Dienstag, 28. Juli 2026

Knopfaugenmonster

Väter sind Männer … und Männer sind stark und mutig, nicht wahr?! 😊Sie sind die Beschützer der Familie … bis ein Knopfaugenmonster in ihr Leben tritt und sie merken, dass auch ihre Tapferkeit ihre Grenzen hat.

Viel Freude beim Lesen der Geschichte!

 

An diesem späten Abend lag Leni hellwach in ihrem gemütlichen Bett. Eigentlich sollte sie längst träumen … wäre da nicht dieses unheimliche Geräusch. Da … schon wieder … ein leises rhythmisches Kratz-Kratz-Kratz.

Leni zog ihre Bettdecke bis unter die Nasenspitze. Es hörte sich an, als sei ein Monster mit riesigen Krallen direkt in ihrem Zimmer. Ihr Herz hämmerte wie wild gegen ihre Rippen. Sie wollte das Licht anmachen, aber ihre Hände waren schwer wie Blei. Sie wollte ihre Mutter rufen, doch ihre Kehle war wie zugeschnürt.

Schließlich schaffte sie es doch: „Maaamaaa!“, rief sie mit zittriger Stimme. Bald darauf flog die Tür auf und Licht flutete den Raum. Mama stürmte mit Papa im Schlepptau ins Zimmer hinein.

„Was ist los, mein Schatz?“, fragte sie und setzte sich auf die Bettkante. Just in dem Moment huschte ein kleiner grauer Schatten über den Boden und verschwand mit einem frechen Fiepen hinter der lockeren Fußleiste.

„Da!“, rief Leni. „Habt ihr es gesehen: ein Monster mit Schwanz. Ich bleibe keine Minute mehr in diesem Zimmer.“

„Aber Leni, das ist doch kein Monster. Das ist eine süße kleine Maus, die es sich hinter der Fußleiste gemütlich gemacht hat.“

„Egal“, beharrte das Mädchen, „ich schlafe heute bei dir, Mama. Papa kann in meinem Bett schlafen.“

Lenis Vater schluckte schwer. Sollte er zugeben, dass ihm Mäuse ebenfalls nicht geheuer waren? Aber die Blöße wollte er sich natürlich nicht geben. „Kein Problem“, sagte er deshalb mit einer etwas zu hohen Stimme, „geh du nur zu Mama. Ich werde dein Zimmer wie ein Wachhund beaufsichtigen.“

Gesagt, getan!

Bald darauf lag Papa im - für seine Größe etwas zu kurzen - Bett seiner Tochter. Nachdem er das Licht gelöscht hatte, zog er seine Bettdecke bis über beide Ohren. Und da war es wieder, das furchterregende: Kratz, Kratz, Kratz, gefolgt von leisen Trippelgeräuschen auf dem Laminatboden. Wenig später spürte er ein winziges Gewicht auf der Bettdecke, das sich langsam an seinen Beinen hocharbeitete. Vor Schreck hielt er die Luft an, bis sein Gesicht knallrot angelaufen war und er mit einem lauten „AAAAAAHHHHHH!“ aus dem Bett sprang. Seine Füße verhedderten sich dabei in der Bettdecke und so landete er mit einem lauten Wumms unsanft auf dem Boden, während er wild mit seinen Armen in der Luft ruderte.

Im selben Moment wurde die Tür erneut aufgerissen. Mama und Leni sahen den starken ‚Beschützer‘ auf dem Boden sitzen. „Na, da wird es wohl besser sein, zu meiner Geheimwaffe zu greifen“, meinte Mama bei diesem Anblick. Kurze Zeit später kam sie mit einer Lebendfalle, in die sie einen Klecks Erdnussbutter platziert hatte, ins Zimmer zurück.

Anschließend hockte die ganze Familie im Flur vor der Tür und wartete, bis ein erlösendes ‚Klack‘ zu hören war.

Sie schlichen leise ins Zimmer und sahen ein winziges graues Knäuel mit großen Ohren und kleinen schwarzen Knopfaugen in der Falle hocken.

„Ohhhhh, das ist ja doch kein Monster, sondern nur eine Mini-Maus. Wie gut, dass du so tapfer warst, Papa“, lachte Leni.

„Ich wollte sie doch nur“, stotterte er, „… aus der Reserve locken … das war doch meine Taktik …“.

Dann mussten alle lachen und Mama trug die Falle nach draußen in den Garten. Als sie die Klappe öffnete, flitzte die Maus rasch in die Freiheit.

„Maus ausgezogen, Monster besiegt“, meinte sie stolz und fügte mit einem Augenzwinkern an: „Ich glaube, Papa darf nun wieder im großen Bett schlafen, oder?“

„Gott sei Dank“, murmelte er nur.

Für den Rest der Nacht schliefen alle ruhig und fest. Jeder in seinem eigenen Bett.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

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