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Dienstag, 6. Januar 2026

Zwischen Weihnachtskrippe und Tulpenstrauß

Heute lag draußen ein dünner Hauch Schnee auf den Dächern der Häuser. Es sah so aus, als habe die Natur ihnen eine weiße Mütze aufgesetzt. Thorsten war auf dem Heimweg von seinem ersten Arbeitstag nach den Festtagen und hatte den Eindruck, als habe ihn der graue Arbeitsalltag schon wieder eingesaugt. Deshalb freute er sich sehr auf einen gemütlichen Abend am Weihnachtsbaum - gemeinsam mit seiner Frau.

Als er jedoch mit kalten Händen die Wohnungstür öffnete, wehte ihm ein Hauch von … Frühling entgegen? Er blieb wie angewurzelt stehen. Kein leuchtender Stern war mehr zu sehen, kein Tannenduft, keine Krippe, kein Jesuskind. Stattdessen prangte auf dem Esstisch ein bunter Strauß Tulpen. Daneben standen zwei Sektgläser.

Annabelle!“, rief Thorsten mit aufgerissenen Augen, während er in die Küche spähte, „sag bitte, dass das hier ein Aprilscherz ist. Wo bitte ist die Krippe hin? Die Heiligen Drei Könige sind doch noch nicht einmal eingetroffen. Sie sind doch noch auf dem Weg – und du hast schon die Krippe abgebaut?“

Annabelle steckte den Kopf in den Kühlschrank, fischte nach einer Sektflasche und grinste. „Aprilscherz im Januar? Das wär doch aber verfrüht, oder nicht?“

Thorsten stemmte die Hände in die Hüften. „Du weißt doch, Traditionsbewusstsein und so! Am 6. Januar, da gehören die Weisen zu Jesus, und… und jetzt finden sie wahrscheinlich nicht mal mehr den Weg. Stell dir das mal vor: Kaspar, Melchior und Balthasar irren durch unser Wohnzimmer und finden … Tulpen!“

Annabelle verdrehte die Augen und setzte sich mitsamt der Sektflasche, die von Silvester übriggeblieben war, an den Esstisch. „Ach komm, dieses Jahr hatte ich einfach schon Lust auf was Frisches! Außerdem lagen die Tannennadeln überall herum. Vorhin beim Staubsaugen hätte ich fast einen Tannenzapfen mit eingesaugt.“

Thorsten musste schmunzeln. Das war wieder typisch seine Frau. Sie war immer für eine Überraschung gut. „Aber du weißt schon, dass der Frühling offiziell noch ein paar Wochen braucht“, meinte er dann. „Und außerdem – die Tulpen, die frieren sich doch bei diesem Wetter den Allerwertesten ab!“

Seine Frau grinste. „Also, wenn es sein muss, hol ich den Heizlüfter aus dem Schrank. Und übrigens: mach dir keine Sorgen um die Krippe, die Figuren habe ich in Seidenpapier eingewickelt, gaaanz vorsichtig in den Karton gelegt und wieder im Schrank verstaut. Du siehst, alles ist gut!“

„Na, das will ich auch hoffen, nicht das die Krippenpolizei bei uns klingelt und ein Bußgeld verhängt“, scherzte Thorsten.

Dann setzte er sich zu seiner Frau an den Tisch. „Also ehrlich, ich kenne keine fröhlichere Frühlingsbotin als dich. Selbst mitten im Winter.“

Annabelle legte ihren Kopf auf seine Schulter und meinte scherzhaft: „Und du bist der beste Weihnachtswächter von allen. Aber du weißt schon, dass du irgendwann das Loslassen üben musst – sonst stehen wir im März noch mit Lebkuchen im Wohnzimmer.“

Die beiden lachten so herzhaft, dass sogar die Tulpen auf dem Tisch zu grinsen schienen.

„Weißt du, Schatz“, sagte Annabelle, „die Vorfreude auf den Frühling macht das Grau draußen doch ein bisschen heller, oder meinst du nicht?“

Er nickte und deutete aufs Fenster. „Stimmt schon. Aber bis die Krokusse kommen, dauert’s noch – also decken wir uns lieber noch ein bisschen mit Tee und Kerzen ein.“

Annabelle erhob ihr Glas: „Auf den Frühling, der noch auf sich warten lässt – und auf die Heiligen Drei Könige, die vielleicht nächstes Jahr ein GPS bekommen.“

Und so verbrachten die beiden einen wunderbar heiteren Abend – irgendwo zwischen Weihnachtsnachklang und Frühlingsvorfreude.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

 Die Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.