Donnerstag, 29. Januar 2026

Das Winterabenteuer

Am Rande des verschneiten Feldes stand ein kleines gemütliches Häuschen. Dort lebte Familie Maus: Mama Mia, Papa Max und ihre drei aufgeweckten Mäusekinder, Leo, Lotte und Lilli.

An diesem Tag wirbelte der Schnee vor den Fenstern und der Wind pfiff laut um das Haus herum, so dass die Fensterscheiben vibrierten.

Dennoch zog Vater Max los, um aus dem Kornspeicher neues Futter zu holen.

„Macht keinen Unfug und bleibt brav!“, rief er seinen Kindern zu, als er sich seinen dicken Schal bis über die Ohren zog. Bald darauf verschwand er im weißen Wirbel.

Doch kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, konnte man denken, ein Wirbelsturm sei durch die Mäusestube gefegt. Leo sprang übermütig auf den Küchentisch und zog Fratzen, Lotte drehte auf dem Stuhl Pirouetten und die kleine Lilli klopfte mit einem Löffel auf einem Topf den Takt dazu.

Mama Mia schmunzelte, als sie bemerkte, dass ihre kleine Rasselbande immer wilder wurde. Deshalb rief sie: „Kommt zu mir aufs Sofa, meine kleinen Mäuse, ich erzähle euch eine spannende Geschichte über meinen Großvater.“

Neugierig kuschelten sich Leo, Lotte und Lilli aneinander und an ihre Mutter.

„Also, das war so“, begann sie, „als euer Großvater noch jung war, lebte er in einer alten Mühle. Damals gab es einen Winter, in dem es noch viel kälter war als heute. Und das allerschlimmste war, dass die Vorräte ausgegangen waren.“

„Genau wie bei uns“, warf Leo ein.

„Ganz genau so“, erwiderte Mia und fuhr fort. „Euer Großvater wollte seine Familie retten und machte sich auf den Weg durch den tiefsten Schnee, um eine geheime Kammer zu finden, von der nur die klügsten Mäuse wussten.“

Die Kinder rissen die Augen auf und fragten durcheinander: „Wurde er nicht vom Wind weggeweht oder hat ihn die Eule gesehen?“

Mama Mia schmunzelte: „Ihr habt recht. Die Gefahr war groß, denn der Wind war wirklich wild, aber was soll ich sagen: euer Großvater war schlau. Er band sich das Ende einer roten Garnrolle um seinen Bauch. So konnte der Wind ihn nicht wegwehen und er konnte den Weg zurück besser finden. Und die Eule hat ihn wohl gesehen, aber war wohl durch den roten Faden ganz irritiert.“

„Vielleicht hat sie ihn für einen Wicht mit roter Mütze gehalten“, warf Lotte ein und alle mussten lachen.

„Als euer Großvater sich damals durch den tiefen Schnee kämpfte, hörte er plötzlich ein leises Rascheln und Fiepen“, erzählte Mia weiter und sah dabei in sechs erwartungsvolle Augen. „Vorsichtig blickte er hinter einen alten Baumstumpf, von wo das Geräusch kam - und was denkt ihr, sah er dort?“

Die drei schüttelten ihre Köpfchen.

„Ein frierender Igel saß dort“, flüsterte Mia, um die Spannung noch ein bisschen zu erhöhen.

„Hatte er sich verlaufen?“, fragte Lilli mitleidvoll.

„Ganz genau. Er hatte sich verlaufen und fand seinen Unterschlupf nicht wieder, um seinen Winterschlaf fortzusetzen.“

„Und dann“, fragte Leo aufgeregt, als Mia eine kleine Pause einlegte.

„Und dann hat Großvater dem Igel geholfen und gemeinsam fanden sie den Unterschlupf. Der Igel schenkte ihm als Dank dafür eine goldene Eichel, die sein Glücksbringer wurde.“

„Und dann fand er den Weg zurück, weil er ja nur dem roten Faden folgen musste“, erkannte Lotte sofort.

„Ja, das stimmt wohl, aber das Abenteuer war ja noch nicht beendet“, sprach Mia weiter, „denn auf dem Weg zur geheimen Kammer musste Großvater einen zugefrorenen Bach überwinden. Das Eis knirschte dabei gefährlich unter seinen Pfoten.“

„Aber dann hat er die Kammer gefunden!“, rief Leo dazwischen, weil er die Spannung gar nicht mehr aushalten konnte.

„Noch nicht ganz, denn stellt euch nur vor: eine dicke hungrige Krähe versperrte ihm den Weg. Doch wie gesagt, Großvater war schlau und bot der Krähe seine letzten Sonnenblumenkerne an, die er als Wegzehrung bei sich trug. Und tatsächlich ließ die Krähe ihn passieren. Und so gelangte er schließlich zur geheimen Kammer, wo hinter einem losen Stein Körner, Nüsse und sogar ein Stückchen Käse lagen – und all diese Schätze brachte er sicher nach Hause.“

In diesem Moment öffnete sich die Tür und Papa Max stapfte, ganz weiß gepudert vom Schnee, herein. Sein Rucksack war prall gefüllt mit Körnern und ein Lächeln lag auf seinen Lippen, als er seine Familie nebeneinandersitzend auf dem Sofa sah.

Sogleich sprangen die Kinder ihm entgegen, und bald saß die ganze Mäusefamilie um den Tisch herum, teilte das Abendessen und erzählte sich weitere abenteuerliche Geschichten.

Und so pfiff der Wind draußen zwar immer noch, aber drinnen war es gemütlich und warm.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


 Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen