Samstag, 3. Januar 2026

Die Geschichte vom Apfelkönig und seinem Stern

Es war einer dieser Tage im Januar, an denen die Wolken schwer am Himmel hingen und es draußen grau und diesig war. 

Ben blickte in diesem Moment neugierig auf den Obstkorb, der auf dem Schrank in der Küche stand.  „Oma, darf ich heute einen Apfel haben?“, fragte er. „Aber schneide ihn bitte so, wie du es immer machst – mit den Zacken, die wie ein Stern aussehen!“

Oma lächelte und nahm den Apfel aus der Schale.

„Das mache ich sehr gerne, denn weißt du, jeder Apfel ist etwas ganz Besonderes. Und wenn ich die Zacken hineinschneide, dann erinnert mich das an meine Oma, die mir damals erzählte, dass der König der Äpfel, also der Apfelkönig, stets eine Krone auf seinem Kopf trägt, die exakt so aussieht, wie dieser Zackenstern. Der Apfelkönig, so erzählte sie es mir, ist nämlich der Herrscher über alle Äpfel im Land der Früchte. Und der Stern zeigt, dass die Menschen, die oft und gerne Äpfel essen, glücklicher und mutiger werden.“

„Echt? Dann esse ich jeden Tag eine Mijon Äpfel. Dann werde ich genauso stark und mutig wie Papa. Aber sag, kannst du mir noch mehr über den König mit dem Stern erzählen?“

„Na klar kann ich das, schließlich habe ich meiner Oma stets aufmerksam zugehört, wenn sie mir eine Geschichte erzählte. Also das ist so: Der Apfelkönig trägt seinen Stern voller Stolz, denn er möchte damit alle Äpfel daran erinnern, dass sie einzigartig sind. Die meisten Menschen schneiden die Äpfel in kleine Stückchen …“

„… das macht Mama auch immer“, rief Ben dazwischen.

„Genau! Aber der Stern, den ich schneide, ist ein Gruß vom Apfelkönig persönlich. Er sagt dir damit: ‚Hab keine Angst, sei neugierig, mutig und entdecke die Welt!‘“

Oma schnitt vorsichtig die Zacken in den Apfel, so dass ein wunderschöner Stern entstand.

„Siehst du, Ben, jetzt ist der Stern fertig. Und weißt du, was noch besonders ist? Im Inneren des Apfels verstecken sich kleine Kerne. Du möchtest sie immer entfernt haben, weil sie dir nicht schmecken. Aber diese Kerne sind die geheimen Schatztruhen des Apfelkönigs. In jedem Kern steckt nämlich ein winziges Apfelbäumchen, musst du wissen. Und das wartet nur darauf, groß und stark zu werden.“

„Echt?“, fragte er erneut. „Dann sind die Kerne wie kleine Zauberer, die neue Apfelbäume machen können!“

Oma nickte. „Ganz genau. Und wenn du einmal einen Kern einpflanzt, wächst daraus vielleicht ein Baum, der selbst einen Apfelkönig mit einem Stern trägt. Aber jetzt darfst du dir den Apfel schmecken lassen. So ganz ohne Kerne, aber mit ganz viel Glück vom Apfelkönig persönlich nur für dich.“

Ben überlegte und fragte dann ganz ernst: „Oma, was passiert, wenn ich aus Versehen einen Kern mitesse? Wächst dann ein Apfelbaum aus meinem Po?“

Oma musste so sehr lachen, dass ihr fast das Messer aus der Hand fiel. „Nein, mein Schatz, da brauchst du keine Angst zu haben. In deinem Bauch ist es viel zu dunkel und zu eng für einen Apfelbaum. Die Kerne reisen einfach durch dich hindurch. Sie wachsen viel lieber draußen in der Sonne an einem schönen Platz und lassen ihre Wurzeln tief in die Erde wachsen. Aber wenn du möchtest, können wir im Frühling gemeinsam einen Kern in die Erde legen – draußen im Garten, da wo die Sonne scheint.“

„Oh ja, das machen wir“, freute sich Ben und biss den ersten Zacken aus der Krone des Apfelsterns.

© Martina Pfannenschmidt, 2026


4 Kommentare:

  1. Liebe Martina, so eine schöne Apfelgeschichte, vielen Dank. Ich selbst habe auch schon so viele Apfelgeschichten geschrieben - eine Mijon sind es "noch" nicht, aber immer wieder darf er Gegenstand unserer Geschichten sein, nicht wahr?

    Herzliche Grüße am Samastag, ich feiere heute Linus' dritten Geburtstag!
    Regina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Irre! Ist der auch schon drei?! Da ist man noch aufgeregt bei einem Geburtstag.
      Unsere älteste Enkeltochter erinnerte sich letztens an ihre 'andere' Oma. Sie war Erzieherin und hat früher immer für unsere Kinder die Äpfel so geschnitten. - Das war der Start oder die Vorlage für diese Apfelgeschichte. - Es war vielleicht meine zweite oder dritte - von einer Mijon bin ich auch noch weit entfernt. ;-)
      Danke dir und eine schöne Feier wünsche ich euch!
      Martina

      Löschen
  2. ich erinnere mich auch schon Äpfel so geschnitten zu haben..
    es ist lange her ..
    eine schöne Geschichte
    LG
    Rosi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kinder lieben es, wenn man ihnen die Äpfel auf diese Weise schneidet - und solltest du es mal wieder tun, erzähl ihnen doch die Geschichte vom Apfelkönig. ;-)

      Löschen