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Dienstag, 14. Juli 2026

Wie heißt der Herzbube denn?

Vor ein paar Tagen hoppelte in der Wiese nebenan ein kleiner Hase. Das war sehr niedlich und deshalb beobachtete ich ihn eine Weile. – Es dauerte gar nicht lange, da flog eine Elster heran und landete direkt vor seiner Nase. Die beiden sahen sich an und es hatte den Anschein, als führten sie ein Gespräch. Da ich von Natur aus neugierig bin, habe ich die beiden ein wenig belauscht. Doch ob ich wirklich alles richtig verstanden habe, kann ich nicht versprechen, denn dafür war ich dann doch ein bisschen zu weit weg vom Geschehen. 😉 Aber egal, ob die folgende Geschichte nun der Realität entspricht oder doch eher meiner Fantasie entspringt … ich wünsche euch in jedem Fall viel Freude beim Lesen.

 

An diesem herrlichen Morgen summten die Hummeln auf der saftigen Wiese und die bunten Blumen streckten neugierig ihre Köpfe gen Himmel. Eigentlich war es ein perfekter Tag, doch mitten auf dieser idyllischen Wiese saß Klara, eine junge Häsin, und ließ ihre sonst so stolz aufgerichteten Löffel bis auf den Boden hängen. Ihr Blick war traurig auf die eigenen Pfoten gerichtet. Sie machte einen wahrlich bedröppelten Eindruck, was Elmo, die Elster, die ihre Kreise über der Wiese zog, sogar aus der Vogelperspektive wahrnehmen konnte. Neugierig flog sie zu dem kleinen Häufchen Elend und landete mit einem leisen Rascheln unmittelbar vor Klaras Nase.

„Na nu, kleines Langohr?!“, krächzte Elmo laut. „So ein schöner Tag und so ein langes Gesicht? Was betrübt dich denn so sehr, wenn ich fragen darf?“

Klara seufzte tief, und ein kleines Tränchen glitzerte in ihrem Fell. „Ach, Elmo“, begann sie mit leiser Stimme, „ich bin einfach so traurig. Ich hatte eine wunderbare, beste Freundin – Mimi. Wir haben jeden einzelnen Tag zusammen verbracht. Wir sind um die Wette gehoppelt und haben abends stundenlang gequatscht. Doch seit einer Woche bin ich Luft für sie. Sie hat plötzlich überhaupt keine Zeit mehr für mich. Und warum? Wegen diesem einen Typen, der wie aus dem Nichts aufgetaucht ist und ihr den Kopf verdreht hat. Sie sieht nur noch ihn. Verstehst du?!“

Elmo flatterte mit den Flügeln. „Ich verstehe! Absolut! Sag, wie heißt der Herzbube denn?“

„Frederik“, schniefte Klara. „Frederik Flitzefuß.“

Elmo erstarrte mitten in der Bewegung. „Der?!“, rief die Elster fassungslos aus. „Frederik Flitzefuß?! Na, da schlagen bei mir aber alle Alarmglocken an! Den Kerl kenne ich. Der hat doch auf jeder Wiese im Umkreis von einigen Kilometern ein anderes Hasenherz gebrochen! Erst letzte Woche hat er der armen Lotte von der Klee-Wiese ewige Treue geschworen. Doch schon am nächsten Tag war er spurlos verschwunden. Er ist ein absoluter Hallodri! Klara, du musst deine Freundin warnen!“

Klara ließ die Ohren nur noch weiter hängen. „Sie glaubt mir nicht, Elmo. Ich hab’s ja versucht. Mimi ist frisch verliebt, weißt du, und ihre rosarote Brille ist so groß wie ein Wagenrad. Sie glaubt mir nicht, weil sie denkt, ich sei nur eifersüchtig.“

Elmo überlegte kurz, dann funkelten seine Augen plötzlich. „Wer sagt denn, dass du es ihr sagen musst? Es ist doch viel besser, es ihr zu zeigen, nicht wahr! Das ist wirkungsvoller und ich garantiere dir, dass ihre Brille ganz schnell von ihrer Nase rutschen wird. Vertrau mir! Ich habe schon einen Plan!“

Bereits am nächsten Nachmittag setzten die beiden diesen in die Tat um. Elmo hatte den besagten Felix genau beobachtet und wusste, dass dieser sich heute mit einer neuen, ahnungslosen Hasendame auf der Sonnenblumen-Wiese verabredet hatte – während er Mimi erzählt hatte, er müsse „wichtige Erledigungen“ machen.

Somit hatte Mimi Zeit für Klara und die führte sie unter einem Vorwand zur Sonnenblumen-Wiese, während Mimi ununterbrochen davon redete, wie toll, charmant und einzigartig ihr Frederik doch sei.

„Schau mal, Mimi, da vorne hinter den dichten Hecken soll es die besten Beeren geben“, flüsterte Klara und schob ihre Freundin sanft ins Gebüsch. „Aber wir müssen ganz leise sein.“

Mimi spähte durch die Blätter – und hielt mitten in der Bewegung inne. Ihr stockte der Atem. Nur wenige Meter weiter saß Frederik Flitzefuß. Doch er war nicht allein. Er hielt der hübschen Hasendame Bella eine wunderschöne Löwenzahnblüte hin, zupfte ihr charmant ein Blatt aus dem Fell und flötete mit genau derselben Schmeichelstimme, die Mimi so liebte: „Ach, Bella, du bist die Einzige für mich. Keine andere Häsin kann sich weit und breit mit deiner Schönheit messen …“

Mimis Augen wurden groß wie Untertassen, und die rosarote Brille zersprang in tausend Teile. Anschließend stieg ihr die Schamesröte ins Gesicht, doch dann packte sie die pure Wut. Sie wollte gerade aus der Hecke stürzen, um dem Schwindler die Meinung zu geigen, als von oben ein spöttisches Krächzen zu hören war.

Es war Elmo! Die Elster flog im Tiefflug über Frederik hinweg und rief absichtlich so laut, dass es die ganze Wiese hören konnte: „Achtung, Achtung! Frederik Flitzefuß auf frischer Tat ertappt! Letzte Woche Lotte, gestern Mimi, heute Bella! Jeden Tag bricht der Windbeutel einer anderen Häsin das Herz!“

Bella horchte auf und nahm in diesem Moment Mimi wahr, die stolz aus der Hecke kam und mit verschränkten Pfoten vor ihnen stand. In diesem Moment verpasste Bella dem entsetzten Frederik einen kräftigen Stoß mit der Hinterpfote, so dass er sich überschlug und anschließend, als er jammernd davonlief, seinem Nachnamen alle Ehre machte.

„Lass dich nie wieder auf unseren Wiesen blicken!“, riefen sie ihm nach.

Mimi drehte sich zu Klara um und schlang ihre Pfoten fest um ihre beste Freundin. „Es tut mir so leid, Klara! Du hattest von Anfang an recht. Ich war so blind. Danke, dass du mich gerettet hast.“

Klaras Löffel schnellten im Nu wieder nach oben.

„Beste Freundinnen für immer!“, sagte sie und drückte ihre Freundin ebenfalls fest an sich, denn wahre Freundschaft übersteht jeden Hallodri und jedes falsche Versprechen dieser Welt.  

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

Samstag, 28. März 2026

Felix und die Suche nach dem Sinn

In einem zauberhaften Wald lebte einst ein kleiner Hase. Sein Name war Felix. Schon von Kindesbeinen an war er flink und voller Lebensfreude. Doch was ihn am meisten ausmachte war, dass er neugierig war. Im positiven Sinn neugierig. Er hinterfragte viele Dinge, über die sich die anderen Waldtiere anscheinend wenig Gedanken machten. Und so saß der Hase eines Tages, als die Sonne freundlich durch die Bäume schien, auf einer weichen Moosstelle und hinterfragte sich und sein Leben. ‚Was ist eigentlich der Sinn meines Lebens‘, fragte er sich.

Er sah nah oben, lauschte den Vögeln beim Zwitschern und entschied, sich auf eine Reise zu begeben, um dieser Frage nachzugehen. Sein Ziel war es, die Waldbewohner, die seinen Weg kreuzten, nach dem Sinn IHRES Lebens zu fragen und so machte sich Felix auf den Weg.

Bereits nach kurzer Zeit traf er ein sanftes Reh, das gemütlich am Waldrand graste. Sogleich sprach er es an: „Liebes Reh, verrätst du mir, was der Sinn deines Lebens ist?“

Das Reh war etwas verwundert über die Frage, doch dann lächelte es freundlich und antwortete: „Für mich ist der Sinn meines Lebens, für meine Familie da zu sein und gemeinsam mit ihnen durch den Wald zu streifen. Ich gebe all mein Wissen an meinen Nachwuchs weiter und zeige meinen Kindern, wo die saftigsten Gräser wachsen. Das ist mein Glück und mein Lebenssinn.“

Dankbar für diese Antwort zog Felix weiter und traf bald darauf einen stattlichen Hirsch. Tief beeindruckt von seiner majestätischen Gestalt fragte er ehrfürchtig: „Herr Hirsch, was bedeutet für Sie das Leben?“

Der Hirsch schnaubte, so dass der Hase respektvoll Abstand nahm. Doch dann sprach der Hirsch mit tiefer, aber sanfter Stimme: „Mein Lebenssinn ist es, stark und mutig zu sein. Mein Geweih ist dafür ein äußeres Zeichen. Ich beschütze den Wald und meine Herde und ich sorge für Gerechtigkeit. All das erfüllt mich und macht mich stolz.“

Als der Hase seinen Weg fortsetzte, begegnete er im feuchten, moosigen Teil des Waldes, einem Wildschein, das ausgelassen im Matsch wühlte. Das Wildschwein grunzte, als Felix ihm seine Frage gestellt hatte.

„Lass mich überlegen“, entgegnete es, „ich liebe gutes Futter und Abenteuer im Unterholz. Ich bin gerne mit meiner Rotte zusammen und glücklich, dass so viel Freude und Genuss in meinem Leben sind. Mehr brauche ich nicht.“

Als Nächstes traf Felix ein Eichhörnchen, das ihm antwortete: „Ich sammle für mein Leben gern Vorräte und ich entdecke gerne Neues. Mein Sinn liegt darin, für mich und andere zu sorgen.“

Auf einem Ast über Felix' Kopf hüpfte ein lebhafter Eichelhäher. Der Hase blickte neugierig nach oben und fragte: „Eichelhäher, was ist für dich der Sinn des Lebens?“

Der Eichelhäher in seinem wunderschönen Gewand antwortete fröhlich: „Für mich ist der Sinn meines Lebens, Samen zu verbreiten. Ich liebe es, die Eicheln durch den Wald zu tragen und ihm auf diese Weise neue Bäume zu schenken. Mit meinem bunten Gefieder und meiner ansteckenden Lebensfreude bin ich für viele ein wertvoller Wegbegleiter.“

Als die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand und den Wald ein letztes Mal für diesen Tag in ein goldenes Licht tauchte, fühlte sich der Hase müde von seiner Reise und suchte sich ein gemütliches Plätzchen unter einem alten Baum mit knorrigen Ästen. Felix lehnte sich an die von der Sonne gewärmte Rinde des Baumes und blickte hinauf zu seiner Krone.

Da begann der Baum leise zu sprechen. „Ich habe dich beobachtet. Du fragst die Tiere nach dem Sinn ihres Lebens. Möchtest du dazu auch eine Antwort von mir?", fragte er vorsichtig und fuhr sogleich fort: „Für mich liegt der Sinn des Lebens darin, zu wachsen, die Sonne zu genießen, die Waldbewohner zu beobachten, Stürmen zu trotzen und das Schönste ist, dass ich ihnen Schutz, Nahrung und Heimat bieten darf. Das ist der schönste Lebenssinn, den ich mir vorstellen kann.“

Gerade als dem Hasen vor Müdigkeit die Augen zufallen wollten, nahm er eine Eule auf einem der Äste des Baumes wahr. Felix wollte sich nicht die Möglichkeit nehmen, auch sie nach einer Antwort zu fragen.

Die Eule blinzelte ihm freundlich zu und sprach mit ruhiger Stimme: „Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, zu lernen und mein Wissen zu teilen. Ich beobachte den Wald, gebe Rat und helfe den Tieren, wenn sie mich brauchen. Man sagt mir nach, dass ich weise sei. So gebe ich diesen Schatz gerne weiter und so liegt für mich der Sinn im Weitergeben meiner Weisheit.“

Am nächsten Tag begab sich Felix auf den Rückweg. Er hatte genug Geschichten gehört. Zuhause angekommen setzte er sich erneut auf die Moosstelle, auf der er vor Beginn seiner Reise gesessen hatte.

Jedes Tier und auch der Baum hatten einen anderen Sinn im Leben gefunden. Für das Reh war es die Familie, für den Hirsch die Stärke, für das Wildschwein das Genießen, für die Eule die Weisheit, für das Eichhörnchen das Abenteuer, für den Eichelhäher das Teilen und für den Baum das Wachsen und Beschützen.

Felix erkannte, dass der Sinn des Lebens für jeden etwas anderes bedeutete und dass es immer darum ging, was man mit Freude für sich und andere tat.

In diesem Moment spürte Felix in seinem Herzen die Antwort auf seine Frage. Der Sinn seines Lebens war es, neugierig auf das Leben zu sein und die Schönheit des Waldes zu erleben. Vor allem aber war sein Lebenssinn, Glück und Freude zu verbreiten.

Felix verstand, dass der Sinn jeden Lebens in den kleinen Dingen liegt, die man jeden Tag erlebt und darin, das Leben mit anderen zu teilen und für sie da zu sein.

Neugierig darauf, was das Leben noch für ihn bereithielt, hoppelte Felix glücklich davon.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.

 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Der kleine Unfugmacher

Weit entfernt von Städten und Lärm, inmitten einer glitzernden Schneelandschaft, lebte eine fröhliche SchneehasenfamiliePapa HoppelMama Möhre und ihre beiden Kinder, Lümmel und seine Schwester Flocke.

Der Bau der Familie lag versteckt unter einer alten Fichte. Die Eltern hatten sie mit Moos und weichen Blättern warm ausgepolstert.

Jeden Tag hüpften die beiden Hasenkinder voller Freude durch den tiefen Schnee. Ihre kleinen Pfoten hinterließen dabei lustige Spuren und ihre Ohren wippten im kalten Wind.

Lümmel war ein richtiger Wirbelwind! Kein Schneehügel schien ihm zu hoch und kein Streich zu verrückt.

An diesem Tag hatte er sich wieder etwas Lustiges einfallen lassen. Er rollte kleine Kugeln aus dem Schnee und machte daraus ein Schneehäschen. Anschließend stibitzte er aus der Vorratskammer zwei Möhren, die als Ohren für das Schneehäschen dienten.

Als Lümmel langweilig wurde, bewarf er seine Schwester mit einem Schneeball. Anschließend rutsche er die Mini-Schneelawine herunter. Flocke freute sich darüber und beide Hasenkinder kugelten sich lachend durch den Schnee.

Natürlich blieb dieser Spaß nicht unbemerkt, weshalb Papa aus dem Bau schaute. Er schüttelte seine langen Ohren und rief mit gespielter Strenge: „Ich zieh dir gleich das Fell über die Ohren, mein Junge!“

Mama Möhre schmunzelte. Sie wusste genau, dass Papa das nie ernst meinte – es war sein Lieblingsspruch, wenn sein Sohn wieder einmal Blödsinn machte.

Am Abend, als der Himmel in Rosa und Gold leuchtete, kroch die Hasenfamilie müde in ihren Bau. Flocke war noch ganz aufgewühlt von all den Erlebnissen des Tages, weshalb sie schlecht einschlafen konnte und als sie endlich schlief, schlich sich ein schrecklicher Traum in ihren Kopf. Sie sah ihren Bruder, der ganz allein, splitternackt und bibbernd vor Kälte draußen im Schnee stand. Flocke spürte, wie die Angst sie packte, und begann leise zu weinen.

Als Mama Möhre die Tränen bemerkte, rückte sie noch etwas näher an ihre Tochter heran und strich ihr beruhigend über das Ohr. Dann fragte sie sanft: „Was ist denn los, mein Schatz?“ Flocke erzählte schluchzend von ihrem Traum vom frierenden Bruder und vom Fell, das fehlte. Mama Möhre lächelte und drückte Flocke ganz fest an sich. „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen“, flüsterte sie liebevoll. „Dein Bruder ist frech und er bleibt immer unser kleiner Unfugmacher – aber stets mit warmem Fell und noch wärmerem Herzen. Und Papa meint das nie wirklich so, wie er immer sagt. Das weißt du doch.“

Am nächsten Morgen weckte Flocke ihren Bruder. Die Sonne glitzerte auf dem Schnee, und alles sah friedlich aus. Gemeinsam hüpften sie hinaus, bauten eine riesige Schneeburg mit einem geheimen Tunnel und veranstalteten ein Wettrennen um den größten Schneehügel. Lümmel dachte sich wieder kleine Streiche aus und Flocke half ihm lachend dabei.

Papa Hoppel beobachtete die beiden aus der Ferne, lachte und rief: „Ihr seid wirklich die wildesten Hasenkinder im ganzen Wald!“

Am Abend, als alle wieder im Bau zusammenrückten, erzählte Flocke stolz, wie tapfer sie den schlimmen Traum der letzten Nacht überstanden hatte. Und so beschloss die Familie, am nächsten Tag gemeinsam eine Schneeballschlacht zu machen und anschließend Karottenkekse zu essen.

Von diesem Tag an wusste Flocke, dass Träume manchmal erschreckend sein können, aber sie hatte auch gelernt, dass die Familie immer füreinander da ist.

Und so lebten sie glücklich und verspielt weiter, jeden Tag mit neuen Abenteuern, aber immer mit einem warmen Fell über den Ohren!

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Die Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!