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Freitag, 1. Mai 2026

Höhenangst

In unserem Dorf hat sich vor Jahren ein Storchenpaar niedergelassen. Vor Jahren blieb einer sogar über den Winter hier und wurde von einigen Bewohnern liebevoll gefüttert. Im Jahr darauf kam zur Freude aller Nachwuchs auf die Welt. - Diese wahre Geschichte hat mich zu dieser Fantasiegeschichte geführt, von der ich hoffe, dass sie dir gefällt und du sie gerne liest. - Habt einen fantastischen 1. Maifeiertag!

Die Sonne schien herrlich an diesem Morgen im beschaulichen Dorf Klapperhausen. Die Wiesen leuchteten in einem satten Grün und die Schornsteine blitzten im Sonnenlicht. Alles war perfekt – nur nicht für Kalle, den ängstlichen Jungstorch.

Kalle saß nicht etwa stolz am Rand des riesigen Reisig-Nestes auf dem alten Kirchturm und beschaute von dort oben die Welt, nein, er drückte sich so flach in die Mitte des Nestes, dass er fast mit dem Nistmaterial verschmolz.

„Das ist eine absolute Fehlplanung!“, schimpfte er mit seinen Eltern, die er vorwurfsvoll und mit zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen ansah. „Von allen Möglichkeiten hier im Ort musstet ihr ausgerechnet dieses Nest hier oben wählen? Warum konntet ihr mich nicht auf dem Boden unten am gemütlichen Ententeich ausbrüten? Oder in einer Garage? Versteht ihr? Unten … am Boden … wäre ich gerne geboren worden.

Mama Storch klapperte amüsiert. „Kalle, mein Schatz, du bist ein Storch, keine Ente. Störche lieben die Aussicht!“

„Ich aber nicht. Ich liebe es, am Boden zu sein und nicht in luftiger Höhe“, konterte Kalle. „Und überhaupt“, schimpfte er weiter, „diese ganze Sache mit dem Fliegen und so, die ist mir total suspekt. Die Luft hat keine Balken! Verstehst du, Mama! Die trägt mich nicht. Ich will hier sofort runter. Aber ich werde unter keinen Umständen … fliegen und diese … diese … Feder-Dinger da benutzen. Auf gar keinen Fall mache ich das.“ Dabei sah er auf seine Flügel, als handele es sich um defekte Regenschirme, die sich nicht zum Fliegen eignen.

Papa Storch hatte jedoch eine Idee. Er wusste, dass Kalle zwar ängstlich, aber auch furchtbar neugierig und ein kleiner Feinschmecker war. „Schade“, sagte er deshalb beiläufig und putzte sich eine Feder, „unten auf der Wiese, direkt am Bachlauf, hat der Bauer heute Morgen den großen Heuwender benutzt. Es wimmelt dort nur so von den dicksten, saftigsten Fröschen, die ich je gesehen habe. Aber na ja, wenn du nicht fliegen magst, musst du hier oben bleiben … ich fliege jetzt jedenfalls los und freue mich schon auf all die Delikatessen.“

Kalles Magen knurrte bei der Vorstellung so laut, dass das Nest zu vibrieren schien. Er robbte sich vorsichtig bis zum Rand und warf einen winzigen Blick über die Kante. Da sah er sie: die saftige Wiese. Und dort! War das nicht ein leckerer grüner Hüpfer?

„Ich muss da hin“, murmelte er, „aber ohne zu fliegen!“ Er stellte sich vor, am Blitzableiter herunterzuklettern oder vielleicht konnte er sich abseilen. Egal wie! Er musste nach unten. Das wurde ihm klar.

„Kalle“, sagte Mama sanft, „was wäre, wenn du gar nicht fliegst, sondern einfach losrennst? Weißt du, wie ich es meine? Du stellst dir einfach vor, dass du mit deinen langen Beinen zum gedeckten Tisch rennst. Oder noch anders. Du breitest deine Flügel aus und rutscht wie auf einer unsichtbaren Rutsche nach unten. Ich verspreche dir, dass es klappen wird und du auf diese Weise nach unten gleiten kannst.“

Schließlich war es der Hunger, der über seine Angst siegte. Kalle schloss vorsichtshalber die Augen, dachte währenddessen an den größten Frosch, den er jemals verspeist hatte, breitete seine Flügel aus und rannte los.

„Ich renne! Ich renne!“, rief er aufgeregt. „Ich renne in der Luuuuuuft!“

Und tatsächlich stürzte er nicht ab, sondern der Wind setzte sich unter seine großen Schwingen und trug ihn davon. Er glitt durch die Luft und die kühle Brise fühlte sich wie eine riesige weiche Hängematte an.

Mit einem etwas unsanften „Plopp“ landete er direkt neben einem verdutzten Frosch im weichen Gras. Kalle blinzelte. Er war unten. Er war tatsächlich unten auf dem Boden. Und: er lebte! Es war einfach herrlich!

Als seine Eltern neben ihm landeten, plusterte er sich stolz auf. „Na gut“, sagte er schmatzend, „das mit dem Runterrutschen war okay. Aber jetzt bleibe ich hier unten und werde niiieee wieder dort hinauffliegen!“

Nie wieder dauerte etwa zehn Minuten, denn ab da sah man Kalle, wie er begeistert Thermik-Kreise über dem Kirchturm drehte.

„Guckt mal“, rief er von dort oben seinen Eltern zu, ich kann fliegen wie ein Segelflieger!“

Seine Höhenangst war von einer Sekunde auf die andere verschwunden und eines war klar: von dort oben sah man die Leckerbissen einfach viel früher.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

Freitag, 17. April 2026

Es ist nur dein Spiegelbild

An diesem herrlichen Sonnentag erleben der junge Esel Emil und die kluge Maus Müsli (aus der letzten Geschichte) ein weiteres kleines 'Abenteuer'. - Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!

Nachdem Emil mit wehenden Ohren davongaloppiert war, wandte sich Barnabas wieder dem saftigen Gras zu.

Nun stand der junge Esel ein wenig versonnen da. Müsli, die kleine Maus, nutzte diesen Moment, um sich mit ihren Krallen am Fell des Esels festzuhalten, um ganz nach oben auf seinen Rücken zu gelangen. Bald darauf saß sie keck dort und piepste, während sie mit einer Pfote auf einen glitzernden Streifen am Rande der Koppel zeigte: „Sieh nur, da vorne! Lass uns dorthin gehen, wo es so herrlich glitzert.“

Emil hielt noch ein Weilchen inne und schaute in die Richtung, in die die Maus zeigte. Was war das? Dort war etwas in Bewegung.

Langsam näherten sich die beiden dem Objekt, das Emil neu war. Das Wasser des schmalen Baches sprang munter über die kleinen Steinchen, die sich darin befanden. Vorsichtig näherte sich der Esel dem Ufer. Das Plätschern des Wassers klang für ihn wie ein unbekanntes Lied, das er noch niemals zuvor gehört hatte.

Als er den Kopf senkte, um von dem Wasser zu trinken, prustete er plötzlich erschrocken zurück. „Das gibt’s doch nicht, Müsli!“, rief er erschrocken aus. „Dort in dem Wasser ist ein anderer Esel! Schau nur. Er sieht genauso aus, wie ich. Er hat dieselben großen Augen und die gleichen puscheligen Ohren. Das ist ein bisschen unheimlich, oder?“

Müsli wäre fast vor Lachen vom Rücken des Esels gefallen. „Emil, du musst wirklich noch viel lernen. Das bist DU in dem Wasser dort. Es ist dein Spiegelbild! Verstehst du! Das Wasser ist wie ein Spiegel.“

Mutig wagte Emil daraufhin einen zweiten Blick. Er bewegte ein Ohr – der Esel im Wasser tat es auch. Er streckte die Zunge heraus – der andere Esel tat dasselbe. Emil musste schmunzeln. Es schien ihm, dass die Maus nicht flunkerte. Er sah sich selbst in dem Wasser dort. Und schon fühlte er sich nicht mehr klein und unscheinbar, denn der Esel dort im Wasser sah ganz schön groß und mutig aus.

Doch plötzlich gab es ein lautes Platsch!  … direkt vor seinen Nüstern. Ein grünes, glitschiges Etwas war mit einem weiten Satz im Bach gelandet.

„Was ist das nun wieder? Ein Stein, der springen kann?“, fragte Emil erstaunt.

„Ich bin doch kein Stein, Quak!“ empörte sich der Frosch. „Und wenn, dann wäre ich ein Stein mit Beinen und den hab ich noch nie gesehen“, lachte er, während er auf ein großes Blatt sprang und stolz seine Backen aufblähte.

„Mein Name ist Hoppy“, stellte er sich den beiden vor. „Und wenn ihr gleich zurückgeht auf die Wiese, dann passt bitte auf die gelben Schlüsselblumen auf, die ihre Köpfchen dort im Wind wiegen.“

Emil blickte zu einer Gruppe von Schlüsselblumen und begriff, dass der Frühling nicht nur aus tausend Farben, sondern auch aus vielen ihm unbekannten Begegnungen bestand.

Bald darauf verabschiedeten sich die beiden von dem Frosch und Müsli flüsterte dem Esel ins Ohr: „Siehst du, Emil, wenn man hinhört, erzählen jedes Blatt und jeder Frosch eine Geschichte.“

Emil war müde von all den neuen Eindrücken, deshalb legte er sich ins warme Gras, ließ sich die Sonne auf den Pelz scheinen und erfreute sich an dem Plätschern des Baches.

Sein Herz klopfte immer noch, aber nicht mehr vor Angst - es klopfte vor reinem Glück.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Mittwoch, 25. März 2026

Der Sängerwettstreit

Heute war der große Tag gekommen. An diesem herrlichen Frühlingstag sollte ein großer Sängerwettstreit ausgetragen werden.

Die Jury, bestehend aus dem Hasen Hoppel, der gerade seine langen Löffel putzte, dem Eichhörnchen Fritzi, das aufgeregt auf einer umgestürzten Birke jonglierte und aus dem Igel Isidor, der sich extra ein frisches Gänseblümchen zwischen seine Stacheln gesteckt hatte, war bereits vor Ort.

„Möge die schönste Stimme gewinnen!“, rief Fritzi, das Eichhörnchen, voller Vorfreude.

Und so begann die Amsel. Sie flog auf die höchste Spitze der Tanne, plusterte ihre schwarzen Federn auf und schmetterte mit erhobener Brust eine melodische Arie in den Morgenhimmel.

„Sehr elegant!“, befand der Hase.

Doch kaum war der letzte Ton verhallt, ertönte von der Nachbarwiese ein meckerndes: „Määäääh! Viel zu laut! Und dann dieses Getue des schwarzen Vogels. Das hat mir nicht gefallen.“ Es war Zora, die alte Ziege, die den Kopf über den Zaun streckte und ungebeten ihre Meinung kundtat.

Die Vögel ließen sich allerdings nicht beirren. Als Nächstes flatterte der Stieglitz auf einen Zweig. Sein Gesang war so quirlig und flink wie er selbst.

„Das macht gute Laune!“, fiepte das Eichhörnchen und vollzog einen kleinen Freudensprung.

Zora war da anderer Meinung: „Määäääh!“ Das Gezwitscher klingt wie ein kaputtes Radio!“

Zuletzt hüpfte das kleine Rotkehlchen auf einen Zaunpfahl – ganz nah bei Zora. Es sang eine Melodie, die so zart war, dass es im Garten ganz still wurde. Sogar Isidor der Igel hielt für einen kurzen Moment den Atem an.

„Pah!“, meckerte Zora. „Viel zu leise! Dabei schläft man ja ein. Määäääh!“

Die Jury beachtete den Einwurf der Ziege nicht, geriet aber in einen kleinen Streit darüber, wessen Lied nun das schönste gewesen sei.

„Die Amsel hat die meiste Kraft!“, rief der Hase. „Aber der Stieglitz hat den besten Rhythmus!“, zankte das Eichhörnchen. „Und das Rotkehlchen singt mit ganzer Seele!“, brummte der Igel beleidigt.

Die Vögel begannen gekränkt mit den Flügeln zu schlagen und die fröhliche Stimmung drohte zu kippen. Nur Zora, die alte Ziege, amüsierte sich prächtig.

Da öffnete sich die Gartentür. Die kleine Lea kam barfuß über das Gras gelaufen. Sie trug ein Körbchen voller bunter Bänder. Sie blieb stehen und sah die aufgebrachten Tiere und die hämisch grinsende Ziege.

„Was ist denn hier los?“, fragte sie leise.

„Wir können uns nicht einigen, wer von den dreien der beste Sänger ist!“, rief Hoppel verzweifelt. „Und die alte Ziege meint, keiner sei gut genug!“

Lea ging zum Zaun, kraulte die überraschte Ziege kurz zwischen den Hörnern und wandte sich dann an die Vögel.

„Wisst ihr“, sagte Lea mit einem Lächeln, „wenn ich ein Bild male, nehme ich nicht nur eine Farbe, sondern ganz viele, damit es ein wunderschönes buntes Bild wird. Und so ist es auch mit eurem Gesang. Du, Amsel, schenkst uns mit deinem Gesang Mut, und du, Stieglitz, die Freude und du, Rotkehlchen, die Träume. Und wenn ihr gemeinsam singt, wird das perfekte Lied daraus.“

Sagte es, nahm die bunten Bänder aus ihrem Korb und hängte sie in die Sträucher.

„Keiner von euch ist besser als der andere“, fuhr sie fort, „nur zusammen seid ihr das Lied des Frühlings. Und dieses Lied ist perfekt, weil es so verschieden klingt.“

Die Vögel verstummten kurz. Dann passierte etwas Wundervolles: Die Amsel gab den Takt vor, der Stieglitz und das Rotkehlchen stimmten mit ein. Nun war es kein Wettstreit mehr, sondern es klang wie eine wundervolle Symphonie.

Sogar die Ziege stellte das Kauen kurz ein, legte den Kopf schief und gab ein fast schon sanftes „Mäh“ von sich.

In dem Moment fällte die Jury ihr Urteil: „Das schönste Lied ist gar kein einzelnes – es ist das gemeinsame Konzert aller, das den Frühling überhaupt erst ausmacht.“

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Samstag, 21. März 2026

In der Tiefe der Erde

Es war im vergangenen Herbst, als man Lumi, eine kleine Tulpenzwiebel, zusammen mit Hunderten ihrer Artgenossen in die tiefe, feuchte Erde gesetzt hatte.

Für sie alle war es wie ein Abschied in eine Welt der Dunkelheit, doch nach einer Weile wurde sie zu einer guten Vertrauten. Die Zwiebeln fühlten sich sicher in dieser dunklen Welt, die sie wie eine schützende Hülle umgab.

Und so vergingen Tage und Wochen, in denen die Zeit zäh floss und in der die Zwiebeln reglos im gefrorenen Erdreich ihr Dasein fristeten.

Doch eines Tages, als der Frost sich langsam aus dem Boden zurückzog, vernahm man ein leises Raunen im Erdreich, das sich wie ein zartes Beben anfühlte.

Als das geschah, flüsterte eine von ihnen: „Ich denke, nun ist es Zeit. In meinem Inneren spüre ich ein leises Ziehen. Ich glaube, die Wärme ruft uns nach oben.“

Von da an hörte Lumi von überall her ein leises Knacken, als all ihre Nachbarn ihre schützenden braunen Hüllen durchbrachen. Für sie alle war dieser Moment wie ein hoffnungsvolles Aufbrechen, nur für Lumi nicht. Für sie fühlte es sich an, wie ein Sterben. Deshalb klammerte sie sich fest an ihren Kern.

„Ich will nicht!“, zitterte sie innerlich. „Wenn ich wachse, höre ich auf, die zu sein, die ich bin. Das muss doch mein Ende sein. Das muss doch der Tod sein.“

Ihre Nachbarn jedoch schoben sich weiter durch das Erdreich. Sie spürten, wie das Adrenalin durch ihre frischen grünen Triebe schoss. Ja, es war anstrengend, aber auch aufregend, dem inneren Drang nachzugeben und eine unendliche Kraft zu entwickeln, bis sie das gefunden hatten, von dem sie bisher nur gehört hatten: das Licht.

Und dann war es so weit. Sie hatten es geschafft! Eine unbändige Freude breitete sich in ihnen aus, als sie die helle Welt betraten.

Sogleich dachten sie an Lumi, die noch immer in der Erde verharrte. Sie riefen ihr von oben zu, auch wenn sie es nur gedämpft hören konnte: „Komm schon, es ist so weit – auch für dich! Du ahnst nicht, wie groß die Welt ist und wie hell das Licht. Hab keine Angst vor der Verwandlung.“

Eine andere Zwiebel, die nicht ganz so geduldig mit Lumi war, meinte: „Lasst sie einfach. Wenn sie die Sonne nicht sehen will, können wir sie nicht zwingen. Manche wollen eben ewig im Dunklen bleiben.“ „Genau“, meinte eine weitere, „wer nicht will, der hat schon und außerdem: wer nicht aufbricht, wird verfaulen. Selbst schuld.“

All diese Worte trafen Lumi bis ins Mark. Sie fühlte sich einsam, missverstanden und starr vor Entsetzen. Sie wollte doch nur leben – und für sie bedeutete Leben nun mal, so zu bleiben, wie sie war. Aber verfaulen wollte sie auch nicht.

Und so kam der nächste Morgen. Ein sanfter Regen hatte die Erde aufgeweicht, als Lumi in ihrem Inneren einen unbändigen Druck verspürte. Sie spürte, dass sie keine andere Wahl mehr hatte. Sie wurde nicht gefragt, ob sie wachsen wollte, sie spürte: sie musste es tun. In dem Moment, als sie ihren Widerstand aufgab und sich ihrem Schicksal ergab, geschah ein Wunder. Sie fühlte eine unendliche Weite in sich; dann schob sie sich Zentimeter um Zentimeter durch das Erdreich, bis ihre Spitze plötzlich auf keinen Widerstand mehr stieß.

Sie durchbrach die Erdkruste.

Ein gleißender Schauer aus goldenem Licht ergoss sich über sie. Zum ersten Mal spürte Lumi die Sonne und sie erkannte, dass es gar kein Sterben war, was sie erlebt hatte. Es war das Erwachen in einer anderen Dimension, die sie sich in der Enge der Zwiebelhaut niemals hätte vorstellen können. Sie entfaltete sorgsam ihre Blätter und ließ sich von der Frühlingsluft liebkosen. Sie sah das Blau des Himmels, vernahm das Flattern der Schmetterlinge um sich herum und genoss das unendliche Meer aus den unterschiedlichsten Farben all ihrer Gefährten.

Sie war nicht gestorben. Sie war nur zu etwas anderem geworden. Alles, was sie in der Dunkelheit der Erde für ihr ‚Ich‘ gehalten hatte, war nur so etwas wie ein Samenkorn für diese Pracht gewesen.

 

Was denkst DU? Ergeht es uns Menschen nicht ebenso, wie Lumi, der ängstlichen Blumenzwiebel? Wir klammern uns oft an das Bekannte, auch an unseren Körper und unsere vertraute Welt. Wir haben – wie sie - Angst vor dem ‚Aufbrechen‘, vor dem Neuen, dem Unbekannten und ganz besonders vor dem Tod.

Doch wer weiß, vielleicht ist das, was wir den Tod nennen, nur der Moment unseres Durchbruchs. Vielleicht ist diese Geschichte wie ein Spiegel für uns - und unser Erdenleben gleicht der Zeit in der Zwiebel. Vielleicht ist das Erdenleben eine Art der Vorbereitung - in der Dunkelheit -, bevor das eigentliche Leben im Licht beginnt.

Und wenn der Tag kommt, an dem wir ‚aufbrechen‘ müssen, ist es kein Ende, sondern der Augenblick, in dem wir zum ersten Mal die wahre Sonne erblicken und erkennen, dass wir für etwas viel Größeres geschaffen wurden.

Vielleicht wachsen wir ja auch, wie Lumi, in eine andere Dimension hinein, wo die Sonne noch heller scheint und die Blumen noch bunter blühen.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Liebe Lore, diese Geschichte möchte ich dir widmen, denn heute – am Tag der Poesie – wird deine Urne beigesetzt. Viele Jahre haben wir zusammen mit Regina unsere Reizwortgeschichten geschrieben (Lores Märchenzauber und Reginas Geschichten). Das hat uns miteinander verbunden und das sind die Spuren, die wir hier auf der Erde hinterlassen. Unser gemeinsamer Glaube war und ist es, dass der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang von etwas ist. Und deshalb glaube ich ganz fest daran, dass du jetzt im Licht weiterlebst – genau wie Lumi, die kleine Tulpe in meiner Geschichte!

Im Herzen verbunden! – Martina

 


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Mittwoch, 18. März 2026

Frühlingserwachen

Die Zweige der alten Eiche knackten leise und in den Tiefen ihrer Rinde brach etwas auf. Sie spürte in ihrem Innersten eine unbändige Freude – so, wie es in jedem Jahr zu dieser Zeit geschah.

„Kannst du es auch spüren?“, fragte sie die junge Birke, die in ihrer Nähe stand. „Der Saft steigt wieder in uns empor, auch wenn er noch ein wenig zäh fließt, nicht wahr.“

Die Birke zitterte vor Vorfreude und ihre weißen Zweige leuchteten im Morgenlicht. „Ich kann es kaum erwarten, mein grünes Kleid anzulegen“, flüsterte sie aufgeregt zurück. „Hoffentlich vergisst uns die Sonne nicht!“

„Die Sonne vergisst niemanden“, brummte die Eiche mit ihrer tiefen, warmen Stimme.

In dem Moment landete ein kleiner, kugelrunder Zaunkönig auf einem der kräftigen Seitenäste der Eiche. Er plusterte sein Gefieder auf, so dass die feinen Federn, die noch ein wenig struppig aussahen, sich neu ordnen konnten.

„Guten Morgen, liebe Eiche“, zwitscherte er, und seine Stimme klang wie ein helles Glockenspiel.

„Ah, kleiner Freund“, antwortete die Eiche sanft, „du bist früh dran.“

„Ich muss!“, rief der Vogel und hüpfte eifrig hin und her. „Der Platz hier, in deinen Astgabeln ist der sicherste der Welt und sehr beliebt. Deshalb möchte ich der Erste sein. Und schon begann er, den ersten zarten Halm in einer Spalte zu verweben. Er arbeitete emsig, holte Moos und weiche Federn, während er eine Melodie sang, die so voller Hoffnung steckte, dass sie das Herz der Eiche berührte und eine einzelne Träne an ihrer Rinde herunterlief.

Just in dem Augenblick nahm die Eiche einen Schatten war, der sich aus dem dichten Unterholz näherte. Es war kein Tier und es war kein Mensch. Es war ein kleiner Hüter des Waldes. Ein kleines Wesen, das barfuß über den harten Boden spazierte.

Das zarte Wesen legte seine Hand auf die raue Rinde der Eiche und sprach mit einer ungewöhnlich zarten Stimme: „Habt Geduld, ihr Lieben! Das Erwachen wird geschehen. Es ist ein Versprechen der Natur, das es geschieht.“

Die Bäume hielten den Atem an, als im selben Moment ein warmer Windhauch durch ihre Äste strich. Auch die Vögel des Waldes nahmen es wahr und stimmten einen vielstimmigen Chor an.

Und dann spürten sie es alle: Der Frühling war nicht mehr nur ein Gedanke – er war ein Herzschlag, der alles miteinander verband.

Die Luft roch jetzt ganz anders – sie roch nach feuchter Erde, nach Freiheit und nach diesem Versprechen, das nur der Frühling geben kann. Es war zwar noch kühl, aber es war eine Frische, die einen wachküsste.

Die alte Eiche streckte ihre Äste weit in den blauen Himmel. „Heute ist der Tag“, sagte sie in ihrer ruhigen Art. „Ich spüre es bis in die kleinste Faserspitze.“

Die Birke neben ihr wirkte fast nervös. An ihren Zweigen hingen unzählige kleine, braune Knospen, die prall gefüllt waren. „Glaubst du wirklich?“, fragte sie noch ein wenig ungläubig. „Ich habe solche Angst, zu früh dran zu sein.“

„Hab keine Angst“, zwitscherte eine kleine Meise, die gerade eine weiche Moosflocke im Schnabel trug und in diesem Augenblick auf einem Zweig der Birke landete.

„Schau, auch ich baue mein Nest. Die Sonne zeigt es uns. Es wird geschehen.“

Nun reckte auch die Birke ihre Zweige der Sonne entgegen.

„Es ist an der Zeit, euch in eurem schönsten Kleid zu zeigen“, flüsterte das Naturwesen – und es geschah.

Es war kein lautes Ereignis, sondern ein leises, fast unhörbares Geschehen. An der Spitze der Birkenzweige platzten die braunen Hüllen der Knospen auf und ein zarter grüner Punkt schob sich ans Licht – so zart und frisch und voller Leuchtkraft.

Wie eine Welle breitete es sich nun aus. Überall im Wald begannen die Bäume aufzubrechen. Überall sprengten die kleinen grünen Blättchen ihre engen Gefängnisse. Die Vögel flogen aufgeregt hin und her, feierten das neue Grün und die zarte Wärme, die nun beständig durch den Wald floss.

Der kleine Hüter des Waldes lächelte, als er sah, wie das junge Grün die Welt verwandelte.

„Es hat begonnen“, raunte die Eiche, während sie die Wärme der Sonne tief in ihr altes Holz einsaugte. Sie spürte, wie der Zaunkönig in ihrer Krone nun stolz sein fertiges Nest präsentierte - ein winziges Kunstwerk aus weichem Moos.

Die Birke neben ihr war nicht länger ängstlich; sie wiegte sich sanft im Wind, stolz auf ihr neues Kleid, mit dem sie den Waldrand zu erhellen schien.

Das Naturwesen nickte den beiden Bäumen ein letztes Mal zu. „Bewahrt euch dieses Leuchten“, flüsterte es, „denn solange ihr erblüht, werden die Menschen die Hoffnung nicht verlieren.“ Dann verschwand es wortlos in den Tiefen des Waldes.

Für einen Moment kehrte eine sonderbare Stille ein und hoch oben im tiefblauen Himmel zog ein einsamer Falke seine Kreise, während in den Zweigen der alten Eiche das Leben von Neuem und unaufhaltsam erwachte.

Der Frühling war nicht mehr nur ein Versprechen; er war erwacht.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


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Freitag, 27. Februar 2026

Die große, bunte Welt

In einem Stall, mitten im tiefen Stroh, lag Emil, ein erst wenige Wochen alter Esel. Sanft fiel das Licht durch die Ritzen der Balken und zauberte ein kleines Schattentheater an die Wände.

Für Emil war dieser Stall alles, was er kannte. Der Duft des Strohs, das leise Muhen der Kühe nebenan, das Gackern der Hühner – das alles war ihm bekannt - und seine kleine, heile Welt.

Manchmal drangen Geräusche von draußen an sein Ohr: das Zwitschern der Vögel oder das Rauschen des Windes, doch für Emil war das nicht mehr als ein fernes Gemurmel, während ihn die Mauern des schützenden Stalles umgaben.

Und so war Emil mit sich und der Welt zufrieden. Hier drinnen war es gemütlich und warm. Er bekam jeden Tag sein Futter. Er fühlte sich rundum geborgen. Nur manchmal blickte er neugierig zu den beiden großen Türen, die fest verschlossen waren. Aber für Emil war das Wort ‚Sehnsucht‘ ein Fremdwort. Er kannte es nicht und auch nicht das damit verbundene Gefühl. Und eigentlich hatte er ja auch alles, was er brauchte.

Eines Morgens, als die Sonne ein paar helle Strahlen durch das kleine Fenster schickte, zitterte plötzlich etwas im Stroh neben ihm. Er spitzte die Ohren und schaute erwartungsvoll. In dem Moment huschte etwas Winziges und sehr Flinkes um seine Hufe – es war eine kleine graue Maus!

Emil erschrak ein wenig, doch als die Maus auf einen Strohhalm kletterte und ihn freundlich ansah, beäugte er das fremde Wesen zunächst mit seinen großen, dunklen Augen, doch dann fragte er mutig: „Wer bist du?“

Die Maus zuckte ein wenig mit ihren feinen Schnurrhaaren, bevor sie ihm antwortete: „Ich bin Müsli, die Stallmaus. Ich wohne hier schon viel länger als du und kenne jeden Winkel des Stalls. Aber ich weiß auch ein bisschen von der Welt hinter diesen großen Türen.“ Während sie das sagte, funkelten ihre Augen freundlich – und Emil wurde neugierig.

„Draußen?“, fragte er zaghaft. „Du weißt, was sich hinter den großen Türen verbirgt? Kannst du mir davon erzählen? Ich kenne doch nur den Stall, verstehst du?“

„Ich weiß“, antwortete Müsli mitfühlsam und schaute hinauf zum Licht. „Da draußen ist es auch warm, so wie hier im Stall, aber eben nicht im Winter. Im Winter ist es dort kalt“, erklärte sie dem kleinen Esel. „Aber im Frühling, wenn es draußen warm wird, schmilzt der kalte Schnee, den der Winter gebracht hat. Die Sonne, die du sehen kannst, wenn sie durch das kleine Fenster scheint, die wärmt dann jedes Fell. Es gibt Wiesen da draußen, die sind grün und voller bunter Blumen. Dort wächst der gelbe Löwenzahn, violette Krokusse und leuchtend weiße Gänseblümchen. Die Luft ist mild, wenn der Frühling da ist, und bringt das Gefühl von Freiheit in dein Herz und manchmal tanzen die Schmetterlinge über die Felder, und die Vögel singen so laut, wie du es hier noch nie vernommen hast.“

Emil hörte ihr gebannt zu. In seinem Kopf malte er sich Bilder aus von bunten Blumenwiesen und lachenden Sonnenstrahlen. Dann fragte er hoffnungsvoll: „Was denkst du, werde ich das alles auch einmal sehen dürfen?“

Müsli nickte. „Ganz gewiss, denn bald, wenn der Frühling kommt und der Bauer die großen Türen öffnet, wirst du hinausgehen. Dann werden die Sonnenstrahlen deine Nase kitzeln und du wirst das weiche Gras unter deinen Hufen spüren. – Du musst aber keine Angst davor haben. Die Welt da draußen ist spannend und wunderschön! Du wirst es sehen!“

In dieser Nacht kuschelte sich Emil besonders tief ins Stroh. Er träumte von der Wärme der Sonne, von bunten Blumen und dem Singen der Vögel, so dass sein Herz vor lauter Vorfreude ein wenig schneller zu schlagen schien. Zum ersten Mal in seinem Leben spürte er ein ihm bisher unbekanntes Gefühl. Er spürte eine zarte Sehnsucht in sich – nach dem, was kommen würde.

Und so wartete Emil Tag für Tag und seine Vorfreude stieg ins Unermessliche. Er lauschte auf jeden Tropfen und nahm jedes Zwitschern der Vögel wahr.

Noch war der Stall sein sicheres Zuhause, doch er ahnte, dass hinter den großen Türen etwas Wundervolles auf ihn wartete: eine große, bunte Welt. Und so wusste er, dass der Tag kommen würde, an dem der Bauer die großen Tore öffnen würde – und er war bereit dafür – mit klopfendem Herzen und einer großen Portion Mut.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

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Dienstag, 6. Januar 2026

Zwischen Weihnachtskrippe und Tulpenstrauß

Heute lag draußen ein dünner Hauch Schnee auf den Dächern der Häuser. Es sah so aus, als habe die Natur ihnen eine weiße Mütze aufgesetzt. Thorsten war auf dem Heimweg von seinem ersten Arbeitstag nach den Festtagen und hatte den Eindruck, als habe ihn der graue Arbeitsalltag schon wieder eingesaugt. Deshalb freute er sich sehr auf einen gemütlichen Abend am Weihnachtsbaum - gemeinsam mit seiner Frau.

Als er jedoch mit kalten Händen die Wohnungstür öffnete, wehte ihm ein Hauch von … Frühling entgegen? Er blieb wie angewurzelt stehen. Kein leuchtender Stern war mehr zu sehen, kein Tannenduft, keine Krippe, kein Jesuskind. Stattdessen prangte auf dem Esstisch ein bunter Strauß Tulpen. Daneben standen zwei Sektgläser.

Annabelle!“, rief Thorsten mit aufgerissenen Augen, während er in die Küche spähte, „sag bitte, dass das hier ein Aprilscherz ist. Wo bitte ist die Krippe hin? Die Heiligen Drei Könige sind doch noch nicht einmal eingetroffen. Sie sind doch noch auf dem Weg – und du hast schon die Krippe abgebaut?“

Annabelle steckte den Kopf in den Kühlschrank, fischte nach einer Sektflasche und grinste. „Aprilscherz im Januar? Das wär doch aber verfrüht, oder nicht?“

Thorsten stemmte die Hände in die Hüften. „Du weißt doch, Traditionsbewusstsein und so! Am 6. Januar, da gehören die Weisen zu Jesus, und… und jetzt finden sie wahrscheinlich nicht mal mehr den Weg. Stell dir das mal vor: Kaspar, Melchior und Balthasar irren durch unser Wohnzimmer und finden … Tulpen!“

Annabelle verdrehte die Augen und setzte sich mitsamt der Sektflasche, die von Silvester übriggeblieben war, an den Esstisch. „Ach komm, dieses Jahr hatte ich einfach schon Lust auf was Frisches! Außerdem lagen die Tannennadeln überall herum. Vorhin beim Staubsaugen hätte ich fast einen Tannenzapfen mit eingesaugt.“

Thorsten musste schmunzeln. Das war wieder typisch seine Frau. Sie war immer für eine Überraschung gut. „Aber du weißt schon, dass der Frühling offiziell noch ein paar Wochen braucht“, meinte er dann. „Und außerdem – die Tulpen, die frieren sich doch bei diesem Wetter den Allerwertesten ab!“

Seine Frau grinste. „Also, wenn es sein muss, hol ich den Heizlüfter aus dem Schrank. Und übrigens: mach dir keine Sorgen um die Krippe, die Figuren habe ich in Seidenpapier eingewickelt, gaaanz vorsichtig in den Karton gelegt und wieder im Schrank verstaut. Du siehst, alles ist gut!“

„Na, das will ich auch hoffen, nicht das die Krippenpolizei bei uns klingelt und ein Bußgeld verhängt“, scherzte Thorsten.

Dann setzte er sich zu seiner Frau an den Tisch. „Also ehrlich, ich kenne keine fröhlichere Frühlingsbotin als dich. Selbst mitten im Winter.“

Annabelle legte ihren Kopf auf seine Schulter und meinte scherzhaft: „Und du bist der beste Weihnachtswächter von allen. Aber du weißt schon, dass du irgendwann das Loslassen üben musst – sonst stehen wir im März noch mit Lebkuchen im Wohnzimmer.“

Die beiden lachten so herzhaft, dass sogar die Tulpen auf dem Tisch zu grinsen schienen.

„Weißt du, Schatz“, sagte Annabelle, „die Vorfreude auf den Frühling macht das Grau draußen doch ein bisschen heller, oder meinst du nicht?“

Er nickte und deutete aufs Fenster. „Stimmt schon. Aber bis die Krokusse kommen, dauert’s noch – also decken wir uns lieber noch ein bisschen mit Tee und Kerzen ein.“

Annabelle erhob ihr Glas: „Auf den Frühling, der noch auf sich warten lässt – und auf die Heiligen Drei Könige, die vielleicht nächstes Jahr ein GPS bekommen.“

Und so verbrachten die beiden einen wunderbar heiteren Abend – irgendwo zwischen Weihnachtsnachklang und Frühlingsvorfreude.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

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Montag, 9. April 2018

Frühlingserwachen (Gedicht)


Mensch, spürst du es auch?
Der Wind, so sanft wie ein Hauch,
rüttelt, wenn er so leise weht,
am kleinen Köpfchen des Tète à Tète.
Er läutet damit den Frühling ein -
mit bunten Farben und Sonnenschein.

Und auch der Tulipan ganz sacht
aus seinem Winterschlaf erwacht.
Der Blaustern fragt sich, ganz verschreckt:
„Wer hat mich aus dem Schlaf geweckt?“
Die Primel sagt: „Ich könnte schwören,
einen Glockenklang zu hören“.

Auch der Igel hat’s vernommen
und ist aus dem Versteck gekommen.
Die Meise baut jetzt ganz geschwind
an einem Nestchen für ihr Kind.
Und auf der Wiese nebenan
man kleine Lämmchen sehen kann.

Lässt du dich dann davon berühren,
kannst du die Zauberkraft verspüren.
Und du riechst den süßen Duft,
der jetzt liegt in der Frühlingsluft.
Dann wird auch dir das Herze weit,
und große Freude macht sich breit.

© Martina Pfannenschmidt