Sonntag, 11. Januar 2026

Ich kann nicht lennnkennn!!!

Es war ein Wintertag im Januar und über Nacht war eine gigantische Portion Schnee gefallen.

Max und Jara standen am Fenster und lachten über den Nachbarshund. Sein Frauchen hatte ihm den Namen Waldi gegeben, doch Max nannte ihn oft einen tiefergelegter Dackel. Heute verschwand er fast vollständig in der weißen Pracht. Nur seine Ohren sahen die beiden hin und wieder über die weiße Schneedecke fliegen.

„Komm, lass uns auch nach draußen gehen“, schlug Max seiner Schwester vor. Gesagt getan! Bald darauf zerrte Max einen alten Holzschlitten aus dem Schuppen.

„Puh, der stinkt wie ein nasser Hund“, rief Jara. „Warte, ich habe eine bessere Idee." Schon war sie wieder im Haus verschwunden, um bald darauf mit Mamas Wok zurückzukommen.

„Mit dem Ding willst du den Todeshügel herunterfahren?“, fragte Max entsetzt. Vielleicht war er auch neidisch, dass ihm diese Idee nicht gekommen war.

„Klar, mit dem Ding knacke ich jeden Geschwindigkeitsrekord. Wirst schon sehen! Aber verrat mich nicht bei Mama, okay? Sonst bekomm ich bestimmt Ärger.“

Max versprach es und die beiden machten sich auf den Weg Richtung Hügel.

Gerade als sie dort ankamen, tauchte auch ihr bester Freund Paul auf. Er sah aus, als trüge er drei Skihosen übereinander. Und so ging er auch.

Jara lachte: „Hey, Paul, du siehst aus wie ein aufrecht gehendes Marshmallow und was hast du da eigentlich unter deinem Arm klemmen?“

„Ich hab mir mal kurz das Backblech meiner Mutter ausgeliehen“, meinte er daraufhin.

Er hatte das Blech mit Alufolie umwickelt und von unten mit einer ordentlichen Schicht des guten Olivenöls präpariert.

Max war als Erster oben angekommen, schmiss sich bäuchlings auf seinen alten Holzschlitten und rief übermütig: „Bahn frei, Kartoffelbrei!“

Er war mit dem alten Schlitten recht schnell unterwegs, übersah allerdings einen kleinen Maulwurfshügel, der bald darauf wie eine Sprungschanze fungierte. Max hob ab, ruderte dabei mit seinen Armen wie ein junger Pinguin bei seinem ersten Flugversuch und landete mit dem Gesicht voran im Schnee.

Dann war Jara an der Reihe. Mit ihrem Wok war sie rasend schnell unterwegs. Allerdings entwickelte dieser eine Art Eigenleben. Statt den Hügel hinunterzufahren, begann sie sich mit ihrem extravaganten Gefährt wie ein Brummkreisel zu drehen.

„Mir wird schwindlig“, rief sie, während sie an Max vorbeirotierte. Sie drehte sich so schnell, dass sie am Ende des Hangs nicht anhielt, sondern einfach weiter über die gefrorene Wiese schlitterte und direkt auf einen Schneemann zusteuerte, der offensichtlich von anderen Kindern dort gebaut worden war. Als sie gegen den Bauch des Schneemanns stieß, verlor dieser seine Karottennase, die zielsicher in Klaras Kapuze landete.

Nun kam Pauls großer Moment. Er legte sein geöltes Backblech in die Spur, nahm Anlauf – was wegen der dicken Skihose eher einem langsamen Watscheln glich – sprang darauf, um sogleich in einem Affenzahn den Hügel herunterzurasen, was eher einem Höllenritt, als einer Schlittenfahrt glich.

„Ich kann nicht lenken! Ich kann nicht lennnkennn!“, brüllte Paul, als er mit Lichtgeschwindigkeit an seinen Freunden vorbeiraste und direkt auf eine Gruppe von Sträuchern zufuhr. Während das geölte Blech unter den Zweigen hindurch rauschte, blieb er mit seinem fetten Anzug in einem Strauch hängen.

Da hing er nun, unfähig, sich zu bewegen, während Max und Jara vor Lachen fast im Schnee versanken.

„Paul, du siehst aus wie eine Christbaumkugel für Arme“, prustete Max, während er versuchte, den Puderzucker-Schnee aus seinen Ohren zu schütteln.

„Hört auf zu lachen und helft mir lieber!“, rief Paul ein bisschen sauer.

Nachdem sie ihn aus dem Gebüsch gepflückt und die Karotte aus Jaras Kapuze wieder als Schneemann-Nase fungierte, beschlossen sie, dass sie für heute genug erlebt hatten und stapften zurück nach Hause, wo der Duft von frischen Waffeln und heißem Kakao bereits durch die Türritzen nach draußen drang.

„Morgen bauen wir eine Schanze mit Looping“, schlug Max vor.

Paul und Jara hingegen sahen sich an, dachten an das Backblech und den Wok und schüttelten synchron den Kopf.

„Ne“, meinte Jara, „morgen bauen wir erst mal einen vernünftigen Schneemann, der nicht bei der ersten Berührung seine Nase verliert.“

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026

 

2 Kommentare:

  1. Ach herrjeh, liebe Martina,
    das war ja ein wildes Treiben im Schnee - aber lustig, ich stand als stiller Zuschauer am Rand und habe mir das Treiben ansehen dürfen und ich war froh, dass ich nur zuschaute und nicht mitgemacht habe - das hätte böse ausgehen können, einerseits bei meinem Gewicht, das sicher tüchtig Fahrt aufgenommen hätte, denn ich hätte sicher ebenfalls das Backblech gewählt.
    Danke für diese lustige Schneegeschichte!
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag dir
    Regina

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    1. Ich hätte wohl den Schlitten gewählt. Sicher ist sicher. ;-)
      Danke für deine lieben Worte!
      Die Sonne schafft es noch nicht ganz - aber zum Teil - und es sieht wunderschön aus.
      Genieß den Sonntagnachmittag!
      Martina

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