Es war ein Wintertag im Januar und über Nacht war eine gigantische Portion Schnee gefallen.
Max und Jara
standen am Fenster und lachten über den Nachbarshund. Sein Frauchen hatte ihm den
Namen Waldi gegeben, doch Max nannte ihn oft einen tiefergelegter Dackel. Heute verschwand er fast
vollständig in der weißen Pracht. Nur seine Ohren sahen die beiden hin und
wieder über die weiße Schneedecke fliegen.
„Komm, lass
uns auch nach draußen gehen“, schlug Max seiner Schwester vor. Gesagt getan!
Bald darauf zerrte Max einen alten Holzschlitten aus dem Schuppen.
„Puh, der
stinkt wie ein nasser Hund“, rief Jara. „Warte, ich habe eine bessere
Idee." Schon war sie wieder im Haus verschwunden, um bald darauf mit Mamas
Wok zurückzukommen.
„Mit dem Ding
willst du den Todeshügel herunterfahren?“, fragte Max
entsetzt. Vielleicht war er auch neidisch, dass ihm diese Idee nicht gekommen
war.
„Klar, mit dem
Ding knacke ich jeden Geschwindigkeitsrekord. Wirst schon sehen! Aber verrat
mich nicht bei Mama, okay? Sonst bekomm ich bestimmt Ärger.“
Max versprach
es und die beiden machten sich auf den Weg Richtung Hügel.
Gerade als sie
dort ankamen, tauchte auch ihr bester Freund Paul auf. Er sah aus, als trüge er
drei Skihosen übereinander. Und so ging er auch.
Jara lachte:
„Hey, Paul, du siehst aus wie ein aufrecht gehendes Marshmallow und was hast du
da eigentlich unter deinem Arm klemmen?“
„Ich hab mir
mal kurz das Backblech meiner Mutter ausgeliehen“, meinte er daraufhin.
Er hatte das
Blech mit Alufolie umwickelt und von unten mit einer ordentlichen Schicht des
guten Olivenöls präpariert.
Max war als
Erster oben angekommen, schmiss sich bäuchlings auf seinen alten Holzschlitten
und rief übermütig: „Bahn frei, Kartoffelbrei!“
Er war mit dem
alten Schlitten recht schnell unterwegs, übersah allerdings einen kleinen Maulwurfshügel, der bald darauf wie eine
Sprungschanze fungierte. Max hob ab, ruderte dabei mit seinen Armen wie ein
junger Pinguin bei seinem ersten Flugversuch
und landete mit dem Gesicht voran im Schnee.
Dann war Jara
an der Reihe. Mit ihrem Wok war sie rasend schnell unterwegs. Allerdings
entwickelte dieser eine Art Eigenleben. Statt den Hügel hinunterzufahren,
begann sie sich mit ihrem extravaganten Gefährt wie ein Brummkreisel zu drehen.
„Mir wird
schwindlig“, rief sie, während sie an Max vorbeirotierte. Sie drehte sich so
schnell, dass sie am Ende des Hangs nicht anhielt, sondern einfach weiter über
die gefrorene Wiese schlitterte und direkt auf einen Schneemann zusteuerte, der
offensichtlich von anderen Kindern dort gebaut worden war. Als sie gegen den
Bauch des Schneemanns stieß, verlor dieser seine Karottennase, die zielsicher in Klaras Kapuze
landete.
Nun kam Pauls
großer Moment. Er legte sein geöltes Backblech in die Spur, nahm Anlauf – was
wegen der dicken Skihose eher einem langsamen Watscheln glich – sprang darauf,
um sogleich in einem Affenzahn den Hügel herunterzurasen, was eher einem
Höllenritt, als einer Schlittenfahrt glich.
„Ich kann
nicht lenken! Ich kann nicht lennnkennn!“, brüllte Paul, als er mit
Lichtgeschwindigkeit an seinen Freunden vorbeiraste und direkt auf eine Gruppe
von Sträuchern zufuhr. Während das geölte Blech unter den Zweigen hindurch
rauschte, blieb er mit seinem fetten Anzug in einem Strauch hängen.
Da hing er
nun, unfähig, sich zu bewegen, während Max und Jara vor Lachen fast im Schnee
versanken.
„Paul, du
siehst aus wie eine Christbaumkugel für Arme“, prustete Max,
während er versuchte, den Puderzucker-Schnee aus seinen Ohren zu
schütteln.
„Hört auf zu
lachen und helft mir lieber!“, rief Paul ein bisschen sauer.
Nachdem sie
ihn aus dem Gebüsch gepflückt und die Karotte aus Jaras Kapuze wieder als
Schneemann-Nase fungierte, beschlossen sie, dass sie für heute genug erlebt
hatten und stapften zurück nach Hause, wo der Duft von frischen Waffeln und heißem
Kakao bereits durch die Türritzen nach draußen drang.
„Morgen bauen
wir eine Schanze mit Looping“, schlug Max vor.
Paul und Jara
hingegen sahen sich an, dachten an das Backblech und den Wok und schüttelten
synchron den Kopf.
„Ne“, meinte
Jara, „morgen bauen wir erst mal einen vernünftigen Schneemann, der nicht bei
der ersten Berührung seine Nase verliert.“
© Martina
Pfannenschmidt, 2026
Ach herrjeh, liebe Martina,
AntwortenLöschendas war ja ein wildes Treiben im Schnee - aber lustig, ich stand als stiller Zuschauer am Rand und habe mir das Treiben ansehen dürfen und ich war froh, dass ich nur zuschaute und nicht mitgemacht habe - das hätte böse ausgehen können, einerseits bei meinem Gewicht, das sicher tüchtig Fahrt aufgenommen hätte, denn ich hätte sicher ebenfalls das Backblech gewählt.
Danke für diese lustige Schneegeschichte!
Liebe Grüße und einen schönen Sonntag dir
Regina
Ich hätte wohl den Schlitten gewählt. Sicher ist sicher. ;-)
LöschenDanke für deine lieben Worte!
Die Sonne schafft es noch nicht ganz - aber zum Teil - und es sieht wunderschön aus.
Genieß den Sonntagnachmittag!
Martina