Montag, 5. Januar 2026

Lachsröllchen mit Dill-Sahne

Annemarie und Gertrud waren seit Schulzeiten beste Freundinnen und zusammen hatten sie schon so viel erlebt. Sie hatten gemeinsam gelacht, aber auch geweint und die erste Liebe und die großen Abenteuer, die das Leben ihnen geboten hatte, miteinander geteilt.

Früher hatten sie immer zu viert Silvester gefeiert. Mal bei dem einen Paar, mal bei dem anderen. Inzwischen waren ihre Männer leider verstorben, doch die beiden lebenslustigen Frauen trafen sich nach wie vor häufig – und in jedem Fall auch am Silvesterabend.

Auch wenn sie jetzt zu zweit feierten, taten sie es mit Stil, Genuss und einer großen Prise Selbstironie.

Und so stand Anneliese am Silvesterabend mit einem Korb voller Köstlichkeiten vor Gertruds Tür. Das Wohnzimmer war festlich geschmückt, Kerzen flackerten und aus dem Radio dudelten leise Evergreens. Der Esstisch bog sich förmlich unter dem, was die beiden Frauen vorbereitet hatten: Es gab feine Lachsröllchen mit Dill-Sahne, einen bunten Wintersalat mit Granatapfelkernen, selbstgemachte Käse-Blätterteig-Schnecken und ein kräftiges Rinderfilet in Burgundersoße mit Rosmarinkartoffeln. Zum Nachtisch hatte Gertrud ihre berühmte Mousse au Chocolat gezaubert – „mit einem Schuss Amaretto, versteht sich!“

Zum Essen tranken sie einen halbtrockenen Riesling, der in den passenden Gläsern herrlich funkelte. Zwischendurch genehmigten sie sich ein kleines Gläschen Eierlikör – „für die Verdauung“, wie Annemarie grinsend meinte.

Um Mitternacht traten beide auf den Balkon und stießen mit prickelndem Sekt auf das Leben, die Freundschaft und ihre ungebrochene Lebenslust an. „Auf unsere Männer!“, sagte Gertrud und hob das Glas. „Und auf uns!“, ergänzte Annemarie, und beide wussten, wie wertvoll gemeinsam erlebte Momente sind.

Zurück am Tisch wurde das Lachen immer lauter und mit jedem weiteren Glas Wein und jedem Eierlikörchen rückten die guten Vorsätze für das neue Jahr immer näher.

Irgendwann, als die dritte Weinflasche fast geschafft war, seufzte Annemarie und zupfte am Bund ihrer Hose. „Sag mal, kneift dein Hosenbund auch so?“

„Ich glaube, das liegt am Rinderfilet“, meinte Gertrud lachend und nach einer kurzen Beratung beschlossen beide, dass im neuen Jahr alles anders werden musste. Sie bräuchten mehr Bewegung, mehr Sport, und eindeutig weniger Sahnesoße.

„Wir könnten uns in der kommenden Woche im Internet-Café treffen und nach Laufbändern schauen und nach den Preisen von Fitnessstudios“, schlug Gertrud vor.

„Das ist eine gute Idee und hübsche Sportklamotten brauchen wir natürlich auch!“, entgegnete Anneliese ein wenig zu laut.

Gertrud hob den Daumen: „Abgemacht!“

Und so saßen sie ein paar Tage später bei einem Cappuccino und googelten nach ‚günstigen Laufbändern‘ und staunten über die Preise in den Fitness-Studios und so entschieden sie, sich zunächst in den Geschäften nach Sportmode umzuschauen.

Es dauerte nicht lange und die beiden standen in knallbunten und knallengen Leggings mit glitzernden Turnschuhen und elastischen Stirnbändern vor dem großen Spiegel eines Kaufhauses.

„Das Pink steht dir ausgezeichnet!“, kicherte Gertrud.

„Und du mit den Streifen – fast wie in den Achtzigern!“, konterte Annemarie.

Sie drehten sich vor dem Spiel und brachen beide in schallendes Gelächter aus.

„Also ehrlich, Sport ist vielleicht doch nichts für uns“, erkannte Gertrud und Anneliese meinte lachend: „Ich finde, wir sehen aus wie zwei Flamingos auf Koks! – Weißt du was, wir sollten lieber ins Café gehen und uns ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gönnen. Was meinst du?“

Gertrud stimmte umgehend zu und so ließen sie die Sportmode links liegen und saßen ein paar Minuten später vor einem großen Stück Torte.

„Weißt du was?“, sagte Gertrud mit einem zufriedenen Seufzer, „mit zwanzig hatten wir die Figuren und den Ehrgeiz. Jetzt haben wir die Erfahrung und das Wissen, wie man das Leben genießt.“

Annemarie prostete ihrer Freundin mit ihrer Kaffeetasse zu und beide erkannten, dass sportlicher Ehrgeiz zwar schön, aber gemeinsames Lachen und Genießen noch viel besser sind.

Als sie sich später voneinander verabschiedeten meinte Anneliese scherzhaft: „Lass uns nochmal gut überlegen, ob Yoga vielleicht etwas für uns wäre.“

Gertrud kicherte: „Oder Zumba!“

Die beiden zwinkerten sich zu, umarmten sich herzlich und wussten, dass wahre Freundschaft und Humor das beste Rezept sind - ganz egal, was die Waage oder der Hosenbund sagen.

 

© Martina Pfannenschmidt, 2026







6 Kommentare:

  1. Liebe Martina, neue Sportoutfits lege ich mir auch nicht mehr zu, ich bin zu Gummizug im Hosenbund übergegangen und wenn mich dann doch mal das Gefühl überkommt, ich müsste mich sportlich betätigen, dann gehe ich spazieren. :)
    Liebe Grüße
    Regina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das machst du auf jeden Fall genau richtig, liebe Regina!
      Diese Hosen mit Gummizug sind eine echt tolle Erfindung! ;-)

      Löschen
  2. Hihi, Hosen mit Gummizug nähte ich viele Jahre für meinen Neffen. Auch als es in seiner Größe längst keine mehr zu kaufen gab. Er nannte sie Schiebehose und es hätte bestimmt so manches "Malör" gegeben, wenn es mal eilig auf dem Clo zuging.
    Viele liebe Grüße von einer stillen Leserin und herzlichen Dank für die schönen Geschichten und Denkanstöße.
    Heide

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Heide, ich freue mich wirklich sehr, dass du einen Kommentar hinterlassen hast. - Ich kann zwar anhand der Besucherzahlen sehen, dass meine Geschichten gelesen werden, aber ich weiß halt nicht, von wem. Deshalb freue ich mich sehr über deinen Kommentar - so bekommt eine 'Besucherzahl' einen Namen. ;-)
      Dankeschön!
      Martina

      Löschen
  3. hihi.. meine Hose kneift im Moment.. aber es kommt ja bald wieder Gartenzeit ;)
    schade.. so eine beste Freundin habe ich leider nicht..aber dafür doch einige gute Bekannte und meine Frauen von der Frauengruppe mit denen ich viel unternehmen kann liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir geht es ähnlich - bezogen auf die Freundin. Ich hatte mal lange eine gute Freundin zu Schulzeiten, dann kamen die 'Männer' und wir verzogen beide. Kontakt haben wir zwar bis heute noch, aber es ist nicht mehr so, wie früher mal und neue Freundschaften gingen in letzter Zeit auch 'den Bach runter'. Bekannte sind ebenfalls einige da, aber so eine richtig gute Freundin hat schon was! Liebe Grüße zurück! Martina

      Löschen