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Samstag, 25. April 2026

Klassischer Fall von …

Beim letzten Mal hatte ich ja schon angekündigt, dass es eine weitere Geschichte mit Emil, dem Esel, und Müsli, der Maus, geben wird. 

Hier ist sie! Viel Freude beim Lesen! 


Der junge Esel Emil und die kleine Maus Müsli verbrachten einen wunderbaren Vormittag in der Nähe des Bachlaufes. Die Sonne schien warm und brachte das graue Fell des Esels zum Glänzen.

„Was denkst du“, fragte Müsli in diesem Moment, „wollen wir auf die andere Seite der Weide gehen? Dort soll der Klee besonders üppig wachsen. Und wir könnten einen kleinen Spaziergang machen.“

Doch dann geschah etwas Unerwartetes. Statt darauf etwas zu erwidern oder loszugehen, stemmte Emil seine Hufe besonders fest in den Boden.

„Was ist los, Großer?“, piepste Müsli, die auf Emils rechtem Ohr saß und sich an einem Haarbüschel festhielt. „Der Klee wartet.“

Emil schnaubte kurz, während er die weiße Rinde einer Birke in seiner Nähe anstarrte.

Was Müsli nicht ahnte: im Kopf des Esels passierte etwas Neues. Da war plötzlich ein Gefühl, das ihm deutlich signalisierte: Nein!

Kein Nein aus Angst und auch kein Nein, weil er müde war, sondern ein … ziemlich störrisches: NEIN!

„Ich gehe nirgendwohin“, sagte Emil dann.

Müsli rutschte ein kleines Stückchen an seiner Stirn hinunter, bis sie genau zwischen seinen Augen saß. „Bist du verletzt? Hast du eine Distel im Huf?“, fragte sie besorgt.

„Nein“, erwiderte Emil ungerührt, senkte den Kopf, bis seine Nüstern fast den Boden berührten und machte seinen Rücken ganz steif. „Ich möchte nicht.“

Müsli legte die Pfoten in die Hüften. „Wie, du möchtest nicht?! Setz eine Hufe vor die andere, wie du es sonst auch getan hast und in Nullkommanix sind wir bei dem leckeren Klee angekommen!“

Vorsichtig versuchte sie, den Esel anzuschieben, doch das hatte denselben Effekt, als wenn eine Fliege versuchen würde, eine Kuh vom Eis zu treiben. Als der Versuch kläglich scheiterte, versuchte die Maus es mit gutem Zureden und sogar mit einem kleinen Tanz auf seinem Rücken. Aber Emil blieb wie versteinert. Er hatte seine Ohren seitlich weggeklappt und sein Blick war starr auf den Baum gerichtet.

Je mehr Müsli drängelte, desto fester schienen seine Hufe mit der Erde zu verwachsen.

„Jetzt weiß ich es“, murmelte Müsli, kletterte von Emil herunter und setzte sich erschöpft auf einen Kieselstein. „Das Störrische. Davon hat mir meine Oma erzählt. Wenn ein Esel beschließt, ein Denkmal zu werden, dann wird er ein Denkmal.“

Emil sagte nichts. Irgendwie genoss er die Situation, die im Verweigern und im Stillstehen lag. Während Müsli auf ‚weiter‘ drängte, beschloss er ‚halt‘ zu sagen. Emil fühlte sich richtig mächtig in diesem Moment.

Nach einiger Zeit seufzte Müsli. „Na gut. Wenn wir hierbleiben, dann bleiben wir halt hier.“

Während Emil immer noch völlig unbeweglich in der Landschaft herumstand, begann die Erde direkt neben dem Kieselstein zu beben. Ein kleiner Hügel warf sich auf. Die dunkle Erde krümelte zur Seite, bis sich schließlich eine kleine rosa Nase zeigte, gefolgt von zwei kräftigen Schaufelpfoten.

„Was ist denn hier los?“, brummelte eine tiefe, leicht heisere Stimme. „Man kommt ja gar nicht zum Mittagsschlaf, weil ihr zwei euch zankt!“

Es war Paule, der Maulwurf. Er blinzelte mit seinen winzigen Augen in das helle Sonnenlicht, während er eine imaginäre Brille zurechtzurücken schien.

In dem Moment sah er Müsli auf dem Stein sitzen. Anschließend wanderte sein Blick die langen, grauen Beine von Emil hinauf, bis er den starren Blick des Esels erreichte.

„Ah“, sagte Paule und stützte sich gemütlich auf den Rand seines Erdhügels. „Ich sehe das Problem. Klassischer Fall von störrischem Esel.“

Müsli sprang auf. „Paule! Kannst du ihm nicht sagen, dass der Klee da vorne viel besser schmeckt und er sich endlich in Bewegung setzen soll?“

Paule lachte kurz auf. „Spar dir den Atem, Müsli. Ich lebe schon seit Generationen unter diesen Weiden und schon mein Urgroßvater hat mir von störrischen Eseln erzählt. Wenn die Hufe erst mal Wurzeln schlagen, dann hilft kein Schieben und kein Ziehen und auch kein Zureden.“

Dann wandte er sich Emil zu, der immer noch kein Ohr rührte. „Wisst ihr“, fuhr der Maulwurf fort und kratzte sich am Bauch, „mein Urgroßvater traf mal einen Esel, der stand drei Tage lang vor einer Pfütze, ohne zu trinken. Und dann fiel er einfach um.“

Emil zuckte kurz mit dem linken Ohr. Paule bemerkte es sofort.

„Sie sind sehr stolz auf ihre Sturheit“, flüsterte der Maulwurf Müsli zu. Natürlich laut genug, damit Emil ihn auch hören konnte. „Wenn du meinen Rat hören möchtest. Lass ihn einfach hier stehen und geh allein auf die andere Seite.“

Emil schnaubte empört. „Ich bin kein bisschen störrisch“, brummte er.

„Du bist störrisch, mein Lieber“, entgegnete Paule. „Du stehst da wie ein riesiger Felsbrocken und denkst keine Minute daran, wie sich das für deinen Freund anfühlt. Naja, Freund! Auf einen Freund wie dich kann man wohl verzichten.“

Sprach es und verschwand mit einem leichten Rascheln im Erdreich.

Plötzlich fühlte sich Emil gar nicht mehr gut und schon gar nicht ‚mächtig‘. Er wollte doch ein guter Freund für Müsli sein und kein Denkmal oder Felsbrocken.

In dem Moment schaute die Maus Emil direkt in die Augen. „Wie siehts aus, Großer?“, fragte sie ein weiteres Mal. „Willst du warten, bis du Moos ansetzt oder gehen wir jetzt zum Klee?“

Und genau in diesem Moment hob Emil den ersten Huf...

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

 

Dienstag, 21. April 2026

Herr Graufell und Weißfellchen

Tiere inspirieren mich immer wieder zu Geschichten. Heute begeben wir uns unter die Erde, wo Herr Graufell auf uns wartet. - Ja und in der nächsten Geschichte, das verrate ich heute schon mal, geht es noch einmal um Emil, den Esel, und Müsli, die Maus. Auch in der Geschichte wird ein Maulwurf eine Rolle spielen. - Aber jetzt wünsche ich euch zunächst einmal viel Freude beim Lesen dieser Geschichte! - Schön, dass du da bist!


Tief unter der Erde, wo Dunkelheit herrscht, ist das Zuhause von Herrn Graufell. Der Maulwurf war bei all den kleinen Tieren, die in der Tiefe der Erde wohnten, für seine Liebe zu Berichten aus der örtlichen Zeitung bekannt.

Jeden Morgen, nachdem ihm die Zeitung zugestellt worden war, griff er zu seiner Brille, setzte sich in seinen gemütlichen Schaukelstuhl und las mit größter Begeisterung die neuesten Nachrichten aus dem Tierreich.

Doch an diesem Morgen war alles anders. Ein kleines Missgeschick in der Nacht hatte seine Brille in zwei Teile zerbrochen. Aber ohne seine Brille konnte Herr Graufell kaum etwas erkennen, geschweige denn seine heißgeliebte Zeitung lesen.

Verzweifelt tastete er nach den Seiten, seufzte tief und wiegte sich traurig im Schaukelstuhl.

Just, als er glaubte, dass dieser Tag kein Glückstag für ihn werden könnte, nahm er ein leises Rascheln am Eingang seines Erdganges wahr. Neugierig lugte er auf und sah – oder besser: erahnte – eine kleine Maus, die vorsichtig seine Stube betrat.

„Entschuldigung, ich glaube, ich habe mich verlaufen“, piepste die Maus und sah sich um. „Mein Name ist Weißfellchen – und wo bitte bin ich hier gelandet?“

„In meinem Wohnzimmer!“, antwortete der Maulwurf. „Fühl dich willkommen. Ich bin Herr Graufell und wie du vielleicht weißt, können Maulwürfe nicht gut sehen, weshalb ich eigentlich eine Brille trage. Eigentlich! Doch nun ist sie kaputt und ich kann meine geliebte Zeitung nicht mehr lesen“, fiel er sogleich mit der Tür ins Haus. „Deshalb geht es mir gerade nicht so gut. Man möchte doch wissen, was in der Welt geschieht, nicht wahr?“

Weißfellchen kicherte kurz, hüpfte auf den Tisch, und meinte: „Ach, das ist doch gar kein Problem! Ich kann schauen wie eine Eule bei Nacht und lesen kann ich auch. Gib mir deine Zeitung und ich lese dir vor!“

Herr Graufell strahlte zum ersten Mal an diesem Tag. Gemeinsam breiteten sie die Zeitung auf dem Tisch aus. Weißfellchen räusperte sich kurz und las würdevoll die erste Nachricht des Tages: „Wetterbericht: Heute bleibt es mild, weshalb unterirdisch mit vermehrtem Regenwürmer-Aufkommen zu rechnen ist.“

„Das klingt nach perfektem Wetter für einen Spaziergang durch die Tunnel“, sagte Herr Graufell schmunzelnd.

„Lokale Nachrichten: Die Kaninchenfamilie Feldhoppel hat Nachwuchs bekommen. Sechs kleine Kaninchen hoppeln nun durch die Wiesen.“

Die Maus kicherte. „Stell dir vor, so viele Kinder! Glaubst du, die Eltern können sich all die Namen merken?“

„Wahrscheinlich nennen sie sie einfach Nummer Eins bis Sechs“, witzelte Herr Graufell.

Weißfellchen las weiter: „Ein Igel wurde heute dabei erwischt, wie er aus Versehen im Kreis lief. Offensichtlich war sein Kompass defekt.“

Beide prusteten los vor Lachen. Sie sprachen darüber, wie es wohl wäre, wenn auch Maulwürfe Kompasse hätten, und philosophierten über die Orientierung im Dunkeln.

Während die Maus weiter vorlas, diskutierten die beiden eifrig über das Wetter, das Kaninchenchaos auf der Wiese und darüber, dass auch Igel mal einen schlechten Tag haben dürfen.

Herr Graufell erzählte von seiner Angst, nie wieder selbst lesen zu können, als die Maus philosophierte: „Weißt du, manchmal sieht man mit dem Herzen besser als mit den Augen.“

Dann überlegten beide, wie man die Brille des Maulwurfs reparieren könnte und bastelten bald darauf eine Notfallbrille aus Draht und einem alten Löffelstiel. Vorsichtig setzten sie das Glas der alten Brille dort ein. Es hielt. Zumindest halbwegs. Und Herr Graufell erkannte begeistert, dass er damit zumindest die großen Überschriften lesen konnte.

Von diesem Tag an besuchte Weißfellchen den neuen Freund jeden Morgen und las ihm aus der Zeitung vor. Anschließend diskutierten und lachten sie über die Berichte.

Wer hätte gedacht, dass aus einem Missgeschick und einer zufälligen Begegnung eine wunderbare Freundschaft entstehen würde.

Schlecht sehen zu können, war nur noch halb so schlimm mit einem Freund an seiner Seite, der einem die Welt vorlas.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

 

 

Donnerstag, 15. Januar 2026

Ein Winterspaziergang mit Opa

Es war frisch an diesem Nachmittag im Januar, als Elias seine kleine Hand in die große seines Opas legte und mit ihm einen Spaziergang durch die Felder machte. Die Luft war feucht und kalt und die Natur lag noch im Winterschlaf.

Elias, dessen Wissensdurst so groß war, wie der Ozean, blieb plötzlich stehen und zeigte auf den Schornstein eines alten Bauernhauses.

„Duhu, Opa, warum steigt der Rauch aus dem Schornstein heute nicht nach oben? Guck doch mal, der kommt ja gar nicht hoch bis zum Himmel.“

Opa blieb lächelnd stehen, rückte seine Mütze zurecht und meinte. „Das hast du ganz richtig beobachtet, mein Junge. Pass auf, ich erkläre es dir. Du musst wissen, dass die Natur manchmal einen kleinen Zaubertrick anwendet. Dann legt sie nämlich eine unsichtbare warme Decke über uns an den Himmel und dort, wo die Decke liegt, ist es warm. Kannst du das verstehen?“

Elias nickte heftig. „Na klar, wenn ich mich im Bett zudecke, dann wird mir auch ganz warm darunter.“

Opa schmunzelte. „Ganz richtig! Und nun stell dir vor, dass der Rauch nur bis zu dieser Decke kommt. Er schafft es einfach nicht, sie wegzuschieben. Er kommt nicht gegen diese Decke an und deshalb verteilt er sich darunter, also direkt über dem Dach sozusagen. Schau, und diesen kleinen Zaubertrick dürfen wir jetzt gerade beobachten und müssen gar nichts dafür bezahlen.“

Elias war begeistert und blieb ein paar Schritte weiter schon wieder staunend stehen, als er einen riesigen Erdhaufen auf der Wiese sah. „Und warum ist dieser Maulwurfshügel so hoch, Opa?“

„Was meinst du? Vielleicht wollte der Maulwurf seinen eigenen Aussichtsturm bauen!“

Doch Elias war nicht dumm und knuffte Opa in die Seite. „Das ist Quatsch, Opa!“

„Na klar ist das Quatsch, es ist nämlich so, dass der kleine Kerl im Winter besonders viel Arbeit hat. Da es oben frostig ist, graben sich die Regenwürmer tiefer in die Erde. Der Maulwurf muss also hinter ihnen her und viel tiefere Gänge graben als im Sommer. Und wohin soll er mit der ganzen Erde? Die schiebt er einfach mit seinen kräftigen Schaufelpfoten nach oben. Also kannst du dir eines merken: Je höher der Hügel ist, desto fleißiger war der kleine Baumeister in der Tiefe.“

Während sie weiterschlurften, sprudelten weitere Fragen aus Elias heraus:

„Opa, warum glitzern die Gräser heute so schön?“
„Das ist gefrorener Tau, Elias. Die Nacht heute war so kalt, dass die Wassertropfen vor Schreck zu winzigen Eiskristallen erstarrt sind. Und jetzt kitzelt die Sonne sie wieder wach und weil sie sich darüber so freuen, glitzern sie wie kleine Diamanten.“

„Die Bäume haben ja im Winter keine Blätter, nä Opa?“

„Das ist richtig und das können wir ja auch sehen“, bestätigte Opa.

„Aber es wäre doch besser, wenn sie welche hätten, oder? Jetzt müssen sie doch frieren, oder nicht?“
„Nein, sie müssen nicht frieren. Schau, die Bäume machen es ein bisschen so wie die Bären und halten einen Winterschlaf. Dafür zieht sich das Wasser in ihre Wurzeln zurück. Würden die Bäume ihre Blätter behalten, würden diese im Winter durch das Wasser, das sich darin befindet, erfrieren. Jetzt, so ganz ohne Blätter, schlafen die Bäume tief und fest, bis der Frühling sie wieder weckt.“

„Und im Frühling kommen die Vögel zurück, nä Opa! Aber woher wissen sie, wann sie zurückfliegen können?“, wollte Elias dann noch wissen.
„Ich glaub, die haben so etwas wie einen Kompass in ihrem Inneren und sie spüren eine innere Unruhe, wenn die Tage wieder heller und wärmer werden. Das Licht sagt ihnen wohl: ‚Jungs, es ist Zeit für die Heimreise!'“

„Und die Mädchen?“, fragte Elias entsetzt.

Opa lachte. „Du hast natürlich recht. Das Licht sagt: ‚Jungs und Mädels, auf geht’s nach Hause!“

Elias blickte mit großen, bewundernden Augen zu seinem Opa auf und drückte dessen große, raue Hand ganz fest. „Opa?“, sagte er leise.

„Ja, mein Junge?“

„Wenn ich groß bin, will ich auch so viel wissen, wie du!“

Opa drückte ein wenig berührt die kleine Hand sanft zurück, während die Sonne langsam rot hinter den Hügeln versank. „Ich weiß das alles nur, weil ich schon ein bisschen länger auf dieser schönen Welt spazieren gehe als du. Und das Beste daran ist, dass ich es dir alles erzählen darf, so wie mein Opa es mir erzählt hat.“

Zufrieden und mit einem Kopf voller neuer Wunder machten sich die beiden auf den Heimweg, wo Oma bereits mit heißem Kakao wartete.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!