Mittwoch, 25. März 2026

Der Sängerwettstreit

Heute war der große Tag gekommen. An diesem herrlichen Frühlingstag sollte ein großer Sängerwettstreit ausgetragen werden.

Die Jury, bestehend aus dem Hasen Hoppel, der gerade seine langen Löffel putzte, dem Eichhörnchen Fritzi, das aufgeregt auf einer umgestürzten Birke jonglierte und aus dem Igel Isidor, der sich extra ein frisches Gänseblümchen zwischen seine Stacheln gesteckt hatte, war bereits vor Ort.

„Möge die schönste Stimme gewinnen!“, rief Fritzi, das Eichhörnchen, voller Vorfreude.

Und so begann die Amsel. Sie flog auf die höchste Spitze der Tanne, plusterte ihre schwarzen Federn auf und schmetterte mit erhobener Brust eine melodische Arie in den Morgenhimmel.

„Sehr elegant!“, befand der Hase.

Doch kaum war der letzte Ton verhallt, ertönte von der Nachbarwiese ein meckerndes: „Määäääh! Viel zu laut! Und dann dieses Getue des schwarzen Vogels. Das hat mir nicht gefallen.“ Es war Zora, die alte Ziege, die den Kopf über den Zaun streckte und ungebeten ihre Meinung kundtat.

Die Vögel ließen sich allerdings nicht beirren. Als Nächstes flatterte der Stieglitz auf einen Zweig. Sein Gesang war so quirlig und flink wie er selbst.

„Das macht gute Laune!“, fiepte das Eichhörnchen und vollzog einen kleinen Freudensprung.

Zora war da anderer Meinung: „Määäääh!“ Das Gezwitscher klingt wie ein kaputtes Radio!“

Zuletzt hüpfte das kleine Rotkehlchen auf einen Zaunpfahl – ganz nah bei Zora. Es sang eine Melodie, die so zart war, dass es im Garten ganz still wurde. Sogar Isidor der Igel hielt für einen kurzen Moment den Atem an.

„Pah!“, meckerte Zora. „Viel zu leise! Dabei schläft man ja ein. Määäääh!“

Die Jury beachtete den Einwurf der Ziege nicht, geriet aber in einen kleinen Streit darüber, wessen Lied nun das schönste gewesen sei.

„Die Amsel hat die meiste Kraft!“, rief der Hase. „Aber der Stieglitz hat den besten Rhythmus!“, zankte das Eichhörnchen. „Und das Rotkehlchen singt mit ganzer Seele!“, brummte der Igel beleidigt.

Die Vögel begannen gekränkt mit den Flügeln zu schlagen und die fröhliche Stimmung drohte zu kippen. Nur Zora, die alte Ziege, amüsierte sich prächtig.

Da öffnete sich die Gartentür. Die kleine Leni kam barfuß über das Gras gelaufen. Sie trug ein Körbchen voller bunter Bänder. Sie blieb stehen und sah die aufgebrachten Tiere und die hämisch grinsende Ziege.

„Was ist denn hier los?“, fragte sie leise.

„Wir können uns nicht einigen, wer von den dreien der beste Sänger ist!“, rief Hoppel verzweifelt. „Und die alte Ziege meint, keiner sei gut genug!“

Leni ging zum Zaun, kraulte die überraschte Ziege kurz zwischen den Hörnern und wandte sich dann an die Vögel.

„Wisst ihr“, sagte Leni mit einem Lächeln, „wenn ich ein Bild male, nehme ich nicht nur eine Farbe, sondern ganz viele, damit es ein wunderschönes buntes Bild wird. Und so ist es auch mit eurem Gesang. Du, Amsel, schenkst uns mit deinem Gesang Mut, und du, Stieglitz, die Freude und du, Rotkehlchen, die Träume. Und wenn ihr gemeinsam singt, wird das perfekte Lied daraus.“

Sagte es, nahm die bunten Bänder aus ihrem Korb und hängte sie in die Sträucher.

„Keiner von euch ist besser als der andere“, fuhr sie fort, „nur zusammen seid ihr das Lied des Frühlings. Und dieses Lied ist perfekt, weil es so verschieden klingt.“

Die Vögel verstummten kurz. Dann passierte etwas Wundervolles: Die Amsel gab den Takt vor, der Stieglitz und das Rotkehlchen stimmten mit ein. Nun war es kein Wettstreit mehr, sondern es klang wie eine wundervolle Symphonie.

Sogar die Ziege stellte das Kauen kurz ein, legte den Kopf schief und gab ein fast schon sanftes „Mäh“ von sich.

In dem Moment fällte die Jury ihr Urteil: „Das schönste Lied ist gar kein einzelnes – es ist das gemeinsame Konzert aller, das den Frühling überhaupt erst ausmacht.“

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

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