Freitag, 20. März 2026

Negative Glaubenssätze (Nachgedacht)

In meinem letzten (bzw. ersten) Postbeitrag der Kategorie ‚Nachgedacht‘ habe ich darüber gesprochen, dass wir alle ‚Geschichtenerzähler‘ sind und dass wir vieles denken, was uns nicht wirklich guttut.

Dazu gehören auch sogenannte ‚Negative Glaubenssätze‘, über die ich heute nachdenken möchte. Auch sie haben eine große Auswirkung auf uns, ohne dass wir uns dessen im ersten Moment bewusst sind. Und doch bestimmen sie vielleicht, welchen Weg wir einschlagen und wie wir die Welt sehen.

Die meisten dieser Sätze hören wir in der frühen Kindheit - durch die Erziehung und das direkte Umfeld. Als Kinder haben wir die Aussagen unserer Bezugspersonen oft ungefiltert und als absolute Wahrheit angenommen bzw. übernommen.

Viele dieser Sätze stammen aus der Zeit, in der Disziplin, Gehorsam, Schmerztoleranz und produktive Leistung im Vordergrund standen.

Ich komme heute auf dieses Thema, weil mir in einer Fernsehsendung vor ein paar Tagen der Satz ‚Wer schön sein will muss leiden‘, auffiel. Die Hauptdarstellerin antwortete daraufhin: „Ich will aber schön sein, ohne vorher leiden zu müssen.“

Neben „Wer schön sein will, muss leiden“, gibt es viele weitere Klassiker, die oft unbewusst unser Handeln steuern. Drei davon möchte ich mir gerne näher ansehen, denn wenn wir diesen Sätzen Glauben schenken, kann das wahrlich große Auswirkungen auf uns und unsere psychische Gesundheit haben. Deshalb möchte ich sie gerne näher beleuchten:

„Ohne Fleiß kein Preis“

Das liegt auf der Hand: Wir denken, nur dann erfolgreich sein zu können, wenn wir uns diesen Erfolg hart erarbeiten bzw. dass ein Erfolg nur mit größter Anstrengung erreichbar ist. Wenn wir das wirklich verinnerlichen, werden wir Erfolge, die uns leichtgefallen sind, gar nicht genießen, anerkennen oder wertschätzen können. (Das war zu einfach, das zählt nicht.) Und das führt uns in einen Teufelskreis aus ständiger Überarbeitung. Ruhepausen haben wir uns nicht verdient, wenn wir auf der ‚Erfolgsspur‘ unterwegs sind. – Dieses Denken kann fatale Auswirkungen auf uns und unsere Gesundheit haben!

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“

Diesen Satz kenne ich noch aus meiner Kindheit. Ich selbst habe ihn zwar nicht gehört, aber viele Jungs in meinem Alter. Männern sagt man oft nach, dass sie Emotionen nicht zeigen können. Kein Wunder, wenn sie als Kind diesen Satz gehört haben. Sie hören nicht mehr auf ihre eigenen Grenzen, suchen sich bei Erschöpfungsanzeichen keine Hilfe, denn schließlich wollen sie tapfer und ein Indianer sein. Irgendwann könnte der Körper so laut rufen, dass ignorieren nicht mehr möglich ist. – Und dass dieser kleine Satz etwas damit zu tun haben könnte, kommt uns vielleicht gar nicht in den Sinn.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“

Den Satz finde ich auch schlimm, da er uns ausbremst. Er raubt den Menschen im Erwachsenenalter den Mut, Neues zu beginnen oder sich beruflich umzuorientieren. Man fühlt sich zu alt für Veränderungen und verharrt vielleicht in unglücklichen Situationen. Man glaubt, dass das ‚Zeitfenster‘, in dem man neu beginnt oder etwas Neues lernt, bereits geschlossen ist.

Doch wenn es negative Glaubenssätze gibt, muss es zwangsläufig auf der anderen Seite der Medaille ‚positive Glaubenssätze‘ geben. Und die finden wir, indem wir die negativen Sätze umformulieren. Das setzt aber voraus, dass wir uns diese Sätze, die in uns wirken, mal bewusst machen.

So könnten wir den Satz ‚Ohne Fleiß keinen Preis‘ zum Beispiel mit ‚Erfolg darf leichtgehen und Freude machen‘ umändern. – So erlaubst du dir, effizient‘ statt ‚hart‘ zu arbeiten. Das senkt u. a. dein Stresslevel, steigert aber auch deine Kreativität und lässt dich einfach erreichte Erfolge genießen – ganz ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Das Gegenstück zu ‚Ein Indianer kennt keinen Schmerz‘ könnte ‚Ich achte meine Gefühle und setze achtsam Grenzen‘ lauten. Ich glaube, es ist ganz wichtig für uns und unser System, dass wir auf unseren Körper hören. Gerade dann, wenn er Schmerz oder Erschöpfung signalisiert, ist es wichtig, dass wir es wahrnehmen, dem ganzen Raum geben und emphatisch mit uns selbst umgehen.

‚Ich lerne und wachse mein ganzes Leben lang‘ könnte das Gegenstück zu ‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr‘ sein. So bleibt man – oder erlaubt es sich – auch im Alter geistig und körperlich beweglich (zu sein) und so traut man sich auch im Alter noch zu, neue Projekte zu beginnen.

Das Wichtigste ist in meinen Augen – oder es ist meine Überzeugung -, dass wir unsere getönte Brille absetzen und hinschauen müssen oder sollten, damit nicht unterbewusst Dinge ablaufen, die uns wahrlich nicht guttun.

(c) Martina Pfannenschmidt, 2026

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