Freitag, 3. April 2026

Familie Langohr und die Villa Löwenzahn

Am Rande des Waldes und inmitten der saftigsten Wiesen steht die bezaubernde Villa Löwenzahl. Es ist ein wahrlich stattliches Gebäude mit einem sonnengelben Anstrich, moosgrünen Fensterläden und einem Dach aus glänzend roten Ziegeln. Rund um das Haus gibt es einen duftenden Garten, in dem sich die Bienen und Schmetterlinge nur zu gerne tummeln.

Hier, in diesem wunderschönen Haus, ist Familie Langohr zuhause. Heute riecht es im Haus nach einem frisch gebackenen Hefezopf, dennoch scheint die Stimmung in der Wohnküche ein wenig gereizt zu sein.

„Das Desaster vom letzten Jahr darf sich auf keinen Fall wiederholen“, mahnte Papa Langohr in diesem Moment. „Die Arbeit der Hennen war wirklich ein logistischer Albtraum.“

„Lass mich nur machen, mein Lieber“, meinte Mama Langohr und trat auf die Terrasse des Hauses, die direkt an den Hühnerhof grenzte, wo die Henne Berta bereits mit ihren Kolleginnen wartete.

„Berta, meine Liebe“, begann Mama Langohr diplomatisch, während sie ein paar Körner in die Runde streute, „wir schätzen eure Bio-Qualität wirklich sehr, aber wenn die Lieferung wie im vergangenen Jahr wieder erst am Karsamstag um elf am Gartentor eintrifft, ist das einfach zu spät für uns. Vielleicht wäre es euch möglich, die Eier in diesem Jahr ein wenig früher zu liefern. Das würde uns bei unserer Arbeit wirklich sehr helfen.“

Berta pickte unbeeindruckt ein Korn nach dem anderen auf. Dann meinte sie: „Na gut, wir werden sehen, was wir machen können. Schließlich fordern einige von uns mehr Pausen und wir wollen es uns nicht mit der Gewerkschaft verderben. Aber gut: Ich denke, wir werden in Etappen liefern. Die ersten fünfhundert sind bis heute Abend in eurer Speisekammer.“

„Super“, freute sich Mama Langohr und überbrachte sogleich die gute Nachricht an die Familie.

In der hellen Werkstatt des Hauses brodelten bereits die Töpfe auf dem alten Herd. Zwiebelschalen für Goldgelb, Rote Bete für ein sattes Rubinrot und Rotkohl für ein tiefes Blau. Die ganze Familie stand bereit, um an diesem wichtigen Tag mit anzupacken. Die beiden ältesten Kinder, Max und Leni, balancierten die Eier in die Farbbäder, nur Opa Hoppel und Tilda, das Nesthäkchen, sorgten für ein wenig Unruhe.

Da Opa Hoppels Augen sehr trübe waren, hatte er mit seinem Stock bereits drei Eier vom Küchentisch gefegt. Ja und die kleine Tilda war so fasziniert von all den Farben, dass sie mehr sich selbst, als die Eier färbte.

Nun war Mamas diplomatisches Feingefühl ein weiteres Mal gefragt: „Opa, vielleicht solltest du ...“, begann sie vorsichtig, doch Opa fiel ihr sogleich ins Wort: „Ich hab das schon gemacht, als ihr alle noch gar keine Löffel hattet!“, trompetete er.

Es musste unbedingt eine Lösung her, die ihn nicht kränkte. Gott sei Dank kam Mama Langohr bald darauf die rettende Idee: „Opa, Tilda – wir haben ein Problem. Wir brauchen jemanden, der die Eier mit Speck poliert. Schließlich werden dann aus den bunten Eiern erst Ostereier. Und wir sollten sie noch mit einem ganz speziellen Siegel versehen. Kommt doch mal her, ihr zwei!“

Und so richtete sie den beiden einen gemütlichen Platz fernab der Farben ein. Opas Aufgabe war es nun, jedes Ei mit einer Speckschwarte zu polieren und es anschließend Tilda zu reichen, die eine Pfote in goldenen Staub tauchte, um jedes Ei danach mit einem kleinen Pfoten-Glückssiegel zu versehen.

Opa genoss es, noch gebraucht zu werden und erzählte allen Geschichten von früher und so arbeiteten sie Hand in Hand, bis die Glocken zur Osternacht läuteten. Sie hatten es noch rechtzeitig geschafft!

In diesem Jahr war wirklich alles ohne weitere Komplikationen vonstattengegangen. Nun standen sie mit ihren vollgepackten Kiepen am Gartentor der Villa Löwenzahn, um die Eier zu verteilen. Doch als sie den schmalen Pfad zum Dorf nehmen wollten, stockte ihnen für einen kurzen Moment der Atem. Der schwere Sturm vor ein paar Tagen hatte eine morsche Weide direkt über den Weg und die Brücke des angrenzenden Baches geworfen. Es schien kein Durchkommen mit den schwer gefüllten Kiepen zu geben.

„Wir kommen nicht durch!“, rief Max, der älteste Sohn, verzweifelt. „Wenn wir den Umweg über den Steinberg nehmen, werden wir niemals vor Sonnenaufgang fertig!“

Opa Hoppel räusperte sich: „Früher, als es die Brücke noch nicht gab, haben wir eine Kette gebildet und so die Eier Stück für Stück auf die andere Seite gebracht. Das ist die einzige Möglichkeit, die uns bleibt.“

Und so kletterte Papa als Erstes über den Stamm, gefolgt von Mama, Max und Leni. Und so reichten sie Ei für Ei von Pfote zu Pfote über das Hindernis hinweg, bis auch das letzte Ei heil und sicher auf der anderen Seite angekommen war und so schafften sie es noch rechtzeitig, während die Menschen noch schliefen, durch die Gärten zu hoppeln und die Eier zu verstecken.

Papa und die Großen übernahmen die schwierigen Verstecke in Astgabeln und hinter Dachrinnen. Opa und Tilda jedoch waren für die Verstecke zuständig, die als Erstes gesichtet werden würden.

Und als die Sonne den Horizont küsste und die Villa Löwenzahl in goldenes Licht tauchte, saßen sie bereits alle gemeinsam auf ihrer Terrasse. Sie waren zwar erschöpft, doch ihre Herzen waren voller Freude. - Und so wurde auch in diesem Jahr der traditionelle Zauber von Ostern bewahrt.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

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