Herbstzeit = Kürbiszeit!
Ich mag sie, wenn sie leuchtend orange auf den Feldern liegen, aber ich mag
sie nicht als Suppe und auch nicht eingelegt. 😉 – Doch nun dachte ich mir: dafür kann der Kürbis ja nichts und deshalb widme
ich ihm heute eine eigene kleine Geschichte. – Ich wünsche euch viel Freude
beim Lesen!
Es war einmal ein Kürbis namens Pumpi, der am Rande eines
sonnen-beschienenen Feldes wuchs.
Während seine Brüder und Schwestern dick und rund wurden und stolz ihre
leuchtend orangefarbene Schale in die Herbstsonne streckten, blieb Pumpi klein und
behielt eine grüne Stelle auf seiner ansonsten goldgelben Schale.
„Aus dir wird nie ein echter Prachtkürbis“, spottete die dicke Berta, die
drei Ranken weiter lag. Sie hatte bereits jetzt das stattliche Gewicht einer großen
Wassermelone. „Wenn der Bauer im Oktober kommt, um die Ernte für das große
Herbstfest einzufahren“, prophezeite sie, „wird er dich einfach auf dem Feld
verrotten lassen.“
Die Worte trafen Pumpi hart und er seufzte leise, als seine rauen Blätter
im Wind raschelten.
Er wollte doch auch so gerne den Menschen eine Freude machen. Er stellte
sich vor, wie er als funkelnde Laterne vor einer Haustür stand oder als
wärmende, cremige Suppe eine Familie glücklich machen würde. Doch stattdessen
schien sein Schicksal als Sonderling des Feldes besiegelt zu sein.
Und so wurden die Nächte merklich kühler und
eines Tages im goldenen Oktober war es schließlich so weit. Der alte Traktor
näherte sich dem Feld und kündigte unüberhörbar die Ernte an. Der Bauer und
seine Enkelin Paula, ein Mädchen mit wilden Locken und roten Gummistiefeln, sprangen
behände vom Traktor herunter.
Mit großen Messern trennten sie einen Kürbis nach dem anderen ab. Berta
wurde vom Bauern mit Wucht auf den Anhänger gehoben. Als sich Pumpi Schritte
näherten, hielt er den Atem an. Es waren die Schritte von Paula, die nun direkt
vor ihm stehen blieb. Sie bückte sich, betrachtete seine knubbelige Form und
strich mit dem Daumen über den grünen Fleck.
„Schau mal, Opa!“, rief Paula und hob Pumpi behutsam an. „Der hier ist
perfekt. Er passt genau in meine Hände.“
Pumpis Herz machte einen freudigen Sprung. Er wurde nicht lieblos auf den
großen Anhänger zu den anderen geworfen, sondern durfte vorne im Führerhaus des
Traktors auf Paulas Schoß mitfahren.
Auf dem Hof des Bauernhofs herrschte geschäftiges Treiben. Die Menschen
trugen dicke Wollpullover, während sie zahlreiche Stände aufbauten und der Duft
von frischem Apfelkuchen und Zimt in der Luft lag.
Paula brachte Pumpi zu einem kleinen Holztisch und kam kurze Zeit später
mit einem Löffel, einem Messer und einer kleinen Kerze wieder aus dem Haus.
Pumpi hielt ein wenig die Luft an, weil er sich vor dem Messer fürchtete,
doch bald merkte er, dass seine Angst unbegründet war, denn nachdem Paula einen
sauberen Deckel abgetrennt und ihn behutsam mit dem Löffel ausgehöhlt hatte,
fühlte er sich innerlich so leicht wie noch nie zuvor. Paula versprach sogar,
während sie seine Kerne zur Seite legte, diese im nächsten Frühjahr in die Erde
zu legen. Anschließend schnitzte sie mit viel Geschick kleine Sterne in seine
Schale und aus dem grünen Fleck wurde ein wunderschöner runder Mond.
Als die Dämmerung hereinbrach, trug Paula Pumpi zum Eingang des Hofes. Sie
stellte ihn dort auf einen alten Holzstamm, zündete die Kerze in seinem Inneren
an und setzte den Deckel wieder auf.
In diesem Moment geschah das Wunder. Das warme, goldene Licht der Kerze
schien durch Pumpis sternenförmige Öffnungen und warf ein wunderschönes Muster
auf den Asphalt.
„Oh, sieh mal, wie wunderschön!“, sagten die Besucher des Hoffestes und die
Kinder zeigten mit ihren kleinen Fingern auf ihn und staunten über das
Sternenmeer, das Pumpi in die Dunkelheit zauberte.
Er war nicht der größte Kürbis geworden, nicht der schönste und auch nicht
der schwerste, aber er war in diesem Moment der glücklichste, weil er erkannte,
dass man nicht perfekt sein muss oder den Erwartungen anderer entsprechen muss,
um einzigartig und wertvoll zu sein, denn oft sind es die vermeintlichen
Fehler, die uns zu etwas ganz Besonderem machen.
Martina Pfannenschmidt, 2026
Diese Geschichte nimmt an Elkes froher und kreativer Linkparty teil.
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