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Dienstag, 28. Juli 2026

Knopfaugenmonster

Väter sind Männer … und Männer sind stark und mutig, nicht wahr?! 😊Sie sind die Beschützer der Familie … bis ein Knopfaugenmonster in ihr Leben tritt und sie merken, dass auch ihre Tapferkeit ihre Grenzen hat.

Viel Freude beim Lesen der Geschichte!

 

An diesem späten Abend lag Leni hellwach in ihrem gemütlichen Bett. Eigentlich sollte sie längst träumen … wäre da nicht dieses unheimliche Geräusch. Da … schon wieder … ein leises rhythmisches Kratz-Kratz-Kratz.

Leni zog ihre Bettdecke bis unter die Nasenspitze. Es hörte sich an, als sei ein Monster mit riesigen Krallen direkt in ihrem Zimmer. Ihr Herz hämmerte wie wild gegen ihre Rippen. Sie wollte das Licht anmachen, aber ihre Hände waren schwer wie Blei. Sie wollte ihre Mutter rufen, doch ihre Kehle war wie zugeschnürt.

Schließlich schaffte sie es doch: „Maaamaaa!“, rief sie mit zittriger Stimme. Bald darauf flog die Tür auf und Licht flutete den Raum. Mama stürmte mit Papa im Schlepptau ins Zimmer hinein.

„Was ist los, mein Schatz?“, fragte sie und setzte sich auf die Bettkante. Just in dem Moment huschte ein kleiner grauer Schatten über den Boden und verschwand mit einem frechen Fiepen hinter der lockeren Fußleiste.

„Da!“, rief Leni. „Habt ihr es gesehen: ein Monster mit Schwanz. Ich bleibe keine Minute mehr in diesem Zimmer.“

„Aber Leni, das ist doch kein Monster. Das ist eine süße kleine Maus, die es sich hinter der Fußleiste gemütlich gemacht hat.“

„Egal“, beharrte das Mädchen, „ich schlafe heute bei dir, Mama. Papa kann in meinem Bett schlafen.“

Lenis Vater schluckte schwer. Sollte er zugeben, dass ihm Mäuse ebenfalls nicht geheuer waren? Aber die Blöße wollte er sich natürlich nicht geben. „Kein Problem“, sagte er deshalb mit einer etwas zu hohen Stimme, „geh du nur zu Mama. Ich werde dein Zimmer wie ein Wachhund beaufsichtigen.“

Gesagt, getan!

Bald darauf lag Papa im - für seine Größe etwas zu kurzen - Bett seiner Tochter. Nachdem er das Licht gelöscht hatte, zog er seine Bettdecke bis über beide Ohren. Und da war es wieder, das furchterregende: Kratz, Kratz, Kratz, gefolgt von leisen Trippelgeräuschen auf dem Laminatboden. Wenig später spürte er ein winziges Gewicht auf der Bettdecke, das sich langsam an seinen Beinen hocharbeitete. Vor Schreck hielt er die Luft an, bis sein Gesicht knallrot angelaufen war und er mit einem lauten „AAAAAAHHHHHH!“ aus dem Bett sprang. Seine Füße verhedderten sich dabei in der Bettdecke und so landete er mit einem lauten Wumms unsanft auf dem Boden, während er wild mit seinen Armen in der Luft ruderte.

Im selben Moment wurde die Tür erneut aufgerissen. Mama und Leni sahen den starken ‚Beschützer‘ auf dem Boden sitzen. „Na, da wird es wohl besser sein, zu meiner Geheimwaffe zu greifen“, meinte Mama bei diesem Anblick. Kurze Zeit später kam sie mit einer Lebendfalle, in die sie einen Klecks Erdnussbutter platziert hatte, ins Zimmer zurück.

Anschließend hockte die ganze Familie im Flur vor der Tür und wartete, bis ein erlösendes ‚Klack‘ zu hören war.

Sie schlichen leise ins Zimmer und sahen ein winziges graues Knäuel mit großen Ohren und kleinen schwarzen Knopfaugen in der Falle hocken.

„Ohhhhh, das ist ja doch kein Monster, sondern nur eine Mini-Maus. Wie gut, dass du so tapfer warst, Papa“, lachte Leni.

„Ich wollte sie doch nur“, stotterte er, „… aus der Reserve locken … das war doch meine Taktik …“.

Dann mussten alle lachen und Mama trug die Falle nach draußen in den Garten. Als sie die Klappe öffnete, flitzte die Maus rasch in die Freiheit.

„Maus ausgezogen, Monster besiegt“, meinte sie stolz und fügte mit einem Augenzwinkern an: „Ich glaube, Papa darf nun wieder im großen Bett schlafen, oder?“

„Gott sei Dank“, murmelte er nur.

Für den Rest der Nacht schliefen alle ruhig und fest. Jeder in seinem eigenen Bett.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Samstag, 25. April 2026

Klassischer Fall von …

Beim letzten Mal hatte ich ja schon angekündigt, dass es eine weitere Geschichte mit Emil, dem Esel, und Müsli, der Maus, geben wird. 

Hier ist sie! Viel Freude beim Lesen! 


Der junge Esel Emil und die kleine Maus Müsli verbrachten einen wunderbaren Vormittag in der Nähe des Bachlaufes. Die Sonne schien warm und brachte das graue Fell des Esels zum Glänzen.

„Was denkst du“, fragte Müsli in diesem Moment, „wollen wir auf die andere Seite der Weide gehen? Dort soll der Klee besonders üppig wachsen. Und wir könnten einen kleinen Spaziergang machen.“

Doch dann geschah etwas Unerwartetes. Statt darauf etwas zu erwidern oder loszugehen, stemmte Emil seine Hufe besonders fest in den Boden.

„Was ist los, Großer?“, piepste Müsli, die auf Emils rechtem Ohr saß und sich an einem Haarbüschel festhielt. „Der Klee wartet.“

Emil schnaubte kurz, während er die weiße Rinde einer Birke in seiner Nähe anstarrte.

Was Müsli nicht ahnte: im Kopf des Esels passierte etwas Neues. Da war plötzlich ein Gefühl, das ihm deutlich signalisierte: Nein!

Kein Nein aus Angst und auch kein Nein, weil er müde war, sondern ein … ziemlich störrisches: NEIN!

„Ich gehe nirgendwohin“, sagte Emil dann.

Müsli rutschte ein kleines Stückchen an seiner Stirn hinunter, bis sie genau zwischen seinen Augen saß. „Bist du verletzt? Hast du eine Distel im Huf?“, fragte sie besorgt.

„Nein“, erwiderte Emil ungerührt, senkte den Kopf, bis seine Nüstern fast den Boden berührten und machte seinen Rücken ganz steif. „Ich möchte nicht.“

Müsli legte die Pfoten in die Hüften. „Wie, du möchtest nicht?! Setz eine Hufe vor die andere, wie du es sonst auch getan hast und in Nullkommanix sind wir bei dem leckeren Klee angekommen!“

Vorsichtig versuchte sie, den Esel anzuschieben, doch das hatte denselben Effekt, als wenn eine Fliege versuchen würde, eine Kuh vom Eis zu treiben. Als der Versuch kläglich scheiterte, versuchte die Maus es mit gutem Zureden und sogar mit einem kleinen Tanz auf seinem Rücken. Aber Emil blieb wie versteinert. Er hatte seine Ohren seitlich weggeklappt und sein Blick war starr auf den Baum gerichtet.

Je mehr Müsli drängelte, desto fester schienen seine Hufe mit der Erde zu verwachsen.

„Jetzt weiß ich es“, murmelte Müsli, kletterte von Emil herunter und setzte sich erschöpft auf einen Kieselstein. „Das Störrische. Davon hat mir meine Oma erzählt. Wenn ein Esel beschließt, ein Denkmal zu werden, dann wird er ein Denkmal.“

Emil sagte nichts. Irgendwie genoss er die Situation, die im Verweigern und im Stillstehen lag. Während Müsli auf ‚weiter‘ drängte, beschloss er ‚halt‘ zu sagen. Emil fühlte sich richtig mächtig in diesem Moment.

Nach einiger Zeit seufzte Müsli. „Na gut. Wenn wir hierbleiben, dann bleiben wir halt hier.“

Während Emil immer noch völlig unbeweglich in der Landschaft herumstand, begann die Erde direkt neben dem Kieselstein zu beben. Ein kleiner Hügel warf sich auf. Die dunkle Erde krümelte zur Seite, bis sich schließlich eine kleine rosa Nase zeigte, gefolgt von zwei kräftigen Schaufelpfoten.

„Was ist denn hier los?“, brummelte eine tiefe, leicht heisere Stimme. „Man kommt ja gar nicht zum Mittagsschlaf, weil ihr zwei euch zankt!“

Es war Paule, der Maulwurf. Er blinzelte mit seinen winzigen Augen in das helle Sonnenlicht, während er eine imaginäre Brille zurechtzurücken schien.

In dem Moment sah er Müsli auf dem Stein sitzen. Anschließend wanderte sein Blick die langen, grauen Beine von Emil hinauf, bis er den starren Blick des Esels erreichte.

„Ah“, sagte Paule und stützte sich gemütlich auf den Rand seines Erdhügels. „Ich sehe das Problem. Klassischer Fall von störrischem Esel.“

Müsli sprang auf. „Paule! Kannst du ihm nicht sagen, dass der Klee da vorne viel besser schmeckt und er sich endlich in Bewegung setzen soll?“

Paule lachte kurz auf. „Spar dir den Atem, Müsli. Ich lebe schon seit Generationen unter diesen Weiden und schon mein Urgroßvater hat mir von störrischen Eseln erzählt. Wenn die Hufe erst mal Wurzeln schlagen, dann hilft kein Schieben und kein Ziehen und auch kein Zureden.“

Dann wandte er sich Emil zu, der immer noch kein Ohr rührte. „Wisst ihr“, fuhr der Maulwurf fort und kratzte sich am Bauch, „mein Urgroßvater traf mal einen Esel, der stand drei Tage lang vor einer Pfütze, ohne zu trinken. Und dann fiel er einfach um.“

Emil zuckte kurz mit dem linken Ohr. Paule bemerkte es sofort.

„Sie sind sehr stolz auf ihre Sturheit“, flüsterte der Maulwurf Müsli zu. Natürlich laut genug, damit Emil ihn auch hören konnte. „Wenn du meinen Rat hören möchtest. Lass ihn einfach hier stehen und geh allein auf die andere Seite.“

Emil schnaubte empört. „Ich bin kein bisschen störrisch“, brummte er.

„Du bist störrisch, mein Lieber“, entgegnete Paule. „Du stehst da wie ein riesiger Felsbrocken und denkst keine Minute daran, wie sich das für deinen Freund anfühlt. Naja, Freund! Auf einen Freund wie dich kann man wohl verzichten.“

Sprach es und verschwand mit einem leichten Rascheln im Erdreich.

Plötzlich fühlte sich Emil gar nicht mehr gut und schon gar nicht ‚mächtig‘. Er wollte doch ein guter Freund für Müsli sein und kein Denkmal oder Felsbrocken.

In dem Moment schaute die Maus Emil direkt in die Augen. „Wie siehts aus, Großer?“, fragte sie ein weiteres Mal. „Willst du warten, bis du Moos ansetzt oder gehen wir jetzt zum Klee?“

Und genau in diesem Moment hob Emil den ersten Huf...

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

 

Dienstag, 21. April 2026

Herr Graufell und Weißfellchen

Tiere inspirieren mich immer wieder zu Geschichten. Heute begeben wir uns unter die Erde, wo Herr Graufell auf uns wartet. - Ja und in der nächsten Geschichte, das verrate ich heute schon mal, geht es noch einmal um Emil, den Esel, und Müsli, die Maus. Auch in der Geschichte wird ein Maulwurf eine Rolle spielen. - Aber jetzt wünsche ich euch zunächst einmal viel Freude beim Lesen dieser Geschichte! - Schön, dass du da bist!


Tief unter der Erde, wo Dunkelheit herrscht, ist das Zuhause von Herrn Graufell. Der Maulwurf war bei all den kleinen Tieren, die in der Tiefe der Erde wohnten, für seine Liebe zu Berichten aus der örtlichen Zeitung bekannt.

Jeden Morgen, nachdem ihm die Zeitung zugestellt worden war, griff er zu seiner Brille, setzte sich in seinen gemütlichen Schaukelstuhl und las mit größter Begeisterung die neuesten Nachrichten aus dem Tierreich.

Doch an diesem Morgen war alles anders. Ein kleines Missgeschick in der Nacht hatte seine Brille in zwei Teile zerbrochen. Aber ohne seine Brille konnte Herr Graufell kaum etwas erkennen, geschweige denn seine heißgeliebte Zeitung lesen.

Verzweifelt tastete er nach den Seiten, seufzte tief und wiegte sich traurig im Schaukelstuhl.

Just, als er glaubte, dass dieser Tag kein Glückstag für ihn werden könnte, nahm er ein leises Rascheln am Eingang seines Erdganges wahr. Neugierig lugte er auf und sah – oder besser: erahnte – eine kleine Maus, die vorsichtig seine Stube betrat.

„Entschuldigung, ich glaube, ich habe mich verlaufen“, piepste die Maus und sah sich um. „Mein Name ist Weißfellchen – und wo bitte bin ich hier gelandet?“

„In meinem Wohnzimmer!“, antwortete der Maulwurf. „Fühl dich willkommen. Ich bin Herr Graufell und wie du vielleicht weißt, können Maulwürfe nicht gut sehen, weshalb ich eigentlich eine Brille trage. Eigentlich! Doch nun ist sie kaputt und ich kann meine geliebte Zeitung nicht mehr lesen“, fiel er sogleich mit der Tür ins Haus. „Deshalb geht es mir gerade nicht so gut. Man möchte doch wissen, was in der Welt geschieht, nicht wahr?“

Weißfellchen kicherte kurz, hüpfte auf den Tisch, und meinte: „Ach, das ist doch gar kein Problem! Ich kann schauen wie eine Eule bei Nacht und lesen kann ich auch. Gib mir deine Zeitung und ich lese dir vor!“

Herr Graufell strahlte zum ersten Mal an diesem Tag. Gemeinsam breiteten sie die Zeitung auf dem Tisch aus. Weißfellchen räusperte sich kurz und las würdevoll die erste Nachricht des Tages: „Wetterbericht: Heute bleibt es mild, weshalb unterirdisch mit vermehrtem Regenwürmer-Aufkommen zu rechnen ist.“

„Das klingt nach perfektem Wetter für einen Spaziergang durch die Tunnel“, sagte Herr Graufell schmunzelnd.

„Lokale Nachrichten: Die Kaninchenfamilie Feldhoppel hat Nachwuchs bekommen. Sechs kleine Kaninchen hoppeln nun durch die Wiesen.“

Die Maus kicherte. „Stell dir vor, so viele Kinder! Glaubst du, die Eltern können sich all die Namen merken?“

„Wahrscheinlich nennen sie sie einfach Nummer Eins bis Sechs“, witzelte Herr Graufell.

Weißfellchen las weiter: „Ein Igel wurde heute dabei erwischt, wie er aus Versehen im Kreis lief. Offensichtlich war sein Kompass defekt.“

Beide prusteten los vor Lachen. Sie sprachen darüber, wie es wohl wäre, wenn auch Maulwürfe Kompasse hätten, und philosophierten über die Orientierung im Dunkeln.

Während die Maus weiter vorlas, diskutierten die beiden eifrig über das Wetter, das Kaninchenchaos auf der Wiese und darüber, dass auch Igel mal einen schlechten Tag haben dürfen.

Herr Graufell erzählte von seiner Angst, nie wieder selbst lesen zu können, als die Maus philosophierte: „Weißt du, manchmal sieht man mit dem Herzen besser als mit den Augen.“

Dann überlegten beide, wie man die Brille des Maulwurfs reparieren könnte und bastelten bald darauf eine Notfallbrille aus Draht und einem alten Löffelstiel. Vorsichtig setzten sie das Glas der alten Brille dort ein. Es hielt. Zumindest halbwegs. Und Herr Graufell erkannte begeistert, dass er damit zumindest die großen Überschriften lesen konnte.

Von diesem Tag an besuchte Weißfellchen den neuen Freund jeden Morgen und las ihm aus der Zeitung vor. Anschließend diskutierten und lachten sie über die Berichte.

Wer hätte gedacht, dass aus einem Missgeschick und einer zufälligen Begegnung eine wunderbare Freundschaft entstehen würde.

Schlecht sehen zu können, war nur noch halb so schlimm mit einem Freund an seiner Seite, der einem die Welt vorlas.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

 

Freitag, 17. April 2026

Es ist nur dein Spiegelbild

An diesem herrlichen Sonnentag erleben der junge Esel Emil und die kluge Maus Müsli (aus der letzten Geschichte) ein weiteres kleines 'Abenteuer'. - Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!

Nachdem Emil mit wehenden Ohren davongaloppiert war, wandte sich Barnabas wieder dem saftigen Gras zu.

Nun stand der junge Esel ein wenig versonnen da. Müsli, die kleine Maus, nutzte diesen Moment, um sich mit ihren Krallen am Fell des Esels festzuhalten, um ganz nach oben auf seinen Rücken zu gelangen. Bald darauf saß sie keck dort und piepste, während sie mit einer Pfote auf einen glitzernden Streifen am Rande der Koppel zeigte: „Sieh nur, da vorne! Lass uns dorthin gehen, wo es so herrlich glitzert.“

Emil hielt noch ein Weilchen inne und schaute in die Richtung, in die die Maus zeigte. Was war das? Dort war etwas in Bewegung.

Langsam näherten sich die beiden dem Objekt, das Emil neu war. Das Wasser des schmalen Baches sprang munter über die kleinen Steinchen, die sich darin befanden. Vorsichtig näherte sich der Esel dem Ufer. Das Plätschern des Wassers klang für ihn wie ein unbekanntes Lied, das er noch niemals zuvor gehört hatte.

Als er den Kopf senkte, um von dem Wasser zu trinken, prustete er plötzlich erschrocken zurück. „Das gibt’s doch nicht, Müsli!“, rief er erschrocken aus. „Dort in dem Wasser ist ein anderer Esel! Schau nur. Er sieht genauso aus, wie ich. Er hat dieselben großen Augen und die gleichen puscheligen Ohren. Das ist ein bisschen unheimlich, oder?“

Müsli wäre fast vor Lachen vom Rücken des Esels gefallen. „Emil, du musst wirklich noch viel lernen. Das bist DU in dem Wasser dort. Es ist dein Spiegelbild! Verstehst du! Das Wasser ist wie ein Spiegel.“

Mutig wagte Emil daraufhin einen zweiten Blick. Er bewegte ein Ohr – der Esel im Wasser tat es auch. Er streckte die Zunge heraus – der andere Esel tat dasselbe. Emil musste schmunzeln. Es schien ihm, dass die Maus nicht flunkerte. Er sah sich selbst in dem Wasser dort. Und schon fühlte er sich nicht mehr klein und unscheinbar, denn der Esel dort im Wasser sah ganz schön groß und mutig aus.

Doch plötzlich gab es ein lautes Platsch!  … direkt vor seinen Nüstern. Ein grünes, glitschiges Etwas war mit einem weiten Satz im Bach gelandet.

„Was ist das nun wieder? Ein Stein, der springen kann?“, fragte Emil erstaunt.

„Ich bin doch kein Stein, Quak!“ empörte sich der Frosch. „Und wenn, dann wäre ich ein Stein mit Beinen und den hab ich noch nie gesehen“, lachte er, während er auf ein großes Blatt sprang und stolz seine Backen aufblähte.

„Mein Name ist Hoppy“, stellte er sich den beiden vor. „Und wenn ihr gleich zurückgeht auf die Wiese, dann passt bitte auf die gelben Schlüsselblumen auf, die ihre Köpfchen dort im Wind wiegen.“

Emil blickte zu einer Gruppe von Schlüsselblumen und begriff, dass der Frühling nicht nur aus tausend Farben, sondern auch aus vielen ihm unbekannten Begegnungen bestand.

Bald darauf verabschiedeten sich die beiden von dem Frosch und Müsli flüsterte dem Esel ins Ohr: „Siehst du, Emil, wenn man hinhört, erzählen jedes Blatt und jeder Frosch eine Geschichte.“

Emil war müde von all den neuen Eindrücken, deshalb legte er sich ins warme Gras, ließ sich die Sonne auf den Pelz scheinen und erfreute sich an dem Plätschern des Baches.

Sein Herz klopfte immer noch, aber nicht mehr vor Angst - es klopfte vor reinem Glück.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Freitag, 10. April 2026

Plötzlich geschah es!

Erinnert ihr euch an Emil, den kleinen Esel aus der Geschichte: 

Die große bunte Welt?

Heute gibt es die Fortsetzung, denn plötzlich geschah es … die Tore öffneten sich!

 

Ein schweres Rumpeln drang durch den Stall, gefolgt vom Quietschen alter Scharniere. Emil hielt für einen Moment gespannt den Atem an. Es wurde immer heller im Stall, je weiter sich die Tore öffneten. Emil kniff ein wenig die Augen zusammen, da das Licht ihn blendete. Doch es war nicht nur das Licht, das ihm in dieser Intensität unbekannt war. Da war noch etwas … ein Duft, der anders roch als das Stroh, das ihm vertraut war. Es roch nach ... feuchter Erde, nach frischem Grün und nach … unendlicher Weite.

Als ihn der Bauer sacht aufforderte, seinen gewohnten Stall zu verlassen, setzte Emil vorsichtig einen Huf vor den anderen. Je näher er dem Licht kam, umso mehr hatte er das Gefühl, von einer warmen Decke umhüllt zu werden. Herrlich war es, dieses Gefühl!

Als Emil über die Schwelle trat, kitzelte die Sonne an seinen Nüstern, so dass er ein wenig prustete, woraufhin ein vertrautes Piepen zu hören war.

„Siehst du!“, rief Müsli, die kleine Maus, die oben auf dem Türbalken saß und sich die Barthaare putzte. „Ich hab’s dir doch gesagt: eines Tages wird der Bauer die Tore öffnen und du wirst den Frühling sehen!“

Emil wagte sich ein Stück weiter und trat auf den Hof vor dem Stall. Der Boden fühlte sich ungewohnt an.

Als sich der kleine Esel umsah, schaute er mit schiefem Kopf auf den grünen Busch vor ihm. Dort saß ein winziges Wesen, das er noch niemals zuvor gesehen hatte. Es war noch viel kleiner als Müsli, die Maus. Neugierig näherte er sich dem winzigen Wesen mit dem leuchtend roten Panzer und den sieben schwarzen Punkten.

„Hallo kleiner Esel“, begrüßte ihn der Käfer mit heller Stimme freundlich.
„Wer bist du?“, fragte Emil staunend.
„Ich bin ein Marienkäfer“, erklärte der kleine Kerl und krabbelte ein Stück höher. „Ich genieße die ersten Sonnenstrahlen, so wie du! Weißt du, der Frühling ist die Zeit, in der alles aufwacht. Das Gras reckt sich der Sonne entgegen, die Bäume treiben ihre Blätter aus und wir Käfer kommen aus unseren Winterverstecken hervor. Es ist, als würde die ganze Welt wieder erwachen.“

Emil blickte sich weiter um. Überall sah er das zarte Grün, von dem Müsli gesprochen hatte. Ein sanfter Windhauch strich dabei durch sein Fell und ließ seine Ohren ein wenig wackeln. Das fühlte sich ungewohnt, aber lustig an und er spürte eine unbändige Freude in sich. Er, Emil, der kleine graue Esel, war nun ein Teil dieser großen, bunten Welt.

Mit einem kleinen, übermütigen Freudensprung landete er mitten im weichen Gras. Müsli flitzte am Boden neben ihm her und Emil ahnte, dass das Abenteuer für ihn gerade erst begonnen hatte.

Während er noch über den Marienkäfer nachsann, fiel sein Blick auf eine recht große Gestalt am Ende der Koppel. Unter einer großen, alten Eiche stand ein Tier, das viel größer war als er selbst. Sein Fell war dicht und silbergrau und seine weiße Mähne wehte sanft im Wind.

Vorsichtig, fast auf Zehenspitzen, näherte sich Emil dem Pferd mit den klugen und gütigen Augen.

„Na, kleiner Abenteurer?“, dröhnte die tiefe Stimme des Pferdes, das sich als Barnabas vorstellte und ihn fragte, ob er den Weg raus aus dem sicheren Stroh gut gefunden hatte.

Emil nickte daraufhin und erwiderte: „Es ist nur alles so groß hier draußen und so hell! Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Ist es immer so aufregend hier?“

Das alte Pferd schnaubte leise, bevor es antwortete: „Wenn der Frühling mit einem lauten Paukenschlag beginnt und die Natur erwacht, ist es wahrlich aufregend. Aber weißt du, was ich in all den vielen Jahren, die ich nun schon lebe, erkannt habe?“

Barnabas legte eine kleine Pause ein, so dass Emil seine Ohren spitzte. Sogar Müsli, die kleine Maus, rückte noch ein wenig näher heran, als das Pferd fortfuhr: „Hab keine Eile, Emil! Die Welt läuft dir nicht davon. Die Menschen, ja, die rennen oft, aber wir Tiere dürfen den Rhythmus der Erde spüren. Wenn du lernst, dem Wachsen des Grases zuzuhören und beginnst, den Wind zu verstehen, dann wirst du dich draußen genauso geborgen fühlen wie in deinem Stall. Denn weißt du, Emil, Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben – Mut bedeutet, loszugehen, obwohl das Herz ein bisschen stärker klopft.“

Emil schaute hinauf zu dem alten Pferd und spürte, wie seine eigene Unsicherheit schwand. Er fühlte sich plötzlich groß und frei.

„Danke“, flüsterte Emil, drehte sich um und galoppierte ein paar übermütige Schritte über die Wiese, wobei seine Hufe kleine Erdklümpchen in die Luft wirbelten. In dem Moment wusste er: Nicht nur der Stall war sein zuhause, sondern die ganze Welt!

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Dienstag, 10. März 2026

Mondschein-Geflüster

An diesem Abend hing der Mond wie eine große, goldene Laterne am Himmel und tauchte die Wiesen in ein sanftes, schlummerndes Licht, als Frieda, die kleine Feldmaus, ihren Abendspaziergang machte.

Seit ein paar Tagen war sie meistens allein unterwegs. Ihre beste Freundin, die sonst immer fröhlich an ihrer Seite trippelte, hatte sich verliebt. Nun verbrachte sie jede freie Minute mit ihrem Freund und ihre Augen leuchteten dabei heller als die Sterne.

Frieda verstand das gut und gönnte es ihr von ganzem Herzen. Schließlich wusste sie selbst, wie wunderschön es war, wenn die Schmetterlinge im Bauch Purzelbäume schlugen. Ein wehmütiges Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht, als ihre Gedanken kurz zu Antoine wanderten. Sie erinnerte sich gern an den charmanten Akzent der französischen Spitzmaus, in den sie sich damals Hals über Kopf verliebt hatte. Antoine war zuckersüß gewesen, aber am Ende hatten sich ihre Wege getrennt, weil sie sich einfach nichts mehr zu sagen gehabt hatten. Und so schlenderte sie nun allein des Weges.

An einem besonders lauschigen Plätzchen, an dem das Mondlicht silbern schimmerte, setzte sie sich auf einen kleinen, kühlen Stein. Sie seufzte leise, schaute vorsichtig nach rechts und links, um zu schauen, ob sie auch wirklich allein war und blickte dann sehnsüchtig hinauf zum Mond.

„Hallo, lieber Mond“, flüsterte sie, „du hast von da oben doch den allerbesten Überblick. Du siehst bestimmt, wie glücklich meine Freundin ist ... und dass ich ein kleines bisschen einsam bin. Weißt du ... ich hätte auch so gerne jemanden an meiner Seite. Jemanden, mit dem ich über alles reden, aber auch mal schweigen kann. Verstehst du? Also, wenn du von da oben jemanden siehst, der zu mir passt ... könntest du uns dann bitte zusammenbringen? Das wäre wirklich schön.“

„Das klappt bestimmt!“, zirpte plötzlich eine muntere Stimme direkt neben ihr. Frieda erschrak so sehr, dass sie kurz zusammenzuckte. Gerade eben war es doch noch so still gewesen! Doch nun entpuppte sich der dicke Grashalm neben ihr als ein kleiner Grashüpfer, der sie mit klugen Augen ansah. „Nur Mut, Frieda“, sprach er ihr aufmunternd zu und stupste sie sanft an, „wer so nett fragt, wie du, dem wird der Mond ganz gewiss eine Antwort schicken.“

Gerade als Frieda sich bedanken und aufstehen wollte, begann der Stein unter ihr ganz sacht zu wackeln. Ein kleines Köpfchen schob sich langsam hervor und Frieda erkannte, dass sie es sich auf einem Schneckenhaus gemütlich gemacht hatte.

„Ich wollte nicht lauschen, wirklich nicht“, murmelte die Schnecke verlegen, „aber ich habe all deine Worte gehört, Frieda. Und ich möchte dir sagen, dass die Liebe dich genau dann finden wird, wenn du am wenigsten damit rechnest.“

Der Zuspruch der beiden legte sich wie eine warme Decke um Friedas Herz, so dass sie sich mit einem wohligen Gefühl im Bauch wieder auf den Heimweg machte. Doch plötzlich blieb sie abrupt stehen – ein dunkler Schatten näherte sich von rechts. Er kam so schnell auf sie zu, dass sie nur noch die Augen zusammenkneifen konnte … und … Wumms!

Beide purzelten durcheinander und landeten unsanft im tiefen Moos. „Oje, entschuldige bitte!“, rief der Schatten, der sich als ein Mäuserich mit struppigem Fell entpuppte. Er sah sie aus besorgten Augen an. „Es tut mir so leid, ich war wohl viel zu schnell unterwegs. Geht es dir gut, kleine Maus? Weißt du, ich trainiere jeden Abend für das große Wettrennen. Ach, ... ich bin übrigens Fritz.“

Frieda klopfte sich den Staub aus dem Fell und sah zu Fritz, der gerade versuchte, wieder auf die Pfoten zu kommen, aber dabei schmerzverzerrt schaute. Sein Knöchel wurde augenblicklich dick.

„Mir fehlt nichts!“, antwortete Frieda und legte mitfühlend eine Pfote auf seine Schulter. „Aber dein Fuß sieht gar nicht gut aus. Komm, ich stütze dich. Ich wohne gleich da vorne um die Ecke in einer kleinen Höhle. Da können wir deinen Knöchel kühlen und du kannst dich ausruhen.“

Und so machten sie sich gemeinsam auf den Weg. Während Frieda den humpelnden Fritz stützte, bemerkte sie, wie angenehm seine Nähe für sie war. Seine Stimme klang warm und melodisch und berührte Friedas Herz zutiefst.

Zuhause angekommen versorgte sie seinen Fuß mit einem kühlen Umschlag, reichte ihm eine Handvoll Haselnüsse und einen Schluck frischen Tee. Sie plauderten und lachten, bis Fritz schließlich auf Friedas kuscheligem Moos-Sofa einschlief.

Frieda war noch viel zu aufgewühlt, um schon zu schlummern, deshalb schlich sie sich auf leisen Pfoten ans Fenster, schaute hoch zum Mond und flüsterte: „Also, lieber Mond, dass er direkt in mich hineinläuft, damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Aber ... danke. Er scheint ein wahrlich gutes Herz zu haben.“

In den nächsten Tagen pflegte Frieda den verletzten Fritz mit viel Liebe und Geduld, bis er wieder ganz gesund war.

In diesen Tagen hatten sie längst bemerkt, dass sie nicht nur die gleichen Träume teilten, sondern dass die Stille zwischen ihnen genauso kostbar war wie ihre langen Gespräche. Und so war es Fritz völlig egal, dass er beim Wettrennen nicht mit dabei sein konnte, da er etwas viel Besseres gefunden hatte.

Und so kam es, dass Frieda nie wieder allein im Mondschein spazieren gehen musste, denn wann immer die Nacht herein brach huschten nun zwei Schatten nebeneinanderher und hielten hin und wieder inne, um zum leuchtenden Mond am Himmel hinaufzuschauen.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


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Freitag, 27. Februar 2026

Die große, bunte Welt

In einem Stall, mitten im tiefen Stroh, lag Emil, ein erst wenige Wochen alter Esel. Sanft fiel das Licht durch die Ritzen der Balken und zauberte ein kleines Schattentheater an die Wände.

Für Emil war dieser Stall alles, was er kannte. Der Duft des Strohs, das leise Muhen der Kühe nebenan, das Gackern der Hühner – das alles war ihm bekannt - und seine kleine, heile Welt.

Manchmal drangen Geräusche von draußen an sein Ohr: das Zwitschern der Vögel oder das Rauschen des Windes, doch für Emil war das nicht mehr als ein fernes Gemurmel, während ihn die Mauern des schützenden Stalles umgaben.

Und so war Emil mit sich und der Welt zufrieden. Hier drinnen war es gemütlich und warm. Er bekam jeden Tag sein Futter. Er fühlte sich rundum geborgen. Nur manchmal blickte er neugierig zu den beiden großen Türen, die fest verschlossen waren. Aber für Emil war das Wort ‚Sehnsucht‘ ein Fremdwort. Er kannte es nicht und auch nicht das damit verbundene Gefühl. Und eigentlich hatte er ja auch alles, was er brauchte.

Eines Morgens, als die Sonne ein paar helle Strahlen durch das kleine Fenster schickte, zitterte plötzlich etwas im Stroh neben ihm. Er spitzte die Ohren und schaute erwartungsvoll. In dem Moment huschte etwas Winziges und sehr Flinkes um seine Hufe – es war eine kleine graue Maus!

Emil erschrak ein wenig, doch als die Maus auf einen Strohhalm kletterte und ihn freundlich ansah, beäugte er das fremde Wesen zunächst mit seinen großen, dunklen Augen, doch dann fragte er mutig: „Wer bist du?“

Die Maus zuckte ein wenig mit ihren feinen Schnurrhaaren, bevor sie ihm antwortete: „Ich bin Müsli, die Stallmaus. Ich wohne hier schon viel länger als du und kenne jeden Winkel des Stalls. Aber ich weiß auch ein bisschen von der Welt hinter diesen großen Türen.“ Während sie das sagte, funkelten ihre Augen freundlich – und Emil wurde neugierig.

„Draußen?“, fragte er zaghaft. „Du weißt, was sich hinter den großen Türen verbirgt? Kannst du mir davon erzählen? Ich kenne doch nur den Stall, verstehst du?“

„Ich weiß“, antwortete Müsli mitfühlsam und schaute hinauf zum Licht. „Da draußen ist es auch warm, so wie hier im Stall, aber eben nicht im Winter. Im Winter ist es dort kalt“, erklärte sie dem kleinen Esel. „Aber im Frühling, wenn es draußen warm wird, schmilzt der kalte Schnee, den der Winter gebracht hat. Die Sonne, die du sehen kannst, wenn sie durch das kleine Fenster scheint, die wärmt dann jedes Fell. Es gibt Wiesen da draußen, die sind grün und voller bunter Blumen. Dort wächst der gelbe Löwenzahn, violette Krokusse und leuchtend weiße Gänseblümchen. Die Luft ist mild, wenn der Frühling da ist, und bringt das Gefühl von Freiheit in dein Herz und manchmal tanzen die Schmetterlinge über die Felder, und die Vögel singen so laut, wie du es hier noch nie vernommen hast.“

Emil hörte ihr gebannt zu. In seinem Kopf malte er sich Bilder aus von bunten Blumenwiesen und lachenden Sonnenstrahlen. Dann fragte er hoffnungsvoll: „Was denkst du, werde ich das alles auch einmal sehen dürfen?“

Müsli nickte. „Ganz gewiss, denn bald, wenn der Frühling kommt und der Bauer die großen Türen öffnet, wirst du hinausgehen. Dann werden die Sonnenstrahlen deine Nase kitzeln und du wirst das weiche Gras unter deinen Hufen spüren. – Du musst aber keine Angst davor haben. Die Welt da draußen ist spannend und wunderschön! Du wirst es sehen!“

In dieser Nacht kuschelte sich Emil besonders tief ins Stroh. Er träumte von der Wärme der Sonne, von bunten Blumen und dem Singen der Vögel, so dass sein Herz vor lauter Vorfreude ein wenig schneller zu schlagen schien. Zum ersten Mal in seinem Leben spürte er ein ihm bisher unbekanntes Gefühl. Er spürte eine zarte Sehnsucht in sich – nach dem, was kommen würde.

Und so wartete Emil Tag für Tag und seine Vorfreude stieg ins Unermessliche. Er lauschte auf jeden Tropfen und nahm jedes Zwitschern der Vögel wahr.

Noch war der Stall sein sicheres Zuhause, doch er ahnte, dass hinter den großen Türen etwas Wundervolles auf ihn wartete: eine große, bunte Welt. Und so wusste er, dass der Tag kommen würde, an dem der Bauer die großen Tore öffnen würde – und er war bereit dafür – mit klopfendem Herzen und einer großen Portion Mut.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil! 



Donnerstag, 29. Januar 2026

Das Winterabenteuer

Am Rande des verschneiten Feldes stand ein kleines gemütliches Häuschen. Dort lebte Familie Maus: Mama Mia, Papa Max und ihre drei aufgeweckten Mäusekinder, Leo, Lotte und Lilli.

An diesem Tag wirbelte der Schnee vor den Fenstern und der Wind pfiff laut um das Haus herum, so dass die Fensterscheiben vibrierten.

Dennoch zog Vater Max los, um aus dem Kornspeicher neues Futter zu holen.

„Macht keinen Unfug und bleibt brav!“, rief er seinen Kindern zu, als er sich seinen dicken Schal bis über die Ohren zog. Bald darauf verschwand er im weißen Wirbel.

Doch kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, konnte man denken, ein Wirbelsturm sei durch die Mäusestube gefegt. Leo sprang übermütig auf den Küchentisch und zog Fratzen, Lotte drehte auf dem Stuhl Pirouetten und die kleine Lilli klopfte mit einem Löffel auf einem Topf den Takt dazu.

Mama Mia schmunzelte, als sie bemerkte, dass ihre kleine Rasselbande immer wilder wurde. Deshalb rief sie: „Kommt zu mir aufs Sofa, meine kleinen Mäuse, ich erzähle euch eine spannende Geschichte über meinen Großvater.“

Neugierig kuschelten sich Leo, Lotte und Lilli aneinander und an ihre Mutter.

„Also, das war so“, begann sie, „als euer Großvater noch jung war, lebte er in einer alten Mühle. Damals gab es einen Winter, in dem es noch viel kälter war als heute. Und das allerschlimmste war, dass die Vorräte ausgegangen waren.“

„Genau wie bei uns“, warf Leo ein.

„Ganz genau so“, erwiderte Mia und fuhr fort. „Euer Großvater wollte seine Familie retten und machte sich auf den Weg durch den tiefsten Schnee, um eine geheime Kammer zu finden, von der nur die klügsten Mäuse wussten.“

Die Kinder rissen die Augen auf und fragten durcheinander: „Wurde er nicht vom Wind weggeweht oder hat ihn die Eule gesehen?“

Mama Mia schmunzelte: „Ihr habt recht. Die Gefahr war groß, denn der Wind war wirklich wild, aber was soll ich sagen: euer Großvater war schlau. Er band sich das Ende einer roten Garnrolle um seinen Bauch. So konnte der Wind ihn nicht wegwehen und er konnte den Weg zurück besser finden. Und die Eule hat ihn wohl gesehen, aber war wohl durch den roten Faden ganz irritiert.“

„Vielleicht hat sie ihn für einen Wicht mit roter Mütze gehalten“, warf Lotte ein und alle mussten lachen.

„Als euer Großvater sich damals durch den tiefen Schnee kämpfte, hörte er plötzlich ein leises Rascheln und Fiepen“, erzählte Mia weiter und sah dabei in sechs erwartungsvolle Augen. „Vorsichtig blickte er hinter einen alten Baumstumpf, von wo das Geräusch kam - und was denkt ihr, sah er dort?“

Die drei schüttelten ihre Köpfchen.

„Ein frierender Igel saß dort“, flüsterte Mia, um die Spannung noch ein bisschen zu erhöhen.

„Hatte er sich verlaufen?“, fragte Lilli mitleidvoll.

„Ganz genau. Er hatte sich verlaufen und fand seinen Unterschlupf nicht wieder, um seinen Winterschlaf fortzusetzen.“

„Und dann“, fragte Leo aufgeregt, als Mia eine kleine Pause einlegte.

„Und dann hat Großvater dem Igel geholfen und gemeinsam fanden sie den Unterschlupf. Der Igel schenkte ihm als Dank dafür eine goldene Eichel, die sein Glücksbringer wurde.“

„Und dann fand er den Weg zurück, weil er ja nur dem roten Faden folgen musste“, erkannte Lotte sofort.

„Ja, das stimmt wohl, aber das Abenteuer war ja noch nicht beendet“, sprach Mia weiter, „denn auf dem Weg zur geheimen Kammer musste Großvater einen zugefrorenen Bach überwinden. Das Eis knirschte dabei gefährlich unter seinen Pfoten.“

„Aber dann hat er die Kammer gefunden!“, rief Leo dazwischen, weil er die Spannung gar nicht mehr aushalten konnte.

„Noch nicht ganz, denn stellt euch nur vor: eine dicke hungrige Krähe versperrte ihm den Weg. Doch wie gesagt, Großvater war schlau und bot der Krähe seine letzten Sonnenblumenkerne an, die er als Wegzehrung bei sich trug. Und tatsächlich ließ die Krähe ihn passieren. Und so gelangte er schließlich zur geheimen Kammer, wo hinter einem losen Stein Körner, Nüsse und sogar ein Stückchen Käse lagen – und all diese Schätze brachte er sicher nach Hause.“

In diesem Moment öffnete sich die Tür und Papa Max stapfte, ganz weiß gepudert vom Schnee, herein. Sein Rucksack war prall gefüllt mit Körnern und ein Lächeln lag auf seinen Lippen, als er seine Familie nebeneinandersitzend auf dem Sofa sah.

Sogleich sprangen die Kinder ihm entgegen, und bald saß die ganze Mäusefamilie um den Tisch herum, teilte das Abendessen und erzählte sich weitere abenteuerliche Geschichten.

Und so pfiff der Wind draußen zwar immer noch, aber drinnen war es gemütlich und warm.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


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