Donnerstag, 2. April 2026

Das letzte Ma(h)l – Gründonnerstag (Nachgedacht)

Wir kennen die Geschichte: Jesus teilt am Gründonnerstagabend zum letzten Mal das Mahl mit seinen Jüngern.

Stellen wir es uns vor: Es ist ein stiller Abend. In der Luft hängt der Duft von Gewürzen. Im Raum brennen die Öllampen, während dreizehn Männer um einen Tisch sitzen. – Es ist das ‚Letzte Abendmahl‘, ein Moment, der die Zeit in ein Vorher und ein Nachher einteilen wird.

Jesus bricht das Brot. Ob in diesem Moment für ihn eine gewisse Melancholie mitschwang, weil er wusste, was die anderen vielleicht ahnten: Dass es das letzte Mal sein würde, dass sie so zusammenkommen würden? Das letzte Mal, dass sie den Wein gemeinsam tranken. Das letzte Mal, dass er seinen Freunden in die Augen blicken konnte – und sie ihm.

Wenn wir uns bewusstwerden, dass jeder Moment ein letztes Mal in sich birgt, sollte uns das nicht eine gewisse Schwere bereiten, sondern uns ermuntern, achtsamer zu werden und zu sein.

Stell dir vor, du verabschiedest dich morgens an der Tür. Ein flüchtiger Kuss, ein gemurmeltes ‚Bis später‘. Du weißt nicht, ob es das letzte Mal ist und ob du später den Schlüssel im Schloss drehen hören wirst, wenn der geliebte Mensch zurückkehrt. Vielleicht sollten wir dieses ‚bis später‘ in ein achtsames ‚Pass gut auf dich auf‘ oder in ein ‚Ich liebe dich‘ verändern. – Wir sollten Herzlichkeit und liebevolle Worte nicht auf ‚Irgendwann‘ verschieben, sondern sie in jedem Moment aussprechen, denn es könnte …

… das letzte Mal sein, dass ein Kind dich bittet, es hochzuheben

… das letzte Mal sein, dass du mit deinen Eltern über belanglose Dinge lachst

… das letzte Mal sein, dass du schmerzfrei durch den Wald gehst.

Das letzte Mal ist ein unsichtbarer täglicher Begleiter unseres Lebens. Ein leiser Gast, den wir oft ignorieren, weil seine Gegenwart uns ängstigt.

Ist es nicht so, dass uns die Weisheit des letzten Mahls lehrt, dass wir keine Angst vor dem – oder einem – Ende haben müssen oder sollen, sondern dass es darum geht, uns der ‚Heiligkeit des Augenblicks‘ bewusst zu sein?

Wenn wir wüssten, dass das Gespräch, das wir gerade führen, unser letztes mit dieser Person ist – würden wir dann wirklich über das Wetter klagen oder alte Vorwürfe aufwärmen? Oder würden wir jedes Wort wie ein kostbares Juwel wiegen?

Die Achtsamkeit oder das Bewusstsein des ‚letzten Mals‘ hilft uns, das Unwichtige vom Wesentlichen zu unterscheiden. Wenn wir begreifen, dass jeder Moment das Potenzial hat, ein Finale zu sein, verwandelt sich Routine. Das Brot schmeckt intensiver, die Umarmung wird fester, das Zuhören tiefer.

Ich denke, wir sollten nicht mit Furcht auf das - oder ein - Ende blicken, sondern mit einer gewissen Wachsamkeit und Achtsamkeit – dem Moment gegenüber.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

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