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Montag, 6. April 2026

Lenja und das Osterwunder

Der Ostermontag lud mit seinem herrlichen Wetter zu einem Waldspaziergang ein. Und so machte sich Familie Weber auf den Weg. Die Luft roch herrlich nach feuchtem Moos und nach … Frühling.

Während die Eltern entspannt schlenderten, hüpfte das 'Nesthäkchen' Lenja mit ihren geflochtenen Zöpfen vorneweg.

Ihre großen Brüder, Jonas und Tim, zwinkerten sich verschmitzt zu. „Du, Lenja“, begann Jonas, „ich glaub, ich hab vorhin im Gebüsch buntes Papier gesehen. Das war bestimmt ein Schokoladenosterei, das der Osterhase verloren hat, als er gestern hier langgehoppelt ist.“

Lenja riss die Augen weit auf. „Echt jetzt?“

„Ganz sicher!“, bekräftigte Tim.

Während Lenja eifrig unter jedem Farnblatt suchte, ließen die Jungs im perfekten Teamwork immer wieder bunte Schokoeier in kleine Astgabeln oder auf Baumstümpfe fallen, an denen ihre kleine Schwester gerade vorbeigegangen war.

„Guck mal hier!“ Oder: „Guck mal dort!“, riefen sie und Lenja quietschte bei jedem Fund vor Glück.

Was die Jungs nicht ahnten: Sie waren nicht allein. Hinter einer dicken Eiche lugte Zwerg Wurzelputz hervor und beobachtete das Spiel.

Als Jonas ein goldenes Ei besonders auffällig auf einen flachen Stein legte und Lenja kurz ablenkte, huschte Wurzelputz flink wie ein Wiesel hervor und schnappte sich das Ei, um es an anderer Stelle abzulegen.

„Hier muss eines liegen, Lenja!“, rief Jonas und zeigte auf den leeren Stein. Er stutzte. „Hä? Da hab ich doch gerade …“ Das Mädchen suchte den Boden ab und rief nach einer Weile: „Da oben! Schaut mal!“

Das goldene Ei klemmte plötzlich zwei Meter hoch in einer Baumspalte, die Jonas niemals hätte erreichen können.

Wenig später passierte das Nächste: Tim versteckte ein blaues Ei in einem hohlen Baumstamm. Doch als seine Schwester hineingriff, zog sie statt einem Schokoladenei nur eine leere Nussschale heraus. Das blaue Ei lag stattdessen mitten auf dem Wanderweg.

Die Jungs wurden nervös: „Hast du das da hingelegt?“, flüsterte Tim. Jonas schüttelte den Kopf. „Keine Chance.“

Etwas später platzierten sie das schönste und größte Ei, das sie dabeihatten, im weichen Moos. Doch als Lenja es greifen wollte, wanderte es weiter – wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen.

Das Mädchen strahlte. „Habt ihr das gesehen?! Das war bestimmt der Osterhase. Er ist hier und spielt Verstecken mit uns!“

Die großen Jungs schluckten und sahen sich mit großen Augen um. Sie waren sich sicher: Hier stimmte etwas nicht!

In dem Moment raschelte es verdächtig im Unterholz, so dass die ganze Familie gebannt schaute. Wie aus dem Nichts erschien zwischen all dem Moos und den Wurzeln eine kleine Gestalt mit einer roten Zipfelmütze. Sie verbeugte sich tief und meinte: „Es ist doch viel zu schade, Ostern nur den Kleinen zu überlassen. Oder?“

Die Brüder sahen sich erschrocken an, während Lenja hell auflachte: „Ich hab’s gewusst: der Osterhase hat Gehilfen.“

Und so schnell Wurzelputz erschienen war, so schnell war er auch wieder verschwunden.

Schweigend und aufmerksamer als jemals zuvor ging die Familie weiter.

Niemand versteckte mehr etwas und niemand suchte mehr etwas, denn alle fühlten, dass der Wald voller Geheimnisse steckte.

Als sie am Waldrand ankamen, drehte sich das Mädchen noch einmal um und flüsterte: „Bis nächstes Jahr.“

Und irgendwo zwischen den Bäumen lachte der Frühling.

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.

Sonntag, 5. April 2026

Wie aus dem Ei gepellt

Der April zeigte sich von seiner besten Seite. Die Forsythien leuchteten in einem fast unverschämten Gelb und die Luft roch nach frischem Gras und dem Versprechen von Frühling.

Für Herrn Schmidt, den pensionierten Mathelehrer, war das Osterfest in jedem Jahr Anlass genug, um sich besonders elegant zu kleiden.

In diesem Jahr war Pastell der Trend und er ging mit der Zeit. Er hatte sich ein Sakko in einem sanften Pfirsichton zugelegt und kombinierte es mit einer akkurat gepressten Hose in Eierschalenweiß.

Seine Lederschuhe waren so gründlich mit hochwertigem Wachs poliert, dass sich die bunten Ostereier darin hätten spiegeln können.

„Perfekt!“, murmelte er vor dem Spiegel, während er seine dezent gemusterte Seidenkrawatte zurechtrückte.

Als er das Haus verließ, traf er auf Frau Meyer, die gerade dabei war, ihren Enkeln beim Suchen im Vorgarten zuzusehen. Sie hielt inne, rückte ihre Brille zurecht und rief bewundernd: „Aber hallo, Herr Schmidt! Sie sehen ja aus wie aus dem Ei gepellt!“

Herr Schmidt neigte huldvoll sein Haupt. „Man gibt sein Bestes, Frau Meyer. Ostern ist schließlich nur einmal im Jahr.“

Zufrieden und mit einem federnden Schritt machte er sich auf den Weg. Sein Ziel: die alte St. Marienkirche. Er wollte früh genug da sein, um einen Platz in der mittleren Bankreihe zu ergattern. Dort schien das Licht so herrlich durch die bunten Glasfenster, dass es sein Outfit am vorteilhaftesten in Szene setzen würde.

Doch es sollte anders kommen. Genau in dem Moment, als er den Kirchplatz betrat, schlug das Wetter um. Ein plötzlicher, heftiger Aprilschauer fegte über das Kopfsteinpflaster. Die Menschen rannten schnell Richtung Kirche. Herr Schmidt entschied sich jedoch für das Vordach des Gemeindehauses. Nervös strich er über sein Sakko. Glück gehabt! Alles saß immer noch makellos.

In diesem Augenblick bemerkte er Frau Kofler, eine ältere Dame aus der Nachbarschaft, die mit ihrem Rollator sichtlich mit den tückischen, nassen Pflastersteinen kämpfte. Vorne im Korb lagen drei wunderschöne, selbstgebackene Osterzöpfe für das anschließende Kirchencafé.

Herr Schmidt sah, dass sich der Rollator gefährlich zur Seite neigte und Frau Kofler dadurch ins Schwanken geriet. Er erstarrte, doch sein Gehirn rechnete in Millisekunden aus, was geschehen würde: ‚Wenn ich jetzt vorspringe, lande ich direkt in der großen Pfütze. Meine eierschalweiße Hose wäre bespritzt und das Sakko durch den Regen in einem desolaten Zustand.‘ Doch in der Sekunde, in der die Osterzöpfe drohten, direkt in den Matsch zu segeln, sah Herr Schmidt das ängstliche Gesicht der Frau, machte einen Satz und sprang von seinem trockenen Podest Richtung Frau Kofler und mitten in die Pfütze hinein. Es machte „Klatsch“ – und braunes Regenwasser schoss hoch und hinterließ ein abstraktes Muster aus Dreckspritzern auf seinen eierschalweißen Hosenbeinen. Er fing Frau Kofler am Arm ab, stabilisierte mit der anderen Hand den Rollator und rettete dadurch die Frau und die Osterzöpfe.

„Herr Schmidt!“, rief diese atemlos. „Oh Gott, Ihre schöne Kleidung! Ich bin untröstlich.“

Herr Schmidt blickte an sich herab. Er war ruiniert. Sein Sakko war völlig durchnässt, die Hose besudelt. Er sah jetzt aus wie ein nasser, vom Schlamm bespritzter Pfirsich.

Doch zu seiner eigenen Überraschung antwortete er: „Es ist nur Stoff, Frau Kofler!“, und genau das fühlte er in diesem Moment.

Gemeinsam betraten die beiden anschließend die Kirche. Herr Schmidt versuchte nicht mehr, sich in die Mitte zu setzen. Er schlüpfte lieber in die letzte Reihe, um seine Flecken zu verbergen. Doch nach dem Gottesdienst, beim Osterkaffee, blieb sein Missgeschick nicht unbemerkt.

Frau Meyer kam auf ihn zu, sah das Desaster an seinen Beinen und setzte an: „Aber Herr Schmidt, Sie sahen heute Morgen doch noch aus, wie …“, als Frau Kofler sie sanft unterbrach: „Wissen Sie, Frau Meyer, Herr Schmidt sah heute Morgen zwar aus wie aus dem Ei gepellt, doch zu einem wahren Engel wurde er erst in dem Moment, als er mir helfend zur Seite sprang – direkt in eine Pfütze hinein.“

Herr Schmidt spürte, wie er rot wurde – nicht vor Scham, sondern vor Wärme. Er sah auf seine schmutzigen Schuhe und lächelte. In diesem Moment begriff er etwas Wichtiges: Die 'Schale' – das perfekte Äußere – war nur die Verpackung. Was die Menschen wirklich berührte, war der Kern darunter.

Und so verbrachte er eine wundervolle Zeit beim gemeinsamen Osterfrühstück und kümmerte sich nicht mehr um seine Bügelfalten und fühlte sich nach langer Zeit wieder so richtig lebendig. 


Frohe Ostern!

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Freitag, 3. April 2026

Familie Langohr und die Villa Löwenzahn

Am Rande des Waldes und inmitten der saftigsten Wiesen steht die bezaubernde Villa Löwenzahn. Es ist ein wahrlich stattliches Gebäude mit einem sonnengelben Anstrich, moosgrünen Fensterläden und einem Dach aus glänzend roten Ziegeln. Rund um das Haus gibt es einen duftenden Garten, in dem sich die Bienen und Schmetterlinge nur zu gerne tummeln.

Hier, in diesem wunderschönen Haus, ist Familie Langohr zuhause. Heute riecht es im Haus nach einem frisch gebackenen Hefezopf, dennoch scheint die Stimmung in der Wohnküche ein wenig gereizt zu sein.

„Das Desaster vom letzten Jahr darf sich auf keinen Fall wiederholen“, mahnte Papa Langohr in diesem Moment. „Die Arbeit der Hennen war wirklich ein logistischer Albtraum.“

„Lass mich nur machen, mein Lieber“, meinte Mama Langohr und trat auf die Terrasse des Hauses, die direkt an den Hühnerhof grenzte, wo die Henne Berta bereits mit ihren Kolleginnen wartete.

„Berta, meine Liebe“, begann Mama Langohr diplomatisch, während sie ein paar Körner in die Runde streute, „wir schätzen eure Bio-Qualität wirklich sehr, aber wenn die Lieferung wie im vergangenen Jahr wieder erst am Karsamstag um elf am Gartentor eintrifft, ist das einfach zu spät für uns. Vielleicht wäre es euch möglich, die Eier in diesem Jahr ein wenig früher zu liefern. Das würde uns bei unserer Arbeit wirklich sehr helfen.“

Berta pickte unbeeindruckt ein Korn nach dem anderen auf. Dann meinte sie: „Na gut, wir werden sehen, was wir machen können. Schließlich fordern einige von uns mehr Pausen und wir wollen es uns nicht mit der Gewerkschaft verderben. Aber gut: Ich denke, wir werden in Etappen liefern. Die ersten fünfhundert sind bis heute Abend in eurer Speisekammer.“

„Super“, freute sich Mama Langohr und überbrachte sogleich die gute Nachricht an die Familie.

In der hellen Werkstatt des Hauses brodelten bereits die Töpfe auf dem alten Herd. Zwiebelschalen für Goldgelb, Rote Bete für ein sattes Rubinrot und Rotkohl für ein tiefes Blau. Die ganze Familie stand bereit, um an diesem wichtigen Tag mit anzupacken. Die beiden ältesten Kinder, Max und Leila, balancierten die Eier in die Farbbäder, nur Opa Hoppel und Tilda, das Nesthäkchen, sorgten für ein wenig Unruhe.

Da Opa Hoppels Augen sehr trübe waren, hatte er mit seinem Stock bereits drei Eier vom Küchentisch gefegt. Ja und die kleine Tilda war so fasziniert von all den Farben, dass sie mehr sich selbst, als die Eier färbte.

Nun war Mamas diplomatisches Feingefühl ein weiteres Mal gefragt: „Opa, vielleicht solltest du ...“, begann sie vorsichtig, doch Opa fiel ihr sogleich ins Wort: „Ich hab das schon gemacht, als ihr alle noch gar keine Löffel hattet!“, trompetete er.

Es musste unbedingt eine Lösung her, die ihn nicht kränkte. Gott sei Dank kam Mama Langohr bald darauf die rettende Idee: „Opa, Tilda – wir haben ein Problem. Wir brauchen jemanden, der die Eier mit Speck poliert. Schließlich werden dann aus den bunten Eiern erst Ostereier. Und wir sollten sie noch mit einem ganz speziellen Siegel versehen. Kommt doch mal her, ihr zwei!“

Und so richtete sie den beiden einen gemütlichen Platz fernab der Farben ein. Opas Aufgabe war es nun, jedes Ei mit einer Speckschwarte zu polieren und es anschließend Tilda zu reichen, die eine Pfote in goldenen Staub tauchte, um jedes Ei danach mit einem kleinen Pfoten-Glückssiegel zu versehen.

Opa genoss es, noch gebraucht zu werden und erzählte allen Geschichten von früher und so arbeiteten sie Hand in Hand, bis die Glocken zur Osternacht läuteten. Sie hatten es noch rechtzeitig geschafft!

In diesem Jahr war wirklich alles ohne weitere Komplikationen vonstattengegangen. Nun standen sie mit ihren vollgepackten Kiepen am Gartentor der Villa Löwenzahn, um die Eier zu verteilen. Doch als sie den schmalen Pfad zum Dorf nehmen wollten, stockte ihnen für einen kurzen Moment der Atem. Der schwere Sturm vor ein paar Tagen hatte eine morsche Weide direkt über den Weg und die Brücke des angrenzenden Baches geworfen. Es schien kein Durchkommen mit den schwer gefüllten Kiepen zu geben.

„Wir kommen nicht durch!“, rief Max, der älteste Sohn, verzweifelt. „Wenn wir den Umweg über den Steinberg nehmen, werden wir niemals vor Sonnenaufgang fertig!“

Opa Hoppel räusperte sich: „Früher, als es die Brücke noch nicht gab, haben wir eine Kette gebildet und so die Eier Stück für Stück auf die andere Seite gebracht. Das ist die einzige Möglichkeit, die uns bleibt.“

Und so kletterte Papa als Erstes über den Stamm, gefolgt von Mama, Max und Leila. Und so reichten sie Ei für Ei von Pfote zu Pfote über das Hindernis hinweg, bis auch das letzte Ei heil und sicher auf der anderen Seite angekommen war und so schafften sie es noch rechtzeitig, während die Menschen noch schliefen, durch die Gärten zu hoppeln und die Eier zu verstecken.

Papa und die Großen übernahmen die schwierigen Verstecke in Astgabeln und hinter Dachrinnen. Opa und Tilda jedoch waren für die Verstecke zuständig, die als Erstes gesichtet werden würden.

Und als die Sonne den Horizont küsste und die Villa Löwenzahl in goldenes Licht tauchte, saßen sie bereits alle gemeinsam auf ihrer Terrasse. Sie waren zwar erschöpft, doch ihre Herzen waren voller Freude. - Und so wurde auch in diesem Jahr der traditionelle Zauber von Ostern bewahrt.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


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