Posts mit dem Label Weihnachten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Weihnachten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 10. Januar 2026

Den Frieden wahren

Nachdem vor einiger Zeit der Deckel mit einem unsanften Ruck zugefallen war, war es in der Kiste dunkel und stickig geworden. Anschließend hatten sie dumpfe Schritte auf der Treppe wahrgenommen und wussten: jetzt wurden sie auf den Dachboden zurückgebracht, weil ihre Aufgabe für dieses Jahr beendet war. Die Weihnachtszeit war vorbei.

„Da liegen wir nun wieder“, brummte der Esel und versuchte vergeblich, seine hölzernen Beine zu sortieren. „Kaum ist der 6. Januar vorbei, sind wir nur noch alter Plunder, der im Weg rumsteht.“

„Es ist jedes Jahr dasselbe“, pflichtete ihm einer der Hirten bei, der mit dem Gesicht nach unten auf einem Strohstern lag. „Unten im Wohnzimmer haben sie gesungen und von Frieden auf Erden gesprochen. Aber kaum hatten sie den Baum abgeschmückt, hörte ich schon wieder, wie der Hausherr über die Nachbarn herzog und die Mutter mit den Kindern schimpfte.“

Der kleine Engel pflichtete dem Hirten bei: „Du hast recht. Die Botschaft der Liebe hält bei ihnen nicht länger als der Glanz der Christbaumkugeln.“

„Die Menschen scheinen vergesslich zu sein“, seufzte König Kaspar. „Sie stellen uns auf, weil es Tradition ist, aber sie nehmen unsere Botschaft nicht mit in ihren Alltag.“

Während die Figuren so über die Lieblosigkeit der Menschen klagten, bemerkten sie gar nicht, wie der Unmut auch unter ihnen wuchs.

„Aua!“ herrschte der Ochse den Esel an. „Nimm sofort deinen hölzernen Huf aus meinem Auge! Du trampelst auf mir herum, du störrisches Langohr, und merkst es nicht einmal!“
„Weil ich mich kaum bewegen kann, du Hornochse!“, gab der Esel bissig zurück. „Du nimmst mit deinem dicken Bauch den ganzen Platz ein. Wenn du schlanker wärst, könnten wir alle bequemer liegen.“

„Mäh! Ruhe jetzt!“, blökte ein Schaf dazwischen, das unter dem schweren Mantel eines Königs eingequetscht war. „Ihr denkt gerade nur an euch. Aber schaut mich an. Ich verliere hier bald meine gesamte weiße Farbe, weil ihr mich ständig gegen die raue Kistenwand drückt. Aber Hauptsache, ihr Großen habt es bequem!“

„Und was ist mit mir?“, rief der kleine Engel, der Angst um seine Flügel hatte. „Gerade hat ein Hirte seinen Hirtenstab direkt in meine Harfe gesteckt! Und was geschieht, wenn ihr mir einen Flügel abknickt?“

Der Streit wurde immer lauter. Vorwürfe flogen hin und her und es dauerte nicht lange, da wurden sogar alte Kränkungen aus den vergangenen Jahrzehnten hervorgeholt. Und so war auch in der dunklen Kiste nichts mehr von weihnachtlicher Harmonie zu spüren.

Doch dann durchbrach eine ruhige Stimme den Tumult. Es war Maria, die in ihrer weisen und sanften Art zu ihnen sprach: „Sagt, hört ihr euch eigentlich zu? Wir beklagen uns darüber, dass die Menschen den Frieden vergessen, sobald sie uns wegpacken. Aber schaut uns an: Kaum sind wir unter uns, tun wir genau dasselbe. Wir urteilen, wir schimpfen und wir vergessen, warum wir überhaupt hier sind.“

Betretenes Schweigen folgte ihren Worten. Dann fuhr sie fort: „Die Menschen sind wahrlich nicht perfekt und ja, sie verlieren das Licht manchmal aus den Augen; gerade dann, wenn ihr Leben laut und schwer ist. Aber genau deshalb gibt es uns. Wir haben eine wichtige Aufgabe! Wir sind die ‚Hüter der Erinnerung‘. Versteht ihr?! Deshalb frage ich euch, wie sollen wir in ihrer Welt als Zeichen des Friedens leuchten, wenn wir uns hier oben streiten? Wir müssen mehr Geduld mit ihnen haben - und vor allem mit uns selbst.“

Beschämt rückten der Ochse und der Esel ein Stück beiseite. Das Schaf hörte auf zu meckern, und der Engel versuchte vorsichtig, seine Harfe ein bisschen dichter an sich heranzuziehen.

„Sie hat recht“, flüsterte der Esel. „Wir sollten nicht nur darauf warten, dass die Menschen sich ändern. Wir müssen selbst das Licht bewahren.“

Augenblicklich veränderte sich die Stimmung in der Kiste und der Ochse hatte eine Idee. „Was denkt ihr“, fragte er, „sollen wir ein bisschen Licht in die Kiste bringen? Kennt ihr das Märchen von den Stadtmusikanten? Esel, komm her, spring auf meinen Rücken. Und dann du Schaf. Klettere auf den Rücken des Esels. Dann werde ich von unten schieben und wir heben mit vereinten Kräften den Deckel an.

Bald darauf stellte sich der Ochse stabil auf den Boden der Kiste. Der Esel wiederum stand auf seinen kräftigen Schultern und das kleine Schaf kletterte vorsichtig ganz nach oben.

Gemeinsam drückten sie mit ihren Rücken gegen den schweren Holzdeckel, der nicht fest verriegelt war und sich bald darauf mit einem leichten Knarzen öffnen ließ. Sogleich fiel ein strahlender Streifen Licht direkt aus dem Dachfenster in die Kiste hinein.

Zeitgleich hob sich die Stimmung unter ihnen, denn sie wussten, dass das Licht die Welt niemals verlassen wird.

Und so nahmen sie sich vor, aufeinander achtzugeben, bis es wieder Zeit war, den Menschen unten im Wohnzimmer von der großen Liebe zu erzählen.

Sie nahmen sich fest vor, untereinander den Frieden wahren - das ganze Jahr über.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

Nachwort: Es gibt in meinem Blog eine Geschichte, die mehr als alle anderen immer wieder aufgerufen wird und das ist diese hier: „Frieden ist wie Watte!“. Sie wurde inzwischen doppelt so oft aufgerufen, wie die Geschichte: „Glücksmomente zu verschenken“. Frieden und Glück sind Themen, die immer wieder einen Platz in meinen Geschichten erhalten werden. Ein bisschen auch deshalb, weil ich mich selbst immer wieder daran erinnern möchte, wie wichtig es ist, IN SICH den Frieden zu wahren und glückliche Momente wahrzunehmen. - Auch in die Geschichte „Echt jetzt?!“ sind Friedensgedanken eingeflossen. - Lasst uns nicht müde werden darin, den Frieden zu wahren und auch zu fordern, wo man ihn aus Machtgründen heraus gefährdet, denn: Glücklich zu sein ist unser Geburtsrecht! Das dürfen wir nicht vergessen!


Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil!

Montag, 29. Dezember 2025

Zwei Tage vor Silvester

Es war der 29. Dezember. Zwei Tage vor Silvester.

Manuela schälte sich recht früh aus dem Bett. Sie wusste, dass noch so viel zu erledigen war, bevor ihre Freunde zum jährlichen Raclette-Essen am Silvesterabend bei ihnen hereinschneien würden.

Bevor sie ins Bad ging, öffnete sie langsam die Wohnzimmertür und blieb wie angewurzelt stehen. Das reinste Chaos empfing sie dort. Der Teppich lag schief, die Sessel waren verrückt, auf dem Couchtisch standen noch die Gläser vom Vorabend, die Kissen lagen durcheinandergewürfelt herum und die Krümel von Chips und Keksen waren überall verstreut. Doch das schlimmste war der Tannenbaum. Er wirkte wahrlich zerrupft und seine Äste hingen etwas traurig herab. Die einst liebevoll aufgehängten Schokoladenanhänger und Zuckerstangen waren fast alle verschwunden. Die Enkelkinder hatten sie genascht. Heimlich und kichernd, wie sie bemerkt hatte.

Manuela seufzte. Die Last der Weihnachtstage lag wie ein schwerer Mantel auf ihren Schultern und eine bleierne Müdigkeit breitete sich in ihr aus.

Die vergangenen Tage waren voller Leben und Lachen gewesen, weil die ganze Familie zusammengekommen war: ihre Kinder und Enkelkinder, ihre Eltern und Schwager und Schwägerin.

Sie hatte gekocht, gebacken, serviert – immer bemüht, dass niemand zu kurz kam und dass sich jeder herzlich willkommen und wohl fühlte. Zwischendurch hatte sie Streit geschlichtet, kleine Missverständnisse aus der Welt geräumt und versucht, mitten im Chaos eine harmonische Stimmung zu bewahren. Nun war sie erschöpft, aber auch irgendwie erleichtert. Jetzt, wo alle abgereist waren, lag die Stille wie ein sanftes Tuch über allem.

Langsam ließ sie sich in einen Sessel sinken, der dabei leise knarzte. Sie war so müde und ihre Augenlider waren so schwer, dass sie, während draußen der Wind leise um die Hausecke pfiff, wieder einschlief - umgeben von all dem Durcheinander, das das Fest hinterlassen hatte.

Mitten in die Stille hinein begannen plötzlich die Dinge im Wohnzimmer zu flüstern. Die Kerzen auf dem Tisch, die Christbaumkugeln und der Tannenbaum.

„Schaut euch die Frau an“, murmelte eine silberne Kugel, „so müde und erschöpft. Ist das der Sinn von Weihnachten – dass die Menschen so ausgelaugt sind?“

Der Tannenbaum seufzte. „Mir wurden meine Wurzeln genommen“, stöhnte er auf, „nun stehe ich hier, geschmückt zwar und beim Fest bestaunt, aber jetzt – jetzt fühle ich mich nutzlos. Wofür das alles frage ich mich?“

Die Kerzen flackerten sanft und schienen nachzudenken. Dann sprach die älteste Kerze mit ruhiger Stimme: „Wisst ihr, ich glaube, dass wir alle zusammen für die Menschen Weihnachten bedeuten. Schaut, sie bringen uns in ihr Haus, schmücken uns, zünden uns Kerzen an, weil wir Licht und Wärme schenken. Und eines ist ebenso gewiss: Weihnachten ist viel mehr als nur Geschenke und festliches Essen.“

Die Kugel rollte ein kleines Stückchen näher. „Aber Weihnachten ist doch das Fest der Liebe. Warum ist die Frau dann so erschöpft?“, fragte sie.

Die Kerze lächelte und erwiderte weise: „Weil Liebe manchmal anstrengend ist und weil Familie bedeutet, einander zu helfen, zuzuhören, auch mal zu streiten und sich wieder zu versöhnen. Und schaut, der Tannenbaum ist ein Symbol: Er steht mitten in der Wohnung, grün und lebendig erinnert er alle an Hoffnung und Beständigkeit. Und ihr Kugeln bringt Glanz, Freude und ein wenig Zauber mit. Und wir Kerzen – wir spenden Licht in der Dunkelheit.“

„Ich glaube“, sprach der Stern, der hoch oben auf der Spitze des Tannenbaumes thronte, „dass der wahre Sinn von Weihnachten nicht in der Perfektion liegt, sondern im Miteinander und in der Dankbarkeit für jeden Moment. Sei er nun laut oder leise, fröhlich oder anstrengend.“

Stille kehrte in den Raum zurück, als Manuela erwachte. Irgendetwas musste geschehen sein. Sie fühlte sich plötzlich so anders. Ihr Herz quoll über vor Wärme und Liebe. Selbst der Tannenbaum wirkte in diesem Moment ganz anders auf sie. Sie sah ihn nicht mehr als zerrupftes Relikt eines turbulenten Festes, sondern als Zeichen dafür, dass Liebe manchmal chaotisch, aber immer lebendig ist. Sie lächelte, erhob sich und zündete die Kerzen am Baum an – ganz für sich allein.

Nein, das Wohnzimmer war in diesem Zustand nicht perfekt, aber es war voller liebevoller Erinnerungen an ein ganz besonderes Fest.

Und während die Kerzen leise flackerten und der Tannenbaum still im Licht glänzte, spürte Manuela: Weihnachten ist nicht das Ende der Kräfte, sondern der Anfang von Hoffnung, Gemeinschaft und Dankbarkeit – auch zwei Tage vor Silvester.

© Martina Pfannenschmidt, 2025

 



Sonntag, 28. Dezember 2025

Die Stille nach dem Fest

Karin saß noch immer am Esstisch. Die Hände um die kalte, leere Kaffeetasse gelegt. An diesem Sonntag nach Weihnachten fiel fahles graues Licht ins Esszimmer. Sie sah sich um. Das benutzte Geschirr und Essensreste standen ungeordnet auf dem Tisch, umringt von Brötchenkrümeln, Eierschalen und einem großen roten Fleck, den die Erdbeermarmelade auf der weißen Damast-Tischdecke hinterlassen hatte.

Es war nicht mehr die Unordnung einer eben noch fröhlichen Runde, sondern nur noch die stille Erinnerung an das Lachen, das bis eben noch den Raum erfüllt hatte. In diesem Moment hörte sie nur das laute Ticken der Uhr und – wie von fern -, das leise Surren des Druckers aus dem Büro ihres Mannes.

Karin schloss für einen Augenblick die Augen, um die vergangenen Tage im Geiste zu reflektieren. Ihre beide Kinder waren zu Hause gewesen. Sie hatten Unruhe mitgebracht, aber eben auch diese spezielle Freude der jungen Erwachsenen.

Im Flur hatten sich die Jacken, Schuhe und Taschen gestapelt, aber es hatte auch nach Weihnachten gerochen.

Karin dachte zurück an das gemeinsame Schmücken des Baumes, das Scherzen und Lachen und an die Geschichten, die sie aus ihren Leben erzählt hatten.

Jetzt war ihr, als ob die Zeit für einen Moment stillstand.

Sie erinnerte sich zurück an das Leuchten in den Augen ihrer inzwischen erwachsenen Kinder, als sie alle unter dem Weihnachtsbaum gesessen und Geschenke ausgepackt hatten, die sie vorher mit sehr viel Liebe ausgesucht hatte. Alles hatte sie bis ins Detail organisiert mit dem Wunsch, dass alle ein schönes Fest feiern könnten. Sie wollte ihre Lieben überraschen und das war ihr auch gelungen.

Dann wanderten ihre Gedanken zu den Geschenken, die sie bekommen hatte und die ihr einen leichten Stich versetzt hatten. Wie so oft hatte ihr Mann einen Gutschein einer bekannten Parfümerie besorgt und wie immer hatte er ihn ihr mit den Worten: „Damit du dir auch mal was gönnst!“ überreicht.

Ihre Kinder hatten ihr einen Büchergutschein geschenkt und Pralinen. Alles war so erwartbar für sie gewesen.

Karin schalt sich innerlich. Sie wollte nicht undankbar scheinen. Sie sollte glücklich sein über ihre intakte Familie – und das war sie auch. Aber tief in ihr nagte eine unerfüllte Sehnsucht nach etwas anderem. Etwas, das ihren grauen Alltag unterbrach, etwas, das ihr zeigte, dass sie wertvoll war.

Jetzt, an diesem Sonntag, waren die Kinder nach dem Frühstück aufgebrochen. Zurück in ihre Studentenwohnungen, um den Abend mit Freunden zu verbringen. Ihr Mann hatte sich nach dem Frühstück in sein Büro zurückgezogen, wie so oft, wenn das Haus ruhiger wurde. Und so blieb sie zurück. Allein am langen Tisch, zwischen den Spuren des Familienlebens.

Karin stand auf, nahm seufzend die Teller und Tassen und brachte sie in die Küche. Das vertraute Klappern des Geschirrs, das Plätschern des Wassers holten sie nur bedingt aus ihren Gedanken.

Später ging sie die Stufen hinauf in die früheren Kinderzimmer. Sie zog die Betten ab, ordnete zerknüllte Schlafanzüge und zupfte ein vergessenes Buch unter einem Kissen hervor. Ihr Blick blieb an den leeren Regalen hängen, wanderte weiter zu den Postern und Fotos, die noch von früher erzählten. In jedem Raum lag eine andere Stille, die noch schwerer wog als die Leere, die sie in der Küche verspürt hatte.

Karin wusste, was morgen zu tun war. Der Kühlschrank war fast leer, die Vorratskammer wie ausgeplündert. Gedanklich schrieb sie bereits eine Einkaufsliste, während sie die Betten frisch bezog. Der Alltag hatte sie zurück mit all seinen Forderungen und doch so nüchtern nach den erfüllten Tagen des Festes.

Beim Blick aus dem Fenster, in den grauen Nachmittag, stellte sie sich die alte Frage: War das schon alles? Wann hatte das Leben eigentlich aufgehört, sie zu überraschen? Wann war sie so abgestumpft geworden, dass die Tage einander glichen wie ein Dominostein dem anderen?

Karin fühlte sich wie in Watte gepackt. Zwar sicher, aber auch seltsam taub. Die Feste, die Routinen, die stets gleichen Abläufe – war sie in ihnen verloren gegangen oder gar gefangen? Sie spürte eine leise, aber dringende Sehnsucht nach Veränderung, nach einem Licht, einem Hoffnungsschimmer.

Draußen begann es zu dämmern. Sie betrachtete die Straße, die wie sie selbst leer und starr vor ihr lag. Und während sie so dastand, fasste sie einen Entschluss – keinen großen, alles Umwerfenden, sondern einen leisen, aber klaren: Im neuen Jahr, so versprach sie sich, wollte sie nicht länger auf Überraschungen warten, sondern selbst welche schaffen. Vielleicht einen Tanzkurs beginnen, einen alten Traum wieder aus der Schublade holen, oder … sie lächelte leise … vielleicht doch den Schritt zurück ins Berufsleben wagen?

Morgen würde sie einkaufen gehen. Aber heute, an diesem stillen Sonntag, begann für sie etwas Neues – und sei es nur der Gedanke daran, dass Veränderungen möglich sind, wenn man sie wagt.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2025

 

 



Samstag, 27. Dezember 2025

Eine märchenhafte Spekulatius-Geschichte

Es war sehr früh am Morgen, fast noch Nacht, als auf einem großen bunten Teller mitten auf dem Tisch die letzten 3 Spekulatius des vergangenen Weihnachtsfestes ihr Dasein fristeten.

Fast alle anderen Kekse wurden an den Festtagen von vielen Naschkatzen verschlungen. Doch diese drei besonderen Spekulatiusfiguren waren auf dem Keksteller übriggeblieben: eine Mühle, ein Elefant und ein Schiff.

Die Mühle reckte stolz ihre Flügel in die Höhe, der Elefant schwang seinen Rüssel und das Schiff schien bereit, jeden Moment in See zu stechen, als ein leiser Windhauch durch das Fenster strich und sie näher aneinanderrückte.

„Na, ihr beiden“, begann die Mühle, „wie fühlt ihr euch so nach dem Fest?“

„Ein bisschen einsam vielleicht“, antwortete der Elefant, „weil ich der letzte meiner Art auf dem Teller bin. Daher bin ich froh, euch hier zu sehen.“

Das Schiff schaukelte leicht, als es fragte: „Was meint ihr, wollen wir uns Geschichten erzählen? Wir könnten uns erzählen, warum wir so aussehen, wie wir aussehen!“

Das war eine großartige Idee und so räusperte sich die Mühle und sprach: „Ich bin die Mühlen-Spekulatiusfigur. In alten Zeiten waren Mühlen ein Zeichen für Reichtum und Wohlstand. Besonders in Belgien und den Niederlanden, wo Spekulatius besonders beliebt sind, standen Mühlen überall in der Landschaft. Deshalb sieht man mich so oft auf dem Spekulatius! Ich erinnere an die fleißigen Müller, die das Mehl für unsere Kekse mahlten. Ohne Mühlen gäbe es kein Mehl – und ohne Mehl keine Spekulatius.“

Der Elefant bewegte stolz seine großen Ohren. „Und ich, ich bin der exotische Vertreter der Spekulatius! Meine Form erinnert an die Gewürze, die von weit hergeholt werden müssen: Zimt, Nelken und Muskat zum Beispiel. Und ich wurde gewählt, weil ich Kraft und Weisheit symbolisiere“, verriet er voller Stolz.

„Das stimmt“, meinte das Schiff bestätigend, „aber ohne mich wären die Gewürze niemals hier angekommen!“ Danach fuhr es fort: „Und ich bin das Symbol für Abenteuer und Entdeckungen. Die großen Segelschiffe brachten die wertvollen Gewürze aus Indien, Indonesien und Afrika nach Europa. Ohne die Schiffe hätte es keine Spekulatius gegeben, denn der besondere Geschmack kommt erst durch Zimt, Kardamom und Anis. - Mein Anker steht übrigens für Hoffnung und meine Segel für Neugier und Weite. Und so bin ich auf vielen Spekulatius zu sehen und erinnere daran, dass die Zutaten eine weite Reise hinter sich haben.“

Da meldete sich plötzlich eine leise Stimme vom Rand des Tellers. Es war ein kleiner Spekulatiuskrümel, der den drei Formen aufmerksam zugehört hatte. Seine ehemalige Form war zwar nicht mehr erkennbar, doch der Krümel steckte voller Wissen, weshalb er die anderen fragte: „Wisst ihr denn auch, warum wir Spekulatius heißen?“

Die Mühle, der Elefant und das Schiff schüttelten den Kopf.

„Unser Name kommt vermutlich vom lateinischen Wort ‘speculum’ und bedeutet  Spiegel. Früher wurden die Teige in hölzerne Formen gedrückt, die wie ein Spiegelbild aussahen. Manche sagen aber auch, es kommt von ‘speculatio’, was so viel wie Überlegungen oder Betrachtungen bedeutet und ich finde, dass man beim Betrachten unserer Muster ins Träumen gerät. Uns Spekulatius gibt es schon seit vielen Jahrhunderten. Und sagt ehrlich: Weihnachten ohne uns ist einfach unvorstellbar.“

Da stimmten die drei anderen Figuren voller Stolz zu.

Gleichzeitig spürten sie, dass ihre Zeit auf dem Teller bald vorbei sein würde. Doch das machte ihnen keine Angst. „Wir sind zwar bald verschwunden, aber unsere Geschichten leben in den Erinnerungen weiter“, sagte die Mühle.

Der Elefant nickte. „Und jedes Jahr, wenn die ersten Spekulatius gebacken werden, beginnt das Abenteuer von Neuem.“

Das Schiff lächelte. „Vielleicht trifft man sich ja wieder auf einem weihnachtlichen Teller, irgendwo auf der Welt.“

Und so lagen sie noch ein Weilchen da, sprachen von alten Zeiten und neuen Abenteuern – bis die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen und ein kleines Mädchen kam, das sich über die letzten, zauberhaften Spekulatius ganz besonders freute.

© Martina Pfannenschmidt, 2025



Sonntag, 23. Dezember 2018

Weihnachtsschimmer (Gedicht)

 Foto: M. Pfannenschmidt

Lichterglanz im Weihnachtszimmer.
Allerorten Glanz und Schimmer.
Kerzen, voller Honigduft.
All das liegt süß in der Luft.

Voller Freude rot die Wangen.
Kleine Kinder, ach, sie bangen,
ob das Christkind an sie dachte
und auch Wunderbares brachte.

Alle Jahre wieder schön,
Kinderaugen glänzen sehn.
Und der Chor singt voller Freud:
Euch wird gebor’n der Heiland heut!

© Martina Pfannenschmidt, 2018


Mit diesem kleinen Gedicht
wünsche ich allen
Besuchern meines Bloghauses
von ganzem Herzen
ein besinnliches Weihnachtsfest!







Sonntag, 16. Dezember 2018

Der Weihnachtstraum (Gedicht)


Kerzen glänzen himmlisch am Baum!
Ist es Wahrheit oder doch nur ein Traum?
Geschenke kann ich darunter sehen!
Darf ich wohl schon dorthin gehen?

Ein Päckchen, es ist klitzeklein.
Das wird doch wohl nicht für mich sein?!
Daneben das Große fände ich klasse,
denn da hinein passt eine Masse.

Dahinter steht aus Stoff ein Hund,
mit braunem Fell und gar nicht bunt.
Der wird für meine Schwester sein.
Die freut sich darüber; sie ist noch klein.

Ich sehe, wie Mama die Blockflöte nimmt
und ein weihnachtliches Lied anstimmt.
Doch gerade, als ich zu singen begann,
fing neben mir der Wecker an.

So ein Mist, es war nur ein Traum!
Heute, da gibt es noch gar keinen Baum.
Doch in ein paar Tagen, da ist es soweit.
Ich kann euch nur sagen: Ich bin bereit!

© Martina Pfannenschmidt, 2018






Freitag, 14. Dezember 2018

Weihnachtsstress


Ich kann euch sagen, dass ist ein Chaos hier. Ich weiß gar nicht, was ich zuerst oder zuletzt tun soll. Es ist noch so unheimlich viel vorzubereiten, bis zum Fest. Der Countdown läuft, könnte man sagen. Nur noch eine Woche. Nur noch eine Woche! Nur noch eine Woche? Ach du liebe Zeit!
Die Weihnachtskarten wollen noch geschrieben werden und die Päckchen! Es ist bestimmt schon viel zu spät dafür. Die Post hat doch ständig mit Verspätungen zu tun. Ach nein, da verwechsle ich was. Das ist ja die Bahn. Obwohl, die Post?! So pünktlich liefern die auch nicht immer. Also, heute müssen die Päckchen zur Post. Das hat jetzt absolute Priorität. Stellt euch nur mal vor, Weihnachten und MEIN Päckchen läge nicht unter dem Tannenbaum von Tante Agnes. Unvorstellbar! Nein! Also, das geht mal gar nicht.
So, alles klar. Die Päckchen müssen heute auf den Weg. Aber, Moment! Ich habe ja gar kein Auto. Jedenfalls jetzt noch nicht. Hoffentlich hat die Post noch offen, wenn Manfred nach Hause kommt. Dann schick ich ihn dorthin. Das ist eine gute Idee. Der hat sowieso mehr Zeit, als ich. Ich muss ja auch noch Plätzchen backen. Bin ich noch gar nicht dazu gekommen. Es war ja ständig was anderes.
Plötzlich standen unerwartet Freunde vor der Tür, wollten mit uns über den Weihnachtsmarkt gehen. Na ja und die Geschenke wollen ja auch besorgt werden. Dauert halt alles seine Zeit. Die Geschäfte sind rappelvoll und wenn man sein Geschenk noch aufwändig und besonders schick verpacken lassen möchte, ja dann dauert das halt alles – und die Zeit läuft einem davon. Ja und plötzlich ist in einer Woche Weihnachten. Fragt mich nicht, wie ich das alles noch schaffen soll.
Ach die Betten! Ich muss ja auch noch die Betten beziehen. Oma und Opa kommen ja über die Feiertage zu Besuch. Und überhaupt: Wann kaufe ich denn am besten ein?
Dieses Mal fällt Heiligabend ja auf einen Montag. Also, wann bitte, kauft man dann ein? An dem Morgen bekommst du doch nirgendwo ein Bein an die Erde. Aber willst du schon am Freitag oder Samstag davor frisches Gemüse und Obst kaufen? Das hält sich doch gar nicht über die vielen Tage. – Ein Stress! Ich kann es euch sagen. Was ich alles noch zu bedenken habe! Und der Baum. Also, den müssen wir morgen besorgen. Sonst bekommst du nur noch den letzten Krüppel. Aber wenn du ihn zu früh besorgst, nadelt er schon, wenn du ihn ins Haus bringst. Ja, das sind alles Überlegungen, die getroffen werden wollen. Schließlich soll alles perfekt sein zum Weihnachtsfest.
Ich weiß nicht! Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, etwas ganz Wichtiges vergessen zu haben. Aber eine Woche habe ich ja noch. Wird mir hoffentlich noch einfallen, was es ist. Aber irgendwie macht mich das ganz kribbelig, dass ich nicht weiß, was ich vergessen haben könnte, wenn der große Tag da ist.
So, jetzt Schluss mit dem Geplauder. Ich muss jetzt mal was tun. Am besten mache ich zuerst den Plätzchenteig und während der ruht, packe ich die Päckchen. Ja, so mache ich das, und danach …

Heiligabend!

Ich stehe vor dem Kleiderschrank und suche nach meinem festlichen Outfit, das ich mir für diesen besonderen Tag extra gekauft habe. Bald darauf drehe ich mich stolz vor dem Spiegel. Alles ist perfekt! Die Ente brutzelt bereits im Ofen. Die Kekse liegen duftend in einer Schale. Die Gäste sind eingetroffen. Die Geschenke liegen unter dem perfekt geschmückten Baum. Komplimente sind mir sicher! Und doch! Es ist immer noch da, dieses Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. – In Gedanken gehe ich alles noch einmal durch. Nein, ich habe an alles gedacht. Doch das Gefühl bleibt.
Als ich bald darauf das Wohnzimmer betrete, den strahlenden Baum und die erwartungsvollen Menschen sehe, weiß ich plötzlich, was ich vergessen habe!
Das es Luxusprobleme sind, mit denen ich mich in den letzten Wochen herumgeschlagen habe. Das habe ich vergessen. Und dafür zu danken, dass ich mir vieles leisten kann. Ich habe vergessen, Dankbarkeit dafür zu empfinden, dass ich ein Dach über dem Kopf habe und liebe Menschen an meiner Seite.
Und ich habe noch etwas vergessen: Das nämlich der wichtigste Mensch an diesem Tag nicht bei uns ist. Ich habe vergessen, Jesus einzuladen!

© Martina Pfannenschmidt, 2018