An einem kuscheligen Januar-Nachmittag saßen Oma und ihr Enkel Ben gemeinsam am Küchentisch. Vor Ben lag eine leuchtend orangefarbene Clementine. In diesem Moment schob er sie seiner Oma zu und fragte: „Kannst du mir bitte helfen, sie auszuziehen?“
Oma musste
schmunzeln. „Na klar helfe ich dir dabei. Schließlich trägt sie einen dicken
Mantel, nicht wahr!“
„Jaaa!“, rief Ben,
„einen dicken orangenen Mantel. Orange ist meine Lieblingsfarbe!“
„Deshalb magst du
die kleinen süßen Früchtchen auch besonders gern, nicht wahr?“
Ben nickte
zustimmend.
„Soll ich dir,
während ich der Clementine aus dem Mantel helfe, eine kleine Geschichte über
eine Clementine namens Clara erzählen?“
„Oh, jaaaaa!“
Während Oma begann,
die Clementine zu schälen, sprach sie mit geheimnisvoller Stimme: „Also, die
Clementine, von der ich dir erzählen möchte und die den Namen Clara trug, lebte
in einer Obstschale zusammen mit einigen sehr großen und runden Orangen und das
machte Clara ein bisschen traurig.“
„Warum?“, möchte
Ben wissen.
„Sie war ein wenig
traurig“, erzählte Oma weiter, „weil sie so viel kleiner war als die Orangen.
Sie hatte das Gefühl, in dieser Obstschale völlig übersehen zu werden. Sie
hatte die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen eher nach einer Orange griffen.“
„Oma, sie soll
nicht mehr traurig sein“, meinte Ben ein wenig betrübt. „Kannst du bitte
machen, dass sie nicht mehr traurig ist. Ich bin doch auch klein und ich bin
auch nicht traurig darüber.“
Oma lächelte. „Da
hast du vollkommen recht. Und so kam es auch, denn bald kam ein kleines Mädchen
in die Küche und fischte Clara aus der Obstschale. Sie nahm sie mit an den
Küchentisch und bat ihre Mutter, ihr beim Ausziehen der Clementine zu helfen.“
„Genau wie ich!“
„Ganz genau! Und
die Mutter des kleinen Mädchens erzählte eine Geschichte über die Clementine.
Sie erzählte dem Mädchen, das Clementinen lauter geheime Superkräfte besitzen,
die den Menschen dabei helfen, gesund zu bleiben, auch wenn es draußen
bitterkalt und Winter ist. Und sie erzählte ihr, dass es super ist, dass
Clementinen so klein sind, weil sie dann in Papas Brotdose passen und dass es
so großartig ist, dass man sie so schnell ausziehen kann und dass sie keine so
große Sauerei beim Schälen verursachen, wie es oftmals eine Orange tut.“
Ben freute sich.
„Das stimmt!“
„Und hast du schon
mal gesehen, wie schnell sich so eine Clementine durch das Obstregal im
Geschäft kugeln kann?“, wollte Oma wissen. „Die ist 1000-mal schneller als so
eine dicke Orange. Und als Clara all das hörte, was die Mama über sie erzählte
und das Mädchen sich die süße Frucht gut schmecken ließ, wusste die Clementine
plötzlich, dass sie zwar klein war, aber dennoch kugelrund vor Glück sein
konnte.“
„Ich finde Clara
auch suuuuuper. Alle Claras sind superlecker!“, freute sich Ben.
„So ist es, mein
Junge! Und schau, jetzt ist sie bereit, von dir gegessen zu werden.“
Ben freute sich
über die süßen kleinen Stückchen und nahm sich vor, Oma beim nächsten Mal, wenn
sie gemeinsam am Tisch saßen und Obst aßen, zu fragen, ob sie ihm eine kleine Geschichte
über einen Apfel erzählen kann.
© Martina
Pfannenschmidt, 2026
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