Am Rande des verschneiten Feldes stand ein kleines gemütliches Häuschen. Dort lebte Familie Maus: Mama Mia, Papa Max und ihre drei aufgeweckten Mäusekinder, Leo, Lotte und Lilli.
An
diesem Tag wirbelte der Schnee vor den Fenstern und der Wind pfiff laut um das
Haus herum, so dass die Fensterscheiben vibrierten.
Dennoch
zog Vater Max los, um aus dem Kornspeicher neues Futter zu holen.
„Macht
keinen Unfug und bleibt brav!“, rief er seinen Kindern zu, als er sich seinen
dicken Schal bis über die Ohren zog. Bald darauf verschwand er im weißen
Wirbel.
Doch
kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, konnte man denken, ein
Wirbelsturm sei durch die Mäusestube gefegt. Leo sprang übermütig auf den
Küchentisch und zog Fratzen, Lotte drehte auf dem Stuhl Pirouetten und die
kleine Lilli klopfte mit einem Löffel auf einem Topf den Takt dazu.
Mama
Mia schmunzelte, als sie bemerkte, dass ihre kleine Rasselbande immer wilder
wurde. Deshalb rief sie: „Kommt zu mir aufs Sofa, meine kleinen Mäuse, ich
erzähle euch eine spannende Geschichte über meinen Großvater.“
Neugierig
kuschelten sich Leo, Lotte und Lilli aneinander und an ihre Mutter.
„Also,
das war so“, begann sie, „als euer Großvater noch jung war, lebte er in einer
alten Mühle. Damals gab es einen Winter, in dem es noch viel kälter war als
heute. Und das allerschlimmste war, dass die Vorräte ausgegangen waren.“
„Genau
wie bei uns“, warf Leo ein.
„Ganz
genau so“, erwiderte Mia und fuhr fort. „Euer Großvater wollte seine Familie
retten und machte sich auf den Weg durch den tiefsten Schnee, um eine geheime
Kammer zu finden, von der nur die klügsten Mäuse wussten.“
Die
Kinder rissen die Augen auf und fragten durcheinander: „Wurde er nicht vom Wind
weggeweht oder hat ihn die Eule gesehen?“
Mama
Mia schmunzelte: „Ihr habt recht. Die Gefahr war groß, denn der Wind war
wirklich wild, aber was soll ich sagen: euer Großvater war schlau. Er band sich
das Ende einer roten Garnrolle um seinen Bauch. So konnte der Wind ihn nicht wegwehen und er konnte den Weg zurück besser finden. Und die Eule hat ihn wohl gesehen, aber war wohl durch den roten Faden ganz
irritiert.“
„Vielleicht
hat sie ihn für einen Wicht mit roter Mütze gehalten“, warf Lotte ein und alle
mussten lachen.
„Als
euer Großvater sich damals durch den tiefen Schnee kämpfte, hörte er plötzlich
ein leises Rascheln und Fiepen“, erzählte Mia weiter und sah dabei in sechs
erwartungsvolle Augen. „Vorsichtig blickte er hinter einen alten Baumstumpf,
von wo das Geräusch kam - und was denkt ihr, sah er dort?“
Die
drei schüttelten ihre Köpfchen.
„Ein
frierender Igel saß dort“, flüsterte Mia, um die Spannung noch ein bisschen zu
erhöhen.
„Hatte
er sich verlaufen?“, fragte Lilli mitleidvoll.
„Ganz
genau. Er hatte sich verlaufen und fand seinen Unterschlupf nicht wieder, um
seinen Winterschlaf fortzusetzen.“
„Und
dann“, fragte Leo aufgeregt, als Mia eine kleine Pause einlegte.
„Und
dann hat Großvater dem Igel geholfen und gemeinsam fanden sie den Unterschlupf.
Der Igel schenkte ihm als Dank dafür eine goldene Eichel, die sein
Glücksbringer wurde.“
„Und
dann fand er den Weg zurück, weil er ja nur dem roten Faden folgen musste“,
erkannte Lotte sofort.
„Ja,
das stimmt wohl, aber das Abenteuer war ja noch nicht beendet“, sprach Mia
weiter, „denn auf dem Weg zur geheimen Kammer musste Großvater einen
zugefrorenen Bach überwinden. Das Eis knirschte dabei gefährlich unter seinen
Pfoten.“
„Aber
dann hat er die Kammer gefunden!“, rief Leo dazwischen, weil er die Spannung
gar nicht mehr aushalten konnte.
„Noch
nicht ganz, denn stellt euch nur vor: eine dicke hungrige Krähe versperrte ihm
den Weg. Doch wie gesagt, Großvater war schlau und bot der Krähe seine letzten
Sonnenblumenkerne an, die er als Wegzehrung bei sich trug. Und tatsächlich ließ
die Krähe ihn passieren. Und so gelangte er schließlich zur geheimen Kammer, wo
hinter einem losen Stein Körner, Nüsse und sogar ein Stückchen Käse lagen – und
all diese Schätze brachte er sicher nach Hause.“
In
diesem Moment öffnete sich die Tür und Papa Max stapfte, ganz weiß gepudert vom
Schnee, herein. Sein Rucksack war prall gefüllt mit Körnern und ein Lächeln lag
auf seinen Lippen, als er seine Familie nebeneinandersitzend auf dem Sofa sah.
Sogleich
sprangen die Kinder ihm entgegen, und bald saß die ganze Mäusefamilie um den
Tisch herum, teilte das Abendessen und erzählte sich weitere abenteuerliche
Geschichten.
Und
so pfiff der Wind draußen zwar immer noch, aber drinnen war es gemütlich und
warm.
©
Martina Pfannenschmidt, 2026
Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen