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Mittwoch, 26. August 2026

Eine (fast) wahre Geschichte (Vorankündigung)

Momentan habe ich das Gefühl, hin und wieder ein kleines bisschen aus der Jahreszeit zu fallen – und ich erzähle euch auch, warum das so ist.

 

Ich sitze auf dem Holzpodest und lasse meine Beine im Wasser des Pools baumeln. Der Himmel über mir ist blau, neben mir steht ein Glas Wasser, auf dem Kopf trage ich einen Sonnenhut und völlig unerwartet summe ich … ein Weihnachtslied.

Ganz leise natürlich, um nicht in Erklärungsnot zu geraten … zu spät … meine Tochter, die vor mir auf der Luftmatratze im Pool liegt, öffnet die Augen und sieht mich irgendwie komisch an.

„Mama“, sagt sie langsam, „hast du noch alle Kugeln am Christbaum?“

Ich ziehe die Sonnenbrille ein Stück nach unten und bemühe mich um einen sehr würdevollen Gesichtsausdruck.

„Selbstverständlich“, sage ich, „sogar die silbernen. Ich stimme mich nur ein.“

„Und auf was? Auf hitzefrei im Dezember?“

„Auf den Advent“, erkläre ich. „Der kommt nämlich früher, als man denkt.“

Meine Tochter blinzelt in die Sonne. „Der Advent kommt meines Wissens immer im Dezember.“

„So ist das!“, antworte ich. „Aber für die Hersteller von Schokoladennikoläusen oder Lebkuchen und auch für Menschen, die vierundzwanzig Geschichten schreiben wollen, beginnt er deutlich früher. Das braucht nämlich alles Vorlauf und Planung … und in meinem Fall ziemlich viele Notizen.“

„Notizen?“

„Ja“, bestätige ich, „viiiieeeele Notizen, denn auch in diesem Jahr wird es in meinem Blog wieder einen Geschichten-Adventskalender geben.“

Da war es ausgesprochen. Nicht zwischen Tannengrün und Kerzenschein, sondern zwischen Pool und Sonnenhut. Aber manchmal nehmen die schönsten Weihnachtsideen eben genau dort ihren Anfang, wo niemand mit ihnen rechnet.

Meine Tochter schweigt einen Moment. Dann grinst sie. „Also sitzt du am Pool und denkst dir Adventsgeschichten aus?“

„Ganz genau.“

„Und deshalb Weihnachtslieder?“

„So ist es … und ich weiß auch schon, dass es in diesem Jahr um Claudia und ihre Erlebnisse im Dezember gehen wird“, erwidere ich mit Stolz in der Stimme.

Sie schüttelt den Kopf und sagt, bevor sie sich von der Luftmatratze in den Pool fallen lässt: „Na dann hoffe ich mal, dass Claudia Schwimmflügel hat.“

‚Die wird sie nicht brauchen‘, denke ich, ‚aber Mut, den braucht sie. Und am Ende hat sie vielleicht mehr Advent im Herzen, als sie am Anfang für möglich gehalten hätte.‘

 

Im vergangenen Dezember gab es hier jeden Tag ein neues Stück einer fortlaufenden Geschichte zu lesen. Ein Türchen nach dem anderen öffnete sich und gemeinsam sind wir durch den Advent gegangen. Und weil mir das Planen und Schreiben und natürlich auch das gemeinsame Warten auf den nächsten Tag so viel Freude gemacht hat, wird es auch in diesem Jahr wieder einen Geschichten-Adventskalender geben. Diesmal begleiten wir Claudia.

Claudia bekommt am 1. Advent von ihrer Freundin einen selbstgemachten Adventskalender geschenkt. Aber hinter jedem Türchen wartet nicht etwa ein Stückchen Schokolade oder ein achtsamer Spruch, nein hinter jedem Türchen steckt eine kleine Herausforderung für Claudia … und ihr dürft sie Tag für Tag dabei begleiten, wenn ihr mögt!

Damit ist es also offiziell: Während draußen noch Sommer ist, wächst hier schon leise der Advent heran.

Noch riecht es mehr nach Chlor als nach Zimt, aber in meinem Kopf hat der Advent bereits begonnen – und das wollte ich euch gerne wissen lassen.

Und wenn ihr im Dezember wieder Lust habt, jeden Tag ein kleines Türchen aus Worten zu öffnen, dann freue ich mich schon jetzt, wenn ihr Claudia durch ihren besonderen Advent begleitet … und bis dahin summe ich weiter … recht leise, aber mit allen Kugeln am Christbaum! 😉



Mittwoch, 24. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Mittwoch, 24. Dezember, Heiligabend

Der gestrige Nachmittag war gut verlaufen. Emilia hatte ihm wirklich zugehört und war sehr einfühlsam gewesen. Sie hatten darüber gesprochen, wie schwer es Emilia fallen würde, wenn sie ihren Hund abgeben müsste und sie hatte davon gesprochen, dass sie sich schon sehr an die gemeinsamen Nachmittage und Spaziergänge mit Joschua und Filou gewöhnt hätte.

Obwohl sich Joschua so sehr über diese Worte gefreut hatte, wollte es ihm nicht gelingen, diese Freude auch wirklich zu spüren.

Heute, am Heiligabend, würde der Sohn mit Filou ausgehen. So hatte es Frau Schmittke gesagt. Joschua solle sich ganz seiner Familie widmen.

Nun saß er im Wohnzimmer vor dem Tannenbaum, aus dem Radio dudelten Weihnachtslieder und unter dem Baum lagen unzählige kleine Päckchen.

Doch all das bedeutete ihm nichts. All das waren nur materielle Dinge. Er wünschte sich aber nur eines: einen Hund!

Nein, das war so nicht mehr richtig. Er wünschte sich nicht einen Hund. Er wünschte sich Filou! Er wünschte, Filou könnte bei ihm bleiben.

Gleich würde Mama das Glöckchen läuten.

Nicht, weil irgendjemand das heutzutage noch angemessen fand, aber aus Tradition, hatte seine Mutter gesagt.

Und tatsächlich läutete es in dem Moment. Aber es war nicht das Bescherungsläuten, sondern es läutete an der Haustür.

Joschua hörte Stimmen und dann seinen Namen: „Joschua, kannst du bitte mal zur Tür kommen?“

Mühsam erhob er sich und schlurfte Richtung Haustür.

Davor stand ein Mann, den er nicht kannte, mit einem Hund.

Der riss sich sofort los und lief Joschua schwanzwedelnd entgegen.

„Filou, was machst du denn hier?“

„Hallo, Joschua! Mein Name ist Sven. Sven Schmittke. Ich bin der Sohn von Frau Schmittke. Ja und das ist Filou. Aber ihn muss ich dir ja nicht mehr vorstellen.“

Sofort verfinsterte sich Joschuas Gesicht.

„Meine Mutter schickt mich zu dir und deinen Eltern und wenn ich darf, würde ich gerne mit Ihnen allen sprechen.“

Lena nickte dem Mann zu: „Kommen sie gerne herein!“

„Also das ist so“, begann der Besucher, als sie alle gemeinsam im Wohnzimmer beim Weihnachtsbaum saßen, „meine Mutter hat nochmal nachgedacht über meinen Vorschlag, Filou mit zu mir zu nehmen. Sie meint, ich hätte viel zu wenig Zeit für ihn und dass es in ihrer Nachbarschaft einen fantastischen Jungen gäbe, der sich sehr gut mit Filou verstehen würde. Und deshalb bin ich hier. Ich möchte dich, Joschua, im Namen meiner Mutter fragen, ob du Filou ganz zu dir nehmen möchtest. Meine Mutter käme selbstverständlich für alle Kosten auf – und wenn du sie gemeinsam mit Filou hin und wieder im Pflegeheim besuchen könntest, müsste sie sich nicht ganz von ihrem Hund verabschieden. Aber all das geht natürlich nur, wenn es deine Eltern erlauben und du es überhaupt möchtest.“

Jetzt stand allen der Mund weit offen!

Mit dieser Wendung hatte niemand gerechnet.

Joschua sprang auf und umarmte den ihm unbekannten Mann. "Danke!"

Anschließend kniete er sich vor den Hund und fragte ihn: "Sag, Filou, möchtest du ganz zu mir ziehen?"

Der Hund sprang schwanzwedelnd an ihm hoch und leckte dem Jungen quer durch das Gesicht.

"Das heißt dann wohl JA", freute sich Josch und Filou bestätigte es mit seinem Bellen.

„Danke, dass ist das schönste Weihnachtsfest meines Lebens.“

„Aber Moment mal“, sagte Papa, „wir haben ja noch gar nicht darüber gesprochen, ob das für uns umsetzbar ist.“

Lena legte ihre Hand beruhigend auf die ihres Mannes.

„Es ist umsetzbar!“

Am späten Abend, als Joschua im Bett lag und über den Tag nachdachte, erschien Anela und setzte sich wie so oft auf seine Bettdecke.

„Wundersame Dinge geschehen in der Heiligen Nacht, nicht wahr?“

„Ja! Das stimmt! Filou darf bei mir sein. Er wird mein Hund sein. Ist das nicht unglaublich. Und wir werden so oft es geht Frau Schmittke im Pflegeheim besuchen.“

„Und sicher wird Emilia dich dabei begleiten!“

„Ja! Das wird sie. Schöner kann es gar nicht mehr werden!“

„Joschua?!“

„Ja!“ – und sogleich erkannte er am Klang ihrer Stimme, dass der Tag doch nicht so erfreulich enden würde, wie er gerade noch gedacht hatte.

„Mein Auftrag, einen Jungen namens Joschua glücklich zu machen, ist hiermit beendet. Du wirst dich in Zukunft nicht mehr einsam fühlen, weil du nicht mehr allein sein wirst. Filou ist in dein Leben gekommen und Emilia und Bobby ebenfalls.“

„Aber du wirst jetzt nicht gehen, oder?“

„Ich muss, Joschua! Das nächste Kind wartet auf mich. Der nächste Auftrag.“

„Aber …“

„… wir werden uns wiedersehen. Ich verspreche es dir. Eines Tages werde ich wieder auftauchen. Vielleicht wirst du dann schon ein erwachsener Mann sein, mit eigenen Kindern. Wer weiß es schon?“

„Werden meine Kinder dich sehen können?“

„Ganz gewiss werden sie das. Sie werden genauso bezaubernd sein, wie du es bist und jetzt schlaf gut, Joschua, und träum von dem Wunsch, der sich endlich erfüllt hat.“

Dann war sie fort, doch sie hinterließ keine Traurigkeit bei Joschua. Es war, als hätte sie diese mitgenommen in ihre unsichtbare Welt!

Zurück blieb ein glücklicher Junge, dessen größter Wunsch sich gerade erfüllt hatte!

 



Ihr Lieben,

auch wenn die Adventskalender-Geschichte hier und heute endet, geht es dennoch weiter mit meinen Geschichten. Bis zum 6. Januar könnt ihr weiterhin täglich eine Geschichte lesen - wenn ihr mögt. Und wenn mir die Ideen nicht ausgehen, auch darüber hinaus!

Danke, dass DU da bist!



Dienstag, 23. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Dienstag, 23. Dezember


„Joschua, wir können es doch nicht ändern!“, Lena sprach mitfühlend auf ihn ein. „Wenn Frau Schmittke und ihr Sohn so entschieden haben, müssen wir uns fügen. Es nützt nichts.“

Joschua ließ seinen Tränen freien Lauf.

„Das ist so ungerecht!“

„Wem gegenüber“, fragte Lena, „Frau Schmittke gegenüber, Filou gegenüber oder dir gegenüber?“

„Ich weiß nicht, uns allen gegenüber. Es ist einfach ungerecht.“

„Schau, der Sohn meint es sicher gut mit seiner Mutter.“

„Wenn er es gut meinen würde, nähme er sie zu sich und Filou gleich mit.“

„Ja, du hast recht. Aber schau, dadurch würde sich für dich nichts verändern. Filou wäre so oder so nicht mehr hier. Außerdem kennst du den Hund doch noch gar nicht so lange. Warum bedeutet er dir so viel?“

„Warum? Ist das nicht klar? Er ist endlich der Hund, den ich mir immer gewünscht habe. Auch wenn er nicht immer bei mir war, hatte ich doch das Gefühl, dass wir zusammengehören. Irgendwie fühlte es sich für mich so an, als sei er mein Hund.“

Lena hatte nicht geahnt, dass der Wunsch ihres Sohnes nach einem Hund so groß war und sie wusste nicht, was sie sagen könnte, um ihn zu trösten. Dann meinte sie: „Ein paar Tage ist der Hund ja noch da. Die Zeit solltest du nutzen.“

„Ich kann nicht!“

„Soll das heißen, du wirst in den kommenden Tagen nicht mehr mit Filou rausgehen?“

„Morgen kommt doch sowieso schon der Sohn. Soll der doch gehen!“, erwiderte Joschua patzig.

„Aber du solltest wenigstens Bescheid geben. Frau Schmittke wird auf dich warten und Filou auch.“

„Kannst du das nicht machen?“

„Nein, mein Sohn! Das musst du schon selbst tun.“

Nachdem seine Mutter das Zimmer verlassen hatte, nahm Joschua Anela wahr, die auf seinem Bett saß.

„Du warst die ganze Zeit hier?“

„Ja, war ich! Und ich habe alles mit angehört. Auch die Tatsache, dass du ab heute nicht mehr mit Filou ausgehen möchtest.“

„Kannst du das nicht verstehen?“

„Teils ja und teils nein! Du denkst gerade nur an dich und deine Gefühle, missachtest aber, wie sich Frau Schmittke und Filou fühlen. Wenn du sie jetzt im Stich lässt, wird es noch schwerer für die beiden.“

„Das heißt, du meinst, ich soll die Zeit noch nutzen, die wir gemeinsam haben.“

„Das meine ich und noch etwas möchte ich dir raten: Schreib Emilia an. Erzähl ihr von deinen Sorgen und triff dich mit ihr, Filou und Bobby im Park. Ich glaube, sie ist eine gute Zuhörerin und wenn Filou nicht mehr da sein wird, kannst du dich weiterhin mit den beiden im Park treffen. Wie denkst du darüber?“

„Vielleicht hat du recht. Ich werde zu Frau Schmittke gehen, aber zuerst schreibe ich Emilia.“

„Gut!“

 

Fortsetzung folgt

  


 

 

Montag, 22. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Montag, 22. Dezember

„Setz dich bitte, Joschua, aber zieh zuerst deine warme Jacke aus, sonst wirst du frieren, wenn du gleich mit Filou im Schnee tobst.“

Er hatte keine Ahnung, ob er nach diesem Gespräch darauf noch Lust haben würde.

„Also, es ist so. Du weißt, dass mein Sohn sehr weit entfernt von mir wohnt. Aber am Heiligabend wird er anreisen und bis zum Jahresende bleiben.“

„Das heißt, dass ich mit Filou in der Zeit nicht spazieren gehen kann?“, fragte Joschua betrübt.

„Nein, das heißt es nicht. Es wird meinem Sohn sicher sehr recht sein, denn …“

Es fiel der Frau augenscheinlich schwer, das zu sagen, was sie sagen musste,

„… er möchte in dieser Zeit das Haus ausräumen. Er hat einen Pflegeplatz für mich gefunden und wir werden das Haus verkaufen.“

Aus dem Stein in Joschuas Magen wurde ein dicker Brocken. Auch ohne dass Frau Schmittke weitere Einzelheiten erzählte, wusste er, was das bedeutete.

„Das bedeutet, dass Filou ins Tierheim kommt?“

„Nein, Joschua, das bedeutet es Gott sei Dank nicht. Mein Sohn wird ihn mitnehmen. Er ist zwar berufstätig, aber er sagt, er wird einen Weg finden. Ich bin froh, dass er Filou nicht ins Tierheim geben möchte. Aber mir ist auch bewusst, dass wir beide uns sehr fehlen werden. Aber für Filou und für mich ist es so wohl das Beste.“

Das Beste?

Das war niemals das Beste! Weder für Frau Schmittke, noch für Filou. Aber was konnte er tun?

Da war es wieder, dieses unfassbare Gefühl der Hilflosigkeit.

Tränen stiegen in seine Augen, aber er wollte nicht, dass Frau Schmittke sie sah. Schließlich war sie viel schlimmer dran als er. Er, Joschua, hatte sich in so kurzer Zeit schon so sehr mit Filou angefreundet und die gemeinsame Zeit mit ihm, Emilia und Bobby war so unfassbar schön gewesen. Doch er wusste, dass er in Anbetracht dessen, was diese Veränderungen für die beiden Betroffenen bedeuteten, nicht jammern sollte. Und doch! Gerade war alles noch so schön - und nun war alles schon vorbei.

„Ich lasse Filou noch kurz in den Garten“, sagte Joschua und bemühte sich, nicht zu traurig zu klingen, „aber dann muss ich leider wieder nach Hause. Ich habe plötzlich Bauchweh bekommen.“

Frau Schmittke nickte mitfühlend. Es war auch für den Jungen nicht leicht. Sie wusste, wie sehr er sich einen Hund wünschte und wie schwer dies alles auch für ihn war. - Und in 2 Tagen war Heiligabend!

 

Fortsetzung folgt

 



Sonntag, 21. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Sonntag, 21. Dezember, 4. Advent

Joschua hatte gut und lange geschlafen.

Als er die Jalousie hochzog, traute er seinen Augen kaum. Dicke weiße Flocken fielen aus den Wolken und gesellten sich zu Millionen anderer Flocken, die bereits auf dem Boden lagen und eine dicke Schneeschicht im Garten bildeten.

Heute war der 4. Advent und Schnee war gefallen. Das war für die meisten Menschen der Inbegriff von Weihnachten.

Am Nachmittag würde er mit Filou im Schnee toben und vielleicht im Garten einen Schneemann bauen. Leider hatte Emilia heute keine Zeit. Das wäre noch schöner, aber auch so würde er einen fantastischen Nachmittag haben. – Zumindest dachte er das in diesem Moment. Das es anders kommen sollte, darauf war er nicht gefasst.

Seine Eltern saßen im adventlich geschmückten Wohnzimmer.

„Na, der Herr, auch schon aufgestanden?“, witzelte sein Vater.

„Es hat geschneit!“, erwiderte Joschua und ließ sich auf die Worte seines Vaters gar nicht ein. „Ich bin gespannt, ob Filou Schnee mag.“

„Du solltest zuerst einmal etwas frühstücken“, meinte Mama fürsorglich, „ich werde erst heute Abend etwas kochen.“

„Okay, mache ich! Was meinst du, ob ich heute schon etwas früher zu Frau Schmittke gehen kann?“

„Das denke ich schon. Sie hat mir gerade gestern noch gesagt, wie sehr sie sich immer über deine Besuche freut. Übrigens findet sie Emilia ganz bezaubernd.“

„Emilia? Wer ist Emilia?“, fragte sein Vater.

„Erzähle ich dir später!“

Joschua verließ rasch den Raum. Das anstehende Thema gefiel ihm nicht sonderlich.

Nach dem Frühstück packte er sich warm ein und machte sich auf den Weg zu Frau Schmittke und Filou.

Die winkte ihm schon zu, als er in den Garten trat und natürlich hatte Filou ihn auch längst entdeckt.

„Hallo, Frau Schmittke, ich hatte schon Angst, dass ich sie beim Mittagsschlaf störe.“

„Manchmal fallen meine Augen tatsächlich zu“, erwiderte sie, „aber eigentlich meide ich einen Mittagsschlaf, damit ich nachts gut schlafen kann.“

„Ich wollte noch fragen, ob Filou Schnee mag?“

„Er liebt ihn“, antwortete die alte Frau, „und wenn du magst, kannst du gerne einen Schneemann im Garten bauen. Ich glaube, das würde auch Filou gefallen. Aber, Joschua, zuerst möchte ich noch mit dir sprechen.“

Das Gesicht der alten Dame veränderte sich schlagartig. Gerade war noch so viel Freude darin zu sehen gewesen, doch jetzt legte sich etwas Dunkles darüber.

Unmittelbar spürte Joschua einen dicken Stein in seinem Magen – und es lag nicht an seinem ausgiebigen Frühstück. Es lag an dem, was Frau Schmittke gleich sagen würde. Das spürte er deutlich.

 

Fortsetzung folgt 

 


 

 



Samstag, 20. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Samstag, 20. Dezember

Joschua saß in der Küche vor dem Adventskranz und trank zusammen mit seiner Mutter eine heiße Schokolade.

Wie Mütter so sind, hatte sie am Tag zuvor irgendeine Veränderung an ihrem Sohn wahrgenommen. Wenn sie taktisch klug vorginge, könnte sie die Ursache für sein verändertes Verhalten vielleicht aus ihm heraus kitzeln.

„Du kamst gestern Nachmittag etwas später als sonst von Frau Schmittke nach Hause.“

„Ja!“

Na, das war nicht sehr erfolgreich. Sie musste es anders versuchen.

„Hast du mit ihr zusammen einen Tee getrunken?“

„Ja!“

Dass ihr Mann hin und wieder kurzangebunden sein konnte, war Lena durchaus bekannt, aber dass sich das jetzt auch schon auf seinen Sohn vererbt hatte, gefiel ihr ganz und gar nicht.

„Du bist so einsilbig heute. Erzähl, wie geht es Frau Schmittke und Filou?“

„Gut!“

„Und du wirst sie heute Nachmittag wieder besuchen?“

„Ja!“

Himmelherr… - nicht fluchen, Lena. Das bringt gar nichts.

„Ich habe gestern nochmal Spritzgebäck gemacht. Du könntest ihr welches mitnehmen. Das mag sie doch so gerne.“

„Ja!“

Lena gab es auf. Aus ihrem Sohn war heute kein Wort herauszubekommen. Aber sie fühlte, dass er etwas verheimlichte. Es war zum Mäusemelken. Aber wenn er nicht reden wollte, konnte sie nichts machen.

In dem Moment meinte er: „Ich habe gestern übrigens Emilia im Park getroffen. Sie hat auch einen Hund. Bobby, ein Labrador. Der ist fast so groß wie sie.“ Ein Schmunzeln huschte über seine Lippen. „Wir waren anschließend zusammen bei Frau Schmittke. Heute wollen wir uns wieder im Park treffen und dann gehen wir nochmal zu ihr. Wäre also gut, wenn du ein paar Kekse mehr einpacken könntest.“

Lena stand der Mund offen!

Ihr Sohn traf sich mit einem Mädchen aus seiner Klasse? Emilia!

Das konnte nur eines bedeuten: Er war verliebt.

Natürlich! Ganz eindeutig!

Der Schreck fuhr ihr in alle Glieder!

Zwölf!

Ihr kleiner Junge war doch erst 12 und jetzt war er verliebt!

Noch wusste sie nicht, wohin mit den neuen Gefühlen, die in diesem Moment in  ihr auftauchten.

 

 

Fortsetzung folgt

 


Freitag, 19. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Freitag, 19. Dezember

Anela schaukelte auf dem dünnen Zweig einer Birke, die ganz in der Nähe des kleinen Teiches im Park stand.

Es dauerte nicht lange und eine weitere Elfe erschien: Lurilia.

„Und?“, fragte Anela sie sogleich, „hat es funktioniert?“

„Plan läuft!“, antwortete diese verschwörerisch lächelnd.

Anela war ein kleines bisschen aufgeregt: „Ich liebe diese Momente unserer Arbeit. Du auch?“

„Sehr!“

„Da kommt er!“, rief Anela.

„Da kommt sie!“, rief Lurilia.

Joschua ging mit Filou an der Leine zielstrebig in die Richtung, aus der Emilia mit Bobby an der Leine kam. Noch hatten die beiden sich nicht gesehen. Aber es würde nicht mehr lange dauern … und schon nahm Anela die weit aufgerissenen Augen ihres Schützlings und die plötzliche Unsicherheit, die von ihm ausging, wahr. Es schien fast so, als spüre auch Filou, dass sich der Junge anders verhielt als noch vor einer Minute.

„Jetzt bloß nicht umkehren“, flüsterte Anela ins Nichts hinein. „Sei mutig, Joschua! Jetzt oder nie!“

Obwohl der Junge sie nicht gehört haben konnte, veränderte sich seine Körperhaltung. Er drehte nicht um, sondern ging stolz mit Filou an der Leine weiter.

Es war Emilia, die als Erste das Eis brach: „Hi, Joschua, was machst du denn hier? Und seit wann hast du einen Hund?“

„Es ist nicht mein Hund“, erklärte er ihr ehrlich, „er gehört einer alten Frau und ich führe ihn für sie aus, weil sie nicht mehr gut laufen kann.“

Die beiden Hunde beschnüffelten sich derweil neugierig und schienen sich ebenfalls gut riechen zu können.

Die beiden Elfen, die über ihnen auf der Birke saßen, beobachteten derweil jedes kleine Detail dieses Zusammentreffens. Fast schien es, als hielten sie die Luft an, um diese ersten zarten Annäherungsversuche nicht zu stören.

„Das finde ich cool! Gehst du jeden Tag mit ihm? Wie heißt er eigentlich?“

„Er heißt Filou und ja, ich gehe jeden Nachmittag mit ihm in den Park.“

Die Wangen des Mädchens wurden ein bisschen rot, als sie fragte: „Wenn das so ist, könnten wir doch auch zusammen gehen.“ Jetzt zeigten ihre Wangen ein dunkles rot, dass nicht von der Kälte, die herrschte, herrührte, sondern der Tatsache geschuldet war, dass Joschua diesen Satz durchaus missverstehen könnte, weshalb sie schnell hinzufügte: „Also gemeinsam durch den Park gehen, meine ich natürlich.“

Natürlich!

Joschuas Herz hüpfte vor Freude und schlug definitiv schneller als sonst.

„Ja, gerne, und wenn du magst, kannst du ja auch mitkommen zu Frau Schmittke. Das ist die alte Dame, der der Hund gehört. Sie freut sich immer über Besuch.“

„Gute Idee! Können wir machen. Warte, ich sag nur gerade meiner Mama Bescheid, dass ich mich verspäte. Sie macht sich sonst Sorgen.“

Und während Emilia mit ihrer Mutter telefonierte, erhaschte Joschua einen kurzen Blick auf Anela.

Lurilia hatte es noch rechtzeitig geschafft, sich vollständig unsichtbar zu machen.

Anela winkte Josch zu. Und sie wusste, dass der Junge in diesem Moment ganz genau wusste, wer für diesen Zufall zuständig war.

 

Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 

 

 


Donnerstag, 18. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Donnerstag, 18. Dez.

 Emilia ist wirklich ein sehr schöner Name, wie ich finde“, meinte die Elfe.

„Finde ich auch.“

„Wie sieht sie aus? Beschreib sie mir?“

„Sie ist nicht sonderlich groß“, begann Joschua mit der Beschreibung, „eher klein. Sie hat lange dunkle Haare. Manchmal trägt sie einen Zopf. Aber am schönsten finde ich es, wenn sie ihre Haare offen trägt. Meistens hat sie Ripped-Jeans an. Das sind die mit den ausgefranzten Löchern und ein kurzes Oberteil. Und ihre Turnschuhe finde ich geil, weil sie sie mit knallbunten Schnürbändern trägt. Und sie ist sportlich. Ich glaube, sie macht Akrobatik.“

„Wow! Das scheint ein großartiges Mädchen zu sein. Welche Augenfarbe hat sie denn, weißt du das?“

„Ja, blau! So ein helles blau!“

„Okay, Josch! Du kannst dieses Mädchen ziemlich gut beschreiben, was mir zeigt, dass sie dir nicht ganz unwichtig ist.“

„Ich finde sie schon ganz gut. Sie ist anders als die anderen Mädchen.“

„Was macht sie anders?“

„Weiß nicht! Ihre Art, wie sie spricht und geht …“

Jetzt war es die Elfe, die ihm ins Wort fiel „… und du bist ganz sicher, dass du nicht in Emilia verliebt bist?“

Es hatte eh keinen Zweck. Anela würde nicht aufgeben, ihn damit zu nerven. Da konnte er ihr gegenüber auch ehrlich sein – zumindest ein kleines bisschen. Deshalb antwortete er ausweichend: „… okay, vielleicht ein bisschen.“

„Weißt du Joschua, du musst dich niemals schämen, wenn du jemanden liebst. Die Liebe ist das Schönste und Großartigste, was es auf der Welt gibt. Und dieses Gefühl der Verliebtheit, diese Schmetterlinge im Bauch, das ist etwas, das man sein ganzes Leben lang nicht vergisst. Ihr seid beide noch sehr jung und da mögen noch viele andere Partner kommen, aber weißt du, manchmal bleibt eine so junge Liebe auch für immer.“

„Echt?“

„Ja, echt! Es gibt Ehepaare, die sich schon seit dem Kindergarten kennen.“

„Ich kenne Emilia auch schon seit dem Kindergarten.“

Und dann fiel es der Elfe wieder ein. Na klar, Emilia, sie war doch damals schon immer an der Seite von Josch gewesen. Sie hatten gemeinsam im Sandkasten gesessen oder mit dem Puppenhaus gespielt.

„Natürlich! Jetzt weiß ich es wieder! Ihr wart schon im Kindergarten unzertrennlich.“

„Genau! Aber damals war es irgendwie einfacher und leichter, miteinander zu sprechen.“

Die Elfe stimmte dem Gesagten zu, war aber in Gedanken ganz woanders, nämlich bei der Tatsache, dass Emilia auch zu den besonderen Kindern gehörte, die eine Elfe bei sich gehabt hatte.

Moment, wie hieß sie noch, die Elfe, die stets bei Emilia gewesen war? Und dann fiel es ihr wieder ein. Lurilia war ihr Name.

Abrupt verabschiedete sie sich von dem Jungen, der etwas verwirrt zurückblieb.

Sie musste dringend etwas erledigen.

 

Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 


Mittwoch, 17. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Mittwoch, 17. Dezember

Als er der Elfe am späten Nachmittag von seinen Erlebnissen mit dem Hund erzählte, bemerkte Anela, dass den Jungen etwas bedrückte und sprach ihn direkt darauf an.

„Sag, Josch, gibt es etwas, das dir Sorgen macht? Du erzählst zwar sehr freudig von deinen Erlebnissen mit Filou, doch ich merke, dass dich etwas bedrückt.“

Diese Elfe. Man konnte ihr einfach nichts vormachen. Es war so, als schaue sie direkt in sein Herz hinein. Da machte es sowieso keinen Sinn, ihr etwas vorzumachen.

„Als wir vorhin im Park waren“, erzählte Joschua, „aber auch schon vorher im Haus von Frau Schmittke, dachte ich für einen kurzen Moment, Filou sei mein Hund. Aber ich weiß ja, dass es nicht so ist, und das hat mir einen kleinen Stich in den Bauch versetzt. Kannst du das verstehen?“

„Das kann ich sehr gut verstehen, Josch! Du wünschst dir schon lange einen Hund. Da kann ich es sehr gut nachvollziehen und ich finde es auch gar nicht schlimm, wenn du für die Zeit, wenn du mit Filou unterwegs bist, so tust, als gehöre er dir. Ich würde sagen, das ist legitim.“

Legi – was?“

Die Elfe musste schmunzeln.

„Manchmal vergesse ich einfach, dass du erst 12 Jahre alt bist. Ich wollte damit nur sagen, dass ich es völlig in Ordnung finde. Gibt es sonst noch etwas, das du mir erzählen möchtest?“

Ne, echt! Das konnte nicht wahr sein. Weshalb bohrte sie noch weiter nach? Es konnte doch nicht sein, dass sie ALLES spürte, was ihn bewegte.

Die Elfe verkniff sich ein Lächeln, sah ihn stattdessen fragend an.

„Du weißt es doch schon!“, maulte Josch.

„Was weiß ich?“

„Dass ich mich über Julius geärgert habe.“

„Nein, das weiß ich nicht. Ich merke nur, dass da noch etwas in dir ist, was dich unruhig macht.“

„Julius hat heute gesagt, dass ich feige bin!“

„Oh! Das ist nicht besonders nett von ihm – und wie kam er zu dieser Erkenntnis?“

„Ich habe nur ganz kurz zu Emilia geschaut. Wirklich nur kurz und es hatte auch nichts zu bedeuten, aber Julius hat es in der ganzen Klasse herumposaunt und gesagt, ich sei zu feige, sie anzusprechen.“

„Und was ärgert dich daran, Joschua? Das er recht haben könnte?“

„Ich bin schon mutig, finde ich. Aber wenn es um Mädchen geht, halt nicht.“

„Okay! Verstehe! Möchtest du Emilia denn ansprechen?“

„Ich weiß ja gar nicht, was ich sagen soll. Das ist immer das Problem.“

„Okay! Verstehe!“

„Das hast du eben schon gesagt.“

„Du hast recht und wenn ich ganz ehrlich zu dir sein soll, verstehe ich dein Problem nicht wirklich. Also lass mich festhalten. Du kannst mit den Jungs in deiner Klasse sprechen, aber mit den Mädchen, oder im Speziellen Emilia, nicht? Das würde dann ja bedeuten, dass du …!“

„Nein, bin ich nicht! Vergiss es! Ich bin nicht verliebt!“, fiel Joschua der Elfe ins Wort.

Na, da hatte sie wohl ins Schwarze getroffen!

 

Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 


Dienstag, 16. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Dienstag, 16. Dezember

Kaum hatte Joschua seine Hausaufgaben erledigt, zog er sich Jacke, Mütze und Handschuhe an, um zu Frau Schmittke und Filou zu gehen.

„He, halt, junger Mann“, rief Mama ihm nach, „vergiss deinen Schal nicht. Es ist kalt draußen.“

Joschua stand bereits an der Haustür und Lena warf ihrem Sohn den Schal zu.

„Habt ganz viel Spaß!“, rief sie ihm zu und schon fiel die Haustür hinter ihm ins Schloss.

Als er das kleine Häuschen mit der himmelblauen Tür erreicht hatte, schlug sein Herz ein bisschen schneller. Ob Filou sich genauso auf den Spaziergang freute, wie er?

Dieses Mal klingelte Joschua nicht an der Haustür, sondern ging durch den Garten. So war es mit Frau Schmittke vereinbart.

Als er sich der Terrassentür näherte, hatte der Hund ihn bereits entdeckt.

Sogleich fing er an zu Bellen und stand schwanzwedelnd und erwartungsvoll hinter der Tür.

Es war dem Jungen fast nicht möglich, diese zu öffnen, da Filou so dicht dahinterstand. Doch dann gelang es ihm und die Freude über das Wiedersehen war riesengroß.

„Wie schön, dass du dir wieder Zeit für Filou nimmst“, sagte Frau Schmittke. „Du siehst, wie sehr er sich über die Abwechslung freut. Es ist auch ein bisschen langweilig für ihn, den ganzen Tag mit einer alten Frau zusammen zu sein.“

Joschua stimmte ihr innerlich zwar zu, bestätigte es aber nicht, da er die alte Dame nicht verletzen wollte.

„Ich hol nur schnell die Leine“, meinte Josch und ging in den Flur, wo die Leine an der Garderobe hing. „Geht gleich los, Filou! Sitz!“

Es dauerte ein Weilchen, bis der Hund seiner Anweisung folgte, aber dann saß er vor dem Jungen und ließ sich bereitwillig die Leine anlegen.

„Heute gehen wir wieder in den Park“, erzählte er der alten Dame von seinen Plänen. „Aber keine Angst, ich werde ihn nicht ohne Leine über die Wiesen laufen lassen. Ich passe auf!“

„Das weiß ich doch! Du bist ein besonderer Junge, weißt du das? Ich hätte dich nicht gebeten, wenn ich dich nicht für äußerst verantwortungsvoll halten würde. Wie du weißt, ist mir Filou sehr ans Herz gewachsen. Ich würde niemals jemanden bitten, der es nicht gut mit ihm meint.“

Joschua fühlte sich sehr geschmeichelt, zumal auch die Elfe gesagt hatte, er sei etwas ganz Besonderes. Aber so fühlte er sich nicht. Er fühlte sich wie ein normaler Junge, der gerne mit seinem Hund draußen war.

In diesem Moment entdeckte er den Fehler in seinen Gedanken. Filou war nicht sein Hund. Er gehörte zu Frau Schmittke – und das sollte auch so bleiben.

 

Fortsetzung folgt

 

 

 


Montag, 15. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Montag, 15. Dezember

Schwungvoll öffnete Joschua die Haustür.

„Bin wieder da!“, rief er seinen Eltern von weitem zu.

„Das ist ja nicht zu überhören“, meinte seine Mutter und trat in den Hausflur.

Ihr Sohn stand dort mit roten Wangen und einer roten Nase.

„Man könnte dich glatt mit Rudolph verwechseln“, meinte sie amüsiert. „Ich dachte, du warst bei Frau Schmittke in der warmen Stube. Stattdessen siehst du so aus, als wärst du länger in der Kälte gewesen.“

„War ich auch. Zusammen mit Filou!“

Seine Mutter schaute erstaunt: „Du durftest Filou ausführen?“

„Ja, stell dir nur vor. Frau Schmittke hat mich gefragt, ob ich mit Filou Spaziergänge machen würde. Sie will mir sogar ein Taschengeld dafür geben. Schau!“

Glücklich hielt er 2 Euro hoch.

„Die habe ich mir heute verdient.“

Der Stolz in seiner Stimme war nicht zu überhören.

„Es hat mir wirklich viel Spaß gemacht. Filou ist einfach klasse. Ich werde ihn nicht von der Leine lassen. Das musste ich Frau Schmittke versprechen. Und es war auch wirklich wichtig, es nicht zu tun, denn als ein Eichhörnchen unseren Weg kreuzte, wäre Filou am liebsten hinter ihm hergerannt. Und wer weiß, ob er zu mir zurückgekommen wäre? Ob er wirklich auf mich hört. Jedenfalls war das schön anstrengend, ihn dann an der Leine zu halten. Aber sonst ist alles gut gelaufen. Auch wenn uns andere Hunde entgegenkamen, hat er sich super verhalten. Und morgen Nachmittag, wenn ich meine Hausaufgaben erledigt habe, mache ich wieder einen Spaziergang mit ihm.“

Joschua überschlug sich fast bei seinen Schilderungen.

Vielleicht war es doch ein Fehler, ihm damals keinen Hund zu schenken, dachte Lena kurz, doch den Gedanken verwarf sie rasch wieder. Nach einem Tag konnte man noch nicht sagen, ob das Ganze nur ein Strohfeuer war und die Lust am Spazierengehen bald verflogen wäre. Aber das wünschte sie weder ihrem Sohn noch Filou oder Frau Schmittke, da es wirklich für alle drei eine wertvolle Erfahrung war.

„Ich gehe jetzt in mein Zimmer“, sagte Josch, stoppte dann aber, „nee, ich gehe zuerst in die Küche und mache mir einen Tee. Es war echt kalt draußen.“

„Anela, bist du hier?“, fragte Josch leise, als er sein Zimmer betrat.

„Natürlich bin ich hier! Ich kann es kaum erwarten, zu erfahren, wie deine Zeit mit Filou war.“

„Sie war wirklich großartig.“

Und dann erzählte er von dem Eichhörnchen und dass er so viel Freude hatte.

„Weißt du, ich möchte Filou noch Kunststückchen beibringen. Der Hund von Samuel, einem Klassenkameraden von mir, kann Pfötchen geben und er kann ‚toter Hund‘. Weißt du, was der Hund dann machen muss?“

Natürlich wusste es die Elfe. Der Hund würde sich auf ein Kommando hin auf die Seite legen und totstellen. Ob nun der Hund oder sein Herrchen daran mehr Freude hatte, entzog sich ihrer Kenntnis. Aber es war schön, Joschua so glücklich zu sehen. Sie kam ihrem Auftrag und Ziel also immer näher.

Schließlich zählte es zu den größten Aufgaben der Elfen, die Menschen glücklich zu machen.

 

Fortsetzung folgt

 

 

 


Sonntag, 14. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Sonntag, 14. Dezember, 3. Advent


Jetzt brannten schon drei Kerzen auf dem Adventskranz.

Weihnachten und die Ferienzeit rückten immer näher, was Joschua ein gutes Gefühl gab.

Ein wohliges Gefühl war aber auch da, wenn er an den gestrigen Besuch bei Frau Schmittke zurückdachte. Es war schön gewesen. Die alte Frau hatte von ihrem Alltag erzählt und wie sie ihr Leben meistert. Dass morgens und abends ein Pflegedienst ins Haus kommt und dass sie mittags ihr Essen gebracht bekommt.

Einige Nachbarn besorgten ihr Dinge aus der Apotheke oder kauften für sie und Filou ein. Auch seine Mutter hatte angeboten, sich in den Kreis der Helfer einzureihen und das Beste war gewesen, dass er den ganzen Nachmittag mit Filou hatte spielen können.

Mama klopfte kurz an seine Tür und lugte ins Zimmer.

Joschua lag auf seinem Bett und hielt sein Handy in der Hand.

Ein Anblick, den wohl alle Eltern vielfach kennen.

„Mir geht gerade etwas durch den Kopf“, sagte sie und betrat den Raum, „hast du bemerkt, dass Frau Schmittke keinerlei Adventsschmuck aufgestellt hat? Nicht einmal eine Kerze hat sie auf dem Tischchen vor sich stehen. Ich war gerade im Keller und hab ein paar Dinge gefunden. Auch eine Kerze mit Batterie ist dabei. Was meinst du, würdest du ihr das morgen bringen?“

Er? Allein?

Ja! Er allein!

Schließlich war er kein kleines Kind mehr und er könnte ein bisschen bleiben und mit Filou spielen.

„Kann ich machen!“

Frau Schmittke freute sich riesig über den Besuch und den adventlichen Schmuck, den Joschua in der kleinen Stube verteilte.

„Das ist so lieb von euch, jetzt habe ich es noch ein bisschen gemütlicher“, sagte sie erfreut und fuhr fort: „Setz dich doch, Joschua. Ich wollte gerne etwas mit dir besprechen.“

Mit ihm? Jetzt wurde ihm doch ein bisschen flau im Magen. Warum hatte er nicht wenigstens die Elfe gebeten, ihn zu begleiten. Mit ihr an seiner Seite fühlte er sich derartigen Situation besser gewachsen.

Im selben Moment musste er schmunzeln, denn wer saß auf der Sessellehne hinter Frau Schmittke? Genau! Anela!

„Also, Joschua, du weißt ja, dass ich keine Spaziergänge mehr mit Filou unternehmen kann und ich weiß, dass ihm die wirklich fehlen. Deshalb hatte ich gestern Abend den Gedanken, ob du vielleicht hin und wieder mit ihm gehen würdest. Das sollst du nicht umsonst tun. Ich würde dir ein kleines Taschengeld dafür geben. Als Lohn für deine Arbeit und Zeit. Wie denkst du darüber? Könntest du dir das vorstellen, vielleicht nachmittags nach der Schule und den Hausaufgaben einen kleinen Spaziergang mit ihm zu machen? Er ist wirklich ein guter Hund und zieht auch kaum an der Leine …“

Frau Schmittke wurde nicht müde, Filous guten Seiten aufzuzeigen. Doch Joschua hörte ihr gar nicht mehr zu. Viele Dinge klärten sich schlagartig in seinem Kopf. Natürlich! Das war die Lösung! Weshalb war er nicht längst darauf gekommen?

Er würde sehr gerne mit Filou gehen und freute sich, dass Frau Schmittke so viel Vertrauen in ihn setzte.

„Das mache ich wirklich gerne“, erwiderte der Junge, sprang von seinem Sessel auf und rief Filou. „Komm, Filou, wir gehen eine Runde spazieren!“

Aufgeregt sprang der Hund vor Joschua hin und her und bei der alten Frau schimmerten Tränen in den Augen.

Anela schaute sich die Szenerie aus kurzer Entfernung an und freute sich, dass der Groschen bei Joschua endlich gefallen war.

 

Fortsetzung folgt

 


 

 

Samstag, 13. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Samstag, 13. Dezember

Joschua konnte nicht einschlafen. Immer wieder wanderten seine Gedanken zu Frau Schmittke und ihren Hund. Er kannte die beiden zwar kaum, dennoch hatte er tief in sich das Gefühl, als müsse er ihnen helfen. Aber wie?

Die ganze Nacht über wälzte er sich in unruhigem Schlaf hin und her.

Als er morgens aufstand zeigte der Wecker bereits 11 Uhr.

Josch schlurfte in die Küche, wo seine Mutter Gemüse für das Mittagessen schnippelte.

„Ach du je, wie siehst du denn aus?“

Na, großartig! Das war mal ein freundlicher Empfang.

„Tut mir leid, Josch, aber du siehst ein bisschen zerrupft aus. Wie ein Papagei, der sich seine Federn rausgerupft hat.“

„Das ist nicht lustig, Ma! Ich habe schlecht geschlafen, weil ich das Gefühl habe, dass wir der alten Frau und ihrem Hund helfen sollten.“

„Sollten wir das?“, fragte Mama.

Josch würde gerne zu der alten Frau gehen und schauen, wie es ihr und dem Hund geht, aber er wollte nicht allein hingehen. Auf der anderen Seite wollte er seine Mutter aber auch nicht fragen, ob sie mitkommen würde. Schließlich war er kein kleiner Junge mehr. Aber er kannte die Frau ja kaum und vielleicht fände sie es auch komisch, wenn er sich in ihr Leben einmischte. Es war zum Verzweifeln.

Lena schmunzelte. Da wollte ihr Sohn schon groß sein, fand es blöd, einen Adventskalender und eine Wichteltür zu bekommen, doch in diesem Moment war er doch noch ihr kleiner Junge, der einen kleinen Schubser gut gebrauchen konnte.

„Was hältst du davon, wenn wir zwei die alte Dame heute besuchen. Wir könnten schauen, wie es ihr geht, vielleicht nehmen wir ein paar Kekse mit und eine Kanne mit Tee. Was hältst du davon?“

Josch strahlte. Er hatte es schon immer gewusst, dass seine Mama voll okay war. Dennoch sagte er, als müsse er sich die ganze Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen: „Ja, vielleicht! Mal sehen!“

Innerlich freute er sich aber wie ein kleines Kind, dass seine Mutter ihm die Entscheidung so leicht gemacht hatte.

Pünktlich zu 15 Uhr machten sich Mutter und Sohn mit Tee und Keksen auf den Weg zu der alten Dame.

Nachdem sie geklingelt hatten, hörten sie Filou bereits aufgeregt hinter der Haustür bellen, doch es dauerte lange, bis die Tür geöffnet wurde.

Joschua erschrak ein wenig. Frau Schmittke schien noch kleiner geworden zu sein. Sie ging sehr gebückt und ihre Haut war weiß und noch faltiger als früher.

Doch als sie ihn und seine Mutter erkannte, ging ein Strahlen über ihr Gesicht und in den freundlichen Augen blitzten kleine Freudensternchen auf.

„Na, das ist ja eine Überraschung. Mögt ihr reinkommen.“

Sie hatte große Mühe, Filou zu beruhigen, der sogleich an den beiden Besuchern hochsprang.

„Filou, aus!“

Doch der Hund hörte nicht auf sein Frauchen.

„Eigentlich ist er der liebste Hund der Welt“, sagte sie, während sie die Tür weit öffnete, um Lena und Joschua ins Haus zu lassen. „Aber seit ich ihn nur noch in den Garten herauslassen kann fehlen ihm unsere Spaziergänge. Der Hund hat halt noch mehr Energie als ich.“

Bald darauf saßen sie alle gemeinsam in der gemütlichen kleinen Stube. Mama goss Tee in die mitgebrachten Tassen und stellte die Dose mit den selbstgebackenen Keksen auf den Tisch.

Frau Schmittke griff beherzt zu.

Spritzgebäck ist mein Lieblingsgebäck zur Weihnachtszeit!“, sagte sie. „Früher habe ich es immer gebacken. Aber heute geht das leider nicht mehr.“

 

Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 

 


Freitag, 12. Dezember 2025

Adventskalendergeschichte - Freitag, 12. Dezember

Den ganzen Nachmittag über gingen Joschuas Gedanken zu der alten Frau mit dem Hund. Er konnte sich genau an Filou erinnern. Er war ein Mischling, hatte langes weißes Fell mit dunklen Flecken. Und ein Auge war schwarz umrahmt. So wie bei Pete, dem Hund aus der Serie ‚Die kleinen Strolche‘.

Joschua hatte das Gefühl, dass er irgendetwas tun musste. Er konnte nicht zulassen, dass man die beiden trennte. Ob die Elfe einen Rat für ihn hatte?

Und wieder erschien sie wie von Zauberhand und landete auf seiner Schulter.

„Ich kann dich nicht sehen, wenn du dort sitzt“, beschwerte sich der Junge, weshalb sie wieder einmal auf der Schreibtischlampe Platz nahm.

„Nun, es scheint etwas zu geben, das dich sehr aufwühlt.“

„Stimmt!“

Dann erzählte er der Elfe von der alten Dame und ihrem Hund.

„Ich muss etwas tun, Anela, aber ich weiß nicht, was ich tun könnte.“

Die Elfe räusperte sich.

„Weißt du, Joschua, manchmal bekommen wir Elfen ein Verbot, den Menschen bei ihren Entscheidungen zu helfen. Das klingt jetzt vielleicht blöd für dich, aber in diesem Fall ist es so. Du musst selbst eine Lösung finden. Und ich weiß, dass du das kannst.“

Josch fühlte sich überfordert.

„Aber schau, ich müsste ein Pflegeheim finden, dass die alte Dame zusammen mit ihrem Hund aufnimmt. Wie soll ich das machen?“

„Wenn das für dich nicht umsetzbar ist, wird es nicht die Lösung sein!“

Na, toll, wozu hatte man eine Elfe zur Freundin, wenn sie einem bei einem Notfall nicht helfen wollte.

„Ich würde schon wollen, aber wie ich schon sagte, manchmal dürfen wir nicht.“

„Warum? Ich verstehe es nicht?“

„Schau, Joschua, manchmal ist es äußerst wichtig, dass der Mensch seine eigenen Erfahrungen macht, dass er nach Lösungen sucht und wir sie ihm nicht einfach auf dem Silbertablett präsentieren. Einen kleinen Hinweis möchte ich dir aber dennoch geben. Erinnerst du dich, dass ich dir gegenüber kürzlich vom Schicksal gesprochen habe? Ihr Menschen denkt häufig, dass es sich dabei um etwas handelt, dass eine höhere Macht über euch verhängt. Dass ihr keinen Einfluss auf euer Schicksal hättet. Aber was, wenn es sich anders verhält? Wenn es nicht etwas ist, gegen das ihr machtlos seid, sondern wenn ihr Menschen euer Schicksal selbst bestimmt, und zwar durch eure Gedanken, Entscheidungen und Handlungen?“

„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, Anela!“

„Ich spreche davon, dass ich dir gesagt habe, dass du zum einen auf Zeichen und Hinweise achten sollst. Erinnerst du dich? Und ich spreche zum anderen davon, dass du deine Gedanken und Entscheidungen nochmal überdenken sollst, damit sich das sogenannte Schicksal positiv zeigen kann.“

Joschua verstand nicht viel von dem, was die Elfe gesagt hatte, doch diese wusste, dass sie ein Samenkorn in sein Herz gelegt hatte, das zur rechten Zeit aufgehen und ihm den Weg zeigen würde.

Joschua hingegen fragte sich, was er mit all dem, was die Elfe gesagt hatte, anfangen sollte. Wie sollte und konnte er erreichen, dass Frau Schmittke und ihr Hund nicht getrennt wurden?

Seine Gedanken drehten sich im Kreis – und wie das immer so ist, wenn sich der Mensch bzw. seine Gedanken im Kreis drehen: Joschua fand keinen Ausweg – und die Elfe hatte sich mit den Worten verabschiedet: „Du bist ein kluger Junge, Josch! Du wirst die Lösung finden. Ich weiß es!“

 

Fortsetzung folgt