um dieser Frage nachzugehen. Sein Ziel war es, die Waldbewohner, die seinen Weg kreuzten, nach dem Sinn IHRES Lebens zu fragen und so machte sich Felix auf den Weg.

Bereits nach kurzer Zeit traf er ein sanftes Reh, das gemütlich am Waldrand graste. Sogleich sprach er es an: „Liebes Reh, verrätst du mir, was der Sinn deines Lebens ist?“

Das Reh war etwas verwundert über die Frage, doch dann lächelte es freundlich und antwortete: „Für mich ist der Sinn meines Lebens, für meine Familie da zu sein und gemeinsam mit ihnen durch den Wald zu streifen. Ich gebe all mein Wissen an meinen Nachwuchs weiter und zeige meinen Kindern, wo die saftigsten Gräser wachsen. Das ist mein Glück und mein Lebenssinn.“

Dankbar für diese Antwort zog Felix weiter und traf bald darauf einen stattlichen Hirsch. Tief beeindruckt von seiner majestätischen Gestalt fragte er ehrfürchtig: „Herr Hirsch, was bedeutet für Sie das Leben?“

Der Hirsch schnaubte, so dass der Hase respektvoll Abstand nahm. Doch dann sprach der Hirsch mit tiefer, aber sanfter Stimme: „Mein Lebenssinn ist es, stark und mutig zu sein. Mein Geweih ist dafür ein äußeres Zeichen. Ich beschütze den Wald und meine Herde und ich sorge für Gerechtigkeit. All das erfüllt mich und macht mich stolz.“

Als der Hase seinen Weg fortsetzte, begegnete er im feuchten, moosigen Teil des Waldes, einem Wildschein, das ausgelassen im Matsch wühlte. Das Wildschwein grunzte, als Felix ihm seine Frage gestellt hatte.

„Lass mich überlegen“, entgegnete es, „ich liebe gutes Futter und Abenteuer im Unterholz. Ich bin gerne mit meiner Rotte zusammen und glücklich, dass so viel Freude und Genuss in meinem Leben sind. Mehr brauche ich nicht.“

Als Nächstes traf Felix ein Eichhörnchen, das ihm antwortete: „Ich sammle für mein Leben gern Vorräte und ich entdecke gerne Neues. Mein Sinn liegt darin, für mich und andere zu sorgen.“

Auf einem Ast über Felix' Kopf hüpfte ein lebhafter Eichelhäher. Der Hase blickte neugierig nach oben und fragte: „Eichelhäher, was ist für dich der Sinn des Lebens?“

Der Eichelhäher in seinem wunderschönen Gewand antwortete fröhlich: „Für mich ist der Sinn meines Lebens, Samen zu verbreiten. Ich liebe es, die Eicheln durch den Wald zu tragen und ihm auf diese Weise neue Bäume zu schenken. Mit meinem bunten Gefieder und meiner ansteckenden Lebensfreude bin ich für viele ein wertvoller Wegbegleiter.“

Als die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand und den Wald ein letztes Mal für diesen Tag in ein goldenes Licht tauchte, fühlte sich der Hase müde von seiner Reise und suchte sich ein gemütliches Plätzchen unter einem alten Baum mit knorrigen Ästen. Felix lehnte sich an die von der Sonne gewärmte Rinde des Baumes und blickte hinauf zu seiner Krone.

Da begann der Baum leise zu sprechen. „Ich habe dich beobachtet. Du fragst die Tiere nach dem Sinn ihres Lebens. Möchtest du dazu auch eine Antwort von mir?", fragte er vorsichtig und fuhr sogleich fort: „Für mich liegt der Sinn des Lebens darin, zu wachsen, die Sonne zu genießen, die Waldbewohner zu beobachten, Stürmen zu trotzen und das Schönste ist, dass ich ihnen Schutz, Nahrung und Heimat bieten darf. Das ist der schönste Lebenssinn, den ich mir vorstellen kann.“

Gerade als dem Hasen vor Müdigkeit die Augen zufallen wollten, nahm er eine Eule auf einem der Äste des Baumes wahr. Felix wollte sich nicht die Möglichkeit nehmen, auch sie nach einer Antwort zu fragen.

Die Eule blinzelte ihm freundlich zu und sprach mit ruhiger Stimme: „Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, zu lernen und mein Wissen zu teilen. Ich beobachte den Wald, gebe Rat und helfe den Tieren, wenn sie mich brauchen. Man sagt mir nach, dass ich weise sei. So gebe ich diesen Schatz gerne weiter und so liegt für mich der Sinn im Weitergeben meiner Weisheit.“

Am nächsten Tag begab sich Felix auf den Rückweg. Er hatte genug Geschichten gehört. Zuhause angekommen setzte er sich erneut auf die Moosstelle, auf der er vor Beginn seiner Reise gesessen hatte.

Jedes Tier und auch der Baum hatten einen anderen Sinn im Leben gefunden. Für das Reh war es die Familie, für den Hirsch die Stärke, für das Wildschwein das Genießen, für die Eule die Weisheit, für das Eichhörnchen das Abenteuer, für den Eichelhäher das Teilen und für den Baum das Wachsen und Beschützen.

Felix erkannte, dass der Sinn des Lebens für jeden etwas anderes bedeutete und dass es immer darum ging, was man mit Freude für sich und andere tat.

In diesem Moment spürte Felix in seinem Herzen die Antwort auf seine Frage. Der Sinn seines Lebens war es, neugierig auf das Leben zu sein und die Schönheit des Waldes zu erleben. Vor allem aber war sein Lebenssinn, Glück und Freude zu verbreiten.

Felix verstand, dass der Sinn jeden Lebens in den kleinen Dingen liegt, die man jeden Tag erlebt und darin, das Leben mit anderen zu teilen und für sie da zu sein.

Neugierig darauf, was das Leben noch für ihn bereithielt, hoppelte Felix glücklich davon.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

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Mittwoch, 25. März 2026

Der Sängerwettstreit

Heute war der große Tag gekommen. An diesem herrlichen Frühlingstag sollte ein großer Sängerwettstreit ausgetragen werden.

Die Jury, bestehend aus dem Hasen Hoppel, der gerade seine langen Löffel putzte, dem Eichhörnchen Fritzi, das aufgeregt auf einer umgestürzten Birke jonglierte und aus dem Igel Isidor, der sich extra ein frisches Gänseblümchen zwischen seine Stacheln gesteckt hatte, war bereits vor Ort.

„Möge die schönste Stimme gewinnen!“, rief Fritzi, das Eichhörnchen, voller Vorfreude.

Und so begann die Amsel. Sie flog auf die höchste Spitze der Tanne, plusterte ihre schwarzen Federn auf und schmetterte mit erhobener Brust eine melodische Arie in den Morgenhimmel.

„Sehr elegant!“, befand der Hase.

Doch kaum war der letzte Ton verhallt, ertönte von der Nachbarwiese ein meckerndes: „Määäääh! Viel zu laut! Und dann dieses Getue des schwarzen Vogels. Das hat mir nicht gefallen.“ Es war Zora, die alte Ziege, die den Kopf über den Zaun streckte und ungebeten ihre Meinung kundtat.

Die Vögel ließen sich allerdings nicht beirren. Als Nächstes flatterte der Stieglitz auf einen Zweig. Sein Gesang war so quirlig und flink wie er selbst.

„Das macht gute Laune!“, fiepte das Eichhörnchen und vollzog einen kleinen Freudensprung.

Zora war da anderer Meinung: „Määäääh!“ Das Gezwitscher klingt wie ein kaputtes Radio!“

Zuletzt hüpfte das kleine Rotkehlchen auf einen Zaunpfahl – ganz nah bei Zora. Es sang eine Melodie, die so zart war, dass es im Garten ganz still wurde. Sogar Isidor der Igel hielt für einen kurzen Moment den Atem an.

„Pah!“, meckerte Zora. „Viel zu leise! Dabei schläft man ja ein. Määäääh!“

Die Jury beachtete den Einwurf der Ziege nicht, geriet aber in einen kleinen Streit darüber, wessen Lied nun das schönste gewesen sei.

„Die Amsel hat die meiste Kraft!“, rief der Hase. „Aber der Stieglitz hat den besten Rhythmus!“, zankte das Eichhörnchen. „Und das Rotkehlchen singt mit ganzer Seele!“, brummte der Igel beleidigt.

Die Vögel begannen gekränkt mit den Flügeln zu schlagen und die fröhliche Stimmung drohte zu kippen. Nur Zora, die alte Ziege, amüsierte sich prächtig.

Da öffnete sich die Gartentür. Die kleine Lea kam barfuß über das Gras gelaufen. Sie trug ein Körbchen voller bunter Bänder. Sie blieb stehen und sah die aufgebrachten Tiere und die hämisch grinsende Ziege.

„Was ist denn hier los?“, fragte sie leise.

„Wir können uns nicht einigen, wer von den dreien der beste Sänger ist!“, rief Hoppel verzweifelt. „Und die alte Ziege meint, keiner sei gut genug!“

Lea ging zum Zaun, kraulte die überraschte Ziege kurz zwischen den Hörnern und wandte sich dann an die Vögel.

„Wisst ihr“, sagte Lea mit einem Lächeln, „wenn ich ein Bild male, nehme ich nicht nur eine Farbe, sondern ganz viele, damit es ein wunderschönes buntes Bild wird. Und so ist es auch mit eurem Gesang. Du, Amsel, schenkst uns mit deinem Gesang Mut, und du, Stieglitz, die Freude und du, Rotkehlchen, die Träume. Und wenn ihr gemeinsam singt, wird das perfekte Lied daraus.“

Sagte es, nahm die bunten Bänder aus ihrem Korb und hängte sie in die Sträucher.

„Keiner von euch ist besser als der andere“, fuhr sie fort, „nur zusammen seid ihr das Lied des Frühlings. Und dieses Lied ist perfekt, weil es so verschieden klingt.“

Die Vögel verstummten kurz. Dann passierte etwas Wundervolles: Die Amsel gab den Takt vor, der Stieglitz und das Rotkehlchen stimmten mit ein. Nun war es kein Wettstreit mehr, sondern es klang wie eine wundervolle Symphonie.

Sogar die Ziege stellte das Kauen kurz ein, legte den Kopf schief und gab ein fast schon sanftes „Mäh“ von sich.

In dem Moment fällte die Jury ihr Urteil: „Das schönste Lied ist gar kein einzelnes – es ist das gemeinsame Konzert aller, das den Frühling überhaupt erst ausmacht.“

© Martina Pfannenschmidt, 2026

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Samstag, 21. März 2026

In der Tiefe der Erde

Es war im vergangenen Herbst, als man Lumi, eine kleine Tulpenzwiebel, zusammen mit Hunderten ihrer Artgenossen in die tiefe, feuchte Erde gesetzt hatte.

Für sie alle war es wie ein Abschied in eine Welt der Dunkelheit, doch nach einer Weile wurde sie zu einer guten Vertrauten. Die Zwiebeln fühlten sich sicher in dieser dunklen Welt, die sie wie eine schützende Hülle umgab.

Und so vergingen Tage und Wochen, in denen die Zeit zäh floss und in der die Zwiebeln reglos im gefrorenen Erdreich ihr Dasein fristeten.

Doch eines Tages, als der Frost sich langsam aus dem Boden zurückzog, vernahm man ein leises Raunen im Erdreich, das sich wie ein zartes Beben anfühlte.

Als das geschah, flüsterte eine von ihnen: „Ich denke, nun ist es Zeit. In meinem Inneren spüre ich ein leises Ziehen. Ich glaube, die Wärme ruft uns nach oben.“

Von da an hörte Lumi von überall her ein leises Knacken, als all ihre Nachbarn ihre schützenden braunen Hüllen durchbrachen. Für sie alle war dieser Moment wie ein hoffnungsvolles Aufbrechen, nur für Lumi nicht. Für sie fühlte es sich an, wie ein Sterben. Deshalb klammerte sie sich fest an ihren Kern.

„Ich will nicht!“, zitterte sie innerlich. „Wenn ich wachse, höre ich auf, die zu sein, die ich bin. Das muss doch mein Ende sein. Das muss doch der Tod sein.“

Ihre Nachbarn jedoch schoben sich weiter durch das Erdreich. Sie spürten, wie das Adrenalin durch ihre frischen grünen Triebe schoss. Ja, es war anstrengend, aber auch aufregend, dem inneren Drang nachzugeben und eine unendliche Kraft zu entwickeln, bis sie das gefunden hatten, von dem sie bisher nur gehört hatten: das Licht.

Und dann war es so weit. Sie hatten es geschafft! Eine unbändige Freude breitete sich in ihnen aus, als sie die helle Welt betraten.

Sogleich dachten sie an Lumi, die noch immer in der Erde verharrte. Sie riefen ihr von oben zu, auch wenn sie es nur gedämpft hören konnte: „Komm schon, es ist so weit – auch für dich! Du ahnst nicht, wie groß die Welt ist und wie hell das Licht. Hab keine Angst vor der Verwandlung.“

Eine andere Zwiebel, die nicht ganz so geduldig mit Lumi war, meinte: „Lasst sie einfach. Wenn sie die Sonne nicht sehen will, können wir sie nicht zwingen. Manche wollen eben ewig im Dunklen bleiben.“ „Genau“, meinte eine weitere, „wer nicht will, der hat schon und außerdem: wer nicht aufbricht, wird verfaulen. Selbst schuld.“

All diese Worte trafen Lumi bis ins Mark. Sie fühlte sich einsam, missverstanden und starr vor Entsetzen. Sie wollte doch nur leben – und für sie bedeutete Leben nun mal, so zu bleiben, wie sie war. Aber verfaulen wollte sie auch nicht.

Und so kam der nächste Morgen. Ein sanfter Regen hatte die Erde aufgeweicht, als Lumi in ihrem Inneren einen unbändigen Druck verspürte. Sie spürte, dass sie keine andere Wahl mehr hatte. Sie wurde nicht gefragt, ob sie wachsen wollte, sie spürte: sie musste es tun. In dem Moment, als sie ihren Widerstand aufgab und sich ihrem Schicksal ergab, geschah ein Wunder. Sie fühlte eine unendliche Weite in sich; dann schob sie sich Zentimeter um Zentimeter durch das Erdreich, bis ihre Spitze plötzlich auf keinen Widerstand mehr stieß.

Sie durchbrach die Erdkruste.

Ein gleißender Schauer aus goldenem Licht ergoss sich über sie. Zum ersten Mal spürte Lumi die Sonne und sie erkannte, dass es gar kein Sterben war, was sie erlebt hatte. Es war das Erwachen in einer anderen Dimension, die sie sich in der Enge der Zwiebelhaut niemals hätte vorstellen können. Sie entfaltete sorgsam ihre Blätter und ließ sich von der Frühlingsluft liebkosen. Sie sah das Blau des Himmels, vernahm das Flattern der Schmetterlinge um sich herum und genoss das unendliche Meer aus den unterschiedlichsten Farben all ihrer Gefährten.

Sie war nicht gestorben. Sie war nur zu etwas anderem geworden. Alles, was sie in der Dunkelheit der Erde für ihr ‚Ich‘ gehalten hatte, war nur so etwas wie ein Samenkorn für diese Pracht gewesen.

 

Was denkst DU? Ergeht es uns Menschen nicht ebenso, wie Lumi, der ängstlichen Blumenzwiebel? Wir klammern uns oft an das Bekannte, auch an unseren Körper und unsere vertraute Welt. Wir haben – wie sie - Angst vor dem ‚Aufbrechen‘, vor dem Neuen, dem Unbekannten und ganz besonders vor dem Tod.

Doch wer weiß, vielleicht ist das, was wir den Tod nennen, nur der Moment unseres Durchbruchs. Vielleicht ist diese Geschichte wie ein Spiegel für uns - und unser Erdenleben gleicht der Zeit in der Zwiebel. Vielleicht ist das Erdenleben eine Art der Vorbereitung - in der Dunkelheit -, bevor das eigentliche Leben im Licht beginnt.

Und wenn der Tag kommt, an dem wir ‚aufbrechen‘ müssen, ist es kein Ende, sondern der Augenblick, in dem wir zum ersten Mal die wahre Sonne erblicken und erkennen, dass wir für etwas viel Größeres geschaffen wurden.

Vielleicht wachsen wir ja auch, wie Lumi, in eine andere Dimension hinein, wo die Sonne noch heller scheint und die Blumen noch bunter blühen.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Liebe Lore, diese Geschichte möchte ich dir widmen, denn heute – am Tag der Poesie – wird deine Urne beigesetzt. Viele Jahre haben wir zusammen mit Regina unsere Reizwortgeschichten geschrieben (Lores Märchenzauber und Reginas Geschichten). Das hat uns miteinander verbunden und das sind die Spuren, die wir hier auf der Erde hinterlassen. Unser gemeinsamer Glaube war und ist es, dass der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang von etwas ist. Und deshalb glaube ich ganz fest daran, dass du jetzt im Licht weiterlebst – genau wie Lumi, die kleine Tulpe in meiner Geschichte!

Im Herzen verbunden! – Martina

 


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!