Joschua schaute noch etwas verschlafen drein, als er am Sonntagmorgen die Küche betrat.
Seine Eltern saßen
bereits am Frühstückstisch, den seine Mutter sehr liebevoll gedeckt hatte. Die
erste Kerze, die auf dem Adventskranz brannte, verbreitete eine heimelige
Stimmung und die Köstlichkeiten auf dem Tisch dufteten herrlich.
Es gab sogar Lachs
und Rührei. Beides liebte er sehr und sogar Croissants und Saft entdeckte er
und in zwei Gläsern perlte Sekt.
„Gibt es was zu
Feiern?“, fragte er. Ein solches Frühstück war nicht die Regel.
„Heute ist der 1.
Advent. Das ist für mich Grund genug für ein leckeres Frühstück.“
Papa biss
genussvoll in sein Brötchen und nuschelte mit vollem Mund: „Setz dich Junge!
Willst du auch einen Sekt?“
Endlich! Sein
Vater hatte es erkannt. Er war kein kleiner Junge mehr. Er war jetzt in einem
Alter, in dem er auch mal ein Glas Sekt trinken durfte.
Das Strahlen in
seinen Augen verging allerdings rasch, als seine Mutter seinem Vater einen
bitterbösen Blick zuwarf: „Versuch es in vier Jahren noch mal!“, sagte sie und
goss stattdessen Orangensaft ins Glas.
Mütter halt! Da
kannste nix machen.
In dem Moment
ahnte Joschua noch nicht, dass es für ihn noch schlimmer kommen würde.
„Hast du ihn schon
entdeckt?“
Und dann sah er
ihn. Der absolute Tiefpunkt dieses Tages hing an der Wand ihm gegenüber. Was
hatte sich seine Mutter nur dabei gedacht?
Er hatte diese Worte
gar nicht ausgesprochen, doch es war, als hätte sie sie erahnt.
„Ich dachte, du
freust dich über den Adventskalender“, sagte sie und eine leichte Enttäuschung schwang
in diesen Worten mit. „Ich habe auch den mit deiner Lieblingsschokolade gekauft.
Aber du weißt ja, dass du ihn erst morgen, am 1. Dezember, öffnen darfst.“
Sollte er seiner Mama
die Wahrheit sagen? Musste er ihr tatsächlich erklären, dass ein Junge mit 12,
fast 13 Jahren, so einiges gebrauchen konnte, aber ganz gewiss keinen
Adventskalender. Das durften seine Kumpels niemals erfahren. Aber gut, er hing
in der Küche und die Schokolade war ja wirklich nicht schlecht. Seine Mutter
hatte es sicher gut gemeint. Deshalb entschied er, zu schweigen, nickte nur
kurz und murmelte ein leises „Danke“.
Anschließend
bediente er sich und ließ sich all die Leckereien schmecken.
„Schon
erstaunlich“, meinte sein Vater nach einer Weile, „was in so einen Jungen an
Essen passt.“
Sie sprachen noch
über dies und das, als Papa ein heikles Thema ansprach: „Mama hat mir erzählt,
dass ihr gestern eine Wichteltür in deinem Zimmer aufgestellt habt.“
War das nun
Schadenfreude oder Mitleid, das in seinen Worten mitschwang?
Joschua wusste es
nicht so genau, doch der Blick seines Vaters verriet ihm, dass dieser ahnte,
wie sich ein Junge in Joschuas Alter fühlt, der von seiner Mutter einen
Adventskalender geschenkt bekommt und eine Wichteltür für sein Zimmer.
Fortsetzung folgt
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