Samstag, 29. November 2025

Adventskalendergeschichte - Samstag, 29. November

 „Hi, Ma!“

„Hi, Josch!“

„Hast du Äpfel mitgebracht?“

„Na klar doch, deine Lieblingssorte, und schau“, Lena lenkte den Blick ihres Sohnes auf den Adventskranz, den sie auf dem Heimweg vom Einkaufen noch schnell beim Blumenhändler ergattert hatte, „den habe ich uns auch gekauft, weil ich in diesem Jahr einfach keine Zeit gefunden habe, selbst einen zu binden.“

„Ach ja, stimmt, morgen ist ja schon der 1. Advent …“.

„Ich habe noch was mitgebracht. Es ist eine so schöne Tradition in Skandinavien. Als ich das Set sah, musste ich es einfach kaufen.“

„Was soll das sein?“

„Eine Wichteltür! Du kennst keine Wichteltür? Na, da bin ich aber froh, dass ich sie gekauft habe und sieh nur, diese kleine Leiter, den Mini-Briefkasten, einen Teppich und einen Weihnachtsbaum samt Lichterkette. Ist das nicht einfach bezaubernd?“

Na ja, bezaubernd?! Der Junge wollte seine Mutter nicht enttäuschen, aber was um alles in der Welt sollte der Sinn hinter all dem sein? Wozu brauchte es eine Wichteltür?

Lena kannte ihren Sohn nur zu gut und sah an seinem Gesichtsausdruck, dass er ihre Begeisterung nicht teilte.

„Weißt du, in den skandinavischen Ländern erzählt man sich, dass in der Adventszeit kleine Wichtel, Elfen oder Feen diese Türen nutzen, um aus ihrer für uns unsichtbaren Welt in die Welt der Menschen einzutreten, um ihnen Glück zu bringen.“

„Wär’s glaubt“, entfuhr es Joschua und sofort tat es ihm leid. Er wollte die Euphorie seiner Mutter keineswegs dämpfen.

„Ich finde, diese Tür hat durchaus etwas Magisches und wenn dir die Fantasie fehlt, um dir vorzustellen, wie ein Wichtel oder eine zauberhafte kleine Elfe nachts heimlich und leise durch diese Tür in unser Haus tritt, habe ich wohl versäumt, dir die Augen für die Welt der Fantasie zu öffnen.“

„Mama, ich bin schon zu alt für so einen Quatsch!“

„Du bist gerade mal 12 und willst mir erzählen, dass du zu alt bist, um dir vorzustellen, dass es eine Welt der Wichtel, Elfen und Feen gibt? Vielleicht sind sie sogar echter als so mancher Follower im Internet.“

Joschua verdrehte kurz die Augen, aber so, dass es seine Mutter nicht sehen konnte, und außerdem wurde er bald 13. Müsste seine Mutter eigentlich wissen.

„Ich dachte, wir stellen das alles auf die Fußleiste in deinem Zimmer“, fuhr sie fort, „vorausgesetzt, wir finden ein kleines Fleckchen, wo es möglich ist, diese winzigen Utensilien aufzubauen.“

Bevor seine Mutter auf die Idee kam, ihn darauf hinzuweisen, dass er sein Zimmer auch mal wieder aufräumen könnte, schnappte er sich rasch einen Apfel aus der Obstschale, drehte sich auf dem Absatz um und verließ die Küche, um in seinem sicheren Reich zu verschwinden.

„Meinetwegen“ murmelte er noch – und als seine Mutter ihn nicht mehr hören konnte, fügte er hinzu: „Wenn’s dich glücklich macht!“

 

Fortsetzung folgt

 

 


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