Als die Schulglocke läutete, war Joschua voller Vorfreude. Zum einen, weil zwei freie Tage vor ihm lagen, zum anderen, weil er wusste, dass zuhause eine Elfe auf ihn wartete. So schnell können sich Gefühle verändern. Vor ein paar Tagen noch schien es ihm unmöglich, daran zu glauben, dass es Elfen gibt. Und nun … wie gut, dass seine Mutter die Elfentür gekauft hatte.
Zuhause, in seinem
Zimmer, sah er sich um. War sie wieder gegangen, die kleine Elfe? Traurigkeit
überkam ihn. Es wäre einfach schön, wenn immer jemand da wäre, dann müsste er
sich nicht so oft allein fühlen und er ahnte, dass Anela eine große Weisheit in
sich trug. Vielleicht würde er eines Tages von ihrer Weisheit profitieren und
ein weiser Erwachsener werden. Momentan war das zwar noch unglaublich weit
entfernt, aber irgendwie erschien es ihm durchaus erstrebenswert, weise zu
werden.
Die Elfe hatte
gesagt, dass es die Erwachsenen nicht besser gewusst hatten. Das bedeutete,
dass sie unabsichtlich Fehler weitergaben, weil ihre Eltern es auch nicht
besser gewusst hatten. Da wäre es einfach gut, wenn dieser Kreislauf
durchbrochen würde. Wenn falsches Wissen nicht von Generation zu Generation
weitergegeben würde. Doch war das nicht ein zu großer Plan für einen Jungen,
wie ihn? Aber was, wenn nicht? Was, wenn er dazu beitragen könnte, mehr
Wahrheit und Weisheit in diese Welt zu bringen? Was wäre, wenn er mutig sein
könnte, wenn er neue Gedanken in diese Welt bringen könnte?
„Ziemlich viele
kluge Gedanken, die du da pflegst!“
Joschua grinste
breit. Sie war nicht weg. Sie war noch da. Anela, seine kleine Elfe.
„Findest du?“
„Ja, das finde
ich. Jugendliche in deinem Alter beschäftigen sich mit anderen Dingen. Die
Jungs am liebsten mit Fußball oder Online-Spielen. Das weißt du besser als ich.
Und ich weiß auch, dass du dich anpasst, um Freunde zu haben, doch du fühlst
etwas anderes, nicht wahr?“
Der Junge schwieg
nachdenklich.
„Wenn ich ehrlich
bin, macht es mir mehr Freude, mit dir zu reden. Du bist so klug und weißt so
viel und ich kann von dir lernen. Andere Dinge. Nicht die, die ich in der
Schule lernen kann. Ich höre dir gerne zu. Ist das falsch?“
„Nein, das ist
keineswegs falsch. DU bist keineswegs falsch. Nur – und das weißt du -, ist der
Weg gegen den Strom nicht einfach zu gehen. Wenn man anders ist als all die
anderen, fällt man auf und das ist etwas, was du noch nicht möchtest, oder? Du
möchtest lieber unter dem Radar bleiben, wie ihr Menschen zu sagen pflegt. Du
möchtest noch nicht, dass man sieht und bemerkt, dass du anders bist. Das ist
völlig okay! Dennoch ist es so. Du bist anders und das ist gut und richtig so.“
„Anela?!
„Ja!“
„Wärst du auch zu
mir zurückgekommen, wenn meine Mutter nicht zufällig diese Tür entdeckt hätte?“
Die Elfe
schmunzelte. „Ja, ja, diese Zufälle. Schau dir das Wort einmal genauer an, Josch,
dann erkennst du, dass dir bzw. deiner Mutter in dem Moment etwas zugefallen
ist. Das steckt dahinter. Aber von wo ist es deiner Mutter zugefallen? Wer hat
sie ermuntert, die Tür zu kaufen, damit ich einen Weg zu dir bekomme? Wer hat
dafür gesorgt, dass ihr diese Wichteltür ins Auge fiel? Was denkst du?“
„Keine Ahnung!“
„Das macht nichts,
Josch! Eines Tages wirst du es wissen – oder ich werde es dich wissen lassen.
Aber nicht heute, heute werden wir einfach nur beisammen sein und du erzählst
mir mehr von dir und deinem Leben. Okay?“
„Voll okay!“
Fortsetzung folgt
Ja, das ist so ene Sache, mit den Dingen, die einem "zufallen" - tolle Geschichte und spannend geht es weiter.
AntwortenLöschenEinen schönen Tag dir, ich bin heute bei meiner Enkelin, die Klassenlehrerin ist erkrankt.
Liebe Grüße
Regina
Oh ja, es sind so viele krank. - Ich komme heute auch erst jetzt am späten Nachmittag dazu, deine Geschichte zu lesen. - Ich freue mich schon darauf und ebenso darüber, dass du mir wieder einen Kommentar hinterlassen hast. Dankeschön!!! Martina
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