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Montag, 2. Februar 2026

Wenn der ‚Wecker‘ zu früh klingelt

Der Schnee lag an diesem klirrend kalten Februartag dick auf den Wiesen und Feldern, als sich Blausternchen, die kleine Blaumeise, an ein Versprechen erinnerte, das sie jemandem im späten Herbst gegeben hatte.

Zielsicher flog sie deshalb zu einem dicken Laubhaufen. Sie wusste, dass sich darunter Snow, der kleine weiße Igel, befand.

Snow war zwar weiß wie der Schnee, doch er hatte beklagt, dass er noch nie in seinem Leben Schnee zu Gesicht bekommen hatte und daher rührte die Abmachung zwischen ihm und der Meise, ihn aus seinem Winterschlaf zu wecken, sobald sich die Landschaft in ein Winterwunderland verwandelt hatte.

Und so landete Blausternchen sacht auf dem vereisten Laubhaufen. Mit ihrem Schnabel schob die Meise einen hervorstehenden Zweig zur Seite und rief mit ihrer hellen Stimme: „Snow! Wach auf! Es ist so weit!“

Doch im Inneren rührte sich nichts. Die Blaumeise flatterte aufgeregt mit den Flügeln und pickte erneut, um sich einen kleinen Spalt zu schaffen, durch den sie den Igel sehen konnte. „Snow!“, rief sie erneut. „Du bist echt eine Schlafmütze! Wach auf, der Winter ist da!“

Doch nichts rührte sich. Enttäuscht wollte sie gerade ihre Flügel ausbreiten und davonfliegen, als sie ein leises Rascheln vernahm. Ein Häufchen Blätter bewegte sich und eine staubige, feuchte Nase schob sich ins Freie.

„Was ist los? Wer stört mich?“, brummte der Igel schlaftrunken. Etwas verwirrt blinzelte er gegen das grelle Licht an. Doch dann erkannte er die Meise und erinnerte sich: „Blausternchen! Hat es geschneit?“

„Und wie!“, antwortete die Meise. „Komm heraus aus deinem Winterquartier. Dann wirst du es sehen.“

Die Knochen des Igels waren noch ein wenig steif, weshalb er mühsam aus seinem warmen Nest krabbelte. Als er den ersten Schritt ins Freie tat, stockte ihm der Atem. „Was ist das? Alles ist… weiß!“

Vor ihm erstreckte sich eine Welt, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die vertrauten Gräser waren unter einer glitzernden, weichen Decke verschwunden. Jeder Ast der Bäume trug ein weißes Kleid und die Luft war so rein und frisch, wie er es noch nie zuvor erfahren hatte.

„Es sieht aus wie Puderzucker“, flüsterte er ergriffen. „Und es glitzert auf dem Boden wie tausend Sterne.“

Vorsichtig setzte er eine Pfote in das Weiß. „Huch! Es ist … nass … und es ist … weich … und es beißt ein wenig an meinen Pfoten!“

„Das ist die Kälte, Snow“, erkannte die Meise sogleich und hüpfte vor Aufregung von einem Bein aufs andere.

Es dauerte nicht lange und der Igel zitterte am ganzen Körper. „Mir schlottern die Stacheln und meine Zähne klappern und mein Bauch knurrt“, sagte er ziemlich verzweifelt.

„Komm mit!“, zwitscherte Blausternchen und lockte den Igel zum nahen Vogelhaus. Die Meise flog in das Häuschen und schob geschickt einige fette Sonnenblumenkerne und Haferflocken über den Rand, so dass sie direkt vor Snows Nase in den Schnee fielen.

Dankbar fraß der Igel die Körner. „Danke, Blausternchen! Aber sag … warum frierst DU eigentlich nicht in deinem dünnen Federkleidchen? Das verstehe ich nicht.“

Sofort plusterte sich die Meise auf und sah bald darauf aus wie ein kleiner runder Ball. „Schau!“, erwiderte sie. „Das ist mein Trick! Dadurch kommt Luft zwischen meine Federn, die mich wärmt. Außerdem schlägt mein kleines Herz viel schneller als deines, damit ich warm bleibe. Allerdings muss ich im Winter besonders viel essen, damit meine innere Heizung funktioniert“, antwortete sie mit einem Augenzwinkern und war den Menschen für das Futter, das sie ihr zur Verfügung stellten, sehr dankbar.

Nachdem der Igel den letzten Kern verspeist hatte, verspürte er ein wenig Durst. Doch das Wasser, das er sonst im Garten fand, war festgefroren. Wie gut, dass die kluge Meise wusste, wie sie ihm helfen konnte. Mutig hockte sie sich auf den Schnee, der durch die Wärme des kleinen Körpers ein wenig zu schmelzen begann. Bald darauf zeigten sich in einer kleinen Kuhle einige kostbare Wassertropfen, die der Igel dankbar zu sich nahm.

Völlig unvorbereitet nahmen sie in dem Moment eine tiefe, eiskalte Stimme wahr: „Was für einen Unfug macht ihr da?! Ein Igel im Februar? Das ist gegen jede Ordnung!“

Die beiden drehten sich abrupt um und nahmen erst da den Schneemann mit seiner Karottennase wahr. „Du solltest schlafen!“, empörte sich dieser. „Du bringst ja den ganzen Winterplan durcheinander!“

Blausternchen und Snow ignorierten seine Worte und würdigten ihn keines weiteren Blickes. Sie wollten sich nicht durch einen schlecht gelaunten Schneemann von ihrem Abenteuer abbringen lassen. Allerdings erkannten sie bald darauf, dass er nicht ganz unrecht hatte mit seinen Worten.

„Weißt du, Blausternchen“, sagte der Igel schlotternd, „die Kälte krabbelt bis in meine Knochen hinein.“ „Dann solltest du rasch zu deinem Nest zurückkehren“, schlug die Meise vor. Und so trotteten sie zurück zu Snows Winterquartier.

Der Igel rollte sich ein, zitterte aber immer noch am ganzen Körper und meinte: „Ich weiß gar nicht, ob das Laub noch ausreichen wird, um mich wieder aufzuwärmen.“

„Warte Snow“, zwitscherte Blausternchen daraufhin, „ich werde etwas finden, das dich wärmt!“

Schon schwang sich die Meise in die Lüfte und nahm bald darauf über dem benachbarten Kinderspielplatz mitten in all dem Weiß einen Farbtupfer wahr. Etwas leuchtend Rotes lag dort einsam auf einer Holzbank. Ein Kind musste seinen Wollschal dort vergessen haben.

Umgehend stürzte die Meise darauf zu und packte den Schal mit ihrem Schnabel. Doch der war viel schwerer als so mancher Zweig, den sie sonst transportierte. Deshalb schlug sie besonders kraftvoll mit ihren Flügeln und kämpfte sich mit leichtem Rückenwind zurück in den Garten.

Als die Meise erschöpft bei dem Igel eintraf, war dieser bereits in einen leichten Halbschlaf gefallen. Deshalb ließ Blausternchen den roten Schal wortlos und äußerst vorsichtig über Snow gleiten und schob die Enden mit seinem Schnabel unter seinen Bauch, so dass er ganz eingemummelt war.

Bald darauf ließ das Zittern nach und als sich eine wohlige Wärme in dem Igel ausgebreitet hatte, schlief er schnell und mit vielen neuen Eindrücken wieder ein.

Die Meise betrachtete den schlafenden Freund noch eine kleine Weile und flüsterte leise: „Schlaf gut, Snow! Im Frühling sehen wir uns wieder.“

Dann erhob sie sich und flog leise hinaus in den blauen Winterhimmel.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

Sonntag, 11. Januar 2026

Ich kann nicht lennnkennn!!!

Es war ein Wintertag im Januar und über Nacht war eine gigantische Portion Schnee gefallen.

Max und Jara standen am Fenster und lachten über den Nachbarshund. Sein Frauchen hatte ihm den Namen Waldi gegeben, doch Max nannte ihn oft einen tiefergelegter Dackel. Heute verschwand er fast vollständig in der weißen Pracht. Nur seine Ohren sahen die beiden hin und wieder über die weiße Schneedecke fliegen.

„Komm, lass uns auch nach draußen gehen“, schlug Max seiner Schwester vor. Gesagt getan! Bald darauf zerrte Max einen alten Holzschlitten aus dem Schuppen.

„Puh, der stinkt wie ein nasser Hund“, rief Jara. „Warte, ich habe eine bessere Idee." Schon war sie wieder im Haus verschwunden, um bald darauf mit Mamas Wok zurückzukommen.

„Mit dem Ding willst du den Todeshügel herunterfahren?“, fragte Max entsetzt. Vielleicht war er auch neidisch, dass ihm diese Idee nicht gekommen war.

„Klar, mit dem Ding knacke ich jeden Geschwindigkeitsrekord. Wirst schon sehen! Aber verrat mich nicht bei Mama, okay? Sonst bekomm ich bestimmt Ärger.“

Max versprach es und die beiden machten sich auf den Weg Richtung Hügel.

Gerade als sie dort ankamen, tauchte auch ihr bester Freund Paul auf. Er sah aus, als trüge er drei Skihosen übereinander. Und so ging er auch.

Jara lachte: „Hey, Paul, du siehst aus wie ein aufrecht gehendes Marshmallow und was hast du da eigentlich unter deinem Arm klemmen?“

„Ich hab mir mal kurz das Backblech meiner Mutter ausgeliehen“, meinte er daraufhin.

Er hatte das Blech mit Alufolie umwickelt und von unten mit einer ordentlichen Schicht des guten Olivenöls präpariert.

Max war als Erster oben angekommen, schmiss sich bäuchlings auf seinen alten Holzschlitten und rief übermütig: „Bahn frei, Kartoffelbrei!“

Er war mit dem alten Schlitten recht schnell unterwegs, übersah allerdings einen kleinen Maulwurfshügel, der bald darauf wie eine Sprungschanze fungierte. Max hob ab, ruderte dabei mit seinen Armen wie ein junger Pinguin bei seinem ersten Flugversuch und landete mit dem Gesicht voran im Schnee.

Dann war Jara an der Reihe. Mit ihrem Wok war sie rasend schnell unterwegs. Allerdings entwickelte dieser eine Art Eigenleben. Statt den Hügel hinunterzufahren, begann sie sich mit ihrem extravaganten Gefährt wie ein Brummkreisel zu drehen.

„Mir wird schwindlig“, rief sie, während sie an Max vorbeirotierte. Sie drehte sich so schnell, dass sie am Ende des Hangs nicht anhielt, sondern einfach weiter über die gefrorene Wiese schlitterte und direkt auf einen Schneemann zusteuerte, der offensichtlich von anderen Kindern dort gebaut worden war. Als sie gegen den Bauch des Schneemanns stieß, verlor dieser seine Karottennase, die zielsicher in Klaras Kapuze landete.

Nun kam Pauls großer Moment. Er legte sein geöltes Backblech in die Spur, nahm Anlauf – was wegen der dicken Skihose eher einem langsamen Watscheln glich – sprang darauf, um sogleich in einem Affenzahn den Hügel herunterzurasen, was eher einem Höllenritt, als einer Schlittenfahrt glich.

„Ich kann nicht lenken! Ich kann nicht lennnkennn!“, brüllte Paul, als er mit Lichtgeschwindigkeit an seinen Freunden vorbeiraste und direkt auf eine Gruppe von Sträuchern zufuhr. Während das geölte Blech unter den Zweigen hindurch rauschte, blieb er mit seinem fetten Anzug in einem Strauch hängen.

Da hing er nun, unfähig, sich zu bewegen, während Max und Jara vor Lachen fast im Schnee versanken.

„Paul, du siehst aus wie eine Christbaumkugel für Arme“, prustete Max, während er versuchte, den Puderzucker-Schnee aus seinen Ohren zu schütteln.

„Hört auf zu lachen und helft mir lieber!“, rief Paul ein bisschen sauer.

Nachdem sie ihn aus dem Gebüsch gepflückt und die Karotte aus Jaras Kapuze wieder als Schneemann-Nase fungierte, beschlossen sie, dass sie für heute genug erlebt hatten und stapften zurück nach Hause, wo der Duft von frischen Waffeln und heißem Kakao bereits durch die Türritzen nach draußen drang.

„Morgen bauen wir eine Schanze mit Looping“, schlug Max vor.

Paul und Jara hingegen sahen sich an, dachten an das Backblech und den Wok und schüttelten synchron den Kopf.

„Ne“, meinte Jara, „morgen bauen wir erst mal einen vernünftigen Schneemann, der nicht bei der ersten Berührung seine Nase verliert.“

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Donnerstag, 8. Januar 2026

Der kleine Unfugmacher

Weit entfernt von Städten und Lärm, inmitten einer glitzernden Schneelandschaft, lebte eine fröhliche SchneehasenfamiliePapa HoppelMama Möhre und ihre beiden Kinder, Lümmel und seine Schwester Flocke.

Der Bau der Familie lag versteckt unter einer alten Fichte. Die Eltern hatten sie mit Moos und weichen Blättern warm ausgepolstert.

Jeden Tag hüpften die beiden Hasenkinder voller Freude durch den tiefen Schnee. Ihre kleinen Pfoten hinterließen dabei lustige Spuren und ihre Ohren wippten im kalten Wind.

Lümmel war ein richtiger Wirbelwind! Kein Schneehügel schien ihm zu hoch und kein Streich zu verrückt.

An diesem Tag hatte er sich wieder etwas Lustiges einfallen lassen. Er rollte kleine Kugeln aus dem Schnee und machte daraus ein Schneehäschen. Anschließend stibitzte er aus der Vorratskammer zwei Möhren, die als Ohren für das Schneehäschen dienten.

Als Lümmel langweilig wurde, bewarf er seine Schwester mit einem Schneeball. Anschließend rutsche er die Mini-Schneelawine herunter. Flocke freute sich darüber und beide Hasenkinder kugelten sich lachend durch den Schnee.

Natürlich blieb dieser Spaß nicht unbemerkt, weshalb Papa aus dem Bau schaute. Er schüttelte seine langen Ohren und rief mit gespielter Strenge: „Ich zieh dir gleich das Fell über die Ohren, mein Junge!“

Mama Möhre schmunzelte. Sie wusste genau, dass Papa das nie ernst meinte – es war sein Lieblingsspruch, wenn sein Sohn wieder einmal Blödsinn machte.

Am Abend, als der Himmel in Rosa und Gold leuchtete, kroch die Hasenfamilie müde in ihren Bau. Flocke war noch ganz aufgewühlt von all den Erlebnissen des Tages, weshalb sie schlecht einschlafen konnte und als sie endlich schlief, schlich sich ein schrecklicher Traum in ihren Kopf. Sie sah ihren Bruder, der ganz allein, splitternackt und bibbernd vor Kälte draußen im Schnee stand. Flocke spürte, wie die Angst sie packte, und begann leise zu weinen.

Als Mama Möhre die Tränen bemerkte, rückte sie noch etwas näher an ihre Tochter heran und strich ihr beruhigend über das Ohr. Dann fragte sie sanft: „Was ist denn los, mein Schatz?“ Flocke erzählte schluchzend von ihrem Traum vom frierenden Bruder und vom Fell, das fehlte. Mama Möhre lächelte und drückte Flocke ganz fest an sich. „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen“, flüsterte sie liebevoll. „Dein Bruder ist frech und er bleibt immer unser kleiner Unfugmacher – aber stets mit warmem Fell und noch wärmerem Herzen. Und Papa meint das nie wirklich so, wie er immer sagt. Das weißt du doch.“

Am nächsten Morgen weckte Flocke ihren Bruder. Die Sonne glitzerte auf dem Schnee, und alles sah friedlich aus. Gemeinsam hüpften sie hinaus, bauten eine riesige Schneeburg mit einem geheimen Tunnel und veranstalteten ein Wettrennen um den größten Schneehügel. Lümmel dachte sich wieder kleine Streiche aus und Flocke half ihm lachend dabei.

Papa Hoppel beobachtete die beiden aus der Ferne, lachte und rief: „Ihr seid wirklich die wildesten Hasenkinder im ganzen Wald!“

Am Abend, als alle wieder im Bau zusammenrückten, erzählte Flocke stolz, wie tapfer sie den schlimmen Traum der letzten Nacht überstanden hatte. Und so beschloss die Familie, am nächsten Tag gemeinsam eine Schneeballschlacht zu machen und anschließend Karottenkekse zu essen.

Von diesem Tag an wusste Flocke, dass Träume manchmal erschreckend sein können, aber sie hatte auch gelernt, dass die Familie immer füreinander da ist.

Und so lebten sie glücklich und verspielt weiter, jeden Tag mit neuen Abenteuern, aber immer mit einem warmen Fell über den Ohren!

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Die Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!