In dem beschaulichen Ort Kuckucksheim herrschte helle Aufregung. Der Lokalreporter Paul Schulze hatte sich für die Zeitungsausgabe zum 1. April etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Und so prangte auf der ersten Seite der ‚Kuckucksheimer Nachrichten‘ in fetten Lettern die Schlagzeile:
"Sensationeller Goldfund unter dem Markplatz -
Archäologen vermuten Schatz von Kaiser Barbarossa!“
Bürgermeister Willi Wichtig saß noch im
Schlafanzug am Frühstückstisch, als seine Frau Adelheid mit der Zeitung
hereinrauschte. Adelheid war bekannt dafür, dass sie sich nicht als die Frau
des Bürgermeisters, sondern als Frau Bürgermeister fühlte.
„Willi! Schau dir das an!“, rief sie, nachdem sie
die Schlagzeile gelesen hatte und knallte die Zeitung zwischen die
Marmeladengläser. „Gold! Unter unserem Marktplatz! Und du wirst nicht als
Erster informiert?! Das ist eine Schande, mein Lieber, aber vielleicht auch die
Chance, auf die wir immer gewartet haben. Ich sehe es schon vor mir.
Kuckucksheim wird berühmt – und wir – DU – auch! Willi … ich brauche ein neues
Kleid, wenn man dir für deine großartige Arbeit das Bundesverdienstkreuz am
Bande verleiht.“
Willi, der gerade versuchte, seinen Kaffee
unfallfrei zum Mund zu führen, setzte die Tasse wieder ab und starrte auf den
Artikel. „Aber Adelheid, lies mal weiter, da steht, die Leute dürfen mit
Schaufeln und Sieben kommen und behalten, was sie finden! Das ist doch Wahnsinn!
Das geht so nicht! Das ist gar nicht erlaubt. Der Fund gehört dem Staat … und
die Leute … sie werden in Massen zum Marktplatz stürmen! Ich muss was tun!“
Er griff zitternd zum Telefon, um die
Landespolizei und den Denkmalschutz zu alarmieren, doch Adelheid riss ihm den
Hörer aus der Hand. „Nichts da! Du wirst jetzt sofort das Ordnungsamt
mobilisieren und den Platz absperren lassen. Das ist unsere Chance, Willi. WIR
müssen das Gold finden. Verstehst du! - Also, mein Lieber, beweg dich! WIR
schreiben heute Weltgeschichte!“
Doch Willi hörte in diesem Moment nicht auf seine
Frau, da Paul Schulze, der Reporter, am Gartenzaun vorbeispazierte. Der
Bürgermeister stürzte zum Fenster, riss es auf und rief: „Paul! Hast DU das geschrieben?
Das geht so nicht? Ich muss den Katastrophenschutz alarmieren! Der ganze Ort
wird auf den Beinen sein, um den Schatz zu finden!“
Paul blieb stehen, rückte sich die Brille zurecht
und grinste breit. „Ach, Willi, nun beruhige dich mal. Wer weiß schon, ob da
unten wirklich was zu finden ist.“
Die Frau Bürgermeister ignorierte die Worte des
Reporters: „Willi, zieh dir die Hose an, wir gehen zum Marktplatz!“
Um Punkt 9:00 Uhr bot sich ein absurdes Bild:
Fast die gesamte Bevölkerung des kleinen Ortes schien sich mit Sandsieben und
Spaten auf dem Marktplatz versammelt zu haben.
Adelheid Wichtig stand in ihrem besten
Sonntagsmantel auf dem Platz und versuchte, mit einem Absperrband eine
„VIP-Zone“ zu markieren, während Willi mit einem Megafon gegen das Gebrüll der
Menge ankämpfte. „Bürger von Kuckucksheim! Zurücktreten! Das Gold ist Eigentum des
Staates … also, der Gemeinde ... also, quasi ... von Adelheid und von mir!“
Als sich die Menge empört gegen den Bürgermeister
richten wollte, bog ein kleiner, bunter Lieferwagen der Konditorei „Süßer
Traum“ hupend um die Ecke. Paul Schulze sprang vom Beifahrersitz, hielt ein
riesiges Schild mit der Aufschrift „APRIL, APRIL!“ hoch und öffnete
mit einem dramatischen Ruck die Hecktüren.
Dort stand ein großer Korb mit Hunderten in
Goldfolie gewickelte Schokoladeneier, die der Reporter nach der Aufklärung der
Umstände an alle verteilte. – Die meisten brachen in schallendes Gelächter aus.
Der Rest ging schmollend nach Hause.
Adelheid Wichtig starrte wie versteinert auf das goldene
Schokoladenei in ihrer Hand. Willi
senkte langsam das Megafon. Er sah Paul an und dann seine Frau mit dem
Goldschatz in der Hand.
„Da hast du dein Gold, Schatz“, schmunzelte
er.
Adelheid schnaubte kurz, meinte dann aber doch vergnüglich:
„Na gut, Willi. Aber das neue Kleid, das kaufe ich mir trotzdem.“
Willi Wichtig puhlte das Goldpapier vom
Schokoladenei, steckte es sich genussvoll in den Mund und rief ins Megafon hinein:
„Na gut, Paul Schulze, das war eine saubere Ente. Aber nächstes Jahr suchst du
dir bitte etwas aus, das meinen Blutdruck schont!“
© Martina
Pfannenschmidt, 2026
Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!
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