Der Ostermontag lud mit seinem herrlichen Wetter zu einem Waldspaziergang ein. Und so machte sich Familie Weber auf den Weg. Die Luft roch herrlich nach feuchtem Moos und nach … Frühling.
Während die Eltern entspannt schlenderten, hüpfte
das 'Nesthäkchen' Lenja mit ihren geflochtenen Zöpfen vorneweg.
Ihre großen Brüder, Jonas und Tim, zwinkerten
sich verschmitzt zu. „Du, Lenja“, begann Jonas, „ich glaub, ich hab vorhin im
Gebüsch buntes Papier gesehen. Das war bestimmt ein Schokoladenosterei, das der
Osterhase verloren hat, als er gestern hier langgehoppelt ist.“
Lenja riss die Augen weit auf. „Echt jetzt?“
„Ganz sicher!“, bekräftigte Tim.
Während Lenja eifrig unter jedem Farnblatt
suchte, ließen die Jungs im perfekten Teamwork immer wieder bunte Schokoeier in
kleine Astgabeln oder auf Baumstümpfe fallen, an denen ihre kleine Schwester
gerade vorbeigegangen war.
„Guck mal hier!“ Oder: „Guck mal dort!“, riefen
sie und Lenja quietschte bei jedem Fund vor Glück.
Was die Jungs nicht ahnten: Sie waren nicht
allein. Hinter einer dicken Eiche lugte Zwerg Wurzelputz hervor und
beobachtete das Spiel.
Als Jonas ein goldenes Ei besonders auffällig auf
einen flachen Stein legte und Lenja kurz ablenkte, huschte Wurzelputz flink wie
ein Wiesel hervor und schnappte sich das Ei, um es an anderer Stelle abzulegen.
„Hier muss eines liegen, Lenja!“, rief Jonas und
zeigte auf den leeren Stein. Er stutzte. „Hä? Da hab ich doch gerade …“ Das
Mädchen suchte den Boden ab und rief nach einer Weile: „Da oben! Schaut mal!“
Das goldene Ei klemmte plötzlich zwei Meter hoch
in einer Baumspalte, die Jonas niemals hätte erreichen können.
Wenig später passierte das Nächste: Tim
versteckte ein blaues Ei in einem hohlen Baumstamm. Doch als seine Schwester
hineingriff, zog sie statt einem Schokoladenei nur eine leere Nussschale heraus.
Das blaue Ei lag stattdessen mitten auf dem Wanderweg.
Die Jungs wurden nervös: „Hast du das da
hingelegt?“, flüsterte Tim. Jonas schüttelte den Kopf. „Keine Chance.“
Etwas später platzierten sie das schönste und
größte Ei, das sie dabeihatten, im weichen Moos. Doch als Lenja es greifen
wollte, wanderte es weiter – wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen.
Das Mädchen strahlte. „Habt ihr das gesehen?! Das
war bestimmt der Osterhase. Er ist hier und spielt Verstecken mit uns!“
Die großen Jungs schluckten und sahen sich mit
großen Augen um. Sie waren sich sicher: Hier stimmte etwas nicht!
In dem Moment raschelte es verdächtig im
Unterholz, so dass die ganze Familie gebannt schaute. Wie aus dem Nichts
erschien zwischen all dem Moos und den Wurzeln eine kleine Gestalt mit einer
roten Zipfelmütze. Sie verbeugte sich tief und meinte: „Es ist doch viel zu
schade, Ostern nur den Kleinen zu überlassen. Oder?“
Die Brüder sahen sich erschrocken an, während Lenja
hell auflachte: „Ich hab’s gewusst: der Osterhase hat Gehilfen.“
Und so schnell Wurzelputz erschienen war, so
schnell war er auch wieder verschwunden.
Schweigend und aufmerksamer als jemals zuvor ging
die Familie weiter.
Niemand versteckte mehr etwas und niemand suchte
mehr etwas, denn alle fühlten, dass der Wald voller Geheimnisse steckte.
Als sie am Waldrand ankamen, drehte sich das
Mädchen noch einmal um und flüsterte: „Bis nächstes Jahr.“
Und irgendwo zwischen den Bäumen lachte der
Frühling.
© Martina Pfannenschmidt, 2026
Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.
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