Samstag, 27. Januar 2018

Graufellchen (17) – Stürmische Zeiten

Graufellchen hatte so einiges gelernt, seit er bei Karl und Gerda Unterschlupf gefunden hatte. So wusste er zum Beispiel, dass es dem Wetter möglich ist, Kapriolen zu schlagen. Karl hatte das neulich so gesagt.
Und noch etwas hatte er gelernt: Nachrichten mussten sehr wichtig sein. Zumindest schauten Karl und Gerda sie jeden Tag. Inzwischen war sogar das Mäuschen bestens informiert. Schließlich schaute es allabendlich gemeinsam mit seinen Lieblingsmenschen die Nachrichten im Fernsehen. Und so wusste Graufellchen, dass kürzlich ein verheerender Sturm über Deutschland hinweg gefegt war, dem die Menschen sogar einen Namen gegeben hatten. Friederike! Eigentlich ein schöner weiblicher Vorname, hinter dem man keinen Orkan vermutet.
Ja und nun schlug das Wetter weitere Kapriolen, weil der Januar nämlich frühlingshafte Temperaturen mit sich brachte, was nicht nur einigen Menschen, sondern auch den Tieren zu schaffen machte. Aber Graufellchen wusste genau, dass der Winter noch nicht vorüber war. Das spürte er instinktiv. Außerdem fühlte er sich so wohl bei den beiden Menschen, dass er noch gar nicht auf das Frühjahr hoffte, denn das würde seinen Auszug mit sich bringen.
Und so nahm Graufellchen seinen gewohnten Platz ein, um ja nichts von den Nachrichten zu verpassen und auch nichts von dem anschließenden Gespräch, das Gerda sofort begann, nachdem sie durch das Betätigen des Aus-Knopfes das Fernsehprogramm für beendet erklärt hatte.
„Weißt du Karl“, sagte sie, „ich frage mich manchmal, ob es wirklich sinnvoll ist, sich ständig die Nachrichten aus aller Welt anzusehen. Das meiste davon ist doch für mich persönlich irrelevant.“
„Manchmal denke ich das auch, Gerda. Auf der anderen Seite: Dürfen wir wirklich die Augen verschließen vor all dem Geschehen in der Welt?“
„Warum eigentlich nicht?“, erwiderte Gerda und es klang ein bisschen provokant. „Vielleicht ist eine im Hier und Jetzt mit meiner Familie verbrachte Zeit viel besser investiert?“
Weil Karl schwieg führte Gerda weiter aus: „Manchmal habe ich das Gefühl, dass mich all die vielen Nachrichten nicht nur passiv machen, sondern ich ihnen gegenüber abstumpfe.“
Karl stimmte zu: „Das geht mir genau so, Gerda. Du musst dabei eines bedenken: Im Gegensatz zu früher hören und lesen wir viel mehr von all den weltweiten Ereignissen. Und genau an denen können wir persönlich nichts ändern. Es steht einfach nicht in unserer Macht, Dinge, die in Asien oder den Vereinigten Staaten geschehen, zu beeinflussen. Da sind uns die Hände gebunden. Und genau das ist es, was uns passiv macht und den Nachrichten gegenüber abstumpfen lässt.“
„Du hast gewiss recht mit dem, was du sagst, Karl. Ich glaube sogar, dass die Nachrichten es vermögen, Angst zu schüren.“
„Viele Nachrichten wiederholen sich ja auch ständig“, erwiderte Karl, „und meistens wird uns ein negatives Bild von der Welt gezeigt, was natürlich dazu beiträgt, Angst zu schüren.“
„Und nicht nur das. Wenn du so willst, ist eine Meldung ja nicht mehr, als der winzige Funken einer großen Flamme. Die wirklichen Zusammenhänge bleiben für uns doch meistens im Verborgenen.“
„Da ist was dran, Gerda, und außerdem tun wir gut daran, nicht alles ungefiltert zu glauben, was uns erzählt wird“, erwiderte Karl.
„Oh ja! Und das trifft ganz sicher auch auf die Meldungen zu, die wir in einschlägigen Zeitschriften zu lesen bekommen.“
„Da seid ihr Frauen vielleicht sogar noch anfälliger, als wir Männer“, spöttelte Karl.
„Leider ist es so. Aber mal ehrlich, ist es wirklich interessant, dass sich X und Y getrennt haben? Ich kann auch nicht behaupten, dass es mich wirklich interessiert, wie schwer das Baby ist, das demnächst in England geboren wird.“
„Ich glaube, Gerda, dass unser Gehirn einfach überfordert ist mit der Menge an Informationen, die uns heute zur Verfügung stehen. Und um auf die so genannten Promi-News zurückzukommen: Was leisten diese Menschen denn wirklich für unsere Welt und vor allen Dingen frage ich mich, was macht dies mit uns und unseren Kindern, wenn man mit fragwürdigen Dingen Berühmtheit erlangt?“
„Weißt du, Karl, ich denke, so manche allein erziehende Mutter oder berufstätige Hausfrau leistet mehr, als irgendeine dieser Berühmtheiten und noch eines muss man bedenken. Vielleicht ist das mit den Mitteilungen, die uns erreichen auch so ein bisschen wie bei unserem Spiel aus Kindertagen. Wie nannten wir es noch?“, fragte Gerda.
„Du denkst bestimmt an die ‚Stille Post’ nicht wahr?“
„Ja genau. Bei jeder Weitergabe wird etwas dazu geschummelt oder man lässt etwas Wichtiges weg. Schon hat man nichts anderes, als Füllmaterial für eine Zeitschrift, die nun mal wöchentlich erscheinen muss.“
„Fakt ist auch“, entgegnete Karl, „dass wir Lügen besser entlarven, wenn wir dazu die Körpersprache haben. Das fällt beim Lesen einer Meldung natürlich weg.“
„Ich glaube, es besteht noch in anderer Hinsicht eine Gefahr“, äußerte Gerda. „Wenn wir uns nämlich permanent mit dem Leben anderer befassen, müssen wir uns nicht mit uns und unserem eigenen Leben auseinander setzen. Vielleicht ist es meine eigene Langeweile oder Neugier, die mich ständig diese Informationen lesen lässt.“
„Weißt du, Gerda, ich brauche nicht die Schicksalsschläge anderer Menschen, um mich glücklich zu fühlen.“
„Ich auch nicht, Karl. Und außerdem: Wichtige Informationen, die mich und mein Leben betreffen, die werden Wege finden, um mich zu erreichen.“


© Martina Pfannenschmidt, 2018

Samstag, 13. Januar 2018

Graufellchen (16) – Regenbogenbrücke

Das Telefon klingelte und als Gerda sich meldete, ahnte Graufellchen, dass es vielleicht ein längeres Gespräch werden könnte. Aber das kam immer auf den Anrufer an. Diesmal war es Inge. Das vernahm das Mäuschen Gerdas Worten. Sehr bald bemerkte es, dass etwas Schlimmes geschehen sein musste. Gerdas entsetztes: „Ach, Inge, das tut mir wirklich leid“, ließ darauf schließen.
Nicht nur Graufellchen lauschte seither mit gespitzten Ohren, sondern auch Karl.
Da die beiden aber nur Gerdas Worte vernahmen und nicht hören konnten, was Inge sagte, mussten sie sich gedulden, bis das Telefonat beendet war, um zu erfahren, was genau geschehen war. Als Gerda ins Wohnzimmer kam, begann sie sogleich zu erzählen:
„Stell dir vor, Karl, Inge musste ihren kleinen Mischling Bruno einschläfern lassen. Ach, das tut mir so Leid für sie. Jahrelang haben die beiden zusammen gelebt, ja sie haben sich geliebt, möchte ich sagen, und nun musste er so unerwartet über die Regenbogenbrücke gehen.“
„Ach je, da wird Inge richtig traurig sein. Ich kann mir denken, dass es bei einer derart engen Beziehung, wie sie zwischen Inge und ihrem Hund bestand, fast egal ist, dass Bruno ‚nur’ ein Tier war.“
„Das glaube ich auch. Um einen Menschen würde Inge kaum mehr trauern. Bruno war wie ein guter Freund für sie. Vielleicht so ein bisschen Kindersatz. Schließlich musste sie ihn versorgen und war für ihn verantwortlich, wie man für ein Kind die Verantwortung hat.“
„Mir kommt gerade ein Kollege in den Sinn, der seinen Hund auch sehr betrauert hat. Andere zeigten dafür überhaupt kein Verständnis. Es ist doch kein Mensch gegangen, sagten einige und schüttelten mit dem Kopf.“
„Ich glaube, Karl, dass es der Trauer egal ist, um welches Lebewesen es sich handelt. Wenn wir wirklich geliebt haben, sind wir traurig, wenn wir Abschied nehmen müssen.“
„Da denke ich wie du. Alle lebenden Wesen, die uns wichtig waren und irgendwann nicht mehr da sind, werden uns fehlen und die entstandene Lücke will gefüllt werden und die Betroffenen müssen sich völlig neu auszurichten.“
„Hoffentlich gelingt es Inge!“
„Denk nur, Gerda, es geht ja schon mit dem Gassi gehen los, das jetzt fehlt. Diese bekannte, vertraute Routine, die ihr Halt gab. Plötzlich ist auch kein Ansprechpartner mehr da. Sie hat ja sonst niemanden, mit dem sie in ihrer Wohnung sprechen kann.“
„Diese Stille, diese Leere, muss schrecklich für sie sein, Karl. Ich glaube, sie hat wirklich ihren besten Freund verloren. Er war doch ihr ständiger Begleiter; war immer da, hat ungeduldig auf sie gewartet, wenn sie mal ohne ihn das Haus verlassen hatte. Er war ihr Lebensinhalt – und nun diese Einsamkeit.“
„Da kann man ihr nur wünschen, dass sie recht bald einen neuen Begleiter an ihrer Seite findet. Die Tierheime sind voll von Tieren, die ein liebevolles Zuhause suchen.“
„Eben meinte sie, dass sie noch nicht weiß, ob sie sich das noch einmal antun möchte. – Sie meinte natürlich den Schmerz, nicht das Zusammenleben.“
„Ich verstehe dich schon, Gerda!“
„Inge meinte, dass ihre Beziehung zu Bruno erfüllender war, als die zu manchen Menschen in ihrem Umfeld. Das finde ich fast schon bedenklich, Karl.“
„Warum? Ich kann das durchaus nachvollziehen. Kein Mensch liebt so bedingungslos, wie Tiere. Das gilt für Hunde vielleicht ganz besonders. Sie üben keine Kritik, man bekommt von ihnen ausschließlich positives Feedback. Das sieht bei Menschen oftmals anders aus.“
„Willst du damit sagen, dass ich zu kritisch bin, Karl?“
„Nein, das wollte ich nicht damit sagen! Ich meine, der Hund tat ihr einfach gut.“
Gerda sprang auf und ging zu ihrem Sekretär. Dann begann sie in den Schubladen zu kramen.
„Irgendwann habe ich mal aus einer Zeitschrift etwas ausgeschnitten“, meinte sie, „da ging es genau um dieses Thema. – Da ich hab’s.“ Gerda hielt einen Zettel in ihrer Hand und begann, vorzulesen, was darauf stand:

"Ich will dir ein Tier für eine Weile leihen", sagte Gott, „damit du es lieben kannst, solange es lebt - und trauern, wenn es tot ist. Ich kann dir nicht versprechen, dass es bleiben wird, weil alles von der Erde zurückkehren muss. Wirst du darauf aufpassen, für mich, bis ich es zurückrufe? Es wird dich bezaubern, um dich zu erfreuen und sollte sein Bleiben nur kurz sein, so hast du immer die Erinnerungen, um dich zu trösten. Willst du ihm all deine Liebe geben und nicht denken, dass deine Arbeit umsonst war? Und mir auch nicht grollen, wenn ich das Tier zu mir Heim hole?"
Mein Herz antwortete:  "Mein Herr, dies soll geschehen. Für all die Freuden, die dieses Tier bringt, werde ich das Risiko der Trauer eingehen. Ich werde es mit Zärtlichkeit beschützen und es lieben, solange ich darf. Und für das Glück, das ich erfahren darf, werde ich für immer dankbar sein. Aber solltest du es früher zurückrufen, viel früher, als geplant, werde ich die tiefe Trauer meistern und versuchen, zu verstehen. Wenn mein geliebtes Tier diese Welt voll von Spannung und Zwietracht verlässt, schicke mir doch bitte eine andere bedürftige Seele, damit ich sie ein ganzes Leben lang lieben kann.“ *)


© Martina Pfannenschmidt, 2018


(*Der Autor dieser Zeilen ist mir leider unbekannt. Sollte jemand den Autor kennen oder selbst der Autor sein, so wäre ich für eine Mitteilung dankbar.)



Mittwoch, 10. Januar 2018

Graufellchen (15) - Verreist

Weil Karl gerade die Wohnung verlassen hatte, flitzte Graufellchen aus seiner Höhle heraus und labte sich an den Krümeln, die unter dem Esstisch liegen geblieben waren.
In den letzten Tagen gab es nicht soviel zu speisen für ihn, was nach dem reichhaltigen Essen an den Weihnachtstagen gar nicht so schlecht war. Sein Bauch zeigte wieder eine normale Größe und so passte das Mäuschen wieder bequem durch jede kleine Ritze.
Allerdings war ihm auch ein bisschen arg langweilig gewesen in der letzten Zeit und das lag daran, dass Gerda für ein paar Tage ihre Schwester und ihren Schwager besuchte. Karl war zuhause geblieben, um seine schlimme Erkältung auszukurieren.
Graufellchen war ganz froh darum, sonst hätte er einige Tage lang vielleicht gar nichts in den Bauch bekommen. Karl war in dieser Hinsicht zwar nicht so großzügig, wie Gerda, doch unter dem Tisch hatte das Mäuschen immer etwas gefunden.
Nur an Schlaf war nicht zu denken gewesen. Das nächtliche Husten hatte Graufellchen bis in seine Höhle hinein gehört. Gerda hätte ganz bestimmt kein Auge zu bekommen, wenn sie zuhause gewesen wäre.
Inzwischen ging es Karl jedoch besser. Das merkte man auch daran, dass er wieder in seiner Werkstatt werkelte. - Ja und heute war der Tag, an dem Gerda zurückkam. Graufellchen freute sich schon darauf.
Manchmal hätte er sich sogar gewünscht, dass Karl Selbstgespräche führte. Doch außer den täglichen Telefonaten mit seiner Frau hatte dieser kaum gesprochen. Bei seiner heiseren Stimme war das sicher besser.
Als die Haustür ins Schloss fiel, machte sich Graufellchen zügig auf den Weg zurück in seine Höhle.
„Meine Güte, Gerda, was hast du nur alles mitgeschleppt. Dein Koffer scheint ja noch voller zu sein, als auf dem Hinweg.“
„Ach, Karl, das scheint nur so. Stell ihn doch bitte ins Bad. Ich werde gleich mal eine Maschine Wäsche anstellen und dann erzählst du mir, wie es dir ergangen ist.“
„Erzähl du lieber, Gerda. Du hast gewiss mehr erlebt. Soll ich uns eine Tasse Kaffee kochen und wir setzen uns gemütlich an den Tisch und plauschen? Das hat mir in den letzten Tagen schon sehr gefehlt.“
„Mir auch, Karl.“
Nachdem beide den ersten Schluck des heißen Getränkes zu sich genommen hatten, begann Gerda zu erzählen: „Du ahnst gar nicht, wie sehr ich mich freue, wieder bei dir zu sein. Erwin und Helga sind mir wirklich ans Herz gewachsen, aber ich muss gestehen, dass sie schon sehr anstrengend sind.“
Karl nutzte die kleine Pause, die Gerda an dieser Stelle einlegte, um auch seinerseits zu bekunden, dass sie ihm gefehlt hatte.
„Danke, Karl!“, erwiderte Gerda daraufhin und fügte an: „Weißt du, was mich am meisten bedrückt? Dass Helga sich selbst quält!“
„Wie meinst du das?“
„Sie ist so schrecklich negativ eingestellt. Ich habe den Eindruck, dass sie sich allein mit ihren Gedanken das Leben schwer macht. Was ist, wenn, fragt sie sich ständig und malt alles in den dunkelsten Farben.“
„Da ist sie nicht die Einzige, Gerda.“
„Ja, ich weiß. Leider ist es so. Und noch etwas beherrscht sie großartig, nämlich die Verantwortung für sich auf andere oder ‚die Umstände’ zu schieben. Das mag ich gar nicht, Karl.“
„Das weiß ich, Gerda.“
„Ja und nicht zu vergessen, die Erinnerungen an früher. Die schlimmen Erinnerungen, musst du wissen. Damals, hat der dies gesagt und mir das angetan. Ich habe ihr so oft gesagt, dass sie doch das alles einmal loslassen und in Frieden gehen lassen soll. Aber es scheint ihr nicht möglich.“
„Es hat den Anschein“, warf Karl ein, „dass Helga noch nicht erkannt hat, dass sie sich mit lieblosen Gedanken nur selber schadet. Es würde ihr sicher gut tun, mal auf ihre Gedanken zu achten und auch, zu schauen, welche Probleme sie dadurch hervorruft.“
„Genau das habe ich ihr gesagt und versucht, ihre Gedanken in hellere Richtungen zu lenken. Ich habe versucht, ihr klar zu machen, dass dort, wo Schatten ist, auch immer Licht sein muss.“
„Und, konnte sie das annehmen?“
„Nein, leider nicht.“
„Schade!“
„Ja, das finde ich auch. Aber sie möchte einfach nichts verändern, nicht einmal ihre Gedanken. Da kann man nichts machen. Ja und dann macht sie sich auch noch selbst schlecht. Anstatt das Gute an sich zu sehen, sieht sie auch hier nur alles scheinbar Schlechte. Sie hat doch so wundervolles Haar und so schöne Augen. Das sieht sie aber nicht, sondern nur, dass die Haare grau werden und sich Krähenfüße um ihre Augen bilden.“
„Ach herrje. Das ist auch eine Gabe, alles schlecht zu machen.“
„Es hat wirklich den Anschein, Karl. Es fehlt den beiden auch jegliche Motivation, um von der Couch aufzustehen und ins Handeln zu kommen. Ich hab wirklich mein Bestes gegeben, hab sie angespornt, Vorschläge unterbreitet. Zumindest haben wir gemeinsame Spaziergänge unternommen und Spiele gemacht, ja und einmal bin ich mit Helga in die Stadt gefahren. Sie wollte sich einen neuen Pullover und eine Hose kaufen. Doch sie konnte sich einfach nicht entscheiden. Überall hat sie etwas zurückhängen lassen und letzten Endes nichts davon gekauft.“
„Aber, meine liebe Gerda, wie ich dich kenne, hast du im Gegensatz zu deiner Schwester etwas gefunden, nicht wahr.“
Gerda sprang auf, rannte aus dem Raum und kam kurz darauf mit ihrem neuen Pulli freudestrahlend zurück.
„Sag selbst, der ist doch wirklich chic“.
„… und wie für dich gemacht, meine Liebe!“


© Martina Pfannenschmidt, 2018

Sonntag, 7. Januar 2018

Graufellchen (14) – Empathie

Graufellchen lag auf seinem Bett und dachte darüber nach, wie gut er es bei den beiden Menschen hatte. Okay, er konnte von seinem Bett aus nicht die Sterne sehen, aber sonst war sein jetziges Leben einfach perfekt.
Das Mäuschen sann darüber nach, ob es über seine Lieblingsmenschen vielleicht ein Buch schreiben sollte. Schließlich notierte er all ihre Gedanken und Gespräche. Gleichzeitig fragte es sich jedoch, ob seine Artgenossen daran überhaupt Interesse hätten. Oder würde ihm vielleicht sogar Neid entgegen schlagen, wenn andere Mäuse von seinem herrlichen Leben erführen? Das konnte es schwer einschätzen.
Graufellchen nahm sein Notizbuch zur Hand und blätterte darin. Er hatte schon viele Stichpunkte gemacht, so dass es für ein dünnes Büchlein reichen müsste. Aber er blieb ja noch den ganzen Winter über bei den beiden. So kämen bestimmt noch viel mehr Eintragungen bis zum nächsten Frühjahr hinzu.
Aber dann wollte er in jedem Fall zunächst eine Familie gründen und kein Buch schreiben. Am besten wäre es demnach, diese Wintermonate dafür zu nutzen. Ob er gleich damit beginnen sollte?
Er wusste ja aus eigener Erfahrung, dass es nicht förderlich ist, Dinge vor sich her zu schieben. Das Mäuschen erinnerte sich in diesem Zusammenhang an einen Satz seines Großvaters: ‚Graufellchen’, hatte er gesagt, ‚glaube mir, nichts kostet dich mehr Kraft, als Dinge immer wieder vor dir her zu schieben.’
Doch wann sollte er das Buch schreiben? Die beiden Menschen unterhielten sich doch ständig und so war Graufellchen mit all den Aufzeichnungen schon derart beschäftigt, dass er sich momentan außerstande sah, daraus ein Buch zu machen. Aber vielleicht, eines Tages, wenn es wieder einmal Winter wurde und er ein alter Mann wäre, vielleicht hätte er dann dafür Zeit und Muße.
Jetzt galt es jedoch, den beiden Menschen zuzuhören, da Karl in diesem Moment sein Buch auf den kleinen Tisch neben sich legte und eine Frage an seine Frau richtete: „Ist es nicht eigenartig, dass manche Wörter einfach von der Bildfläche verschwinden und gegen moderne ausgetauscht werden?“
„An welches Wort denkst du?“
„Ich denke an das Wort Barmherzigkeit. Keine Ahnung, seit wann man es nicht mehr benutzt. Ich kann wirklich nicht sagen, wann es mir das letzte Mal begegnet ist. Auch in diesem Buch ist stattdessen von Empathie die Rede. Allerdings habe ich den Eindruck, dass es keine bessere Bezeichnung für Barmherzigkeit ist.“
„Da bin ich ganz deiner Meinung. Als mir das Wort Empathie das erste Mal begegnete, konnte ich gar nichts damit anfangen. Barmherzigkeit oder Einfühlungsvermögen sind hingegen Wörter, die ich verstehe.“
Karl nickte: „Ging mir genau so, Gerda!“
„Aber egal, wie auch immer man sagt, irgendwie wünschen wir uns wohl alle Menschen an unserer Seite, die Verständnis für uns zeigen. Und gerade in Zeiten, in denen es uns nicht so gut geht, sehnen wir uns nach Personen, die uns zuhören, verstehen und uns in ihre Arme schließen.“
„Ich glaube auch, dass sich das jeder wünscht, Gerda. Doch manchmal habe ich den Eindruck, dass einigen Menschen für diese Gabe die Zeit fehlt.“
„Ich finde es interessant, dass du ‚Gabe’ sagst, Karl. Es ist nämlich tatsächlich so, dass es eine Gabe ist. In der Tat gibt es Menschen, die Empathie nicht empfinden können.“
„Wenn es so ist, Gerda, müsste sich Empathie aber erlernen lassen. Andererseits kann ich die Menschen durchaus verstehen, die bei schlechten Nachrichten wegschauen oder auf einen anderen Sender schalten.“
„Das kann ich auch verstehen, Karl. Irgendwie hat man den Eindruck, dass es zu viel Leid ist, das uns begegnet. Man hat oft das Gefühl, all dem nicht mehr gewachsen zu sein und einfach nicht überall helfend eingreifen zu können.“
„Genau das ist der Punkt, Gerda. Wir Menschen reagieren nämlich eher auf Einzelschicksale, als auf Schicksale, die ganze Gruppen betreffen. Also ich meine, wenn Hungersnöte ausbrechen, Kriege oder bei Erdbeben.“
„Das wusste ich gar nicht, Karl. Doch wenn ich darüber nachdenke, kann ich es mir gut vorstellen. Manchmal kann man durchaus den Eindruck haben, dass wir Menschen zum Beispiel auf das Schicksal eines einzelnen Tieres mehr reagieren, als auf die furchtbare Massentierhaltung.“
Karl stimmte dem zu und meinte: „Empathie setzt nun einmal voraus, dass man sich die Mühe macht, sich in andere Lebewesen hinein zu versetzen. Das kostet natürlich ein bisschen Zeit und Mühe. Und wenn sich das Leben nur um dich selbst dreht, bleibt keine Zeit für andere Menschen oder die Tiere. Doch wenn ich von anderen Empathie erwarte, muss ich auch bereit sein, selbst so zu handeln.“
„Stell dir nur einmal vor, wenn es wirklich jedem Menschen gelingen würde, zumindest den Lebewesen Empathie entgegen zu bringen, die sich in seinem nächsten Umfeld befinden. Ich glaube, dann hätten wir schon viel getan, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Oder denkst du nicht?“
Graufellchen nickte kräftig und schrieb in sein Notizbuch: „Empathie macht die Welt ein kleines bisschen besser.“

© Martina Pfannenschmidt, 2018



Freitag, 5. Januar 2018

Graufellchen (13) – Aufräumen

An diesem Vormittag war etwas Eigenartiges geschehen. Graufellchen war vor seine Höhle getreten, wie er es immer tat, wenn die beiden Menschen nicht zuhause waren, doch dann wäre er fast über etwas gestolpert.
Ein bisschen mulmig war dem Mäuschen in diesem Moment schon zumute gewesen. Konnte Gerda vielleicht Gedanken lesen oder gar hellsehen?
Das war nämlich so: Als er an diesem Morgen erwacht war, hatte er sich in seiner kleinen Wohnung umgesehen und gemeint, dass es mal wieder Zeit würde, durchzufegen. Doch leider befand sich kein Besen in Graufellchens Bündel. Man konnte ja auch nicht an alles denken. Ja und nun wäre er fast über einen solchen gestolpert. Also, ein richtiger Besen war es nicht, sondern eine alte von Gerda ausrangierte Zahnbürste lag direkt neben dem Eingang zu seiner Höhle.
Die Frau des Hauses hatte die Bürste ordentlich gereinigt und den Stiel gekürzt, damit der improvisierte Besen eine für Mäuseverhältnisse passende Größe hatte. Das war ihr ziemlich gut gelungen, so dass Graufellchen sofort mit den Reinigungsarbeiten begonnen hatte.
Jetzt blitzte und blinkte es wieder in seiner Wohnung. Das kleine Häufchen Staub, das jetzt vor seiner Höhle lag, würde Gerda gewiss mit ihrer Höllenmaschine entfernen. Graufellchen fühlte sich wieder so richtig wohl in seinem Zuhause.
Doch diese Putzwut, die ihn direkt zu Beginn des neuen Jahres überfallen hatte, schien nicht nur ihn zu betreffen, sondern auch Gerda, die kurz nach ihrem Heimkommen die Schranktüren geöffnet hatte, um die Schränke auszuwischen. Dabei blieb es allerdings nicht, wie Graufellchen der Unterhaltung entnehmen konnte.
„Ach nein, Schatz, geht es schon wieder los?“, fragte Karl und seiner Stimme war ein bisschen Unverständnis für Gerdas Tun anzumerken.
„Ja, es muss sein. Ich weiß, dass es dir ein bisschen auf die Nerven geht, dass ich zu Beginn eines neuen Jahres immer aufräume und Dinge entsorge. Aber was sein muss, muss sein.“
„Also für mich muss es nicht sein. Du hast doch in all den Jahren schon so viel weggeschmissen. Manches hätte man vielleicht noch einmal gebrauchen können.“
„Ja, genau, Karl, vielleicht. Deshalb stehen auch zwei Kartons hinter mir. In den linken legen wir die Dinge, von denen wir sicher sind, dass sie auf jeden Fall weg sollen und in den rechten kommen die, von denen wir denken, dass wir sie vielleicht noch einmal nutzen. Und wenn wir sie in diesem Jahr kein einziges Mal vermisst haben, wird der Karton im kommenden Jahr entsorgt, und zwar, ohne dass wir noch einmal hinein schauen.“
„Da du ja sowieso keine Ruhe gibst, lass ich mich auf diesen Deal ein“, scherzte Karl und hielt seiner Frau seine Hand hin, die daraufhin abklatschte.
Graufellchen beobachtete diese Szene schmunzelnd.
„Schau nur, Gerda, diese Vase dürfen wir auf keinen Fall wegschmeißen. Sie ist noch von meiner Tante Agnes. Es war ihre Lieblingsvase musst du wissen.“
„Ihre Lieblingsvase mag es gewesen sein“, entgegnete Gerda, „aber nicht meine und deshalb kommt sie in den linken Karton.“
„Nein, Gerda. Das geht auf gar keinen Fall. Also wenn überhaupt, dann kommt sie in den rechten Karton.“
„Gut, wenn du meinst.“
Zwei Stunden später:
„Karl, schau mal bitte in unsere Kartons. Wenn wir in diesem Tempo weiter machen, sind wir Ostern noch nicht fertig.“
„Ach Gerda, du weißt doch, wie schwer es mir fällt, mich von Dingen zu trennen.“
„Natürlich weiß ich das. Deshalb gibt es ja auch den rechten Karton. Aber weißt du, ich bin einfach sicher, dass uns all die Dinge irgendwie belasten.“
„Gerda, nun übertreibst du aber.“
„Nein, ich meine es schon ernst. Gut, ich gebe zu, dass wir es bewusst sicher nicht bemerken, aber vielleicht unbewusst. Alles gibt Energie ab, Karl, die uns wiederum umgibt. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal gelesen habe: Behalte nur die Dinge, die dich glücklich machen und trenne dich in Dankbarkeit von allem anderen und entsorge es.“
Fast hatte es den Anschein, als würde Karl etwas vor sich hin murmeln. Verstehen konnte Graufellchen es allerdings nicht.
Eine Weile später fing Gerda ein weiteres brisantes Thema an.
„Du Karl, dieses Bild hier an der Wand …“
„… war ein Geschenk meiner Mutter“, setzte Karl den begonnen Satz fort.
„Ja, war ein Geschenk deiner Mutter“, wiederholte Gerda und fuhr mutig fort, „aber es versetzt mich jedes Mal in eine komische Stimmung.“
„Aber Geschenke wirft man nicht weg!“, warf Karl ein.
„Sagt wer?“
Keine Antwort.
„Weißt du Karl, es kann doch nicht sein, dass man sich in seinem eigenen Zuhause nicht wohl fühlt, nur weil man der Meinung ist, geschenkte Dinge dürfe man auch nach zehn oder zwanzig Jahren noch nicht entsorgen.“
„Heute scheint alles schnell austauschbar zu sein“, erwiderte Karl pampig.
„Ja, vielleicht ist es so. Wenn ich zum Beispiel an Schmuckstücke denke, stimme ich dir zu. Früher hatten Schmuckstücke einen ganz anderen Wert, als heute. Von dem emotionalen einmal ganz angesehen. Heute ist Schmuck erschwinglich und kann schnell mal gegen neuen ausgetauscht werden. Das gilt sicher auch für Geschirr, Handtücher und Bettwäsche.“
„Masse anstelle von Qualität“, warf Karl maulend ein.
„Auch damit magst du Recht haben. Aber schau, welchen Sinn hat es, dass ich all die Bettbezüge noch im Schrank horte, nur weil ich sie einst zur Konfirmation geschenkt bekam. Inzwischen gibt es die schöne Biberbettwäsche, die du auch so magst. Darin schlafen wir doch viel besser, jetzt im Winter.“
„Aber im Sommer mag ich die weiße Leinenbettwäsche am liebsten.“
„Ja Karl, die werde ich auch nicht aussortieren. Aber was sollen wir mit all den anderen anfangen? Und ganz ehrlich: Ich freue mich auch, wenn ich mal wieder neue kaufen darf.“
Für eine Weile schwieg Karl, doch dann erkundigte er sich vorsichtshalber, um nicht Gefahr zu laufen, seine Frau falsch verstanden zu haben: „Du meinst also, wir sollen nur die Dinge behalten, die Freude bei uns auslösen?“
Gerda nickte bestätigend.
Am Abend traute Graufellchen seinen Augen kaum. Gerda tanzte mit weit ausgebreiteten Armen durch das Zimmer.
„Ich kann mir nicht helfen, Karl“, rief sie dabei aus, „aber irgendwie fühle ich mich wie befreit!“

© Martina Pfannenschmidt, 2018




Dienstag, 2. Januar 2018

Graufellchen (12) – Gemeinsam statt einsam!

Graufellchen war sauer. Nicht auf seine Menschen, aber auf viele andere. Der Grund war einfach: Sein Kopf schmerzte und innerlich zitterte er immer noch ein wenig.
Was die Menschen so praktizieren, war ihm wirklich suspekt. Gott sei Dank war die Knallerei nun vorüber und der Alltag schien wieder Einzug gehalten zu haben.
An diesem Vormittag waren Gerda und Karl nicht zuhause. Sie machten Besorgungen. Das Wort kannte Graufellchen inzwischen. Es bedeutete zum einen, dass seine Menschen aus dem Haus waren und zum anderen, dass sich, wenn sie heimkamen, leckere Dinge in ihrer Tasche befanden.
Das Mäuschen nutzte diese Zeit, um die Wohnung noch ein bisschen mehr zu erkunden und so sah es, dass dort, wo seit ein paar Tagen die Tanne stand, ein Häufchen Tannennadeln auf dem Boden lag und so dachte es sich, dass es großen Spaß machen müsste, diese durcheinander zu wirbeln.
Deshalb nahm es Anlauf und rutschte mit großer Geschwindigkeit über den Parkettboden. Als die Tannennadeln dadurch in alle Richtungen stoben, juchzte es vor Freude. Aber, oh Schreck! Es konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, weshalb es mit Karacho gegen den Tannenbaumständer prallte. Leise rieselten daraufhin zwar keine Schneeflocken vom Himmel, jedoch weitere Tannennadeln zu Boden.
Graufellchen jammerte leise vor sich hin. Sein Kopf schmerzte jetzt noch mehr, als zuvor, und jetzt tat ihm auch noch seine rechte Vorderpfote weh. Hätte er doch nur früher die Folgen seines Verhaltens bedacht! Leicht humpelnd und mit gesenktem Kopf schlich er Richtung Höhle, legte sich auf sein Wollmaus-Bett und bejammerte lautstark seinen miserablen Zustand.
Als eine Weile später die beiden Menschen zurück kamen und ihre Einkäufe in die Küche brachten, blieb Graufellchen liegen und nahm nicht seinen Platz hinter der Tür ein. Wie gut, dass die beiden bald darauf das Wohnzimmer betraten. Jetzt konnte Graufellchen der Unterhaltung folgen, ohne sein Wollmaus-Bett verlassen zu müssen.
„Weißt du, was ich mich die ganze Zeit schon frage, Gerda“, vernahm er bald darauf, „was ist bloß mit dem Mädchen los, das neben uns im Bus saß?“
„Du meinst sicher die mit den quietschbunten Klamotten, den kurios frisierten blauen Haaren und den kohlrabenschwarz geschminkten Augen, nicht wahr?“
„Ja, genau die meine ich.“
„Wenn du mich fragst“, antwortete Gerda, „sie will auffallen und ganz gewiss auf sich aufmerksam machen. Sie will vielleicht nicht mehr die graue Maus sein, die niemand wahrnimmt.“
Moment mal, dachte sich Graufellchen in diesem Augenblick, was soll das denn heißen: Sie will keine graue Maus mehr sein!
„Schau dir die meisten Jugendlichen an“, fuhr Gerda fort, „sie wollen auf keinen Fall auffallen und tauchen in der Masse unter. Sie tragen alle die gleichen Klamotten derselben Marke. Das Mädchen im Bus will da nicht mitmachen. Ihr Weg ist gewiss schwieriger zu gehen. Die anderen zeigen ihre Individualität nicht, sondern schwimmen mit dem Strom. Bloß nicht auffallen – immer schön angepasst bleiben!“
„Wenn man das so sieht“, erwiderte Karl, „ist das schon sehr schade, weil sie nicht erkennen, dass sie alle etwas Besonderes sind und auch individuell, nicht wahr.“
„Ja, genau das erkennen sie nicht. – Wenn ich an die Jugendliche aus dem Bus denke, glaube ich allerdings, dass sie ihre wahre Identität auch noch nicht gefunden hat. Sie will einfach nur aus der Masse heraus stechen, wahrgenommen werden und anders sein, als alle anderen. Dass sie bereits seit ihrer Geburt etwas Besonderes und Einmaliges ist, hat sie für sich aber sicher noch nicht erkannt.“
Karl nickte zustimmend.
„Da gibst du mir ein Stichwort, Gerda. Wir sind ja von Geburt an nicht nur unvergleichbare Wesen, sondern auch Familienmenschen. Doch das scheint irgendwie aus der Mode gekommen zu sein. Noch nie lebten so viele Menschen auf so engem Raum, aber noch nie schienen sie so einsam zu sein, wie in der heutigen Zeit.“
„Ich könnte mir denken, Karl, dass ein Grund dafür ist, dass wir heutzutage älter werden, als früher, denn gerade alte Menschen sind oft einsam.“
„Ja schon. Da stimme ich dir zu. Aber für mich hat es den Anschein, als ob die Jüngeren direkt die Einsamkeit suchen. Sie sitzen zuhause vor dem PC oder dem Fernseher, anstatt gemeinsam etwas zu unternehmen.“
„Ja, es hat zumindest den Anschein, dass viele den Kontakt mit anderen gar nicht mehr suchen.“
„Auf jeden Fall bin ich der Überzeugung“, erwiderte Karl, „dass wir Menschen gar nicht als Einzelgänger gedacht sind. Gemeinsam sind wir stark, sagen wir doch gerne.“
„Ja, das sagen wir, doch viele gehen ihren Weg lieber alleine und setzen ihre Ellenbogen ein, um an anderen vorbei zu ziehen. Dieses Verhalten macht auf Dauer sicher auch einsam.“
„Und auch die Tatsache, dass wir in der heutigen Zeit nicht mehr so sehr auf andere angewiesen sind. Das war früher mal anders.“
„O ja, das war es. Ich habe manchmal den Eindruck, als wollten die Menschen gar nichts mehr miteinander zu tun haben.“
„Anstatt sich zum Mensch-ärgere-dich-nicht-spielen oder zum Doppelkopf zu treffen spielen sie lieber online.“
Gerda lachte auf: „Nein, Karl, das entspricht nun wirklich nicht mehr dem Mainstream.“
„Es scheint überhaupt aus der Mode gekommen zu sein, Nähe zu suchen, Gerda.“
„Das ist wirklich schade, Karl. Es ist doch so schön, andere Menschen in sein Leben zu lassen und sie wissen zu lassen, wie wertvoll sie sind.“
„Da bleibt mir nur zu hoffen“, entgegnete Karl, „dass viele in diesem gerade begonnenen neuen Jahr aus ‚einsam’ wieder ‚gemeinsam’ machen.“


© Martina Pfannenschmidt, 2018


Als im vergangenen Jahr die erste
Graufellchen-Geschichte 
an den Start ging,
ahnte ich noch nicht,
dass die kleine Maus 
soviel Potential für Geschichten liefert -
und so geht es mit Graufellchen 
auch im neuen Jahr
noch ein bisschen weiter!

Sonntag, 31. Dezember 2017

Trau dich, zu vertrauen!

Nur noch ein dünnes, letztes Blättchen zeigt mein Tageskalender, der mich durch das Jahr 2017 begleitet und mir täglich einen Sinnspruch mit auf den Weg gegeben hat.

Der neue Kalender steht schon bereit – er ist noch dick und prall gefüllt mit guten Gedanken, die ich so sehr mag.

Auf dem letzten Blättchen meines alten Kalenders steht eine Aufforderung: 

‚Verabschiede dich voller Dankbarkeit vom vergangenen Jahr und freu dich auf ein erlebnisreiches, glückliches und erfolgreiches Jahr 2018.'

Ja, ich empfinde Dankbarkeit; aber es ist auch so ein winziger Hauch von Wehmut da. Ich kenne das schon. Sie stellt sich immer an Silvester ein, wenn ich an glückliche, aber auch traurige Momente des zurückliegenden Jahres denke. Und da kommt mir das Kalenderblatt vom Vortag gerade recht: 

‚Trau dich, zu vertrauen! Trau dem Leben, trau dir selbst und deinen Mitmenschen und vertrau darauf, dass alles, was geschieht, einen Sinn und eine Bedeutung hat.’

In diesem Sinne wünsche ich jedem, der mein Bloghaus besucht, ein 

vertrauensvolles
Jahr 2018!

Eure
Martina Pfannenschmidt