Samstag, 28. März 2026

Felix und die Suche nach dem Sinn

In einem zauberhaften Wald lebte einst ein kleiner Hase. Sein Name war Felix. Schon von Kindesbeinen an war er flink und voller Lebensfreude. Doch was ihn am meisten ausmachte war, dass er neugierig war. Im positiven Sinn neugierig. Er hinterfragte viele Dinge, über die sich die anderen Waldtiere anscheinend wenig Gedanken machten. Und so saß der Hase eines Tages, als die Sonne freundlich durch die Bäume schien, auf einer weichen Moosstelle und hinterfragte sich und sein Leben. ‚Was ist eigentlich der Sinn meines Lebens‘, fragte er sich.

Er sah nah oben, lauschte den Vögeln beim Zwitschern und entschied, sich auf eine Reise zu begeben, um dieser Frage nachzugehen. Sein Ziel war es, die Waldbewohner, die seinen Weg kreuzten, nach dem Sinn IHRES Lebens zu fragen und so machte sich Felix auf den Weg.

Bereits nach kurzer Zeit traf er ein sanftes Reh, das gemütlich am Waldrand graste. Sogleich sprach er es an: „Liebes Reh, verrätst du mir, was der Sinn deines Lebens ist?“

Das Reh war etwas verwundert über die Frage, doch dann lächelte es freundlich und antwortete: „Für mich ist der Sinn meines Lebens, für meine Familie da zu sein und gemeinsam mit ihnen durch den Wald zu streifen. Ich gebe all mein Wissen an meinen Nachwuchs weiter und zeige meinen Kindern, wo die saftigsten Gräser wachsen. Das ist mein Glück und mein Lebenssinn.“

Dankbar für diese Antwort zog Felix weiter und traf bald darauf einen stattlichen Hirsch. Tief beeindruckt von seiner majestätischen Gestalt fragte er ehrfürchtig: „Herr Hirsch, was bedeutet für Sie das Leben?“

Der Hirsch schnaubte, so dass der Hase respektvoll Abstand nahm. Doch dann sprach der Hirsch mit tiefer, aber sanfter Stimme: „Mein Lebenssinn ist es, stark und mutig zu sein. Mein Geweih ist dafür ein äußeres Zeichen. Ich beschütze den Wald und meine Herde und ich sorge für Gerechtigkeit. All das erfüllt mich und macht mich stolz.“

Als der Hase seinen Weg fortsetzte, begegnete er im feuchten, moosigen Teil des Waldes, einem Wildschein, das ausgelassen im Matsch wühlte. Das Wildschwein grunzte, als Felix ihm seine Frage gestellt hatte.

„Lass mich überlegen“, entgegnete es, „ich liebe gutes Futter und Abenteuer im Unterholz. Ich bin gerne mit meiner Rotte zusammen und glücklich, dass so viel Freude und Genuss in meinem Leben sind. Mehr brauche ich nicht.“

Als Nächstes traf Felix ein Eichhörnchen, das ihm antwortete: „Ich sammle für mein Leben gern Vorräte und ich entdecke gerne Neues. Mein Sinn liegt darin, für mich und andere zu sorgen.“

Auf einem Ast über Felix' Kopf hüpfte ein lebhafter Eichelhäher. Der Hase blickte neugierig nach oben und fragte: „Eichelhäher, was ist für dich der Sinn des Lebens?“

Der Eichelhäher in seinem wunderschönen Gewand antwortete fröhlich: „Für mich ist der Sinn meines Lebens, Samen zu verbreiten. Ich liebe es, die Eicheln durch den Wald zu tragen und ihm auf diese Weise neue Bäume zu schenken. Mit meinem bunten Gefieder und meiner ansteckenden Lebensfreude bin ich für viele ein wertvoller Wegbegleiter.“

Als die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand und den Wald ein letztes Mal für diesen Tag in ein goldenes Licht tauchte, fühlte sich der Hase müde von seiner Reise und suchte sich ein gemütliches Plätzchen unter einem alten Baum mit knorrigen Ästen. Felix lehnte sich an die von der Sonne gewärmte Rinde des Baumes und blickte hinauf zu seiner Krone.

Da begann der Baum leise zu sprechen. „Ich habe dich beobachtet. Du fragst die Tiere nach dem Sinn ihres Lebens. Möchtest du dazu auch eine Antwort von mir?", fragte er vorsichtig und fuhr sogleich fort: „Für mich liegt der Sinn des Lebens darin, zu wachsen, die Sonne zu genießen, die Waldbewohner zu beobachten, Stürmen zu trotzen und das Schönste ist, dass ich ihnen Schutz, Nahrung und Heimat bieten darf. Das ist der schönste Lebenssinn, den ich mir vorstellen kann.“

Gerade als dem Hasen vor Müdigkeit die Augen zufallen wollten, nahm er eine Eule auf einem der Äste des Baumes wahr. Felix wollte sich nicht die Möglichkeit nehmen, auch sie nach einer Antwort zu fragen.

Die Eule blinzelte ihm freundlich zu und sprach mit ruhiger Stimme: „Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, zu lernen und mein Wissen zu teilen. Ich beobachte den Wald, gebe Rat und helfe den Tieren, wenn sie mich brauchen. Man sagt mir nach, dass ich weise sei. So gebe ich diesen Schatz gerne weiter und so liegt für mich der Sinn im Weitergeben meiner Weisheit.“

Am nächsten Tag begab sich Felix auf den Rückweg. Er hatte genug Geschichten gehört. Zuhause angekommen setzte er sich erneut auf die Moosstelle, auf der er vor Beginn seiner Reise gesessen hatte.

Jedes Tier und auch der Baum hatten einen anderen Sinn im Leben gefunden. Für das Reh war es die Familie, für den Hirsch die Stärke, für das Wildschwein das Genießen, für die Eule die Weisheit, für das Eichhörnchen das Abenteuer, für den Eichelhäher das Teilen und für den Baum das Wachsen und Beschützen.

Felix erkannte, dass der Sinn des Lebens für jeden etwas anderes bedeutete und dass es immer darum ging, was man mit Freude für sich und andere tat.

In diesem Moment spürte Felix in seinem Herzen die Antwort auf seine Frage. Der Sinn seines Lebens war es, neugierig auf das Leben zu sein und die Schönheit des Waldes zu erleben. Vor allem aber war sein Lebenssinn, Glück und Freude zu verbreiten.

Felix verstand, dass der Sinn jeden Lebens in den kleinen Dingen liegt, die man jeden Tag erlebt und darin, das Leben mit anderen zu teilen und für sie da zu sein.

Neugierig darauf, was das Leben noch für ihn bereithielt, hoppelte Felix glücklich davon.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.

 

2 Kommentare:

  1. Was für eine schöne und gleichzeitig weise Geschichte, liebe Martina. Zuerst dachte ich, ich sei ein Wildschwein - aber ich glaube dann doch eher, dass ich in die Kathegorie Haseneulenschwein gehören könnte. Was meinst du, könnte das stimmen?
    Fröhliche Grüße
    Regina

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    1. Ja, das passt! ;-) - Aber es fehlt noch etwas. Ich finde, dass das Reh und der Hirsch in deiner Aufzählung fehlen. Für mich gehörst du in die Kategorie Rehhirschhaseneulenschwein! - Lach!!! - Danke dir für deinen lieben Kommentar! Martina

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